Opfermythos

Papst Franziskus, ein Sympathisant der »palästinensischen« Terrororganisation PLO und Oberhaupt der katholischen Kirche, hat der spanischen Zeitung El Pais ein Interview gewährt, in dem er sich auch zur Popularität sogenannter populistischer Bewegungen äußert und dabei, wie etwa die Deutsche Welle zusammenfaßt, »Parallelen zum Aufstieg Adolf Hitlers vor 1933« gezogen:

»Hitler hat die Macht nicht an sich gerissen, er wurde von seinem Volk gewählt und hat sein Volk zerstört.« (»Hitler no robó el poder, fue votado por su pueblo, y después destruyó a su pueblo.«)

Nach solchen Aussagen wünschte man sich Journalisten, die nicht nur als Stichwortgeber fungieren, sondern nachfragen: Hat Adolf Hitler tatsächlich »sein Volk zerstört«? Oder brachten nicht er und es in trauter Einigkeit Unglück über weite Teile Europas und Nordafrikas? Deutsche und ihre Helfershelfer ermordeten sechs Millionen Juden, bereicherten sich noch an ihrer Mordlust.

Insgesamt überlebten nach verschiedenen Schätzungen 50 bis 70 Millionen Menschen den von Adolf Hitler angezettelten und von dessen Wählern geführten Krieg nicht, wurden ermordet oder fielen im Kampf gegen die deutsche Barbarei, der selbst nach dem Freitod ihres Führers noch mit Waffengewalt die bedingungslose Kapitulation abgerungen und aufgezwungen werden mußte.

Siebzig Jahre später gibt ein prosperierendes Deutschland den Ton an in Europa und strebt nach »Verantwortung« im Rest der Welt, wobei es sich ausdrücklich auch auf Lehren beruft, die es aus dem bislang letzten Weltkrieg gezogen haben will. »Sein Volk« hat so schamlos die Niederlage in einen moralischen Standortvorteil gewandelt – von Zerstörung breit und weit keine Spur.

Mit seiner Erklärung der Deutschen zu Opfern Adolf Hitlers, die einhergeht mit einer Verleugnung ihrer tatsächlichen Opfer, offenbart der Vatikan einmal mehr seine moralische Verkommenheit. Die Populisten, nicht selten kaum von Nazis zu unterscheiden, sind eine Herausforderung. Im Streit mit ihnen aber Millionen willige Vollstrecker zu Verführten zu erklären, zu Opfern, ist eine Frechheit.

Rätsel

Es fällt nicht leicht, eine Meinung über Donald J. Trump zu formulieren, die auch in zwölf Wochen noch oder in drei Jahren gilt. Zu widersprüchlich scheinen die Signale, die der wahlkämpfende, der gewählte und schließlich der vereidigte 45. Präsident der Vereinigten Staaten gab, gibt und wohl geben wird. Da betet ein renommierte Rabbiner für ihn, dort bejubeln ihn waschechte (Neo-)Nazis.

Dort wird vor einem aufziehenden Faschismus gewarnt, da werden durchaus bedenkenswert gar Parallelen zum Nationalsozialismus gezogen, während der israelische Premier es offenbar ganz besonders eilig hatte, dem noch nicht vereidigten »Freund« Glückwünsche zu übermitteln. Wessen Urteil ist begründet, wessen Einschätzung vorschnell, wessen Anmerkung ja vielleicht beides?

Gewiß ist Donald J. Trump kein Diplomat. Sein Reden ist »Klartext«, der verletzend ist, aggressiv und rassistisch, beleidigend, menschenverachtend und in vielerlei Hinsicht primitiv. Und doch möchte man vor vorschnellen Schlüssen warnen. Und: Geht es manchmal nicht doch eine Nummer kleiner? Dann jedoch wieder ist da eine Warnung, die Donald J. Trumps Beratungsresistenz belegt.

»America first« – das ist kein historisch unbelastetes Motto, sondern ein antisemitisches. Und wer es auch neun, zehn Monate nach einer entsprechenden Information noch nutzt, wird dies nicht mit Unwissen entschuldigen können. Wie blind kann man sein, ihm trotzdem ein herzliches Verhältnis zum Judentum nachzusagen? Ist auch vieles offen, gibt es doch wenig Grund, The Don zu trauen.

Noch ein »Missverständnis«

Als an diesem Dienstag die Richter des deutschen Verfassungsgerichts ihr abschließendes Urteil im Verbotsverfahren gegen die NPD verkündeten, geschah dem SPIEGEL, wie das Leitmedium später einräumte, ein »Missverständnis«: Lehnten die Richter in Karlsruhe ein Verbot der Partei ab, meldete das »deutsche Nachrichtenmagazin« Vollzug: »Bundesverfassungsgericht verbietet NPD«.

Wurde dieses »Missverständnis« bemerkt und ausgeräumt, ist es unwahrscheinlich, daß eine andere Falschmeldung dieser Woche überhaupt als solche wahrgenommen wird. Dabei steckt der erste von vielen Fehlern schon im ersten Satz: »Israel räumt ein Beduinendorf, um Platz zu machen für ein jüdisches«. Geht es um den jüdischen Staat, ist dem SPIEGEL selbst größter Unfug willkommen.

Aktuell also geht es Christoph Sydow um das »Beduinendorf« Umm al-Hiran, einen »kleinen Fleck am Rande der Negev-Wüste«, in dem zu leben schlicht menschenunwürdig ist. Die illegal errichtete Siedlung wurde daher auch bereits von einer Mehrheit ihrer ehemaligen Bevölkerung verlassen, die das Angebot des israelischen Staats, in Hura auf modernem Niveau zu leben, gern annahm.

Den Umzug in die nordöstlich von Beer Sheva gelegene Ortschaft förderte Israel mit zahlreichen Anreizen: So übernahm er nicht nur Umzugskosten, sondern überließ jedem Haushalt ein Stück Land zur freien Verfügung. Mit je mindestens 100.000 Shekel unterstützte der Staat den Bau von Häusern durch die Bewohner von Hura. Und selbst an polygam lebende Beduinen wurde gedacht.

Obschon Polygamie in Israel verboten ist, erhielt jeder Umsiedler für jede seiner Frauen Land. Nur eine Minderheit der in Umm al-Hiran Lebenden, Angehörige des Groß-Clans al-Qiyan, weigerte sich, den Ort zu verlassen und ignorierte auch das 2002 vom Obersten Gerichtshof erlassene Urteil, das dessen Illegalität bestätigte. Für Christoph Sydow sind diese Rechtsbrecher Helden.

Und für sie lügt er, behauptet er, sie sollten Platz machen für ein »jüdisches Dorf«. In der Tat soll Hiran neu entstehen. Und dieses neue Hiran wird als eine »Stadt für die breite Öffentlichkeit« geplant: »Jeder, der in Hiran leben will, kann dies im Rahmen der Gesetze tun«. Nachzulesen ist das in einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Israels, die die »NGO« Adalah bereitstellt.

Bei dieser vor allem aus Europa finanzierten »Nichtregierungsorganisation« handelt es sich um eine der aktivsten antiisraelischen Gruppierungen in Israel, die für sich beanspruchen, Menschenrechte zu schützen. Traurig, daß Christoph Sydows Behauptung nicht einmal von dieser »NGO« gestützt wird, die mit ihrem Support für die BDS-Bewegung doch gewiß über jeden Zweifel erhaben ist.

Bigotte Aufregung

Mit Äußerungen über eine »dämliche« deutsche »Bewältigungspolitik« und seiner Forderung nach einer »Erinnerungskultur, die uns vor allen Dingen und zu allererst mit den großartigen Leistungen der Altvorderen in Berührung bringt«, hat der vor allem in Thüringen aktive Politiker Björn Höcke für einige Aufregung gesorgt in Deutschland. Selbst Parteifreunde gehen öffentlich auf Distanz.

All die Empörung über Björn Höcke allerdings macht freilich erst recht deutlich, wie gering das gesellschaftliche oder mediale Echo ist, erklärt etwa ein deutsches Gericht einen Brandanschlag auf eine Synagoge zur legitimen Kritik an israelischer Politik oder leugnet eine Hochschulleitung im Namen »wissenschaftlicher Freiheit« per »Lehrmaterial« verbreiteten Antisemitismus.

Kürzlich fiel eine von einem renommierten Verlag betriebene Website, die sich an Schüler richtet und verspricht, »Schluss mit Halbwahrheiten« zu machen, durch eine sachlich falsche und darüber hinaus tendenziöse Darstellung Israels auf. Doch obschon es das Potential hatte, Millionen Schüler zu indoktrinieren, unterblieb ein breiter Protest gegen dieses »Muss für deine Referate«.

Breites Schweigen begleitet derzeit auch den Umgang des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung im ostdeutschen Halle mit Protesten gegen Auftritte des »umstrittenen« Norman Finkelstein. Dem Gast aus den USA wird vorgeworfen, islamistische Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah zu unterstützen und mit zahlreichen Äußerungen die Shoah zu relativieren.

In ihrer »Stellungnahme zur Einladung von Dr. Norman Finkelstein« verleugnen dessen deutsche Gastgeber nicht nur jeden Antisemitismus, sondern inszenieren sich als Retter wissenschaftlicher Freiheit. »Die Kontroverse ist ein Wesenszug akademischer Arbeit«, und es sei »daher auch eine unserer Aufgaben«, Nachwuchswissenschaftler »an den akademischen Diskurs heranzuführen«.

Verharmlosung gegen Verharmloser: Berliner Boulevard-Antifa

So begrüßenswert der Protest gegen Björn Höcke daher auch sein mag, so entlarvend ist er doch gleichzeitig. Mit ihm stellt eine bigotte Gesellschaft sich bloß, die sonst nur allzu oft die Augen verschließt, wo Empörung angebracht wäre. Schön, daß sie »ihr« Mahnmal so lautstark verteidigt. Noch besser wäre es, setzte sie sich mit ähnlicher Entschlossenheit für noch lebende Juden ein.

Ritual

Während der jüngste Ausbruch der Energiekrise in Gaza erneut eindrucksvoll gezeigt hat, daß Fatah und Hamas zu keiner sinnvollen Zusammenarbeit bereit und fähig sind, kamen in Moskau Vertreter beider Organisationen zusammen, um über eine »Aussöhnung« zu beraten. Noch immer nämlich glaubt man auf internationaler Ebene, die »Palästinenser« seien bei ihnen in guten Händen.

Und selbstverständlich endeten auch diese Gespräche mit vielen Versprechen, die die russischen Gastgeber als Erfolg für sich beanspruchen dürften: Innerhalb von 48 Stunden soll »Präsident« Abu Mazen mit der Vorbereitung von Gesprächen über eine »Einheitsregierung« beauftragt werden, die auch über die Autorität verfügt, in Gaza zu bestimmen; einmal mehr werden Wahlen angekündigt.

Die neueste »Versöhnung« ist eine von vielen, die es bereits gegeben hat. In der Tat begann auch die amtierende »Regierung« unter der Führung Rami Hamdallahs als eine der »Einheit«, der die Hamas freilich jede Kooperation verweigerte. Im vergangenen Mai beispielsweise untersagten die Islamisten einer Delegation des »Bildungsministeriums« in Ramallah den Zutritt zu einer Schule.

Folgenreicher noch war eine »Aussöhnung«, mit der Hamas und »Palästinenserpräsident« Abu Mazen im Frühjahr 2014 überraschten. Mit der Ankündigung einer Wiederannäherung beendete der Despot von Ramallah mit Israel laufende Friedensgespräche, die seither auf Eis liegen. Und die durch die »Versöhnung« aufgewertete Hamas stürzte Gaza in einen opferreichen Krieg mit Israel.

International war diese »Aussöhnung« breit begrüßt worden, selbst Washington, das ursprünglich noch betont hatte, es sei »schwer vorstellbar, von Israel zu verlangen, mit einer Regierung zu verhandeln, die sein Existenzrecht bestreitet«, schloß sich später den Glückwünschen an Ramallah an, von denen vielleicht der aus Europa rückblickend noch den größten Unterhaltungswert bietet.

»Der Prozeß der palästinensischen Aussöhnung«, erklärte Catherine Ashton, die damalige Hohe Außenbeauftragte der EU, seinerzeit ernsthaft, »ist von vielen Herausforderungen gekennzeichnet, aber er schafft auch neue Perspektiven für den Friedensprozeß, für demokratische Erneuerung und für die Menschen in Gaza wie in der Westbank«. 2017 wird es endlich klappen. Ganz bestimmt.

Unterwerfung

Am 19. Dezember des vergangenen Jahres ermordete ein islamistischer Attentäter bei einem mit einem LKW ausgeführten Anschlag 12 Besucher eines Weihnachtsmarkts in Berlin und verletzte beinahe fünf Dutzend weitere Opfer. Nach dem Blutbad, zu dem sich die Daesh bekennen sollten, herrschte große Einigkeit darüber, daß »sie« »uns« damit nichts anhaben würden können.

Und wer auf die Idee gekommen wäre, Verständnis für die Motive des Attentäters und seiner Hintermänner zu fordern, gar ein Entgegenkommen, der hätte dafür wohl nicht nur einen Shitstorm über sich ergehen lassen müssen. Wer geäußert hätte, »sie« würden sich durch Weihnachtsmärkte natürlich provoziert fühlen, die man daher besser unterlassen hätte, wäre geächtet worden.

Wenn im März der von einem kleinen Kreis um Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgesuchte SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier zum nächsten deutschen Bundespräsidenten »gewählt« werden wird, könnte sich das allerdings schnell ändern. Davon nämlich, zivilisatorische Errungenschaften gegen Terroristen zu verteidigen, hält das künftige deutsche Staatsoberhaupt – praktisch nichts.

Das machte Frank-Walter Steinmeier am Sonntag mit seinem Gruß von der »Friedenskonferenz« in Paris deutlich, mit dem er »Überlegungen« verteufelte, »die Botschaft der USA [in Israel] nach Jerusalem zu verlegen«: Führte schon die bloße Idee dazu, »dass jetzt von der palästinensischen Seite Maßnahmen und Reaktionen angedroht werden«, dürfe nicht darüber nachgedacht werden.

Da droht ein nicht zuletzt mit europäischen Steuergeldern am Leben erhaltenes Regime offen mit terroristischer Gewalt, doch statt darauf mit Abscheu zu reagieren, signalisiert der Chef des Berliner Auswärtigen Amts, nicht die Gewaltandrohung sei problematisch, sondern bereits der Gedanke daran, den bereits vor über 20 Jahren beschlossenen Jerusalem Embassy Act endlich umzusetzen.

Statt sich dem Erpressungsversuch zu widersetzen, plädiert der deutsche Sozialdemokrat dafür, alles zu unterlassen, was die Erpresser reizen könnte. Statt sich zu Israel zu bekennen, dem mit Terror gedroht wird, kapituliert der deutsche Außenministerdarsteller vor den Erpressern. Melden sie sich nur bei ihm, können die Daesh gewiß auf Frank-Walter Steinmeier als Fürsprecher hoffen.

Blamage

Man kann dem amtierenden amerikanischen Außenminister John Kerry gewiß nicht vorwerfen, eine Marionette der Regierung in Jerusalem zu sein. Wenn er daher meinte, das Wochenende in Paris verbringen zu müssen, die dort versammelten Friedenstauben davon abzubringen, sich durch allzu forsche Aggressivität in Sachen Israelkritik zu diskreditieren, ist schon viel gesagt über diese Farce.

Und tut man sich hinterher an, was der »Außenminister« der europäischen Steueroase Luxemburg, der Sozialdemokrat Jean Asselborn, zu erzählen hat, wird klar, wie die »Friedenkonferenz« in Paris ohne diesen mäßigenden Einfluß ausgegangen wäre. Im deutschen Staatsrundfunk deliriert der »Diplomat« des Kleinststaats nicht nur von Plänen Israels, »1500 neue Siedlungen zu bauen«.

Er gerät bei seinen Verleumdungen der jüdischen Demokratie sogar so schön in Fahrt, daß er völlig vergißt, sich auch nur mit einem kleinen Nebensatz von »palästinensischen« terroristischen Aktivitäten zu distanzieren. Der antisemitische Terror, den Ramallah mit Ehrentiteln goutiert, bleibt in dem ganzen Interview – unerwähnt. Die obsessive Besessenheit Jean Asselborns ist unüberlesbar.

Und in diesem Wahn steht der luxemburgische Politiker wohl exemplarisch für die Mehrheit der in der französischen Hauptstadt versammelten Diplomaten. Natürlich ging es ihnen nicht um einen Frieden zwischen Israel und »Palästinensern«, sondern ihren antiisraelischen Konsens. Hätte man es mit seriöser Außenpolitik zu tun, die Pariser Konferenz hätte nicht in dieser Form stattgefunden.

Man redete so nicht nur ohne deren Beteiligung über »Palästinenser« und Israel, sondern auch unter Ausschluß der neuen amerikanischen Regierung, ohne die es aber mit Sicherheit keine Lösung des Konflikts geben wird. Und so bleibt als Fazit nur, Paris als einen rundum mißglückten Versuch zu werten, sich von außen in einen Konflikt einzumischen, den nur die daran Beteiligten lösen können.

Mit ihrer Konferenz haben die Regierung in Paris und all jene Teilnehmer, die schließlich deren Abschlußerklärung abnickten, keinen Beitrag zum Friedensprozeß geleistet. »Palästinensern« und Israel wurde nicht der geringste Grund geliefert für eine Wiederaufnahme direkter Verhandlungen. Die wurden mit der Bekräftigung der Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrats unwahrscheinlicher.

Mit dem Anknüpfen an diesen Beschluß des höchsten UN-Gremiums war absehbar, daß übrigens auch ein Kriterium nicht erfüllt werden würde können, mit dem Frank-Walter Steinmeier, der amtierende deutsche Außenministerdarsteller, in die »Friedenskonferenz« in Paris ging: »Dazu muss alles unterbleiben«, meinte er, was den Friedensprozeß »für die Zukunft gefährdet«.

Daß Angela Merkels künftiger Bundespräsident sich am Ende nicht britischen oder australischen Bedenken anschließen wollte, sondern die Nähe zum antisemitischen Konsens suchte, für den verlogene Gestalten wie Jean Asselborn stehen, kann freilich trotzdem kaum überraschen. Der systematische Verrat an Israel war und ist fester Bestandteil der deutschen Außenpolitik.

Heuchler

Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault hat sich am Rande einer von seiner Regierung organisierten »Friedenkonferenz« in Paris, die sich offenbar unter chaotischen Zuständen ihrem Ende nähert, ablehnend über Pläne geäußert, mit dem Umzug der amerikanischen Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem endlich die Hauptstadt der jüdischen Demokratie anzuerkennen.

Mit einem solchen Schritt hatte Donald J. Trump im Wahlkampf für sich geworben, und vielleicht ist er als neuer Präsident nicht gewillt, die Umsetzung des bereits 1995 vom amerikanischen Parlament beschlossenen Jerusalem Embassy Act zu verschieben, wie das seine Vorgänger noch alle sechs Monate getan hatten. Nun warnt Jean-Marc Ayrault vor »sehr ernsten Konsequenzen«.

Mit seiner Mahnung stellt der französische Minister freilich zunächst sich und all jene bloß, die der Regierung in Jerusalem gern Ratschläge erteilen, darunter den, sich auf die »Grenzen von 1967« einzulassen. Zuletzt hatte der UN-Sicherheitsrat – auf Wunsch der »Palästinenser« – die Staaten der Vereinten Nationen dazu aufgefordert, zwischen Israel und »besetzten Gebieten« zu unterscheiden.

Daß eine Konsequenz dieser klaren Trennung sein kann, in Jerusalem in den »Grenzen von 1967« diplomatische Vertretungen zu eröffnen, haben freilich weder das Regime in Ramallah gedacht noch dessen Unterstützer auch in Frankreich. Doch genau darum geht es: Wollen sie glaubwürdig sein, müssen sie Israels Souveränität in den schließlich von ihnen geforderten Grenzen anerkennen.

Konnten sie sich davor noch drücken, als es die Resolution 2334 nicht gab, müssen sie nach ihrer Zustimmung zu ihr Zeichen setzen. Und das bedeutet eben gerade nicht, den künftigen amerikanischen Präsidenten dafür zu verteufeln, daß er geneigt scheint, die israelische Hoheit über Teile Jerusalems anzuerkennen, sondern »Palästinenser« daran zu erinnern, wo ihre Grenzen sind.

Vorprogrammiertes Scheitern

Die nach langer Vorbereitungszeit nun endlich am Sonntag stattfindende Nahost-Konferenz in Paris ist gescheitert, bevor sie beginnt. Während die Roadmap als »Fahrplan zum Frieden« vorsieht, die »Palästinenser« und Israel müßten sich in direkten Gesprächen über eine Lösung ihres Konflikts einigen, wird in der französischen Hauptstadt ganz ohne ihre Beteiligung verhandelt werden.

Entsprechend lächerlich wird das absehbare Ergebnis der Zusammenkunft aussehen. Im günstigsten Fall sollen sich die zahlreichen Teilnehmer darauf verständigen, daß eine Zwei-Staaten-Lösung die »einzige« Möglichkeit ist, den Konflikt beizulegen. Wahrscheinlicher aber wird am Ende der Konferenz eine einseitige Kritik an Israel stehen, ergänzt um eine Warnung vor Donald J. Trump.

Beide Ausgänge werden keinen Beitrag zu einem Frieden leisten. Die Festlegung auf eine Zwei-Staaten-Lösung wäre allenfalls eine Bekräftigung bisheriger Friedenspläne, wo es vielleicht ratsam wäre, über die Praxistauglichkeit dieses Ansatzes nachzudenken: Ist die Vorstellung eines Staates »Palästina« zehn Jahre nach der Machtübernahme der Hamas in Gaza überhaupt noch zeitgemäß?

Erst recht aber würde eine wie auch immer formulierte Denunziation Israels den bösartigen Wahn der Regierung in Paris bloßstellen. Von Anfang an erpreßte sie Jerusalem mit ihrer Ankündigung, innerhalb einer gewissen Frist »Palästina« unilateral als Staat anerkennen zu wollen. Damit würde Frankreich gegen die Roadmap verstoßen und gegen die – theoretische – Positionierung der EU.

»Die EU bekräftigt, daß es keine Alternative zu einer verhandelten Zwei-Staaten-Lösung gibt«, gab Federica Mogherini, die Hohe Außenbeauftragte der Europäischen Union, etwa im November 2015 zu Protokoll und bezog sich dabei ausdrücklich auf die in der Roadmap formulierten Ideen. Insofern ist die Konferenz in Paris auch ein Angriff auf einen freilich brüchigen europäischen Konsens.

Wenige Tage vor Beginn der Präsidentschaft Donald J. Trumps wird die Zusammenkunft in der französischen Hauptstadt wohl nicht ohne eine ablehnende Stellungnahme zu dessen Versprechen auskommen, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Gerade nach der Verabschiedung der Resolution 2334 im UN-Sicherheitsrat könnte solch ein Schritt wichtig sein.

Wird zumindest von ihren Verteidigern vorgetragen, die Resolution betone ein Existenzrecht Israels in den »Grenzen von 1967«, könnten sie zeigen, daß sie ihren eigenen Worten glauben, indem sie ihre Vertretungen in Jerusalem in den »Grenzen von 1967« eröffnen. Zu erwarten ist jedoch eine Ablehnung solcher Pläne und damit ein Votum gegen Israel selbst in den »Grenzen von 1967«.

Geschieht kein Wunder, wird die Pariser Initiative das, was vom Friedensprozeß noch übrig ist, endgültig ruinieren. Eine »Palästinenserführung«, für die Terroristen Helden sind und »Märtyrer«, bestärkt sie darin, sich Verhandlungen mit Israel zu entziehen, und Jerusalem signalisiert sie, daß gerade Verbündete oft alles andere sind als Freunde. Immerhin, so schafft Paris Klarheit.

Brandstifter

Keine Woche ist es her, daß das Regime in Ramallah einen »Palästinenser« zum »Märtyrer« ausrief, der zuvor bei einem Anschlag in der israelischen Hauptstadt Jerusalem vier Menschen ermordet und mindestens 17 weitere verletzt hatte. Und doch kann der Kopf des Regimes, das mit dem Ehrentitel seine Verbundenheit mit dem Terror demonstriert, als geschätzter Staatsmann nach Europa reisen.

Macht Abu Mazen am Wochenende Station in Rom, empfängt ihn dort Papst Franziskus als »Engel des Friedens«, daneben stehen Treffen mit dem italienischen Premier Paolo Gentiloni und dem französischen Präsidenten Francois Hollande in Paris auf dem Programm, wo am Sonntag eine »Friedenskonferenz« abgehalten werden soll, die als antiisraelisches Tribunal organisiert wurde.

Prestigeträchtiger als dieser Versuch Frankreichs, sich bei Antisemiten in aller Welt anzubiedern, dürfte für den »Palästinenserpräsidenten« die Visite in Rom sein. Wird die Konferenz in Paris ohne seine direkte Anwesenheit stattfinden, darf er im Vatikan erleben, wie die dortige Vertretung seiner PLO zur vollwertigen diplomatischen Repräsentanz aufgewertet wird, zur »Botschaft Palästinas«.

Ist eine solche Botschaftseröffnung bereits unter normaleren Umständen ein Affront, ist sie nur wenige Tage nach dem Massaker von Jerusalem ein Skandal. Denn die diplomatische Aufwertung Ramallahs kann in diesem Kontext nur als Zustimmung zu dessen Unterstützung für barbarischen Terrorismus gewertet werden. Wo er sanktioniert gehörte, wird der Terror-Pate heftigst umworben.

Die Eröffnung einer »Botschaft« eines terroristischen Gebildes – anders kann das, was »Palästina« sein will vernünftigerweise kaum genannt werden – markiert einen Tiefpunkt vatikanischer Außenpolitik. Die Kumpanei mit einem Abu Mazen, der terroristische Morde mit lebenslangen »Pensionen« und Ehrentiteln honoriert, ist ein Verrat all dessen, was Zivilisation ausmacht.

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