Du bist Deutschland

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Was stimmt an diesem, vom gebildeten Nikolaus Blome und Julia Amalia Heyer für SPIEGEL online gemeinsam verantworteten Satz nicht?

“Kritik am voranschreitenden Ausbau israelischer Siedlungen in den seit 1967 besetzten Gebieten des Westjordanlandes mag Netanjahu nicht gelten lassen.”

Richtig, die “seit 1967 besetzten Gebieten des Westjordanlandes” waren seit 1948 besetzte und sind daher seit 1967 allenfalls umstrittene Gebiete.

Ahnungslosigkeit scheint alternativlose Bedingung zu sein, für ein deutsches Publikum aus und über Israel berichten zu dürfen.

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Zum Beginn dieser Woche ist nahezu die gesamte deutsche Regierung unterwegs in Israel. Wie die deutsche Kanzlerin in ihrer jüngsten Botschaft an ihre Deutschinnen und Deutschen erklärt, ist “das Recht des Staates Israel auf seine Existenz für Deutschland Staatsräson”, “genauso wichtig ist aber, dass wir mit Israel die Vorstellungen von Werten gemeinsam haben”.

Wie gut mag die deutsche Regierungschefin jenes “wir” kennen, von dem sie da spricht? Gehört, beispielsweise, das Alte Gymnasium Bremen dazu, “Bremens älteste Schule und das einzige humanistische Gymnasium der Stadt”? Auf der Website dieser Lehranstalt ist über Angela Merkels Reiseziel zu erfahren, es sei 1948 “inmitten des Gebietes der Palästinenser gegründet” worden:

“Die Palästinenser wurden in dieser langen Zeitspanne immer mehr unterdrückt. Ihnen wurde ursprünglich das Land weggenommen, jedoch gab es immer noch eine klare Aufteilung zwischen Israel und den palästinensischen Autonomie-Gebieten. Durch die ganzen Kriege hat sich Israel aber weite Teile ‘unter den Nagel’ gerissen und siedelt mitunter auch schon in palästinensischen Gebieten, was weitere terroristische Aktionen seitens PLO und Hissbollah auf sich hat. Diese werden aber, wie fast täglich zu lesen und zu hören ist, vom israelischen Militär mit Angriffen auf palästinensische Wohnsiedlungen und andere Ziele beantwortet. Der Konflikt zwischen diesen beiden Völkern ist also der Größte und auch aktuellste.”

Nein, erbrochen hat das vermutlich kein Mitglied des Lehrkörpers in seine Tastatur, sondern, was gleichwohl schlimmer ist, bereits 2002 einige seiner zahlreichen Opfer. Und seit mehr als einem Jahrzehnt können immer mehr Informationshungrige die Desinformation von einem Server der Stadt Bremen abrufen, der das nicht einmal peinlich zu sein scheint.

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Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments hat dreist gelogen, als er im israelischen Parlament behauptete, “Palästinensern” stünden nur 17 Liter Wasser am Tag zur Verfügung.

Doch was macht daraus der deutsche Staatasfunk, den Torsten Teichmann, stationiert im Studio der ARD in Tel Aviv, daraus?

“Im Westjordanland muß ein Palästinenser am Tag mit 73 Liter [sic!] auskommen. EU-Parlamentschef Schulz hat Recht. Und dem haben die Abgeordneten der israelischen Rechten nicht entgegenzusetzen.”

Ein Deutscher sagt als Repräsentant Europas die Unwahrheit, was der deutsche Staatsfunker mit seiner Zahl bestätigt, aber er, der Lügner, bekommt dennoch den Applaus des Journaillisten.

Ja, der erdreistet sich sogar noch, sich über den berechtigten Protest israelischer Politiker lustig zu machen. Das ist wahrlich unabhängiger Journaillismus.

Er hat mit der Realität nichts zu tun.

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Die BBC meldete, “Actress Scarlett Johansson has quit as an ambassador for Oxfam”, “Scarlett Johansson is ending her relationship with Oxfam”, schrieb The Telegraph.

Haaretz formulierte, “Scarlett Johansson stepping down as Oxfam ambassador”, die Jerusalem Post berichtete, “Scarlett Johansson steps down as Oxfam ambassador”.

“Lost in Occupation”, scherzte Mondoweiss, “Scarlett Johansson ends relationship with Oxfam”, während der elektronische Jihad es kurz machte: “Scarlett Johansson quits Oxfam”.

Alles gelogen. Wie es wirklich war, das enthüllt jetzt – endlich! – Hans-Christian Rößler für die FAZ, die “Zeitung für Deutschland”: Scarlett Johansson wurde von Oxfam gefeuert.

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“Weil sie auf ihrem lukrativen Werbevertrag mit der Firma [SodaStream] beharrte, trennte sich die Hilfsorganisation Oxfam von Johansson, deren ‘Botschafterin’ sie bisher war.”

Da kann die Schauspielerin erklären lassen, “Scarlett Johansson has respectfully decided to end her ambassador role”, und die “NGO” mitteilen, “Oxfam has accepted Scarlett Johansson’s decision”, ein echter deutscher Qualitätsjournaillist läßt sich nicht täuschen!

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Frank-Walter Steinmeier, Außenministerdarsteller, 29. Januar 2014:

“Es gibt diesen alten Satz, der wie verstaubt klingt, einen Satz aus dem vergangenen Jahrhundert: Solange verhandelt wird, wird nicht geschossen. Der Satz ist nicht verstaubt.”

FAZ.net, 31. Januar 2014:

“Derweil erklärten die Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London, seit Beginn der Syrien-Friedensgespräche am 22. Januar seien in dem anhaltenden Bürgerkrieg rund 1900 Menschen getötet worden.”

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Helmut Schmidt, Zensuropfer:

“Da ist vieles zu kritisieren. Aber es ist leider so, daß wenn ein Deutscher Israel kritisiert, dann wird ihm das als Antisemitismus ausgelegt [..]. Die Zustände auf der sogenannten Westbank, also in Palästina, oder die Zustände im Gazastreifen sind natürlich schrecklich. [..] Daß da am laufenden Bande sogenannte Siedlungen errichtet werden, zum Teil richtige Wohnblocks, und eine Mauer errichtet wird auf einem Gelände, das nicht zum Staate Israel gehört, alles das sind Dinge, die eigentlich kritisiert werden sollten.”

Helmut Schmidt, Mahner:

“Helmut Schmidt hat mit seinen Beiträgen ein öffentliches Bewußtsein in Deutschland für die gewaltige Bedeutung dieser aufstrebenden Nation geschaffen. Und er hat den Westen immer deutlich ermahnt, angesichts einer viertausendjährigen Geschichte der chinesischen Zivilisation jedenfalls auf Überheblichkeiten und Belehrungen zu verzichten, und daß dieser Grundsatz auch in unserem Verhältnis zu anderen Staaten, zum Beispiel zu Rußland, zu beachten ist.”

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Hatte er nur einen normalen Antrittsbesuch in der israelischen Hauptstadt mit einem Abstecher zum “strategischen Partner” seiner Partei, dem Kleptotyrannen Abu Mazen in Ramallah, geplant, nahm der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier auch am Begräbnis des am Sonnabend verstorbenen Ariel Sharon teil.

“Nach dem Begräbnis kam es dann auch zu einem unerfreulichen Zwischenfall: Militante Palästinenser feuerten aus dem nahegelegenen Gazastreifen zwei Mörsergranaten ab”, meldete später Welt online, und der Staatsfunk ergänzte, wo sie, nun ja, landeten: “nur wenige Kilometer” vom Landsitz des Verstorbenen “entfernt”.

Und wie reagierte nun Frank-Walter Steinmeier, ein in seiner Selbstwahrnehmung zweifellos ganz großer Freund Israels, auf den Raketenangriff? Erwähnte er ihn wenigstens oder verurteilte er ihn gar?

“Bundesaußenminister Steinmeier hat im Nahost-Friedensprozess Israelis und Palästinenser zur Kompromissbereitschaft ermutigt. [..] Die Friedensbemühungen hätten eine entscheidende Phase erreicht. Er hoffe, dass dieser Prozess nicht durch den Ausbau der israelischen Siedlungen gestört werde, betonte Steinmeier.”

Eben hatten Terroristen aus einem Gebiet, in dem kein einziger Jude mehr freiwillig lebt, Israel mit Mörsern angegriffen – doch Frank-Walter Steinmeier stellt sich hin und “hofft”, jüdische Wohnungsbesitzer oder Mieter würden “die Friedensbemühungen [..] nicht stören”. Mörser, Raketen? Nein, vor Juden warnt der deutsche Minister.

Und die sind mit ihren Wohnungs-Plänen [!] offenbar auch schlimmer als Abu Mazen, der “Palästinenserpräsident”, der am Wochenende ein “palästinensisches Rückkehrrecht” beschwor und für nicht (weg-)verhandelbar erklärt hatte und mit seiner “Rede an die Nation” einen Sturm auf Jerusalem sich herbeiwünschte.

“Millions of heroes, or millions of free men are marching to Jerusalem [..]. We want to go alive. We do not seek death, but we welcome martyrdom if it happens.”

Nichts davon fand der deutsche Außenminister für wenigstens anstößig: “Steinmeier lobt Abbas für Suche nach ‘Wegen und Möglichkeiten’”, meldete Zeit online. Und so bestätigte auch der neue Außenminister Angela Merkels eindrücklich, daß er – und das Land, das er repräsentiert – vieles sein mag, gewiß jedoch kein Freund des jüdischen Staats ist.

Das eint den deutschen Sozialdemokraten mit seinem “strategischen Partner” in Ramallah.

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“Wann wird der Westen ‘Bibi’ Netanjahu, dem wohl grössten Schurken im Nahen Osten, endlich die Freundschaft kündigen. Netanjahus Politik kann einen nur anekeln. Recht und Gesetz sind für diesen Kriminellen nur dann existent wenn sie seiner Apartheidspolitik und dem Landraub von Nutzen sind. Für 2014 wünsche ich diesem verachtungswürdigen Vertreter der Spezies Homo Sapiens sowie seinen Gesinnungsgenossen die Pest an den Hals.”

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Mit dem nahenden Jahreswechsel werden in Brüssel ersonnene Richtlinien für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verbindlich, die, wie stellvertretend für die Fraktionen der Unionsparteien im Deutschen Bundestag deren Mitglied Philipp Mißfelder formulierte, “keinen Beitrag zur Lösung des Nahost-Konflikts” leisten würden.

Doch nicht nur das: Die Leitlinien hätten “eine ähnliche Qualität wie die jüngste Anfrage der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen zur Produkt-Etikettierung von Waren aus dem Westjordanland, dem Gazastreifen oder aus Ostjerusalem”, die CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt einen Beleg für “offensichtlich antiisraelische Ressentiments” nannte.

Nun hat Deutschland zwar bislang keine neue, aber immerhin noch eine amtierende Regierung, die routiniert etwas gegen “offensichtlich antiisraelische Ressentiments” auch der Europäischen Union unternehmen könnte, zumal die “keinen Beitrag zur Lösung des Nahost-Konflikts” leisten. Doch sie schweigt ganz laut, die amtierende deutsche Regierung.

“Only days before the Netherlands-Israel Cooperation Forum kicks off in Herzliya, the Dutch government is being pushed to publically clarify its policies against cooperation with Israeli businesses in the settlements – or those who are connected to Israeli rule in the West Bank – and to declare that such businesses will not be invited to participate in the Forum seminars.”

“The British government issued new recommendations to its business community last week, warning citizens against doing business with individuals or entities in Israeli settlements.”

Und mit seiner Regierung schweigt Philipp Mißfelder, ein peinlicher Maulheld, mit ihr schweigen auch Alexander Dobrindt oder – amtierender Minister – Dirk Niebel, der hinter der Grünen-Anfrage immerhin “ein hässliches Gesicht, das schlimme Erinnerungen weckt”, erblickt hatte. Sie schauen zu, beginnen europäische Regierungen mit der Umsetzung des Juden-Boykotts.

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