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Vogelkunde

Oftmals weiß ich nicht, weshalb so viele Leser sich über den Morning Star ärgern.

Trotzdem er die Zionisten verurteilt, fragt er nun in seinem täglichen Rätsel nach dem Nationalvogel Israels.

Weiß der Star nicht, daß es einen Kultur-Boykott gibt?

[..]

In Gottes Namen, reißt Euch zusammen!

George Abendstern, Rochdale”

“Der Morning Star war immer eine Zeitung auf die man sich verlassen konnte, wenn es um Unterstützung für die Sache der Palästinenser geht, doch weshalb haben Sie sich nun von allen Vögeln der Welt für den israelischen Nationalvogel für ein Rätsel entschieden?

Vielleicht unterstützen Sie nicht die Methoden, für die die Internationale Solidaritätsbewegung (BDS) sich entschieden hat, um den Palästinensern in ihrem Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit beizustehen – eine ihrer Forderungen.

Und das schließt Verweise auf die Tierwelt ein.

Linda Clair, Rochdale”

“Wir” in Theorie und Praxis

Mit 580 Ausstellern, darunter 232 aus den Vereinigten Staaten, Rußland, Frankreich, Israel, dem Vereinigten Königreich und nicht zuletzt Deutschland begann am 29. März die alle zwei Jahre stattfindende DefExpo 2012, die größte Fachmesse für Sicherheitstechnik in Indien.

Während der Messe, die bis zum 1. April dauerte, suchten die Aussteller hauptsächlich danach, ihre Produkte an die indischen Gastgeber zu verkaufen, wobei sie durch hochrangige offizielle Delegationen aus ihren Heimatstaaten unterstützt wurden.

Die Tschechischen Republik schickte eine Delegation, die von Verteidigungsminister Alexandr Vondra geführt wurde, Frankreich zwei Abordnungen, eine angeführt vom Präsidenten der Commission de la défense nationale et des forces armées, die andere stand unter der Leitung des Verteidigungsministeriums.

Auch aus Deutschland kamen zwei Delegationen, eine unter der Führung Stephane Beemelmans’, Staatssekretär seines Verteidigungsministers Thomas de Maiziere, während der anderen Generalleutnant Bruno Kasdorf vorstand, seit September 2010 stellvertretender Inspekteur des Heeres.

Von den indischen Gastgebern hingegen ausgeladen wurde der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak, wie The Indian Express meldet:

“In a rebuff prompted by domestic political concerns, India turned down an Israeli request for an official visit by its high-profile Defence Minister Ehud Barak during the Defexpo last month. [..] Given this scale of participation, Israel felt, a visit by its Defence Minister would have been an appropriate gesture.”

Als der deutsche Außenministerdarsteller Guido Westerwelle kürzlich in Berlin seine “Freundschaft” zu Israel betonen zu müssen meinte, prahlte er: “Wir werden unsere Stimme erheben, wenn Israel in internationalen Foren einseitig kritisiert wird. Deutschland steht fest an Israels Seite.”

Davon konnten die beiden deutschen DefExpo-Delegationen natürlich nichts wissen, fand die Messe in Indien doch vor Guido Westerwelles großzügigem Berliner Versprecher Versprechen statt.

Woher aber des deutschen Außenministerdarstellers Gewißheit kommt, “wir” würden wenigstens zukünftig “unsere Stimme erheben”, ist angesichts des Verhaltens der deutschen Delegationen recht rätselhaft. “Wir” beschweigen ja auch beharrlich noch ganz andere Meldungen:

“The most negatively rated countries were, as in previous years, Iran (55% negative), Pakistan (51% negative), and Israel and North Korea (both 50% negative).”

Mit mehr als zwei Dritteln (69%) der Bevölkerung, die Israel negative Absichten unterstellen, schafft Deutschland es locker, den Durchschnitt aus 22 Staaten signifikant zu übertreffen. “Deutschland steht fest an Israels Seite”? In Guido Westerwelles Festreden.

Erfolgsbilanz

Mit einem weiteren Bericht, für den die durch niemanden demokratisch legitimierte Europäische Kommission verantwortlich zeichnet, greift die Europäische Union Israel binnern weniger Tage erneut an:

“[T]he European Union issued a document that had some harsh words for Israel, saying a spate of ‘potentially discriminatory or even anti-democratic bills’ were tabled in the Knesset, and blasting Jerusalem for not prosecuting those responsible for settler violence.”

Zusätzlich klagen die EUrokraten, die sich auf Beobachtungen so zuverlässiger “NGOs” wie B’Tselem oder Oxfam stützen, darüber, daß Israel (!) für Defizite im Bereich von Pressefreiheit und Demokratie in den Gebieten der PA verantwortlich sei und dort einen ökonomischen Aufschwung behindere.

Daß mit Reporter ohne Grenzen eine nicht ob überbordender Israelfreundlichkeit in Verruf geratene NGO kürzlich die PA (neben der Hamas) zum Feind der der Pressefreiheit krönte, hat sich noch nicht bis Brüssel herumgesprochen.

Davon daß die Verantwortung für Mißwirtschaft beispielsweise bei einer PA zu suchen sein könnte, die sich hauptsächlich als Versorgungsinstitution zahlloser (ehemaliger) Beamter und “Regierungs”-Mitglieder versteht, hat die ähnlich undurchsichtige Europäische Kommission ebenfalls noch nichts gehört:

“Hasan Khreishah, deputy speaker of the Palestinian Legislative Council, Saturday held the Palestinian Authority responsible for rampant corruption and human rights violations.

He also blasted the PA and Hamas governments for human rights abuses, especially against Palestinian journalists.”

Interessant sind gleichwohl die “Fact and Figures”, die die EU mitteilt:

“2007-2010: The ENPI financial contribution for Israel was earmarked at EUR 8 million, initially divided into four yearly EUR 2 million instalments. This was reduced in 2009 to EUR 1.5 million, reflecting problems in absorption capacity by the Israeli government

2011-2013: The European Neighbourhood and Partnership Instrument (ENPI) envelope for Israel under the National Indicative Programme (NIP) 2011-2013 has been earmarked at EUR 6 million.”

Von solchen Summen können die “Palästinenser” nur alpträumen:

“Funding committed under the bilateral envelope of the ENPI to the occupied Palestinian territory for 2010 amounted to EUR 377.9 million.

2004-2010 EU Financial Assistance to the Palestinian people from the EU budget amounted to EUR 2.923 billion, this being mainly directed at direct and indirect financial support to the PA, as well as to UNRWA, humanitarian and food aid.”

Diese bereitwilligen Investitionen in ein Faß ohne Boden zeigen deutlich, wem EUropa sich verpflichtet fühlt und wen es als Gegner betrachtet.

“Aktivisten”-Latein

Die Hamas feiert das Ende eines Hungerstreiks in israelischen Gefängnissen einsitzender “palästinensischer” Terroristen als “Sieg in der Schlacht der leeren Bäuche”.

Die Rhetorik deutet an, daß Anat Litvin von der israelischen “NGO” Physicians for Human Rights irrt, erklärt sie: “The Palestinian inmates proved that a non-violent and just struggle can bring important achievements and raise international awareness.”

Nicht nur kann ein Hungerstreik ja durchaus der Gesundheit schaden, ist also kaum “gewaltfrei” zu nennen. Ihn in diesem Fall als “gerecht” zu bezeichnen, verrät zudem, wie Anat Litvin tickt, denn es handelte sich schlicht um eine Aktion von Terroristen.


Gänzlich lächerlich allerdings wirkt der schöne Satz der entweder naiven oder gefährlich verblendeten “Menschenrechtsaktivistin” vom Segen “gewaltfreien und gerechten Kampfs”, wirft man einen Blick auf die jüngste Empfehlung der Hamas:

“A Hamas spokesman in the Gaza Strip called on Tuesday for Palestinian factions to abduct Israeli soldiers in order to swap them for Palestinians jailed by Israel.

Khan Younis district spokesman Hammad al-Ruqab called on militant groups, and in particular Hamas’ military wing the Al-Qassam Brigades, to seize forces ‘whatever the cost’, which he lauded as the most successful route to freeing prisoners.”

So sieht er aus, der “gewaltfreie und gerechte Kampf” der “palästinensischen” Hamas-“Regierung”, dessen Teil ein Hungerstreik war, durch den sich die israelische Regierung leider hat erpressen lassen.

Und so sieht der “gewaltfreie und gerechte Kampf” der Anat Litvin aus, einer “Menschenrechtsaktivistin”, der man dennoch nicht wünscht, jemals gewaltfrei und gerecht entführt zu werden. Oder vielleicht doch?

Ehre, wem Ehre …

Als ausgerechnet am 1. April (mit einiger Verspätung) die tagesschau ihren Jan Hofer erklären ließ, “die Palästinenser im Gazastreifen leiden unter einer Energiekrise”, war Markus Rosch, dem Mann vor Ort, die Enttäuschung darüber anzumerken, daß nicht einmal die Hamas Israel für die Treibstoffknappheit und deren Folgen verantwortlich machte.

“‘Is it reasonable that Gaza remains without electricity a year after the revolution in Egypt?’ Haniyeh said in a weekly address, accusing Cairo of trying to force Gazans to accept their energy supplies via arch foe Israel.”

Ihr kaputtes Weltbild bewiesen in diesen Tagen indes neben der von der EU gesponserten “NGO” Al Mezan die ebenfalls aus Brüssel bezahlten “Menschenrechtsaktivisten” von Oxfam. Tapfer leugnete deren Regionaldirektorin Catherine Essoyan die Realität und klagte über das fiese zionistische Regime, das “die Palästinenser” leiden lasse:

“The government of Israel’s near ban on fuel for private sale has only worsened this crisis and made everyday people less able to cope. If we want to solve the electricity crisis once and for all we need a full and consistent opening of all of Gaza’s crossings in accordance with international law [..].”

Die so dreiste wie wenig überraschende Lüge der “NGO” hatte für die “Menschenrechtsaktivisten” keine negativen Folgen. Sie werden ja auch nicht dafür bezahlt, tatsächlich für die Rechte von “Palästinensern” einzutreten, sondern für ihre antiisraelische Propaganda. Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß Oxfam nun der EU Beifall klatscht:

“The international humanitarian agency Oxfam Monday welcomed what it described as the ‘unprecedented stance’ taken by European Union foreign ministers meeting in Brussels, which strongly criticized Israeli government policies towards ‘Area C’ of the occupied West Bank, said an Oxfam statement.”

Wer freilich so begeistert gefeiert wird von den rasenden Oxfam-Antisemiten, der hat sich dieses Lob gewiß redlich verdient.

Wir gratulieren.

In Brüssel trafen sich am Montag die Außenminister und Außenministerdarsteller der Europäischen Union zu ihrem 3166. monatlichen Gipfel. Wenige Tage vor einer neuen Gesprächsrunde mit Vertretern des Regimes in Teheran über dessen Kernwaffenprogramm, die am 23. Mai in Bagdad stattfinden soll, sahen Catherine Ashton und ihre Kollegen davon ab, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Wichtiger als neue Berichte, die Zweifel an den Behauptungen der Islamischen Republik, sie strebe einzig eine zivilen Nutzung von Kernenergie an, eher bestätigen denn ausräumen, war es der europäischen Außenpolitik, pünktlich zum diesjährigen Jubiläum der “Nakba” deutlich zu machen, daß auch sie vielleicht nicht die Gründung, so aber doch die Existenz Israels als andauerndes Ärgernis empfinden.

Auf drei Seiten listen sie in auf Wunsch Italiens und der Niederlande, die sich hier gegen u.a. den deutschen Außenamtschef Guido Westerwelle durchsetzten, abgeschwächtem Tonfall jene angeblichen israelischen “Vergehen” auf, die ihrer Ansicht nach für den Nahost-Konflikt verantwortlich sind, und fordern von Israel eine Akzeptanz der “Grenzen vor 1967″ sowie eine Teilung Jerusalems:

“The EU reiterates that it will not recognise any changes to the pre-1967 borders including with regard to Jerusalem [..].”

Das israelische Außenministerium weist die Beschlüsse der EU-Außenminister und -darsteller zurück:

“The conclusions of the EU Foreign Affairs Council on the Middle East Peace Process include a long list of claims and criticism that are based on a partial, biased and one-sided depiction of realities on the ground. Such a public presentation does not contribute to advance the process.”

Und in der Tat zeigt gerade die selbstverständliche Verwendung des Begriffs “Grenzen vor 1967″ in einem einen Tag vor Beginn der jährlichen antisemitischen “Nakba”-Gewalttätigkeiten veröffentlichten Dokument, daß die Europäische Union alles andere ist als ein irgendwie ehrlicher Makler, unparteiisch oder gar tatsächlich an einem Frieden für Israel interessiert ist, der auch einer für “Palästinenser” sein könnte.

Manchmal lohnt sogar ein Blick ins Neue Deutschland, in dem man am 16. Mai 1948 diese Zeilen aus der damaligen Hauptstadt Israels lesen konnte:

“Tel Aviv, die Hauptstadt des Staates Israel, ist in der Nacht zum Sonnabend von arabischen Flugzeugen bombardiert worden. Der Angriff erfolgte, während der Ministerpräsident des jüdischen Staates, Ben Gurion, in einer Rundfunkansprache den Arabern Zusammenarbeit für Frieden und Fortschritt anbot.”

Am Boden waren an diesem Tag ägyptische Truppen 50 Kilometer nach “Palästina” vorgedrungen, wurde der neue Staat von den Armeen Jordaniens, Syriens, Libanons und des Irak angegriffen. Wo die Araber in den folgenden Tagen und Wochen Gewinne erzielen und nach den Waffenstillstandsvereinbarungen vom 24. Februar 1949 ihr Gewalt-Regime durchsetzen konnten, lebten bald keine Juden mehr:

“Das Schicksal der Vertreibung ereilte auch Juden, wie in der Altstadt, Dörfern in der Gegend des Toten Meeres und dem Etzion-Block südöstlich von Jerusalem, die allesamt von den arabischen Truppen erobert wurden. In der Altstadt brannten die Araber 22 der 27 Synagogen nieder, die jordanische Armee zerstörte später die restlichen Gebetshäuser. Ähnlich kompromisslos gingen die Jordanier mit anderen jüdischen Altertümern um: Erst 1967 entdeckten die Israelis, dass von den rund 70000 jüdischen Gräbern auf dem Ölberg mehr als 50000 von den Jordaniern geschändet oder gänzlich zerstört worden waren. Die Grabsteine, auch der von Else Lasker-Schüler, waren zum Pflastern von Armeelatrinen, Toiletten, Straßen und Häuserwändern verwendet worden.”

(Gil Yaron: Jerusalem. Ein historisch-politischer Stadtführer, München 2007, S. 59f.)

“Zum ersten mal seit 1000 Jahren”, frohlockte ein jordanischer Major, der die Zerstörung der Hurva-Synagoge beaufsichtigte, “verbleibt kein einziger Jude im jüdischen Viertel. Kein einziges Gebäude verbleibt intakt. Das macht eine Rückkehr der Juden unmöglich.” Vierundsechzig Jahre später beschließt die Europäische Union, die Angegriffenen und Vertriebenen sollten damit sich abfinden.

Und jene, für die die Gründung Israels eine “Katastrophe” ist, werden durch die Europäische Union ermuntert, Juden als “Friedenshindernisse” aus dem Weg zu räumen, wenn Catherine Ashton, Guido Westerwelle und Co. barmen, “Siedlungen” in Jerusalem, der Hauptstadt Israels, und Judäa und Samaria seien “illegal” – und nicht etwa Aufrufe der PA, alle Juden zu ermorden, verurteilenswert.

Der Europäischen Union nur zu bescheinigen, ihre “Empfehlungen” seien einseitig und basierten auf verfälschten “Fakten”, ist wahrlich eine Untertreibung, für die das Außenministerium in Jerusalem zu bewundern ist.

Verliebte Jungs

Wenn deutscher Antisemitismus alter “Schule” loslegt, läßt er – wenig überraschend – keine Sympathien für die jüdische Demokratie erkennen. Der “Aggressions- und Apartheidsstaat Israel”, heißt es dann etwa, beitreibe “seit seiner Gründung 1948 [..] eine hochaggressive Außenpolitik, die den Frieden in der Levante ständig bedroht”.

Seit neuestem bedienen sich aber auch immer wieder bekennende “Freunde Israels” eines ähnlichen Vokabulars. Sie “kritisieren” Israel freilich nicht etwa aus Haß, sondern ausgerechnet weil sie – so erklären sie es jedenfalls – die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten ganz besonders lieben.

Als Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD, vor einigen Wochen nach Hebron pilgerte, glaubte er dort ein “Apartheidregime” diagnostizieren zu können. Er schrieb auf, was ihn störte:

“Ich halte die aktuelle Siedlungspolitik für falsch. Ich halte die Verhältnisse in Hebron für unwürdig.”

Und er notierte auch, was ihn zu seinen Worten motivierte:

“Beides würde mich nicht so bewegen, wenn ich nicht ein Freund Israels wäre (um mal diesen pathetischen Begriff zu wählen).”

Wäre der Sozialdemokrat kein Freund Israels, wären ihm “Siedlungspolitik” und “die Verhältnisse in Hebron” gleichgültig. Das erklärt auch anschaulich, weshalb Sigmar Gabriel sich nicht für den “Palästinenser” Muhammad Abu Shahala einsetzt, der von PA-“Sicherheitskräften” gefoltert und zum Tode verurteilt wurde, weil er mit Juden Geschäfte machte.

Und wenn Jordanien “Palästinenser” ihrer jordanischen Staatsbürgerschaft beraubt, sie also zu Staaten- und damit Rechtlosen macht, bewegt das Sigmar Gabriel nicht im geringsten. Er ist eben kein Freund Jordaniens oder von dort geborenen und (noch) lebenden “Palästinensern”, sondern seine ganze Liebe gilt ja Israel.

Als mit Matthias Platzeck ein anderer Sozialdemokrat kürzlich die Region besuchte, kam auch er als ein erklärter “Freund Israels”:

“Der 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels war für mich Anlass, Israel gerade in diesem Jubiläumsjahr erneut zu besuchen und mit symbolischen Gesten zu zeigen, dass für Brandenburg wie für alle anderen deutschen Länder das Existenzrecht Israels konstitutiv ist.”

Seine “Freundschaft” führte den Ministerpräsidenten aus Brandenburg dann aber zu Salam Fayyad, “Ministerpräsident” der jüngst zum “Feind der Pressefreiheit” gekrönten PA. Und dem schüttete Matthias Platzeck sein Herz auf eine Weise aus, die sein Staatssender RBB mit den Worten kommentierte, er habe “auf Konfrontation” gesetzt:

“Wir haben auch nach dem Gespräch mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten … ich selber habe sehr deutlich wesentliche Aspekte der israelischen Siedlungspolitik kritisiert.”

In Israel wollte nach diesem Freundschaftsbeweis sich kein Offizieller mehr mit Matthias Platzeck treffen, was dieser aber nicht etwa bedauerte. Vielmehr wirkte er ein wenig stolz darüber, daß sein Abstecher nach Israel auf politischer Ebene floppte.

Nachdem er sich mit “letzter Tinte” zum Sprachrohr zahlreicher Poesieliebhaber von Hamas bis P.E.N. gemacht hatte, bekannte schließlich auch Günter Grass in der Süddeutschen Zeitung, wie sehr er doch an Israel hänge: “Immer noch sehe ich mich dem Land Israel unkündbar verbunden.” Israel lud ihn darauf präventiv aus, Sigmar Gabriel, “Freund Israels”, ihn dazu ein, für die SPD in den Wahlkampf zu ziehen.

Als “Freund Israels” tritt auch Guido Westerwelle überall dort auf, wo ihm das angebracht scheint. Auf einer Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft betonte der deutsche Außenministerdarsteller in der vergangenen Woche in Berlin, wie sehr er Israel möge:

“Deutschlands historische Verantwortung hat kein Verfallsdatum. Wir werden nicht zusehen, wenn Israel bedroht und sein Existenzrecht in Frage gestellt wird. Wir werden unsere Stimme erheben, wenn Israel in internationalen Foren einseitig kritisiert wird. Deutschland steht fest an Israels Seite.”

Wie das in der Praxis aussieht, beschrieb die Tageszeitung Haaretz am Sonntag im Zusammenhang mit einer mittlerweile veröffentlichten dreiseitigen Einseitigkeit der Europäischen Union. Während die Niederlande, Italien und die Vereinigten Staaten sowie Israel versuchten, den Frontalangriff auf Israel wenigstens abzumildern, blieb Guido Westerwelle stumm und stützt(e) so die in der Tat bemerkenswert einseitige “Kritik”.

Ob Sigmar Gabriel, Matthias Platzeck, Günter Grass oder Guido Westerwelle – alle behaupten von sich, die allerbesten “Freunde Israels” zu sein, reden gegebenenfalls auch etwas von “historischer Verantwortung”, stellen sich dann aber gegen Israel – und zwar ausgerechnet wegen dieser “Freundschaft”, wie es besonders deutlich der eingangs zitierte SPD-Vorsitzende erklärte.

Dabei ist doch selbst dem NPD-Kader Jürgen Gansel klar, daß “man auch Juden kritisieren [..] darf”, und zwar ohne mit ihnen befreundet sein zu müssen. Er, ein bekennender Feind der jüdischen Demokratie, und sie, die falschen “Freunde Israels”, sind allesamt unangenehme Zeitgenossen. Seine Ehrlichkeit indes macht ersteren beinahe noch sympathisch.

Liebesbrief

Die Europäische Union will, meldet Haaretz, mit einer dreiseitigen Erklärung der israelischen Regierung wertvolle Ratschläge erteilen:

“The condemnation, contained in an official council conclusion, is exceptional because of its length – three pages – as well as its detailed accounting of Israeli actions in the West Bank in the past several months. According to a high-ranking European diplomat who has seen a draft of the resolution, the EU foreign ministers will rebuke Israel for the expansion of settlements in the West Bank and East Jerusalem. They will denounce settler violence against Palestinians and call on the Israeli government to prosecute such actions.”

“Palästinensischer” Terrorismus, Hetze der PA über “Nachkommen von Schweinen und Affen” und die “Heilige Pflicht”, diese umzubringen, werden demnach weder erwähnt noch verurteilt.

Diplomaten aus den Vereinigten Staaten, Italien und den Niederlanden hätten sich laut Haaretz um eine zurückhaltendere und ausgewogenere Erklärung bemüht – erfolglos:

“EU foreign policy chief Catherine Ashton was behind the conclusion, which has the support of the French, British and German foreign ministers.”

Der deutsche Außenministerdarsteller Guido Westerwelle nennt sich einen “Freund Israels”. Was sind dann eigentlich sein niederländischer und italienischer Kollege?

Deutsche Freiheit

Mit seinem “Was gesagt werden muss” betitelten “Gedicht” gelang es Günter Grass, weltweit Menschen, in denen es denkt wie in ihm, dazu zu ermuntern, endlich auch selbst zu sagen, was gesagt werden muß:

“Die ganze Welt hat genug von der gierigen satanischen Juden.”

“Juden must suffer in Real pain for being on my Planet!”

“the only thing they understand is a bullet sadly”

“Gunter Grass is a Brave Human Rights Activist & I honour him for his effort unfold the truth.”

Das finden auch die im deutschen Ableger des Schriftstellerverbands P.E.N. versammelten Dichter und Denker und degradierten den grassen Greis daher nicht vom Ehrenpräsidenten beispielsweise zum Mitglied.

“Zur Begründung hieß es, man habe sich der Freiheit des Wortes verschrieben.”

Und die gilt es in Deutschland noch immer dann zu verteidigen, wenn verlogener Antisemitismus als das geächtet werden könnte, was er ist. Den deutschen P.E.N.nern ist es eine Ehre.

Traditionspflege

Mit ihrer Ermahnung, es zieme sich nicht für “palästinensische” Journalisten, sich mit Juden zu treffen, pflegt das Palestinian Journalists Syndicate (PJS) eine schöne Tradition, die bis ins Jahr 1934 zurückreicht:

Verordnungsblatt der Obersten SA-Führung: Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, verbietet am 16. August 1934 den NSDAP-Mitgliedern den Umgang mit Juden

Aus Mitteilungen geht hervor, daß Parteigenossen die dem Judentum gegenüber gebotene Zurückhaltung vermissen lassen.

Unbeschadet der den in Deutschland lebenden Juden durch die geltenden Gesetze zugewiesenen Stellung und Betätigungsmöglichkeit verbiete ich daher allen Parteigenossen:

[..]

5. Verkehr mit Juden in der Öffentlichkeit und in Lokalen [..].

[..]

Die Partei hat im Kampf gegen die Vorherrschaft des volkszerstörenden jüdischen Geistes in Deutschland ungeheure Opfer bringen müssen und muß es als würdelos verurteilen, wenn zu einer Zeit, da immer noch Millionen deutscher Volksgenossen im Elend leben, Parteigenossen für die eintreten, die namenloses Unglück über unser deutsches Volk gebracht haben.

Verstöße gegen diese Anordnung werden parteigerichtlich geahndet.

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