tw_24:blog

Rechercheur des Tages

Kanadische Sicherheitskräfte haben zwei Verdächtige festgenommen, denen vorgeworfen wird, einen terroristischen Anschlag geplant und vorbereitet zu haben.

“The plan received ‘direction and guidance’ from an element of al-Qaeda based in Iran [..]. However, officers said there was no evidence the plan was in any way ‘state-sponsored.’

Was niemand behauptet hat, was sogar ausdrücklich dementiert wurde, kann freilich einen “Nahostexperten” überhaupt nicht beeindrucken. Michael Lüders (und ein Staatsfunker) im Einsatz:

Du bist … enttarnt, RAND Corporation!

Das Middle East Media Research Institute (MEMRI) ist für die staatliche Deutsche Welle offenbar eine sehr zweifelhafte Quelle. Und so verdanken wir Loay Mudhoon, einem “Nahost-Experten” im Dienste Deutschlands, dem daher nie aufgefallen wäre, was MEMRI auffiel, diese schönen Erläuterungen, weshalb ein Antisemit willkommen ist im deutschen Kanzlerinnenamt:

Und auch sonst hat an einem Tag, an dem sie alle die Möglichkeit hätten, auf die eine oder andere Weise gefahrlos deutlich zu machen, daß sie wenigstens etwas aus der Karriere eines gewissen Adolf Hitler gelernt haben, kein deutscher “Experte” und kein Politiker etwas einzuwenden gegen Mohammed Morsi, den ägyptischen Präsidenten, oder Angela Merkel, eine Kanzlerin, die einen Antisemiten begrüßt:

In ihrer jüngsten wöchentlichen Videobotschaft hatte Angela Merkel erklärt, “mit Mut, Zivilcourage kann auch jeder Einzelne einen Beitrag dazu leisten, dass Rassismus und Antisemitismus keine Chance haben”. Sie ist damit offensichtlich überfordert – und läßt für den Antisemiten einen roten Teppich ausrollen und, als Zeichen ganz besonderer Wertschätzung, die Bundeswehr zur Begrüßung aufmarschieren.

Welch ein Vorbild.

Nachtrag: “The myth of the Holocaust is an industry that America invented”, hat ein hochrangiger Berater Mohammed Morsis in dieser Woche erklärt:

“‘US intelligence agencies in cooperation with their counterparts in allied nations during World War II created [the Holocaust] to destroy the image of their opponents in Germany, and to justify war and massive destruction against military and civilian facilities of the Axis powers, and especially to hit Hiroshima and Nagasaki with the atomic bomb,’ Fox News quoted Fathi Shihab-Eddim as saying.”

New York Times, 15. Dezember 2012:

“Development of E1 [..] would not divide the West Bank in two [..]; the proposed development would not technically make a contiguous Palestinian state impossible.”

Philip Kuhn, Die Welt, 18. Dezember 2012:

“Um zu verstehen, warum gerade E-1 so umstritten ist, genügt ein Blick auf die Karte. Das zwölf Quadratkilometer große Gebiet dehnt sich kurz hinter Ost-Jerusalem wie eine Blase nach Osten aus und trennt das Westjordanland in einen südlichen und einen nördlichen Teil.

Kritiker monieren, dass mit E-1 die Zweistaatenlösung beerdigt wird, weil die Palästinenser rein geografisch keinen zusammenhängenden Staat mehr haben.”

wo121218

Analystik

Faszinierend, was deutsche Analysten analysieren können. Für SPIEGEL online schließt Susanne Koelbl aus der durchaus bedauerlichen Tatsache, daß Khaled Meshaal seine “historische” Visite in Gaza überlebte, dieser “womöglich einer der letzten Hardliner ist, mit denen sich Frieden machen lässt”.

In der Tat, “der israelische Geheimdienst Mossad hätte ihn ebenso wie [..] Ahmed al-Dschabari [..] am 14. November mit einer Drohne ins Jenseits befördern können”. Doch lebt Khaled Meshaal vielleicht auch nur deshalb noch, weil sich einfach keine Gelegenheit bot, ihn ohne übermäßige Kollateralschäden zu neutralisieren.

“After passing through the Egyptian border crossing, Mashaal knelt on the ground to offer a prayer of thanks and was then greeted by dozens of officials from an array of competing factions lined up to meet him in warm December sun.”

Und auch später war Khaled Meshaal nie so einsam, daß man ihn per Drohne hätte gezielt töten können. Umgeben von eigenen “Sicherheitskräften”, verloren Hamas-“Polizisten” die Fassung, tauchte der Prophet Terrorist in ihrer Nähe auf, zudem wurden nicht gerade wenige Schutzschilde Menschen erwartet, ihn und die Hamas zu feiern:

“More than 200,000 supporters and guests are expected to attend the outdoor rally marking the founding of the Islamist movement as well as celebrating victory against the Israeli forces which bombed the Gaza Strip from the air for eight days in November.”

Und denen erzählte der Mann, von dem die Analystin behauptet, er habe ihr erklärt, seine Hamas würde “den Kampf sofort [einstellen], wenn der Staat Palästina anerkannt sei, selbstverständlich in den Grenzen von 1967″, nach Gaza werde er Ramallah “befreien”, “and after that Jerusalem then Haifa and Jaffa”.

“Am Ende hängt der Frieden an Persönlichkeiten”, schreibt die Analystin am Schluß ihres Texts, mit dem sie den Hamas-Terroristen auf eine Stufe stellt mit dem gewählten – und abwählbaren – Demokraten Benjamin Netanjahu, “die etwas wagen, das größer ist als ihre eigene politische Zukunft”.

200.000 und mehr “Palästinenser”, denen er eben die judenreinen Strände Tel Avivs versprach, würden gewiß auf Khaled Meshaals Zuruf ihre Urlaubspläne ändern. Es soll ja auch einen Osterhasen geben.

“Der richtige Weg”

Abu Mazen, der “Palästinenserpräsident”, der sich vor Wahlen fürchtet, müsse, erzählten jüngst die “Experten” und die veröffentlichte Meinung, gestärkt werden, weil doch die Hamas eben einen “Sieg” errungen hätte:

“Die Aufwertung des Palästinenser-Status bei der UN ist unabdingbar, um die Rolle von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas gegenüber der Hamas zu stärken. Sie ist politisch gesehen ein extrem wichtiges Signal dafür, dass das gewaltlose Vorgehen Abbas´ der richtige Weg ist.”

Folgt man dieser Theorie, sind der “Palästinenserpräsident” und dessen “richtiger Weg” nun gewiß unheimlich stark und die Hamas kurz davor, die Waffen wegzuwerfen, Israel anzuerkennen und sich der weisen Führung des Jordaniers zu unterwerfen.

Traurigerweise ist das, was Kommentatoren und “Experten” mit dem Vakuum zwischen ihren Ohren sich ausdenken, nur selten praxistauglich, was man derzeit anschaulich bei den Geburtstags-Feiern der Hamas in “Palästina” und Gaza besichtigen kann:


Die Farben der Saison: “A girl dressed as an armed Hamas brigade member”

“Fatah will join celebrations for Hamas’ 25th anniversary in the Gaza Strip on Saturday, a senior Fatah leader said Thursday.

Yahya Rabah told Ma’an that Hamas officially invited Fatah to participate in the festival, and said Fatah leaders would celebrate ‘with our brothers in Hamas.’”

Der “richtige Weg” des gestärkten “Präsidenten” führt dessen Vertreter nach Gaza, wo sie als deren Gäste die Hamas stärken und mit ihr für einen Weg werben, auf dem uniformierte Kinder in den Heiligen Krieg gegen die Juden ziehen.

Weshalb nur ist das Schweigen der klugen “Experten” und Schreibstubenantisemiten Wegweiser plötzlich so laut?

Expertologie

Clemens Verenkotte, tagesschau.de:

“Nach der Aufwertung der Palästinenser durch die UN-Vollversammlung hat Israel wie bereits angedroht reagiert: Die Regierung genehmigte den Bau von 3000 neuen Wohnungen in Siedlungen des Westjordanlandes und in Ost-Jerusalem.”

Ulrike Putz, SPIEGEL online:

“Die Bauvorhaben sind von langer Hand geplant. Dass nun so getan wird, als sei der Bau eine Reaktion auf New York ist ein billiger Show-Effekt, um erregte Gemüter in Israel zu besänftigen …”

… oder sanfte ARD-Gemüter in Tel Aviv zu erregen.

Der Experte

“Der Gazastreifen ist ein riesiges Freiluftgefängnis”, “Israel als De-facto-Besatzungsmacht”, “die Israelis kontrollieren ja alle Zugangswege” – Michael Lüders vergießt im deutschen Staatsfunk unwidersprochen riesige Krokodilstränen, von denen jede eine dicke Lüge ist. Und das Gejammer des “Publizisten” und “Nahost-Experten” ist da noch keineswegs am Höhepunkt angelangt. Der nämlich sieht so aus:

“Die Hamas verhält sich sehr kooperativ im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegenüber Israel, es sind radikalere Gruppierungen, die immer wieder Raketen schießen auf Israel, die bislang die Hamas unter Kontrolle hatte, jetzt aber wohl nicht mehr.”

Potzblitz! Wird da gar gegen die Hamas geputscht in Gaza? Und sind die paar Raketen, die nach Israel fliegen, vielleicht sowas wie Querschläger einer Revolte im “Freiluftgefängnis” gegen die Hamas? Deutsche Nahostexpertologie ist doch immer wieder für Überraschungen gut. Nur: Woher hat Michael Lüders das, was er als Erkenntnisse verkauft? Aus einem schlechten Märchenbuch? Mit der Realität jedenfalls haben seine Behauptungen wenig zu tun.

Ein “Freiluftgefängnis” ist keines, wenn es in ihm Gruppierungen gibt, die weder die Hamas kontrollieren noch Israel daran hindern kann, sich mit Raketen aus- und aufzurüsten. Wo kommen die Raketen her, wenn Israel “alle Zugangswege” kontrolliert und zusätzlich noch die Hamas mit Israel “kooperiert”? Zudem sollen, ging kürzlich ein glaubwürdiges Gerücht, in Gaza sogar schon Smartphones gesichtet worden sein, deren Verkaufsstart in Israel erst noch bevorsteht.

Wie kommt es, daß die Hamas sich stets beeilt, ihre Teilnahme an Angriffen auf Israel zu bekennen? Sieht so das aus, was Michael Lüders “Kooperation” nennt? Weshalb geht sie, wenn die Hamas doch so “kooperativ” ist, nicht vor gegen “radikalere Gruppierungen”? Kürzlich meldeten die iranischen Farsnews: “Al-Zahar: Further Cooperation between Hamas, Islamic Jihad to Strengthen Resistance”. Das ist eine Kooperation.

Michael Lüders weiß nicht, daß Gaza eine gemeinsame Grenze mit Ägypten hat, wo islamistische Sympathisanten der Hamas regieren, er hat nicht mitbekommen, daß Israel bereits seit 2005 keine “Besatzungsmacht” mehr ist. Er erfindet ein “Freiluftgefängnis”, das offenbar besser mit moderner Kommunikationstechnik versorgt wird als Israel, und behauptet eine Kooperation der Hamas mit Jerusalem, obgleich die Bande die Zusammenarbeit mit anderen “Widerstandsgruppen” bekräftigt.

Wer wissen will, was nicht stimmt, der ist bei Michael Lüders an der richtigen Adresse. Wer ihn zum Interview bittet, will nicht aufklären, sondern Lügen verbreiten.

Die israelische Regierung enttäuscht. Seit Benjamin Netanjahu ins Amt des Ministerpräsidenten gewählt wurde und er Avigdor Lieberman zum Außenminister ernannt hatte, mußte man, glaubte man deutschem Nahostexpertentum, beinahe täglich damit rechnen, daß dieses “rechte”, “ultrarechte”, “ultranationalistische” oder gar “faschistische” Duo die Welt in einen Krieg stürzen würde.

Tatsächlich hat die Regierung unter Benjamin Netanjahu es hingenommen, daß in Gaza die Hamas einen islamistischen Quasi-Staat etablierte, der antisemitischen Terroristen nachgerade ideale Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Die andere “palästinensische” “Regierung” wird, obgleich der jüdischen Demokratie nicht weniger feindlich gesinnt als die Hamas, von Israel gestützt.

Und auch an einer anderen Front zeigte die israelische Regierung – anders als von “Kritikern” vom Schlage etwa eines Michael Lüders regelmäßig vorhergesagt – eine durchaus riskante Zurückhaltung: der Angriff auf das iranische Kernwaffenprogramm fiel aus, das trotz westlicher Sanktionen und überflüssiger, da erfolgloser Gespräche Fortschritte machte.

Mit seinen Interviews in britischen Medien konnte Verteidigungsminister Ehud Barak nun tatsächlich nur jene überraschen (und blamieren), die schon immer wußten, daß Benjamin Netanjahu und sein Außenminister das Böse repräsentieren, das doch nur existiere, den Frieden der Welt zu gefährden.

Und so klingt Inge Günther, eine anerkannte deutsche Expertin für jüdische Kriegslust, reichlich enttäuscht, wenn sie feststellt, “dass vor einem Militärschlag zur Ausschaltung des iranischen Atomprogramms noch bis Frühjahr, maximal Sommer, Zeit für die Diplomatie bleibe”. Aber sie hofft noch:

“Ein israelischer Militärschlag gegen Iran ist keineswegs vom Tisch.”

Und dafür, daß das so ist, verdient die Regierung Benjamin Netanjahus in der Tat Kritik. Nicht freilich die ob des Nichteintritts ihrer Prophezeiungen eingeschnappter Nahost-Experten deutscher Provenienz, die nicht sehen können oder wollen, daß solche Untätigkeit Israels es doch nur dem Mullah-Regime in Teheran ermöglicht, Vorräte wieder und weiter aufzufüllen, sowie weitere Rüstungsfortschritte zu erzielen.

Expertologie

Jakob Augstein, ein ganz großer deutscher Denker, dichtet:

“Wem nützt solche Gewalt? Immer nur den Wahnsinnigen und den Skrupellosen.

Und dieses Mal auch – wie nebenbei – den US-Republikanern und der israelischen Regierung.”

Michael Lüders, ein ganz großer deutscher Dichter, denkt:

“Also sagen wir mal, es gibt einen Angriff der USA und/oder Israels auf den Iran, dann wird das, was wir jetzt erleben in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, nur noch ein Spaziergang sein gemessen an dem, was uns für den Fall erwarten sollte.”

Wissenschaft

“heute.de: Wie wissen wir, ob es wirklich ernst wird?

Perthes: In dem Moment, in dem jemand anfängt zu schießen.”

Danke, ZDF, danke, Volker Perthes.

Copyright © 2013 by: tw_24:blog • Design by: BlogPimp / Appelt Mediendesign • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.