Angewandter Judenhaß

Die Hildesheimer Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) sieht sich wegen eines Seminars unter der Überschrift »Soziale Lage der Jugendlichen in Palästina« mit Vorwürfen konfrontiert, sie dulde die Verbreitung antiisraelischer und antijüdischer Ansichten, Vorwürfen, die die Bildungseinrichtung – natürlich – nicht nachvollziehen kann und weit, weit von sich weist.

Die Ethikkommission der Hochschule, erklärte deren Präsidentin Christiane Dienel gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, habe sich zuletzt im Mai mit dem Seminar beschäftigt und sehe keine Anhaltspunkte dafür, »dass in dieser Lehrveranstaltung antiisraelische oder antisemitische Inhalte in unzulässiger [sic!] Weise propagiert werden«. Das Seminar solle zum kritischen Denken anregen.

Betreut wird das Seminar von der Gymnasiallehrerin Ibtissam Köhler, die ihr Lehrmaterial, darunter ein Artikel über Premier Benjamin Netanjahu aus dem Fachblatt Compact mit dem Titel »Der irre Messias von Tel Aviv«, aber offenbar lieber kritischen Blicken entzieht: Sie lasse, so die Jüdische Allgemeine, »die Seminararbeitsunterlagen [..] am Ende der Lehrstunde wieder einsammeln«.

Dennoch läßt bereits die Seminarankündigung erahnen, was Ibtissam Köhler tatsächlich antreibt – Themenvorschläge wie »Die Gesundheitssituation in Palästina – Eine Form der verbotenen Kollektivstrafen« oder »Die ungleiche Wasserversorgung. Kein Wasser für Palästinenser« klingen dann doch zu eindeutig, um noch als irgendwie »wissenschaftlich« entschuldigt werden zu können.

Stimmt es zudem, daß Ibtissam Köhler Arbeitsunterlagen über »Folteropfer in israelischen Gefängnissen« austeilt oder solche, die behaupten, »unsere Söhne werden ihrer Organe beraubt«, muß sich die Hochschule tatsächlich fragen lassen, wen sie mit ihrer Erklärung, »vielfältige und herzliche Austauschbeziehungen zu israelischen Hochschulen« zu pflegen, zu beeindrucken hofft.

Heuchler

Mit Bestürzung soll Abu Mazen auf das reagiert haben, was am vergangenen Abend München erschütterte und auch über die Stadtgrenzen hinaus noch einige Zeit bewegen dürfte. Wie die amtliche Zeitung Al-Hayat Al-Jadida berichtet, verurteilte der »Palästinenserpräsident« die Bluttat und versicherte Überlebenden und Angehörigen der Opfer sowie Deutschland seiner Anteilnahme.

Wie schon nach der Mordfahrt eines Attentäter im französischen Nizza versucht der Chef des Regimes in Ramallah auf diese Weise, um Sympathien für sich zu werben. Er stellt sich als Mensch dar, der mitfühlt, wenn andere leiden, als Staatsmann, der – natürlich – terroristische Gewalt ablehnt. Tatsächlich entlarvt seine prompte Anteilnahme den wahren Charakter Abu Mazens.

So sehr er sich nämlich müht, als Mensch wahrgenommen zu werden, der Achtung vor Gesundheit und Leben anderer hat, so wenig kann er verbergen, daß er genau das nicht ist. Trotz zahlreicher Bitten israelischer und anderer Politiker hat Abu Mazen nämlich noch immer nicht den Mord eines »Palästinensers« an einer Dreizehnjährigen in Kiryat Arba vor drei Wochen verurteilt.

Während Experten für die Bekämpfung von Terrorismus überzeugt davon sind, der »Präsident« der PA könne mit einigen deutlichen Worten zumindest zu einer Stagnation antijüdischen Terrors beitragen, weigert Abu Mazen sich nachgerade demonstrativ, auf entsprechende Bitten zu reagieren – eine Verweigerung, die erst recht auffällt, kommentiert er blutige Ereignisse in Europa.

Und so entlarvt sich der Despot, der in Israel inhaftierte Terroristen als »Kämpfer für Freiheit und Frieden« feiert und mit seiner PLO auch finanziell seine Wertschätzung ihrer Verbrechen zum Ausdruck bringt, immer wieder als Heuchler. Bedauerlich ist zugleich, daß sich niemand die Anteilnahme dieses »Engels des Friedens« verbittet. Sie entwürdigt die Opfer und verhöhnt sie.

Wahlkämpfer

Nachdem die Hamas am Wochenende der Abhaltung von Kommunalwahlen in den umstrittenen Gebieten und Gaza zustimmte, werden die »Palästinenser« voraussichtlich am 8. Oktober darüber abstimmen können, wer ihre Interessen auf der Gemeindeebene am besten vertritt. Die letzten Kommunalwahlen vor vier Jahren hatten die islamistischen Besatzer Gazas noch boykottiert.

Kurz nach der Zusage der Hamas entschied sich auch der Islamic Jihad für eine Wahlbeteiligung, so daß die Zentrale Wahlkommission in Ramallah schon in diesen Tagen mit ersten Vorbereitungen für das große Ereignis beginnen konnte, das unter internationaler Aufsicht stattfinden soll. Freilich verdienten Wahlen, an denen auch bewaffnete »Parteien« teilnehmen, kaum diese Bezeichnung.

Daß es ohne Hamas, Islamic Jihad & Co. ganz offenbar nicht geht, belegt vielmehr, wie weit die »palästinensischen« Gesellschaften von demokratischen Zuständen entfernt sind. Mit dem Werben um eine Unterstützung durch terroristische Gangs und nicht zuletzt auch deren Zulassung als »Parteien« werden tatsächlich demokratische Werte durch die verantwortliche PA verhöhnt.

So liegt es auf der Hand, daß Kandidaten, die die Unterstützung Bewaffneter genießen oder gar selbst bewaffnet sind, vielleicht nicht über die besseren Argumente verfügen, aber über auf ihre Weise überzeugendere. Welcher vernünftige Zivilist wird es wagen, Kandidaten herauszufordern, die mit Waffengewalt für sich »werben«? Ohne Chancengleichheit aber gibt es keine Demokratie.

Und so kann und muß man schon jetzt befürchten, daß die Kommunalwahlen in »Palästina«, sofern sie stattfinden, zur Farce werden, an deren Ende eine aufgewertete Hamas steht, obgleich gerade sie in der Vergangenheit bewiesen hat, wie wenig ihr am Schicksal der ihr Ausgelieferten liegt. Und einmal mehr ist es zugleich das Regime von Ramallah, dessen Skrupellosigkeit keine Grenze kennt.

Fragwürdige Aufregung

Nachdem in der Nacht zum Dienstag ein im Juni 2015 nach Deutschland eingereister Jugendlicher vermutlich afghanischer Herkunft in einem Regionalzug in Bayern bei einem Axtangriff mehrere Menschen teils lebensgefährlich verletzt hatte und beim Versuch, auf Sicherheitskräfte loszugehen, erschossen worden war, stellte Renate Künast eine Frage, für die sie viel Ärger bekam.

Via Twitter wollte die Bundestagsabgeordnete der Partei Bündnis 90/Die Grünen wissen, »wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden????« Mit dieser ganz offenbar völlig unangemessenen Frage zog die Parlamentarierin sich nicht nur den Zorn einer Beatrix von Storch zu, sondern verärgerte auch Rainer Wendt, den Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Wo immer er am Dienstag auftreten durfte, kannte die Empörung des Gewerkschafters keine Grenzen. Mehrfach verbat Rainer Wendt sich »bescheuerte Fragen« und stellte schließlich in einem Interview fest, »da brauchen wir die parlamentarische Klugscheißerei überhaupt nicht«. Statt es mit Sachlichkeit wenigstens zu versuchen, beleidigte Rainer Wendt damit nicht nur Renate Künast.

Die von ihm auch später nicht korrigierte Wortwahl läßt vielmehr vermuten, daß dem Polizisten ganze Parlamente lästig sind und mit ihnen demokratische Selbstverständlichkeiten wie die Gewaltenteilung. Er redet über »die parlamentarische Klugscheißerei« und klagt nicht etwa über »die Klugscheißerin«, »die Besserwisserin« oder antwortet einfach, »nein, es ging nicht anders«.

Man muß Renate Künast nicht mögen oder ihre Partei. Gleichwohl aber kann und sollte man gerade vom Vorsitzenden einer von zwei Polizeigewerkschaften Respekt vor einer Parlamentarierin wie vor allen Parlamentariern erwarten können, gewählten Volksvertretern, denen in einer Demokratie auch die Aufgabe zukommt, Gesetze zu formulieren und deren Umsetzung zu kontrollieren.

Rainer Wendt fehlt es offenbar nicht nur an Kinderstube, sondern an Achtung vor demokratischen Grundprinzipien. Selbst wenn es am Vorgehen der Sicherheitskräfte nichts auszusetzen gibt, läßt seine Reaktion auf die vier Fragezeichen der Politikerin an seiner Eignung als Repräsentant des Rechtsstaats zweifeln. Es ist gelebte Demokratie, auch polizeiliches Handeln zu hinterfagen.

Parlamentarische Selbstverteidigung

Mit 62 gegen 47 Stimmen hat die Knesset, das israelische Parlament, erneut ein Gesetz beschlossen, das »umstritten« genug ist, international wahrgenommen zu werden. Wurden vor zwei Wochen »NGO« verpflichtet, unter bestimmten Bedingungen deutlich Auskunft über die Herkunft ihrer Finanzen zu geben, beschäftigt sich die Knesset in dem neuen Gesetz mit sich selbst.

Mit mindestens 90 von 120 Stimmen soll es fortan möglich sein, Abgeordnete aus dem Parlament auszuschließen, sollten die durch rassistische Hetzreden die Arbeit der Knesset behindern oder durch ihre Unterstützung gegen Israel gerichteter terroristischer Aktivitäten ein ernsthaft gestörtes Verhältnis zur einzigen funktionierenden Demokratie im Nahen Osten unter Beweis stellen.

Nicht ganz zu Unrecht erinnern Kritiker des Gesetzes, darunter der israelische Präsident Reuven Rivlin, daran, daß für die Vergabe oder den Entzug von Parlamentsmandaten eigentlich der Souverän zuständig ist. Wenn sich aber andererseits mindestens 90 Abgeordnete für einen solchen Mandatsentzug einsetzen müssen, dürfte diese Hürde den Mißbrauch des Gesetzes verhindern.

Anlaß für diesen Akt parlamentarischer Selbstverteidigung dürften die zahlreiche Aktivitäten und Aussagen der Balad-»Politikerin« Haneen Zoabi sein, die mit ihnen selbst Parteifreunde und Fraktionskollegen verprellte. Mit offener Parteinahme für Terroristen, der Beteiligung an der »Free Gaza«-Flotte und würdelosen Knesset-Auftritten zeigte sie, daß sie ihres Mandats unwürdig ist.

Und so wird auch deutlich, daß ihre nun wohl denkbare Suspendierung keinesfalls rassistisch motiviert ist. Mit ihrem Verhalten macht die Abgeordnete selbst klar, daß sie gar kein Interesse an irgendwie sinnvoller politischer Arbeit hat. Eine Knesset ohne Haneen Zoabi ist deshalb eine bessere Knesset, die sich ihrer Würde bewußt und sie verantwortungsvoll zu verteidigen bereit ist.

Bestätigung

Als kürzlich das Wiener Abkommen ein Jahr alt wurde, der Deal der fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und Deutschland auf der einen mit dem Regime der Islamischen Republik Iran auf der anderen Seite über dessen Kernwaffenprogramm, zeigten sich vor allem dessen westliche »Architekten« zufrieden und des Lobes voll für ihren Vertragspartner.

Der amerikanische Außenminister John Kerry etwa erklärte in Paris, das Mullah-Regime halte sich an die Vereinbarung, die, wie er freilich einschränkte, aber auch ausschließlich dem iranischen Atomprogramm gelte. Menschenrechte seien so wenig Bestandteil des Abkommens wie Teherans Unterstützung zahlreicher terroristischer Gruppierungen oder der syrischen Assad-Clique.

Mit einem Bericht über bisher geheime Nebenabreden zum Wiener Abkommen weist nun die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) darauf hin, daß der Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) kein Abrüstungsprogramm ist, sondern sogar ein Aufrüstungsversprechen umfaßt: In ein paar Jahren wird Teheran ganz legal ineffektive Zentrifugen durch dann moderne ersetzen können.

Dies geht, so AP, aus einem geheimen Anhang zum Vertrag von Wien hervor, der der Agentur von einem Diplomaten zugespielt worden sei, der mehrere Jahre in die Verhandlungen mit Teheran involviert gewesen sei. Ein weiterer Diplomat habe die Authentizität des Dokuments bestätigt. Danach kann das Mullah-Regime ab Januar 2027 technisch fortgeschrittene Zentrifugen beschaffen.

Mit dieser Aufrüstung würde es Teheran ermöglicht, Uran schneller anzureichern, und so der Weg zu Kernwaffen verkürzt. Was mit dem JCPOA angeblich verunmöglicht werden soll, wird durch die zusätzliche Verabredung, der alle Vertragspartner zugestimmt haben, gerade erlaubt und erleichtert. Überraschen kann diese »Enthüllung« gleichwohl nicht, denn eine wirkliche Neuigkeit ist sie nicht.

So verriet Barack Hussein Obama schon in einem Interview mit dem National Public Radio, daß der Deal nur aufschiebende Wirkung hat. »Im Grunde genommen«, erklärte der US-Präsident im April 2015, »erkaufen wir für 13, 14, 15 Jahre die Sicherheit, daß die Breakout Time«, die Zeit zwischen dem Beschluß zum Bau und der Fertigstellung einer Bombe, »bei über einem Jahr liegt«.

Danach allerdings müsse man sich Sorgen machen, denn im »13., 14. oder 15. Jahr werden sie moderne Zentrifugen haben, die Uran noch schneller anreichern. Die Breakout Time wird dann nahe Null liegen«. So bestätigt die AP-Meldung also letztlich bloß, was man hätte ahnen können. Und sie demonstriert nur einmal mehr, daß den für den JCPOA Verantwortlichen nicht zu trauen ist.

Eindeutige Botschaft

Erneut hat Abu Mazen eine Gelegenheit verstreichen lassen, einer Lösung im Konflikt zwischen seiner PLO und Israel zumindest etwas näher zu kommen. Bei einem Auftritt vor Vertretern der Afrikanischen Union, die sich in Kigali in Ruanda trafen, hätte der »Palästinenserpräsident« am Wochenende eine Botschaft des Friedens aussenden können, attackierte aber lieber Israel.

Dabei wäre Abu Mazen die Aufmerksamkeit der Welt gewiß trotz des Putsches in der Türkei sicher gewesen, wäre er positiv auf die jüngste Initiative des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu eingegangen, der sich am Freitag mit einer Video-Botschaft an ihn gewandt und darin dazu aufgefordert hatte, gemeinsam nach Möglichkeiten für eine Konfliktbeilegung zu suchen.

Der »Präsident« des Regimes von Ramallah zog es jedoch vor, seine schon so oft gehörte Klagerede zu wiederholen, in der aus auf frischer Tat ertappten und getöteten »palästinensischen« Terroristen unschuldige Opfer einer blutrünstigen zionistischen Soldateska wurden, »Besatzung« und – das indes war neu – Nahost-Quartett zu ernsthaften Bedrohungen seiner Vorstellung von »Frieden«.

In einer kürzlich vorgestellten Lagebeurteilung hatte die von Vereinten Nationen, EU, Vereinigten Staaten sowie Rußland gebildete Initiative auch »palästinensische« Haßpropaganda verurteilt und der PA unzureichende Maßnahmen zur Bekämpfung »palästinensischen« Terrors bescheinigt, statt wie erwartet der israelischen Politik eine Alleinverantwortung für den Status quo anzudichten.

Wenn Abu Mazen schließlich erklärte, er unterstütze eine französische Initiative für eine Nahost-Konferenz, so demonstrierte er damit anschaulich die Naivität dieses Projekts: Es dient ihm dazu, sich Verhandlungen mit Israel zu entziehen, zumal völlig unklar ist, ob diese Konferenz überhaupt stattfinden wird, aber ob ihrer Vorgeschichte wahrscheinlich, daß Israel nicht dabei sein wird.

Abu Mazen hätte seine Reise nach Ruanda nutzen können, auf internationaler Bühne den wenige Tage zurückliegenden Mord eines »Palästinensers« an einem dreizehn Jahre alten Mädchen in Kiryat Arba zu verurteilen, deutlich zu machen, daß er antisemitische Hetze und Genozidaufrufe nicht mehr dulden werde. Er setzte ein anderes, gleichwohl nicht minder deutliches Zeichen.

Herablassung

Dickes Lob für die Regierung in Berlin: In seiner aktuellen Kolumne im SPIEGEL klatscht Jakob Augstein dem Auswärtigen Amt uneingeschränkt Beifall, weil es »offene Kritik« am in der letzten Woche in der Knesset beschlossenen »NGO-Gesetz« geäußert hat – und damit , na klar, nur edelste Absichten verfolgt. Denn Israel droht Gefahr, und zwar von der »Regierung Netanyahu«.

Gab Frank-Walter Steinmeiers Ministerium die Linie mit seiner Behauptung, das neue Transparenz-Gesetz schränke »den Spielraum israelischer zivilgesellschaftlicher Akteure« ein, vor, folgt Jakob Augstein in »Netanyahus Eskalation« und wirft einen Blick in seine Glaskugel, der düsterer kaum sein könnte: »Nicht weniger als die Zukunft der israelischen Demokratie steht [..] auf dem Spiel«.

In Israel gibt es, wie Reuters kürzlich meldete, etwa 30.000 registrierte NGO, von denen die Hälfte aktiv ist. Etwa 70 dieser »NGO« erhalten danach finanzielle Unterstützung ausländischer Regierungen und staatlicher Institutionen, 27 »NGO« in einem Maß, das an ihrer Unabhängigkeit durchaus zweifeln läßt. Sie werden ab Januar deutlich auf ihre Unterstützer hinweisen müssen.

Davon abgesehen ändert sich auch und gerade für sie – nichts. Und doch soll das »NGO-Gesetz« die jüdische Demokratie in Gefahr bringen? Das kann nur glauben, wer die in weit, weit mehr als 10.000 NGO in Israel aktiven Menschen für Demokratiefeinde hält. Dabei ist ihr Engagement gewiß mindestens so verdienstvoll wie das jener, die Brüssel, Berlin und Washington mitfinanzieren.

Mit ihrer arroganten »Kritik« verleugnen und beleidigen die deutsche Regierung und ihr »linker« Claqueur Jakob Augstein in der Tat doch jede Menge zivilgesellschaftliches Engagement. Es – und nicht die paar von ausländischen Regierungen ausgehaltenen Gruppierungen – macht Demokratie aus, es zeigt, wie selbstverständlich demokratische Rechte in Israel sind und wahrgenommen werden.

Grenzenlose Heuchelei

Mit »Ablehnung« hat »Präsident« Abu Mazen nach Angaben »palästinensischer« Medien auf den als terroristisch eingestuften Anschlag in Nizza reagiert. Nach Feiern zum Nationalfeiertag hatte in der französischen Metropole ein Attentäter einen LKW in die versammelten Menschen gesteuert und über 80 von ihnen ermordet, bevor Sicherheitskräfte ihn schließlich unschädlich machen konnten.

Dutzende Menschen wurden bei dem nach Angaben des Chefs des Regimes in Ramallah »feigen« Anschlag verletzt, einige schweben noch immer in Lebensgefahr. Mit seiner Verurteilung des Massakers bricht Abu Mazen ein Schweigen, in das er nach der brutalen Ermordung eines dreizehnjährigen israelischen Mädchens durch einen kaum älteren »Palästinenser« verfallen war.

Hartnäckig weigerte der mancherorts als »Engel des Friedens« verehrte Möchtegern-Staatsmann sich, auf Bitten anderer Regierungschefs zu reagieren, mit einer Verurteilung der Bluttat in Kiryat Arba einen Beitrag zur Entspannung der Lage zu leisten. Behauptet der »Palästinenserpräsident« nun, er lehne Gewalt gegen Zivilisten ab, ist das tatsächlich nicht mehr als bigotte Heuchelei.

Nach dem Überfall von Kiryat Arba wurde der von Wachleuten leider viel zu spät getötete Angreifer vom Regime in Ramallah zum »Märtyrer« erhoben, erhält dessen Familie für ihren »Verlust« eine monatliche Zahlung von mindestens 350 Dollar von der PLO, die wiederum von der Palästinensischen Autonomiebehörde finanziert wird, der Empfängerin internationaler Hilfen.

Mit Abu Mazen »kondoliert« ein Finanzier mörderischen Terrors und verhöhnt damit dessen und erst recht die Opfer der Mordfahrt von Nizza. Was er da »feige« nennt, dazu stiftet er dort unter den Augen seiner westlichen Unterstützer an. Daß die sich nicht gegen Abu Mazens heuchlerische Worte wenden, entwertet auch ihre Verurteilungen der Tat als wohlfeiles Geschwätz.

Kein Irrtum

Für Medien und Medienschaffende ist die Wahrheit ein ganz hohes Gut. Im Pressekodex des deutschen Presserats wird sie deshalb gleich nach dessen Präambel in einem Satz zusammen mit der Würde des Menschen genannt: »Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.«

Trotz größter Sorgfalt kann es aber aus vielerlei Gründen zu Fehlern kommen. Ein Medium, das etwas auf sich hält, wird sie, wie der Pressekodex empfiehlt, berichtigen: »Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen [..], die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan [..] unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.«

Für Die Zeit gelten diese Grundsätze ganz offenbar nicht. Auf ihrer Website behauptet die Wochenzeitung in einer auf den 12. Juli datierten Meldung über das von der Knesset am Tag zuvor beschlossene »NGO-Gesetz«, »Vertreter dieser Gruppen«, gemeint sind die Repräsentanten von »NGO«, »müssen außerdem bei Besuchen im Parlament spezielle Plaketten tragen.«

Dieser Satz hat im – moderierten – Kommentarbereich dafür gesorgt, daß die jüdische Demokratie mit Nazideutschland gleichgesetzt wird: »Vermutlich sind solche Plaketten für den ›Gesetzgeber‹ nicht problematisch, weil man in der Selbstwahrnehmung ja nur Gutes damit vorhat. Dumm ist nur, dass das Gleiche auch für die entsprechende Markierungen in Nazideutschland gelten durfte.«

Gleichzeitig wurde die moderierende Redaktion mehrfach darauf hingewiesen, daß es die behaupteten »speziellen Plaketten« nicht geben wird. Von ihnen gab es nämlich schon im Entwurf des »NGO-Gesetzes«, den die Knesset beriet, keine Spur. »Diese Abzeichen sind nicht Bestandteil des Gesetzes«, hatte auch Justizministerin Ayelet Shaked in einem Interview erklärt.

Doch Die Zeit ignorierte diese Hinweise auf ihren Fehler und ignoriert sie bis heute. Eine kritische Nachfrage nahm die Redaktion wohl zwar zur Kenntnis, löschte sie aber und ersetzte sie durch die Belehrung, »bitte verzichten Sie auf Unterstellungen« – eine Reaktion, nach der jedenfalls Die Zeit aber nicht mehr behaupten kann, sie hätte nichts von ihrer falschen Darstellung gewußt.

Dadurch, daß sie sie dennoch nicht zurücknimmt, offenbart die zuständige Redaktion nicht nur ein gestörtes Verhältnis zur Wirklichkeit, sondern sie trägt wissent- und wahrscheinlich willentlich dazu bei, durch Desinformationen Haß auf den jüdischen Staat zu schüren. Indem sie Gleichsetzungen Israels mit Nazideutschland nicht entgegentritt, macht sie Antisemitismus gesellschaftsfähig.

Die Zeit mißachtet durch ihre Weigerung, ihren Fehler zu berichtigen, fortgesetzt Wahrheits- und Sorgfaltspflicht, und sie nimmt es hin, daß unter Berufung auf ihn der demokratische Staat Israel, dessen Parlament und damit letztlich auch dessen Bevölkerung antisemitisch verleumdet und beleidigt werden. Nicht zuletzt verrät die Zeitung damit die Würde der angegriffenen Menschen.

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