Experten

Rinkslechts

“Schließlich kommen sozialwissenschaftliche Studien über rechte, chauvinistische und exklusivistische Einstellungen in Deutschland regelmäßig zu dem Ergebnis, dass es bei einem Teil der deutschen Bevölkerung hartnäckige Vorurteile und Ressentiments gibt, zu denen auch der Antisemitismus zählt. [..] Auch Anhänger/innen von Gewerkschaften und linken Parteien sind davon, wenngleich bei Letzteren weniger als die Anhänger/innen von Parteien der Mitte und rechten Parteien, betroffen.”

(Peter Ullrich: Deutsche, Linke und der Nahostkonflikt, Göttingen 2013, S. 172)

“Table 6: Description of the person(s) making negative statements about Jewish people in the past 12 months, by EU Member State (%)

EU Member State
Descriptions of person(s)
BE DE FR
Someone with a left-wing political view 58 47 67
Someone with a Muslim extremist view 60 48 73
Someone with a right-wing political view 32 40 27
Someone with a Christian extremist view 16 13 22″

(EU Agency for Fundamental Rights: Discrimination and hate crime against Jews in EU Member States: experiences and perceptions of antisemitism, Luxembourg 2013, p. 27)

Heimweh

Glaubt man europäischen und anderen Freunden der in Gaza “regierenden” Hamas, verwaltet die islamistische Bande ein “Freiluft-Gefängnis”, aus dem es kein Entkommen gibt, da doch “die Israelis [..] alle Zugangswege in Richtung Gaza-Streifen” kontrollieren.

Zu diesen “Israelis” gehören neuedings auch die Ägypter, die in diesen Tagen damit begonnen haben, ihre Grenze zu Gaza massiv zu sichern. Schmuggeltunnel werden geschlossen, eine 500 Meter breite unbebaute und baumlose Sicherheitszone geschaffen.

Die ägyptischen Armee reagiert mit diesen und weiteren Maßnahmen auf die zunehmend unsichere Lage im Sinai, für die sie die Hamas mitverantwortlich macht. Immer wieder sollen sich Terroristen nach Anschlägen in Ägypten nach Gaza zurückgezogen haben und weitere dort geplant haben.

Die “Regierung” von Gaza weist natürlich alle Vorwürfe weit von sich und droht mit “humanitären Katastrophen”, setzten ägyptische Sicherheitskräfte ihre Politik fort. Eine besonders bittere Klage trägt dabei Ghazi Hamad vor, der “Außenminister” der Hamas:

“Palestinians stranded in countries like Malaysia, Turkey, Jordan, and others have contacted us to facilitate their return to Gaza [..].”

Das wirft Fragen auf: Wie konnten die Gestrandeten aus dem “Freiluft-Gefängnis” entkommen? Und was, noch schlymmer, läßt sie – freiwillig – zurückdrängen in die Haftanstalt, die, so der allwissend-deutsche “Experte”, “in gar nicht mal ferner Zukunft [..] nicht mehr bewohnbar sein” wird?

Der Experte

Auf seiner Website schreibt der jüngst von der taz als “Politikwissenschafter [sic!], Islamspezialist und Publizist” vorgestellte Michael Lüders über “traditionell gute Beziehungen Deutschlands zu den nahöstlichen Staaten”, deren Kenntnis er auf diesem Weg in Einkommen zu verwandeln sucht.

Das klappt derzeit vermutlich nicht mehr so gut wie noch vor drei Jahren oder – im Falle Ägyptens – wenigen Monaten, da die Kontakte in dem einen oder anderen nahöstlichen Staat keine Zeit mehr zur Traditionspflege haben, weshalb Michael Lüders vom Berater zum “Experten” mutierte und nun das deutsche TV zu seiner Bühne macht.

Dort traf er am Montag auf Hamed Abdel-Samad, der es wagte, einer “traditionell guter Beziehungen” auf den Grund zu gehen:

“Die Muslimbrüderschaft war seit ihrer Gründung auch dem Naziregime sehr nahe, Hassan al-Banna, der Gründer, hat Hitler und Mussolini verherrlicht und sie als große Anführer gesehen und sogar als Vorbilder, und das gibt es in den Briefen von Hassan al-Banna selbst nachzulesen. Und sie haben sich von dieser Ideologie nie getrennt.”

Das gefiel dem deutschen Verteidiger der Ikhwan wohl gar nicht, und so erwiderte er:

“Ihre Darstellung der Muslimbrüder, bei allem Respekt, kann ich nicht teilen. Es ist unsachlich, die Muslimbrüder mit den Nazis gleichzusetzen.”

Das habe er, erwiderte Hamed Abdel-Samad, auch nicht gemacht, sondern nur verglichen, worauf Michael Lüders sich beklagte, “nichtsdestotrotz, die Assoziation ist klar”. Haben die Ikhwan es tatsächlich verdient, mit Nazis verglichen zu werden, noch dazu durch einen Ägypter? Irrt der deutsche “Islamspezialist” und Traditionspfleger (1)?

“The Brotherhood’s founder and leader, Hassan al-Banna”, zitiert Jeffrey Herf (2) britische Nachrichtendienste aus dem Jahr 1944, “had ‘made a careful study of the Nazi and Fascist organizations. Using them as a model, he has formed organizations of specially trained and trusted men who correspond respectively to the Brown Shirts and Black Shirts (Hitler’s bodyguard).’”

“Even the crudest inventions of Christian and Nazi anti-Semitism have been thoroughly internalized and Islam-icized”, bestätigt Robert Wistrich bereits im Vorwort (p. 44/45) seiner 2010 erschienenen umfangreichen Studie A lethal Obsession. Und nur wenige Zeilen später ergänzt der angesehene Antisemitismusforscher:

“By that time [the late 1930s], Arab nationalists, the Muslim Brotherhood, and the Palestinian leader Haj Amin al-Husseini had already developed close links and even ideological affinities with the Nazis, which provided the seedbed for contemporary Islamo-fascism. The Muslim Brothers were committed to jihad from their very foundation in 1928, and have remained radically anti-Semitic in outlook for the past eighty years.”

Das kann, das sollte wissen, wer sich “Islamspezialist” nennen läßt, oder mit etwas mehr als nur einer knappen Bemerkung widerlegen können. Aber was bliebe dann von den “traditionell guten Beziehungen” übrig, die eben doch durch und durch braun und daher keine “guten” sind? Und wovon sollte Michael Lüders dann leben?

(1) Michael Lüders ist freilich nicht der einzige deutsche Verteidiger des Islamismus, vgl. hierzu etwa Clemens Heni: Schadenfreude, Berlin 2011, S. 48-64
(2) Jeffrey Herf: Nazi Propaganda for the Arab World, New Haven & London 2010, p. 225

To cancel or not to cancel …

“Die Palästinenserführung hat die nächste Runde der Nahostfriedensgespräche nach gewaltsamen Zusammenstößen am Ortsrand von Jerusalem abgesagt. Das Treffen, das am frühen Nachmittag im Westjordanland beginnen sollte, sei ‘aufgrund des israelischen Verbrechens in Kalandija’ gestrichen worden, teilte ein Sprecher mit.”

“The U.S. State Department on Monday denied reports that U.S.-brokered peace talks between Israelis and Palestinians had been canceled following clashes in the West Bank. ‘I can assure you that no meetings have been canceled,’ State Department spokeswoman Mari Harf told Reuters. ‘The parties are engaged in serious and sustained negotiations,’ she said.”

Brandexperte

Peter Münch kommentiert in der Süddeutschen Zeitung (24. August 2013, S. 4) die Konflikte in den Nachbarstaaten Israels und kommt zu dem Schluß: “Es droht Gefahr an allen Grenzen”; Israel könnte in die “eigentlich inner-arabischen Wirren verwickelt” werden:

“Wenn das gelingt, steht der Nahe Osten in Flammen.”

Im Libanon reißen Autobomber Dutzende in den Tod, Syrien gleicht in weiten Teilen einer Trümmerlandschaft, in Ägypten bemühen islamistische Banden sich, Chaos und Bürgerkrieg herbeizuführen. Aber noch brennt der Nahe Osten nicht, da Israel nicht beteiligt ist.

Schöne süddeutsche Welt.

Expertologie

Kürzlich stand Ägypten noch vor einer “Entscheidungsschlacht”, zwischenzeitlich ist sie ohne wirkliche Entscheidung erstaunlich unblutig geschlagen. Mohammed Morsi, zum Jahresanfang noch lieber Gast Angela Merkels, die ihn mit militärischen Ehren empfing, wurde vom Kanzleramt lokalen Militär entmachtet und prompt als “radikale[r] gefährliche[r] Antisemit” erkannt.

Die Muslimbrüder und ihr Präsident Mohammed Morsi sind entzaubert, gleichwohl ist es nicht ganz unwahrscheinlich, daß ihre Entmachtung zu früh kam, sie auch langfristig zu blamieren. Zeit jedenfalls, bestens qualifizierte Experten ins deutsche Demokratie-TV einzuladen, zu erzählen, wieso kam, wieso kommen mußte, was kam:

“Über Wasser halten das Land und den Präsidenten Milliardenkredite von konservativ-islamischen Nachbarn wie Saudi-Arabien.”

“Natürlich, die saudische Führung hassen [sic!] die Moslembrüder, nicht wahr.”

Wer haßt – der überweist Milliarden.

(Wer uns hassen möchte, wende sich bitte vertrauensvoll an unseren Wunschzettel ;-).)

“Schutz der palästinensischen Ökonomie”

“Die Forderung nach einem Boykott israelischer Waren ist in Palästina entstanden. Ihr Vorbild ist der Apartheidsboykott gegen das weiße Regime in Südafrika und hat erhebliche Resonanz in den meisten europäischen Staaten und Lateinamerika gefunden. Er wird in vielen Varianten vertreten und gilt nur, solange sich Israel nicht an das Völkerrecht hält. Er richtet sich insbesondere gegen den völkerrechtswidrigen Export von Gütern, die in den besetzten Gebieten hergestellt werden, deklariert als israelische Waren. Nach den Regeln der EU ist ein derartiger Export verboten, wird aber vielfach unterlaufen. Der zentrale Einwand gegen Boykottaktionen lautet, sie produzierten im historischen Unterbewusstsein vieler Deutscher eine Wiederholung ihrer unseligen Geschichte des Boykotts jüdischer Geschäfte. Er verkennt und verwischt jedoch die totale Andersartigkeit und Zielsetzung der aktuellen Boykottbewegung. Was 1933 der verbrecherische Auftakt einer gigantischen Vernichtungsaktion war, soll heute dem Schutz der palästinensischen Ökonomie und ihrer Befreiung von einer jahrzehntelangen illegalen Besatzung dienen. Einmal mehr sollte auch hier die Geschichte nicht zur Tabuisierung vollkommen berechtigter Anliegen und legaler Aktionen dienen.”

“I mean we have to be honest, and I loathe the disingenuous. They don’t want Israel. They think they are being very clever; they call it their three-tier. We want the end of the occupation, the right of return, and we want equal rights for Arabs in Israel. And they think they are very clever because they know the result of implementing all three is what, what is the result?

You know and I know what the result is. There’s no Israel!”

Liebe Susi K.,

lange haben wir Dir nicht mehr geschrieben, uns nach Deinem Wohlbefinden erkundigt. Vor einem Jahr hofften wir auf Deine Genesung, ließen Dich mit Deinen Problemen aber allein. Das ist, jedenfalls rückblickend, unentschuldbar, denn heute schreibst Du Sätze, die nur einen Schluß zulassen: Es ist, leider, schlimmer geworden:

“Die Wahl des moderaten Klerikers ist für Israel nicht nur eine frohe Botschaft. So verhasst der scheidende Mahmud Ahmadinedschad in Jerusalem ist, so ließ sich der ungehobelte Holocaustleugner doch besser für die politische Kampagne gegen das iranische Nuklearprogramm einsetzen als künftig Rohani.”

Keine Frage, der ungehobelte Herr A. wurde eingesetzt. Aber wie sein Nachfolger, der, hörten wir am Wochenende allerorten, vom “iranischen Volk gewählt” wurde, würde er doch sicherlich leugnen, eine Marionette Jerusalems zu sein. Hätte die israelische Regierung die Macht, die Du ihr unterstellst, ihre Marionette in Teheran wäre eine sympathischere.

Wie kommst Du zudem auf die Idee, es spiele für “die politische Kampagne gegen das iranische Nuklearprogramm” eine Rolle, ob es von einem ungehobelten Herrn A. oder dem “moderaten Kleriker” R. vorangetrieben wird? Die Bombe, die für den “großen Satan” bestimmt ist, fragt doch auch nicht nach guten, den “israelkritischen” Juden.

Dein Kollege Bahman Nirumand, liebe Susi, schreibt auf der gleichen Seite wie Du über Hassan Rohani, dieser sei “ein Mann des Systems”. Eines Systems, das er mitprägte, das er deshalb auch nicht ändern wird. Und dieses System ist unabhängig vom Gesicht, das es repräsentiert, keines, das von Jerusalem irgendwie kontrolliert wird.

Du magst es nicht glauben, liebe Susi, aber es ist dennoch so: Sollte die Regierung in Jerusalem den israelischen Streitkräften auftragen, das Rüstungsprogramm der Islamischen Republik gewaltsam zu beenden, so wird sie das nicht tun, weil ihr das Spaß macht, sondern weil es, das Kernwaffenprogramm, verdammt gefährlich ist, existenzbedrohend.

Es geht nicht darum, wer sich besser “gegen das iranische Nuklearprogramm einsetzen” läßt, wie Du delirierst. Es geht um dieses Programm. Es geht, anderer Schauplatz, auch nicht darum, wer besser oder böser aussieht, schickt er Soldaten der Revolutionsgarden nach Syrien, sondern einzig darum, daß es geschieht.

Oder würdest Du, liebste Susi, fabulieren: “So verhasst der scheidende Mahmud Ahmadinedschad in den Reihen der FSA ist, so ließ sich der ungehobelte Despot doch besser für die politische Kampagne gegen die iranische Unterstützung des Assad-Regimes einsetzen als künftig Rohani”?

Es ist, wir ahnten es, offenbar in der Tat so, daß nicht heilbar ist, was Dich plagt, geschätzte Susi. Vielleicht läßt es sich aber noch kontrollieren. Vielleicht.

Rechercheur des Tages

Kanadische Sicherheitskräfte haben zwei Verdächtige festgenommen, denen vorgeworfen wird, einen terroristischen Anschlag geplant und vorbereitet zu haben.

“The plan received ‘direction and guidance’ from an element of al-Qaeda based in Iran [..]. However, officers said there was no evidence the plan was in any way ‘state-sponsored.’

Was niemand behauptet hat, was sogar ausdrücklich dementiert wurde, kann freilich einen “Nahostexperten” überhaupt nicht beeindrucken. Michael Lüders (und ein Staatsfunker) im Einsatz:

Du bist … enttarnt, RAND Corporation!

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