Experten

“Experten”-Arbeit

Zu jenen selbsterklärten “deutschen Nahost-Experten”, die sich jüngst als Fürsprecher der Hamas, mit der weder “Palästinenser” noch Araber noch viel zu tun haben wollen, aus jeder ernsthaften Diskussion über Nahöstliches ausschlossen, gehört Tsafrir Cohen, der für medico international den “Nahost-Referenten” gibt. Dem Staatsradio durfte er am Montag erzählen, was ihn bewegt, denkt er an Gaza:

“Es kann nichts aus dem Gaza-Streifen exportiert werden, gar nichts seit acht Jahren.”

Nachdem Israel 2005 Gaza komplett geräumt hatte, hätten Hamas und andere “palästinensische”Terroristen ihre Waffen zur Seite legen und damit beginnen können, die Grundlagen für einen ökonomischen Aufstieg des Gebiets zu legen. Die “Palästinenser” zogen die Zerstörung von “Siedlern” zurückgelassener Infrastruktur und einen bis heute anhaltenden Raketenterror gegen Israel vor.

Ein Jahr später verschleppten Hamas-Terroristen, die durch einen Tunnel auf israelisches Territorium gelangt waren, den Soldaten Gilad Shalit nach Gaza, ein weiteres Jahr später putschte die islamistische Bande sich an die Macht. Tatsächliche oder vermeintliche Gegner wurden selbst noch in Krankenhäusern massakriert, von Hausdächern geworfen. Der Raketenbau und -“export” nach Israel ging ungemindert weiter. Andere Exporte brachen ein.

“From June 2007 until June 2010, only 255 truckloads of strawberries and flowers left Gaza for Europe, compared to dozens of trucks that left Gaza per-day in the first six months of 2007 [..].”

Doch noch 2014 verließen nach Angaben der Vereinten Nationen zwischen Januar und Juni insgesamt mindestens 84 Wagenladungen mit Exportgütern Gaza. Das ist nicht “gar nichts”. Und weshalb es wenig ist, das mag eine Meldung der “palästinensischen” Maan News illustrieren, die auch gleich mit einer weiteren, nun, Realitätsverweigerung des “deutschen Nahost-Experten” aufräumt:

“Israeli authorities on Sunday closed the Erez crossing between Gaza and Israel to injured Palestinians seeking medical care outside of Gaza after five mortars hit the area and injured four civilians. [..]

Although the Erez crossing is generally tightly restricted by Israeli authorities, in recent weeks patients injured during the Israeli bombardment of Gaza have been transferred through the crossing to hospitals in East Jerusalem, Turkey, and other places [..].”

“Aus dem Gaza-Streifen kann niemand raus”, klagt der Tsafrir Cohen, dabei ist ganz offenkundig, daß das nicht an Israel liegt. Es sind “palästinensische” Terroristen, die Menschen daran hindern, Gaza zu verlassen, Terroristen, die für Tsafrir Cohen eine “populäre politische Partei” sind, die man anerkennen und mit der man verhandeln und womöglich Kompromisse schließen müsse.

“Die Menschen leben immer an der Grenze zur absoluten Armut, mit ein, zwei Dollar am Tag, das wäre vielleicht der normale Durchschnitt.”

Ein “deutscher Nahost-Experte” wie Tsafrir Cohen muß im Staatsfunk nicht belegen, woher er sein “Wissen” hat. Aus “Palästina” jedenfalls hat er es nicht. Es mag sein, daß es “Palästinenser” gibt, denen nur “ein, zwei Dollar am Tag” zur Verfügung stehen, durchschnittlich allerdings sind diese Beträge nach den letzten Angaben des Palestinian Central Bureau des Regimes in Ramallah nicht.

Monatlich geben nach ihnen Haushalte in Gaza bei einer durchschnittlichen Größe von 6,6 Menschen 729,3 jordanische Dinar aus. Das sind pro Kopf und Monat also 110,5 beziehungsweise täglich 3,7 jordanische Dinar, nach aktuellem Kurs ungefähr 4 Euro oder etwas mehr als 5 Dollar. Das ist gewiß nicht viel, aber immerhin 400 Prozent mehr als die niedrigste Schätzung Tsafrir Cohens.

“Deutscher Nahost-Experte” wird man offensichtlich nicht durch Faktenkenntnis, Kompetenz scheint einer Karriere in deutschen Medien oder bei medico international eher hinderlich, einer “NGO”, die bestimmt mindestens so vertrauenswürdig ist wie ihr “Nahost-Referent”.

Größenwahn und Exzellenz

Deutschland verfügt, so der aktuelle Stand, über mehr als 130 “Nahost-Experten”, die von ihrer Expertise so überzeugt sind, daß sie mit der Behauptung, “wir [..] beschäftigen uns professionell mit der Entwicklung in den besetzten palästinensischen Gebieten”, den Gang an die Öffentlichkeit wagen.

“Wir setzen uns”, klopfen die “Experten” von B wie Helga Baumgarten bis W wie René Wildangel sich auf die Schulter, “in den besetzten palästinensischen Gebieten und in Deutschland für die Schaffung eines unabhängigen, demokratischen Staates Palästina, der in Frieden mit Israel und seinen Nachbarn leben kann, ein”.

Helga Baumgarten beispielsweise lehrt seit den frühen 1990ern an einer Universität in den umstrittenen Gebieten, die eine Friedenstauben-Hochburg zu nennen wohl untertrieben wäre. Im Dezember 2012 zeigten Kolleginnen und Studenten der “deutschen Nahost-Expertin” in einer Ausstellung, was deren Einsatz bewirken konnte:

“The art on show isn’t the traditional assortment of expressive mediums, but rather a shrine to the militaristic nature of Hamas’s confrontation with Israel. The ‘red carpet’ rolled out for arrivals to walk on is an Israeli flag.”

Und auch die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung, deren Büro in Ramallah René Wildangel leitet, kann sich schon seit 2009 lesen lassen: Unter dem Titel “Boykott, Divestment and Sanctions” brachten damals “palästinensische” Schützlinge der Stiftung eine Broschüre heraus, die eine einzige Liebeserklärung an Israel darstellt:

“Drawing upon the South African example, the international boycott of Israeli products which is already yielding significant impacts must be expanded and sustained.”

Doch all die schöne Arbeit der “deutschen Nahost-Experten”, sie ist bedroht, wenn nicht gar schon dahin: “Über einem Monat haben wir einem zerstörerischen Krieg zusehen müssen, der alle diese Anstrengungen zunichte macht [..] auf Monate, möglicherweise auf Jahre hinaus”. Poor Krauts.

Um zu retten, was noch zu retten ist, haben sie aber glücklicherweise noch eine letzte Idee, die sich nur über 130 helle “deutsche Nahost-Experten”-Köpfe ausgedacht haben können: “Der Dialog mit den politischen Vertretern der Hamas sollte [..] nicht länger verweigert werden”.

Ganz ähnlich denkt übrigens Gershon Baskin. Und doch liest sich sein Verhandlungsangebot an die Hamas ein wenig anders als das, was 130 “deutsche Nahost-Experten” zusammenstümperten. Wer wissen möchte, warum “deutsche Nahost-Experten” weder einzeln noch im Verbund welche sind, lese Gershon Baskin:

If Hamas and the ruling government in Gaza agree to recognize Israel and negotiate peace with Israel, then Israel will be willing to negotiate full peace with Hamas and the ruling government in Gaza including the normalization of relations between the two sides, including the opening of a seaport and an airport under conditions of agreed upon trust worthy international monitoring.”

Gershon Baskin ist durchaus ein streitbarer Mensch. Im Gegensatz zu “deutschen Nahost-Experten”, die Expertise mit Parteinahme für eine international operierende Bande islamistischer Terroristen verwechseln, ist er aber mindestens satisfaktionsfähig.

Kritischer Journaillismus (Folge 764)

Auf Michael Lüders ist Verlaß. Wohl deshalb scheint kaum eine Stunde zu vergehen, in der er nicht irgendwo auftritt, zu erzählen, was er immer erzählt. Das hat mit Vorurteilen zwar mehr zu tun als mit wirklicher Expertise, doch um letztere geht es ja gerade nicht. Das Publikum will hören, die gewohnt kritische Klasse senden, was es hören will.

Kritisch hingegen wird es in jeder Hinsicht, ist der Verläßliche bei der Konkurrenz unterwegs oder aus anderen Gründen gerade verhindert. Dann wird nämlich die ganze Voreingenommenheit besonders öffentlich-rechtlichen deutschen Moderatorentums so richtig offenkundig. Für seinen Deutschlandfunk beispielsweise wollte Dirk-Oliver Heckmann mal so richtig investigativ werden:

“Überraschend wenig wird derzeit hierzulande [!] darüber debattiert, ob sich das Verhalten der israelischen Armee noch im erlaubten Rahmen befindet oder nicht.”

Doch wo ein Michael Lüders vermutlich nicht lange überlegt hätte, wägt der ersatzweise befragte Claus Kreß, Direktor des Kölner Instituts für Friedenssicherungsrecht, ab und kommt zu dem Schluß:

“Israel ist in der Pflicht, so es Verdachtsmomente für Kriegsverbrechen im einzelnen Fall gibt – aber noch einmal, ich habe dafür zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte –, diesen Verdachtsmomenten nachzugehen.”

Kriegsverbrechen begehe, und zwar mehrfach, derweil einzig die Hamas, indem sie nämlich einerseits gezielt Zivilisten in Israel angreife und andererseits dadurch, daß sie “systematisch militärische Ziele und zivile Orte miteinander vermischt und dadurch die Zivilisten im Gazastreifen in eine eminente, ständige Gefahr” bringe.

“Das sind zwei separate und für sich genommen jeweils schwere Kriegsrechtsverstöße. Man kann darüber hinaus sogar die Frage stellen, ob bei derartig umfangreichen Angriffen, die ja Terrorcharakter annehmen, weil sie Schrecken über die israelische Zivilbevölkerung bringen sollen, ob wir hier nicht bereits die Schwelle eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit erreicht haben.”

Da will also ein Staatsrundfunker Kriegsverbrechen der israelischen Streitkräfte aufklären, über die “derzeit hierzulande [..] überraschend wenig [..] debattiert” werde – doch dann muß er sich erklären lassen, das liege möglicherweise daran, daß es da einfach gar nichts zu debattieren gibt. Vielmehr begehe die Hamas vielleicht sogar Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Eine nicht ganz unähnliche Pleite widerfuhr auch Kathrin Augustin, Ansagerin beim Staatssender Phoenix. “Für die Menschen im Gaza-Streifen wird die Situation immer dramatischer”, barmte sie. “Tausende Palästinenser sind auf der Flucht, wissen aber nicht wohin, denn” – Potzblitz! – “der dicht besiedelte Küstenstreifen ist abgeriegelt und gleicht somit einem riesigen Freiluftgefängnis.”

Dumm nur, daß auch hier der Michael Lüders nicht greifbar war, sondern, zunächst, nur Richard C. Schneider aus Tel Aviv den Wegweiser geben mußte für das “Freiluftgefängnis”:

“Es gibt tatsächlich noch Flecken, wo es relativ sicher ist. Man kann sich immer weiter in Richtung des Meeres zurückziehen, denn in erster Linie bombardiert Israel an der Grenze zu Israel, also das heißt, vier, fünf Kilometer da hinein, das heißt, es gibt noch ein bißchen Möglichkeiten auszuweichen.”

Und dann zieht auch noch der Gast im Studio, Andreas Dittmann, Geograph an der Universität Gießen, die Behauptung vom “abgeriegelten Küstenstreifen” einfach so und vor laufender Kamera in Zweifel:

“Unter den Muslimbrüdern wäre der Konflikt wahrscheinlich jetzt noch stärker ausgebrochen, man kann sich nur ausmalen, was an Waffenlieferungen in der vergangenen Zeit in den angeblich so komplett abgeriegelten Gaza-Streifen hineingeflossen ist. Wenn da jetzt über Tage Israel mit Raketen angegriffen werden kann, dann kann das ja nicht eine hermetische Komplettabriegelung sein.”

Konnte Michael Lüders tatsächlich noch nicht geklont werden?

Rinkslechts

“Schließlich kommen sozialwissenschaftliche Studien über rechte, chauvinistische und exklusivistische Einstellungen in Deutschland regelmäßig zu dem Ergebnis, dass es bei einem Teil der deutschen Bevölkerung hartnäckige Vorurteile und Ressentiments gibt, zu denen auch der Antisemitismus zählt. [..] Auch Anhänger/innen von Gewerkschaften und linken Parteien sind davon, wenngleich bei Letzteren weniger als die Anhänger/innen von Parteien der Mitte und rechten Parteien, betroffen.”

(Peter Ullrich: Deutsche, Linke und der Nahostkonflikt, Göttingen 2013, S. 172)

“Table 6: Description of the person(s) making negative statements about Jewish people in the past 12 months, by EU Member State (%)

EU Member State
Descriptions of person(s)
BE DE FR
Someone with a left-wing political view 58 47 67
Someone with a Muslim extremist view 60 48 73
Someone with a right-wing political view 32 40 27
Someone with a Christian extremist view 16 13 22″

(EU Agency for Fundamental Rights: Discrimination and hate crime against Jews in EU Member States: experiences and perceptions of antisemitism, Luxembourg 2013, p. 27)

Heimweh

Glaubt man europäischen und anderen Freunden der in Gaza “regierenden” Hamas, verwaltet die islamistische Bande ein “Freiluft-Gefängnis”, aus dem es kein Entkommen gibt, da doch “die Israelis [..] alle Zugangswege in Richtung Gaza-Streifen” kontrollieren.

Zu diesen “Israelis” gehören neuedings auch die Ägypter, die in diesen Tagen damit begonnen haben, ihre Grenze zu Gaza massiv zu sichern. Schmuggeltunnel werden geschlossen, eine 500 Meter breite unbebaute und baumlose Sicherheitszone geschaffen.

Die ägyptischen Armee reagiert mit diesen und weiteren Maßnahmen auf die zunehmend unsichere Lage im Sinai, für die sie die Hamas mitverantwortlich macht. Immer wieder sollen sich Terroristen nach Anschlägen in Ägypten nach Gaza zurückgezogen haben und weitere dort geplant haben.

Die “Regierung” von Gaza weist natürlich alle Vorwürfe weit von sich und droht mit “humanitären Katastrophen”, setzten ägyptische Sicherheitskräfte ihre Politik fort. Eine besonders bittere Klage trägt dabei Ghazi Hamad vor, der “Außenminister” der Hamas:

“Palestinians stranded in countries like Malaysia, Turkey, Jordan, and others have contacted us to facilitate their return to Gaza [..].”

Das wirft Fragen auf: Wie konnten die Gestrandeten aus dem “Freiluft-Gefängnis” entkommen? Und was, noch schlymmer, läßt sie – freiwillig – zurückdrängen in die Haftanstalt, die, so der allwissend-deutsche “Experte”, “in gar nicht mal ferner Zukunft [..] nicht mehr bewohnbar sein” wird?

Der Experte

Auf seiner Website schreibt der jüngst von der taz als “Politikwissenschafter [sic!], Islamspezialist und Publizist” vorgestellte Michael Lüders über “traditionell gute Beziehungen Deutschlands zu den nahöstlichen Staaten”, deren Kenntnis er auf diesem Weg in Einkommen zu verwandeln sucht.

Das klappt derzeit vermutlich nicht mehr so gut wie noch vor drei Jahren oder – im Falle Ägyptens – wenigen Monaten, da die Kontakte in dem einen oder anderen nahöstlichen Staat keine Zeit mehr zur Traditionspflege haben, weshalb Michael Lüders vom Berater zum “Experten” mutierte und nun das deutsche TV zu seiner Bühne macht.

Dort traf er am Montag auf Hamed Abdel-Samad, der es wagte, einer “traditionell guter Beziehungen” auf den Grund zu gehen:

“Die Muslimbrüderschaft war seit ihrer Gründung auch dem Naziregime sehr nahe, Hassan al-Banna, der Gründer, hat Hitler und Mussolini verherrlicht und sie als große Anführer gesehen und sogar als Vorbilder, und das gibt es in den Briefen von Hassan al-Banna selbst nachzulesen. Und sie haben sich von dieser Ideologie nie getrennt.”

Das gefiel dem deutschen Verteidiger der Ikhwan wohl gar nicht, und so erwiderte er:

“Ihre Darstellung der Muslimbrüder, bei allem Respekt, kann ich nicht teilen. Es ist unsachlich, die Muslimbrüder mit den Nazis gleichzusetzen.”

Das habe er, erwiderte Hamed Abdel-Samad, auch nicht gemacht, sondern nur verglichen, worauf Michael Lüders sich beklagte, “nichtsdestotrotz, die Assoziation ist klar”. Haben die Ikhwan es tatsächlich verdient, mit Nazis verglichen zu werden, noch dazu durch einen Ägypter? Irrt der deutsche “Islamspezialist” und Traditionspfleger (1)?

“The Brotherhood’s founder and leader, Hassan al-Banna”, zitiert Jeffrey Herf (2) britische Nachrichtendienste aus dem Jahr 1944, “had ‘made a careful study of the Nazi and Fascist organizations. Using them as a model, he has formed organizations of specially trained and trusted men who correspond respectively to the Brown Shirts and Black Shirts (Hitler’s bodyguard).'”

“Even the crudest inventions of Christian and Nazi anti-Semitism have been thoroughly internalized and Islam-icized”, bestätigt Robert Wistrich bereits im Vorwort (p. 44/45) seiner 2010 erschienenen umfangreichen Studie A lethal Obsession. Und nur wenige Zeilen später ergänzt der angesehene Antisemitismusforscher:

“By that time [the late 1930s], Arab nationalists, the Muslim Brotherhood, and the Palestinian leader Haj Amin al-Husseini had already developed close links and even ideological affinities with the Nazis, which provided the seedbed for contemporary Islamo-fascism. The Muslim Brothers were committed to jihad from their very foundation in 1928, and have remained radically anti-Semitic in outlook for the past eighty years.”

Das kann, das sollte wissen, wer sich “Islamspezialist” nennen läßt, oder mit etwas mehr als nur einer knappen Bemerkung widerlegen können. Aber was bliebe dann von den “traditionell guten Beziehungen” übrig, die eben doch durch und durch braun und daher keine “guten” sind? Und wovon sollte Michael Lüders dann leben?

(1) Michael Lüders ist freilich nicht der einzige deutsche Verteidiger des Islamismus, vgl. hierzu etwa Clemens Heni: Schadenfreude, Berlin 2011, S. 48-64
(2) Jeffrey Herf: Nazi Propaganda for the Arab World, New Haven & London 2010, p. 225

To cancel or not to cancel …

“Die Palästinenserführung hat die nächste Runde der Nahostfriedensgespräche nach gewaltsamen Zusammenstößen am Ortsrand von Jerusalem abgesagt. Das Treffen, das am frühen Nachmittag im Westjordanland beginnen sollte, sei ‘aufgrund des israelischen Verbrechens in Kalandija’ gestrichen worden, teilte ein Sprecher mit.”

“The U.S. State Department on Monday denied reports that U.S.-brokered peace talks between Israelis and Palestinians had been canceled following clashes in the West Bank. ‘I can assure you that no meetings have been canceled,’ State Department spokeswoman Mari Harf told Reuters. ‘The parties are engaged in serious and sustained negotiations,’ she said.”

Brandexperte

Peter Münch kommentiert in der Süddeutschen Zeitung (24. August 2013, S. 4) die Konflikte in den Nachbarstaaten Israels und kommt zu dem Schluß: “Es droht Gefahr an allen Grenzen”; Israel könnte in die “eigentlich inner-arabischen Wirren verwickelt” werden:

“Wenn das gelingt, steht der Nahe Osten in Flammen.”

Im Libanon reißen Autobomber Dutzende in den Tod, Syrien gleicht in weiten Teilen einer Trümmerlandschaft, in Ägypten bemühen islamistische Banden sich, Chaos und Bürgerkrieg herbeizuführen. Aber noch brennt der Nahe Osten nicht, da Israel nicht beteiligt ist.

Schöne süddeutsche Welt.

Expertologie

Kürzlich stand Ägypten noch vor einer “Entscheidungsschlacht”, zwischenzeitlich ist sie ohne wirkliche Entscheidung erstaunlich unblutig geschlagen. Mohammed Morsi, zum Jahresanfang noch lieber Gast Angela Merkels, die ihn mit militärischen Ehren empfing, wurde vom Kanzleramt lokalen Militär entmachtet und prompt als “radikale[r] gefährliche[r] Antisemit” erkannt.

Die Muslimbrüder und ihr Präsident Mohammed Morsi sind entzaubert, gleichwohl ist es nicht ganz unwahrscheinlich, daß ihre Entmachtung zu früh kam, sie auch langfristig zu blamieren. Zeit jedenfalls, bestens qualifizierte Experten ins deutsche Demokratie-TV einzuladen, zu erzählen, wieso kam, wieso kommen mußte, was kam:

“Über Wasser halten das Land und den Präsidenten Milliardenkredite von konservativ-islamischen Nachbarn wie Saudi-Arabien.”

“Natürlich, die saudische Führung hassen [sic!] die Moslembrüder, nicht wahr.”

Wer haßt – der überweist Milliarden.

(Wer uns hassen möchte, wende sich bitte vertrauensvoll an unseren Wunschzettel ;-).)

“Schutz der palästinensischen Ökonomie”

“Die Forderung nach einem Boykott israelischer Waren ist in Palästina entstanden. Ihr Vorbild ist der Apartheidsboykott gegen das weiße Regime in Südafrika und hat erhebliche Resonanz in den meisten europäischen Staaten und Lateinamerika gefunden. Er wird in vielen Varianten vertreten und gilt nur, solange sich Israel nicht an das Völkerrecht hält. Er richtet sich insbesondere gegen den völkerrechtswidrigen Export von Gütern, die in den besetzten Gebieten hergestellt werden, deklariert als israelische Waren. Nach den Regeln der EU ist ein derartiger Export verboten, wird aber vielfach unterlaufen. Der zentrale Einwand gegen Boykottaktionen lautet, sie produzierten im historischen Unterbewusstsein vieler Deutscher eine Wiederholung ihrer unseligen Geschichte des Boykotts jüdischer Geschäfte. Er verkennt und verwischt jedoch die totale Andersartigkeit und Zielsetzung der aktuellen Boykottbewegung. Was 1933 der verbrecherische Auftakt einer gigantischen Vernichtungsaktion war, soll heute dem Schutz der palästinensischen Ökonomie und ihrer Befreiung von einer jahrzehntelangen illegalen Besatzung dienen. Einmal mehr sollte auch hier die Geschichte nicht zur Tabuisierung vollkommen berechtigter Anliegen und legaler Aktionen dienen.”

“I mean we have to be honest, and I loathe the disingenuous. They don’t want Israel. They think they are being very clever; they call it their three-tier. We want the end of the occupation, the right of return, and we want equal rights for Arabs in Israel. And they think they are very clever because they know the result of implementing all three is what, what is the result?

You know and I know what the result is. There’s no Israel!”

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