Gastbeitrag

Beduinen in Israel: Verleumder in Aktion

In Israel leben etwa 200.000 Beduinen. Eine Mehrheit von ihnen lebt trotz zahlreicher Bemühungen verschiedener Regierungen, ihren Lebensstandard zu erhöhen, noch immer unter der Armutsgrenze, rund 70.000 in illegalen Ansiedlungen ohne jede Infrastruktur, was auch daran liegt, dass ihre traditionelle Lebensweise nur schwer in ein modernes Staatswesen paßt.

Auch die gegenwärtige Regierung versucht, Beduinen mit großzügigen Angeboten Möglichkeiten zu bieten, ihre Traditionen zu bewahren und gleichzeitig die Chancen eines modernen Lebens zu nutzen. Die Beduinen sollen aus illegalen Ansiedlungen in Städte umziehen, die über alle nötige Infrastruktur verfügen, fließendes Wasser, Elektrizität, feste Straßen, Schulen …

Während viele der Betroffenen die Angebote des Staates begrüssen und gern nutzen, lehnen andere sie als “rassistischen” Eingriff ab und wehren sich gegen sie. Mit ihnen, nicht mit denen, die umziehen wollen, solidarisieren sich “Menschenrechtsaktivisten” in aller Welt, die – angeblich – die “Identität” der Beduinen bewahren wollen.

“The desert is the home of Bedouin tribes”, schrieb vor nicht langer Zeit Uri Avnery herabwürdigend, “for whom smuggling is an age-old occupation. Whether Libyan weapons for Hamas in Gaza, Ukrainian women for the brothels of Tel Aviv or job seekers from Sudan – for good money, the Bedouin will get them all to their destination. On the way they may hold them for ransom or rape the women.”

Der Staat Israel möchte daran etwas ändern, die Beduinen in seine moderne Gesellschaft integrieren. Wie Demonstrationen auch in Berlin leider zeigen, sollte die Regierung in Jerusalem diese Pläne wohl besser schnell wieder zu den Akten legen. “Menschenrechtsaktivisten” ist die Bewahrung unhaltbarer Umstände offenbar lieber als Chancen auf ein menschenwürdiges Leben für Beduinen.

Ben-Dror Yemini widmet sich in einem Beitrag, der zuerst auf der Website der Times of Israel erschien, einer besonders ekelhaften Kampagne sogenannter “Menschenrechtsaktivisten”.

Welchen Weltkrieg hätten’s denn gern?

In seiner Funktion als Andreas Meitzner hat der Leiter des Referats „Strategie und Planung Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“, bzw. der stellvertretende Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, sowie das stellvertretende Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ (als Nachfolger für die ausgeschiedene Jutta Frisch) es mit der deutschen Geschichte nicht immer leicht.

Sein Gesellenstück in Warschau gelang Meitzner eigentlich recht gut und die Polen mussten einsehen, dass „Flucht und Vertreibung“ selbstverständlich ein größeres Unrecht waren, als der Überfall auf sie am 1.9.1939; oder der Überfall auf die Sowjetunion knapp zwei Jahre danach.

Ist den Polen diese späte, aber aus deutscher Sicht sehr schmeichelhafte Ansicht und Einsicht vielleicht im Austausch für einige Gefälligkeiten gedämmert? Niemand kann es wissen, und alle, die es wissen müssten, solche Leute wie Herr Meitzner, halten den Mund. Doch da der Mensch mit seinen Aufgaben wächst, soll AA-Meitzner sein Meisterstück in Sachen Geschichtsrevisionismus nun auf gesamteuropäischer Bühne vollbringen; er hat alle hierzu nötigen Funktionen in Gesellschaft und Staat (s.o.).

Immerhin schwant im nächsten Jahr ein nicht eben unwesentlicher Jahrestag: Hundert Jahre Erster Weltkrieg. Meitzner, übernehmen Sie!

Zu diesem Datum täte es gut, so das AA, die Ausländer daran zu erinnern, sich mit ihren Feierlichkeiten ein wenig bedeckt zu halten, und sich nach Möglichkeit auch ein bisschen mitschuldig zu fühlen dafür, dass sie den Ersten Weltkrieg angezettelt und dann auch noch für sich entschieden haben. Warum? Um es sich mit dem wiedergutgewordenen Deutschland nicht schon wieder zu verscherzen! Denn, so Meitzner: Wenn alle sich nur ein kleines bisschen schuldig fühlen, ist keiner mehr Schuld. Apropos: Welche Episode käme als nächstes dran, liebes AA? Wo jährte sich erst letztens ein runder Jahrestag? 80 Jahre Machtergreifung? In Germany war das kein Thema.

In diesem Sinne ist AA-Meitzner, Geschichtsrelativismus und -revisionismus en gros und détail (s.o.) denn auch in London vorstellig geworden; wer weiß, wo er vorher schon überall war.

Seinem britischen Counterpart Andrew Murrsion, Mitarbeitern des Foreign and Commonwealth Office sowie des Ministeriums für Kultur, Medien und Sport unterbreitete Herr Meitzner die Offerte, dass Germany, wenn man sich auf den britischen Inseln mit dem Gedenken an den Ersten Weltkrieg ein ganz klein wenig zurückhalten würde, dem United Kingdom vielleicht ein paar mehr Freiheiten in Europa heraushandeln könnte. Fair and square – oder etwa nicht?

Vom erinnerungspolitischen Kuhhandel, den der Herr aus Germany vorschlug, war man in der britischen Öffentlichkeit not amused. Immerhin fand man es etwas üppig, dass dieses wiedergutgewordene Deutschland nun auch noch bestimmen will, wie die Opfer von damals sich heute anzufühlen haben. Auch war man bis zuletzt davon ausgegangen, dass in Berlin dieselben historischen Fakten in den Geschichtsbüchern stehen, wie sonst überall auf der Welt. Zumindest, wenn es um den Ersten Weltkrieg geht. Aber so ist das anscheinend, wenn die Verlierer ihre eigene Geschichte schreiben.

AA-Meitzner indes hat in London nicht nur rumgestänkert seine Bedenken bezüglich des britischen Gedenkens geäußert, sondern auch ein paar konstruktive Vorschläge gemacht. Und zwar dazu, wie er und die offizielle deutsche Außenpolitik das Gedenken an den Ersten Weltkrieg gerne hätten: nämlich als Memento Mori über die großen Gemeinsamkeiten der Gattung.

Vor allem die eine: Am Ende sind wir alle tot. Ist es nicht beruhigend und bequem, dass in diesem „Gedenk“-politischen Walhall jedes Who-dunnit und andere moralisch unbequeme Fragen suspendiert erscheinen, Herr Meitzner? Angesichts der offiziellen deutschen „Gedenk“-Politik mit diplomatischen Mitteln fühlt man sich an John Davidsons unsterbliche Zeilen erinnert: „That no idea minifies its crude / And yet elaborate ineptitude.“*

Aber es kommt noch besser. Als treuer Byzantiner jener europäischen Idee, die im Grunde die von Kaiser Willems „Platz an der Sonne“ eine Nummer kleiner ist, möchte Herr Meitzner, dass die EU beim Gedenken an den Ersten Weltkrieg ein bisschen besser wegkommt, als bisher geplant. Mehr so in Richtung „Garant von Frieden und Völkerfreundschaft“. Schließlich war es nicht die NATO, die jahrzehntelang ein fragiles geostrategisches Gleichgewicht in der Balance gehalten hat, sondern die EU. Lachen da die Hühner? Nein, sie lachen leider nicht.

Das also wären die Geschichte und der Erste Weltkrieg, wie Deutschland und sein AA sie gerne hätten: Eine Welt, in der sich alle dafür schuldig fühlen, dass es 1914 noch keine EU gegeben hat, vor allem aber kein Europa unter deutscher Führung. Das ist, kurz gesagt, die Lehre, die man im AA aus dem Ersten Weltkrieg gezogen hat, und die man nun auch alle anderen Nationen Europas (die überwiegend aus unter Germany leidtragenden bestehen) beibringen möchte; alles andere wäre ja auch irgendwie blöd fürs deutsche Ansehen in der ganzen Welt. Und wer brav ist und sich anstelle des Rechtsnachfolgers des Deutschen Kaiserreichs ein bisschen schuldig für den Ersten Weltkrieg fühlt, dem wird sein Dispo in Europa erhöht.

Es ist an dieser Stelle nur an zwei, drei wesentliche deutsche Innovationen im Ersten Weltkrieg zu erinnern: Der erste Einsatz eines Elektrozauns zwischen Belgien und den damals neutralen Niederlanden. Die erste Bombardierung von Zivilisten aus der Luft (am 6. August 1914 durch deutsche Zeppeline in Liège) und von der See, am 16. Dezember 1914 in Scarborough, Hartlepool und Whitby. Und zwischendurch war da auch noch der erste Einsatz von Giftgas, am 27. Oktober 1914 gegen britische Einheiten in Neuve-Chapelle, Frankreich.

Vor dem Hintergrund so vieler Firsts ist es einigermaßen bemerkenswert, dass Herr Meitzner und die offizielle deutsche Außenpolitik andere Nationen daran erinnern möchten, auf welche Art sie an den Ersten Weltkrieg zu gedenken und damit auch Deutschlands Rolle zu betrachten haben: bitte recht freundlich! Aber Freundlichkeit allein muss ja kein Hindernis auf dem Weg zu mehr „Frieden und Verständigung in Europa“ sein.

*Davidson, John: Fleet Street and Other Poems. London, 1909. Aus dem Gedicht „London Bridge“.

Noch ‘ne Frage

to: hoererservice@dradio.de

Guten Tag,

in Ihren Informationen am Mittag vom heutigen Tag erklärte Moderator Peter Kapern, “die Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern sollen am Mittwoch in Jerusalem in die zweiter Runde gehen, und die israelische Regierung hat im Vorfeld einige Eckpflöcke dafür eingeschlagen. Einerseits billigte das Kabinett die Freilassung einiger seit langem inhaftierter Palästinenser, andererseits wurde der Bau von fast 2.000 Wohneinheiten in den völkerrechtswidrig besetzten Gebieten beschlossen”.

Dazu zwei Fragen, die Sie gewiß problemlos beantworten können:

Aus welcher Quelle stammt die Zahl von “fast 2.000 Wohneinheiten”?

Aus welcher Quelle stammt die Angabe, bei den umstrittenen Territorien handele es sich um “völkerrechtswidrig besetzte Gebiete”?

Mit herzlichem Dank für Ihre Antworten.

Noch ‘ne Frage

Der Kölner Deutschlandfunk meldet aus Brüssel:

“Die Miliz als das zu brandmarken, was sie sei, eine Terrororganisation, und andererseits die politische Rolle der Hisbollah-Partei im Libanon zu akzeptieren, das sei genau die richtige Balance, die er, Westerwelle, meine.”

Wenn der Antisemit Hassan Nasrallah also nur lautstark gegen das “zionistische Gebilde” und “die Zionisten” wettert, nicht jedoch versucht, es und sie mit Raketenangriffen zu überziehen, ist für Guido Westerwelle und sein Europa “genau die richtige Balance” gewahrt.

Ist es vermessen, ob solcher Konsequenz eine Begnadigung Horst Mahlers zu fordern?

Sind Sie ein amerikanischer Spion?

Lebenslügen fürs Sommerloch: Der in allen vaterländischen Medien und beim Staatsfunk allenthalben zur Schau gestellten Hysterie über die amerikanische Spionage liegt die Annahme zu Grunde, dass „unsere“ Geheimdienste „so etwas“ doch bestimmt nicht machen würden. Ein Blick in die deutsche Geschichte beweist, dass diese Vorstellung nicht nur naiv ist – sondern zudem falsch.

Vor nicht einmal hundert Jahren, am 16. Januar 1917, versuchte der deutsche Botschafter in Mexiko, die Regierung seines Gastlandes auf der Seite der Mittelmächte in den Ersten Weltkrieg zu verwickeln. Die Mexikaner dieser Zeit waren gut beraten, den deutschen Vorschlag zu prüfen – stellte die Zimmermann Depesche doch den unumwundenen Versuch dar, die seit der Ersten Schlacht an der Marne (also sechs Wochen nach Kriegsbeginn, mit Datum vom 12. September 1914) von der glücklicherweise unfähigen deutschen Militärregierung (also known as „Oberste Heeresleitung“) verlorenen Ersten Weltkrieg doch noch zu gewinnen. Und zwar, indem die deutsche Regierung versuchte, den Ersten Weltkrieg nicht nur in ein anderes Land, sondern auf einen anderen Kontinent zu exportieren.

Den Exportanstrengungen des Exportweltmeisters unterlief nur ein kleiner, aber bedeutsamer gedanklicher Fehler. Zu jener Zeit verhielt es sich nämlich mit der internationalen Nachrichtenübertragung so, dass der Depeschendienst nach Übersee sich einiger britischer Unterseekabel bedienen musste. Dank der technischen Unfähigkeit auf diesem Gebiet, und der allgemeinen Unfähigkeit der Mittelmächte auf vielen weiteren Gebieten, war es ihnen nämlich nicht möglich gewesen, selbst eine funktionierende Nachrichtentechnik zu installieren. Die Menschheit hat dieser Unfähigkeit auch heute noch viel zu verdanken.

Und während der deutsche Botschafter in Washington bei der Regierung von Woodrow Wilson eine leutselige Kratzfuß-Offensive nach der nächsten zu starten versuchte, um dem US-Präsidenten den Wahn einzutrichtern, der Erste Weltkrieg habe gar nichts mit den USA zu tun, versuchte von Eckardt, sein deutscher Kollege in Ciudad de México, sich bei der Regierung von Präsident Venustiano Carranza und seinem Außenminister Cándido Aguilar einzuschleimen, bis das Braune nur so spritzte. Während die Briten, die das Überseekabel in Land’s End bedienten, ihren Augen kaum zu trauen wagten, als ihnen die Arroganz des Auswärtigen Amtes dieses Geschenk in den Schoß gelegt hatte. Und auch hierfür kann die Menschheit dankbar sein.

Das britische Staunen über so viel teutonische Blödheit drückte sich dergestalt aus, dass man die Zimmermann-Depesche in Whitehall zuerst für ein überaus geschicktes Ablenkungsmanöver hielt – so dumm konnte man doch gar nicht sein! Als man sich im Foreign and Commonwealth Office hinlänglich davon überzeugt hatte, dass die Deutschen in einer eigenen Liga spielen, wenn es um „Sonderwege“ geht, zeigte der britische Botschafter in Washington den Korpus Delicti dem amerikanischen Präsidenten. Mr Wilson bekam einen Tobsuchtsanfall, die USA hauten die Tommies raus und die cheese-eating surrender-monkeys noch dazu – und der Rest war Geschichte.

Nun wird man sagen, seitdem sei viel Wasser den Fluss heruntergelaufen, und das stimmt. Es zeigt sich nur angesichts solch pikanter Details wie der „Lobt und Preist den Iran“-Konferenz am Sitz der UN in Genf, zu dessen Abschluss die deutsche Delegation (ja, die der Gegenwart, der Regierung Mutti) sich ganz herzlich beim Iran bedankte für seine Anstrengungen um „Abrüstung“, dass man auch heute noch gut beraten ist, dem wieder gutgewordenen Deutschland zu misstrauen: Was mit „Abrüstung“ gemeint sein sollte, kann an dieser Stelle offenbleiben – eine „proaktive atomare Entwaffnung“ des Staates Israel scheint aus Sicht der deutschen „Friedens“-Delegation am Sitz der UN ausdrücklich nicht ausgeschlossen zu sein.

Sie sehen, verehrte Leserinnen und Leser: Es ist ein moralischer Imperativ, sich diese Massenpsychose nachrichtendienstlich genauestens unter die Lupe zu nehmen. Es ist nicht nur selbstverständlich, sondern überaus vernünftig und liegt im Interesse der Menschheit, die Schaltstellen deutscher Macht noch viel gründlicher zu verwanzen, als das bereits geschehen ist. Denn es handelt sich nach wie vor um eine Nation, die sich nicht „nur“ vor der Menschheit und der Weltgeschichte bis auf die Knochen für jeglichen moralischen und humanistischen Anspruch disqualifiziert hat. Sondern es handelt sich um eine Nation, die – als ob „das mit den Juden“ nicht genug gewesen wäre – nicht davon ablassen kann, auch heute noch gemeinsame Sache mit den Tyrannen und Despoten dieser Welt zu machen.

In diese politische Tradition stellt sich jene tagespolitische deutsche Wagenburg, die von Gregor Gysi („ein Angriff auf die Demokratie!“) über Renate Künast („Verklagen!“) bis zu Mutti Spielfreunden in Bayern reicht: Jene Nationale Front, die darauf besteht, Deutschland könnte in „Europa“ machen, was es wolle – vor allem anti-amerikanisch mit den Hufen zu scharren. Denn merke: Anti-Amerikanismus ist die kleine Münze, mit der man den Alliierten die vorübergehende Befreiung vom Faschismus doch noch heimzahlen will.

PS: Live aus der Krypta des „deutschen Nachrichtenmagazins“ in der Hamburger Hafencity erreichte uns dieses erschütternde Film-Dokument. Es zeigt „investigativen Journalismus“ vom feinsten bei der Arbeit.

Noch ‘ne Frage

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Die deutsche Politik ist empört darüber, nicht zu den erst- oder wenigstens zweitklassigen Verbündeten des Großen Bruders im Weißen Haus zu zählen:

“Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) reagierte bestürzt: ‘Es sprengt jede Vorstellung, dass unsere Freunde in den USA die Europäer als Feinde ansehen.’ Der CDU-Innenexperte Clemens Binninger forderte die US-Behörden zur raschen Aufklärung auf. ‘Ein solches Verhalten unter befreundeten Staaten ist geeignet, das gegenseitige Vertrauen zu erschüttern.'”

Hat ein Verbündeter, der amerikanische und europäische Sanktionen gegen die Theokratie in Teheran zumindest aktiv hintertrieb, Vertrauen verdient?

Hat ein Verbündeter, der wissentlich nicht gegen islamistischen Terrorismus aktiv wird, das Vertrauen eines Staates verdient, dessen Bürger zu den Opfern dieser Terroristen gehören?

Noch ‘ne Frage

Eine jener Anstalten, von deren Existenz der Fortbestand der deutschen Demokratie abhängt, tut ganz Erstaunliches kund:

“Am 31. Januar hatte Cooper seine Antisemitismus-Vorwürfe gegen Augstein verschärft. Er bezeichnete den Journalisten in Berlin erstmals als Antisemiten. Zuvor hatte Cooper seine Kritik nicht gegen Augsteins Person, sondern gegen einige seiner Aussagen gerichtet.”

Wie kommt es dann, daß ungefähr 30 Tage zuvor die ganze deutsche Journaille, jene der Anstalt eingeschlossen, anderes erklärte und darüber sich empörte?

“Die Organisation, die sich mit dem Holocaust, Rassismus und Antisemitismus auseinandersetzt, hatte den Herausgeber der linken Wochenzeitung ‘Freitag’ wegen Israel-kritischer Äußerungen auf einer Rangliste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt auf Platz neun gesetzt.”

Wie kann ein Vorwurf am 31.01. “verschärft” oder “erstmals” geäußert werden, wenn ihn die Anstalt doch schon am 4. Januar behauptete?

Kleiner Unterschied …

“A column published on January 7th in Der Spiegel online [..] blames Rabbi Abraham Cooper, Associate Dean of the Center [..], for refusing to debate Jakob Augstein. Cooper said that Augstein first had to ‘publicly apologize for the statements that earned him his designation.’ Der Spiegel answers that Abraham Cooper’s demands are absurd and ‘seem to stem from a different world.’

Abraham Cooper’s demands do stem from a different world: in the United States, people such as Louis Farrakhan are still the exception; and journalists who write what Jakob Augstein writes are published mostly in extremist journals, not in mainstream publications. Europe has never really drawn the lessons from her past.”

(Guy Millière: Many of the Worst Anti-Semites Are European)

Kein Thema …

… ist für “Das Deutsche Nachrichtenmagazin” das Andenken an jene 1,8 Millionen Menschen, die im Auftrag von Großbritannien und dem Commonwealth ihr Leben für die Durchsetzung von Freiheit und Demokratie, wie wir sie heute kennen und schätzen, hergegeben haben.

Aber auch seitens der offiziellen deutschen “Politik” hat es zu Remembrance Day, der in diesem Jahr mit Armistice Day zusammenfällt (was erst 2018 wieder der Fall sein wird) wenig bis nichts in die “Nachrichtenmagazine” geschafft; deutsche oder andere.

Während die Welt an alljene denkt, die dafür gesorgt haben, dass sich heute selbst der dümmste Unsinn in den freien Verkehr der Meinungen einbringen lässt, macht “Der Spiegel” von dieser Freiheit einen etwas selbstgefälligen Gebrauch; und beliefert sein Publikum mit zu gleichen Teilen “Israel-” wie Saddat-”kritischer” AntiKriegshetze, etwas verwegener Klitschko-Reklame sowie der allseits beliebten Gruselecke mit dem besonderen historischen Wohlfühleffekt: Himmlers Leibarzt – “Masseur des Massenmörders”. Es ist beim Spiegel also wie immer an alles gedacht, sogar an die Physiotherapie.

Während die britische Monarchin, der Commonwealth und mit ihnen der zivilisierte Teil der Menschheit sich vor seinen Kriegstoten verbeugten, heißt es für die deutsche Ideologie an diesem elften Tag des elften Monats: business as usual.

Nebenkriegsschauplatz

Der “Spiegel”, auch bekannt als Fachblatt für den Café-Handel, ist seinem Ruf als “Das doitsche”, äh: “deutsche Nachrichtenmagazin” wieder einmal ganz und gar gerecht geworden; das ist weder neu noch überraschend, aber bemerkenswert ist es doch.

In einer Art von Pornografie mit den Mitteln der Geschichtswissenschaft (auf einem Niveau, das sich im Grenzgebiet zwischen Guido Knopps und Peter Moosleitners interessanten Magazinen verorten ließe) durften zwei “Spiegel”-Autoren ihren Sympathien für den sogenannten Wüstenfuchs, in einer von ihnen unterstellten Funktion als “guter Deutscher”, freien Lauf lassen.

Namen tun nichts zur Sache, denn diese Wichsvorlage für Wehrmachtsfreunde hätte jeder schreiben können, der beim “Spiegel” eine Tastatur bedienen darf. Vielleicht sogar jener Walser-Sohn, der nach einer prominenten Einzelmeinung “ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder” sein soll und der seinen hausinternen Spitznamen, “Einsatzgruppe Augstein”, wohl nicht ohne Grund tragen wird; seine Gastspiele in Papas interessantem Magazin wirken im Vergleich zu den Reden eines Sir Winston Churchill übrigens auch nach vielen Jahren im Journalismus noch immer so, wie ein paar Hundehaufen neben dem Himalaya.

Was den Kern der Angelegenheit betrifft, wäre zu konstatieren, dass jene Zeitgenossen Rommels, die den Kopf nicht derartig voller Scheiße Sauerkraut hatten, wie es nicht erst dieser Tage beim “Spiegel”, und dort vor allem beim Duo Fleischhauer/Friedmann, üblich zu sein scheint, sich keinerlei Illusionen darüber machten, was die Zielrichtung eines deutschen Eingreifens in Nordafrika war. In den Worten des damaligen britischen Premierministers etwa liest sich das so:

“Far larger operations no doubt impend in the Middle East theatre, and I shall certainly not attempt to discuss or prophesy about their probable course.”

Middle East bedeutete bereits damals genau das, was es auch heute bedeutet: Die Gegend an der Ostküste des Mittelmeers. Wenn sich das nun also liest, als habe der britische Premierminister sich schon am 20. August 1940 nur zu genau denken können, dass Rommel einen Eingriff in Nordafrika plant und wohin dieser dann durchbrechen sollte, so versteht man Sir Winston Churchills vielsagende Worte richtig. Zumal er im nächsten Satz der Vollständigkeit halber hinzufügt:

“We have large armies and many means of reinforcing them. We have the complete sea command of the Eastern Mediterranean. We intend to do our best to give a good account of ourselves, and to discharge faithfully and resolutely all our obligations and duties in that quarter of the world.”

Fleischhauer/Friedmann würden vermutlich einwenden, dass der Holocaust nichts mit Antisemitismus zu tun gehabt hätte, und beides nichts mit dem Zweiten Weltkrieg, aber auch nicht das Geringste; sie wären damit im warmen Schoß der völkischen deutschen Einheitsmeinung, insbesondere der “akademischen”, geborgen.

Zwar war “The Few”, während die Battle of Britain nicht entschieden war, rhetorisch in einem ziemlich dicken Strahl gepinkelt, aber Sir Winston Churchill ist nun mal einer derjenigen Schriftsteller gewesen, die ihren Literatur-Nobelpreis tatsächlich verdient hatten; sehr im Gegensatz etwa zu diesem kleinen Blechtrommler, Günter “Gedicht” Grass, der schon seit Jahren erfolglos in “Politik” zu machen versucht.

Anyway. Wer bezweifelt hätte, dass es keine gute Idee wäre, nach Kairo dann eventuell Jerusalem oder Tel Aviv anzugreifen, hätte sich spätestens jetzt denken müssen, dass eine solche Expedition in puncto Menschenleben und Material ziemlich teuer geworden wäre; nicht, dass das im Jahre 1941 und in Nazi-Deutschland jemand davon abgebracht hätte, es “jetzt erst recht” zu versuchen.

So soll es diesen “Herrn Hitler” denn auch sehr geärgert haben, dass die Kaukasus-Offensive zwei Jahre später dann eher daran interessiert gewesen war, das damalige deutsche Hoheitszeichen auf dem Elbrus anzubringen, statt sich für den Vorstoß in Richtung Palästina nützlich zu machen; vor der Gründung des jüdischen Staates einer der wenigen relativ sicheren Orte der östlichen Hemisphäre. Auch den Coup des Rashid Ali al-Gailani im Irak 1941 hatte Nazi-Deutschland erst relativ spät für seine Zwecke zu nutzen gewusst. Der zitierte Absatz schließt mit den vielsagenden Worten:

“More than that I do not think the House would wish me to say at the present time.”

Und mehr zu sagen war mit Datum dieses 20. August 1940 denn auch wirklich gar nicht nötig, denn den Rest konnten sich bereits im vorwege alle denken zu einer Zeit, als die Menschen ihren Kopf noch zum Denken gebrauchten; und diejenigen, die nicht denken konnten, wurden wenigstens nicht in den Journalismus gelassen, konnten sich also auch nicht an jenem Verbrechen am Gattungswesen beteiligen, das sich heute “Der Spiegel” nennt.

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