SPIEGEL online

Kritischer Journaillismus (Folge 753)

SPIEGEL online, das Portal für Leser, die “führend in den bildungs- und einkommensstarken Zielgruppen” sind, faßt für eben jene zusammen, was sich in den vergangenen Stunden tat im und um den “Konfliktherd” Naher Osten, der derzeit wieder nahezu ausschließlich aus Israel zu bestehen scheint.

“Israel verlängert Feuerpause einseitig bis Sonntagabend”, meldete Christoph Sydow am späten Sonnabend aus einer Strandbar in Tel Aviv, “Israel setzt Militäroffensive fort” am nächsten Morgen das Kompetenzquartett bim/AP/dpa/Reuters.

Was ist zwischen beiden Überschriften geschehen? Gibt es, vielleicht, eine Überschrift: “Hamas setzt Raketen-Angriffe auf Israel fort”? Natürlich nicht. Die Hamas startet ja noch nicht einmal in der Meldung vom Sonntagmorgen eine einzige Rakete mit dem Ziel Israel. Raketen “werden” zwar “abgefeuert”, aber niemand feuert sie ab.

“Schon am Samstagabend waren Raketen vom Gazastreifen aus abgefeuert worden.”

Zwei Raketen “wurden [..] abgefangen”, fünf dagegen schafften es während ihres Fluges offenbar, eine je eigene Persönlichkeit zu entwickeln: Sie “landeten” nämlich “in unbewohntem Gebiet”, wo sie ihren Irrtum bemerkten und berieten, was nun zu tun sei. Doch im Dunkeln bleibt, wer sie auf ihre Reise geschickt hat.

Waren es “Extremisten”, “Terroristen”, “Palästinenser”, “Märtyrer”, “Widerstandskämpfer”, Außerirdische? Warum scheuen Agenturen wie AP, dpa oder Reuters sich, da Verantwortliche zu benennen, dort hingegen nicht: “Israel setzt Militäroffensive fort”? Warum wird die Militäroffensive nicht fortgesetzt?

Nachrichtenmagazin-Leser

“SPIEGEL-Leser sind männlich, gebildet und einkommensstark.”

“Ich dachte die “ISRAELIS” hätten aus den letzten 75 Jahren gelernt?? Leider ist das nicht festzustellen!!”

“Sorry, aber sie haben offensichtlich viel gelernt, vom “Warschauer Ghetto”. Heute machen sie es genau so!”

“Tja, scheinbar haben die Israelis vom A.H. gelernt wie man Repressionen und Unterdrückung gegenüber einem schwächeren effizient anwendet.”

“israelis die neuen nazis? seltsam wie ein solch geschundenes volk seit jahrzehnten ein anderes volk schinden kann. kriege der vergangenheit hin oder her. ehemalige schuld hin oder her.”

“Eine Schande für jeden demokratisch geführten Staat, was man Tel Aviv immer und immer wieder alles durchgehen lässt, nur aufgrund ihrer Staatsreligion und des schwarzen Fleckens in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Da wundern sich die Menschen jüdischen Glaubens immer, weshalb die Hälfte der Menschheit Juden nicht mag.”

“SPIEGEL ONLINE User sind führend in den bildungs- und einkommensstarken Zielgruppen.”

“Kritischer” Journaillismus: Julia Amalia Heyers Grenzen

Julia Amalia Heyer, die im aktuellen SPIEGEL ganz unverholen die Hamas und ihr Regime in Gaza schönschreibt, befindet für das Portal zum Drecksblatt, “Netanjahu nutzt Entführung für Stimmungsmache”. Daß sie weiß, worüber sie schreibt, demonstriert die Autorin mit diesem Satz:

“Die drei entführten Siedler besuchten eine sogenannte Jeschiva, eine Bibelschule, alle drei wollten an diesem Donnerstagabend von einer großen Kreuzung nahe Hebron nachhause in ihre Siedlungen trampen.”

Die “Siedler” Gilad Shaer, Naftali Frankel und Eyal Yifrah lebten und leben hoffentlich bald wieder in Talmon, Nof Ayalon und Elad. Von den drei Orten liegt einzig Talmon außerhalb der Waffenstillstandlinien von 1948/49, die beiden anderen Orte innerhalb der Green Line, in Israel in den “Grenzen von 1967″.

Das muß jedoch gar nicht wissen, wer sich bei der Hamas wohlfühlt und die islamistische Gang seitenlang bewundert. Nur sollte sie dann davon absehen, anderen vorzuhalten, was sie veranstaltet: Stimmungsmache, bei der noch nicht einmal grundlegende “Informationen” stimmen.

Mitfühlender Journalismus: Julia Amalia Heyer rettet die Hamas

Es läuft nicht gut für die Hamas. Julia Amalia Heyer, für den SPIEGEL erstaunlicherweise in Tel Aviv stationiert und nicht dort, wo der “palästinensische” Ableger der Ikhwan “regiert”, kann es kaum fassen. Tränenreich faßt die Kennerin die Misere zusammen:

“Die Hamas ist isoliert wie nie zuvor. Ihren alten Bündnispartner Iran hat sie verprellt, indem sie sich im Syrien-Krieg demonstrativ auf die Seite der Rebellen stellte. Mit ihrer Unterstützung von Mohammed Mursi und seiner ägyptischen Muslimbruderschaft hatte sie offenkundig aufs falsche Pferd gesetzt.”

Und das ist, schluchz, noch nicht alles. “Ein Krieg mit Israel ist in etwa das Letzte, was die geschwächten Islamisten im Augenblick gebrauchen können”. Den sie, wie die Kollegen von der tagesschau erklären, daher nur noch “zumindest stillschweigend” billigen können.

Frau muß einfach mit ihnen und bald vielleicht gar um sie weinen, die “geschwächten Islamisten”, die doch stets nur die allerbesten Absichten hatten. “Die Hamas”, schreibt Julia Amalia Heyer, “wollte den Alltag der Palästinenser lebenswerter machen.”

Das begann vermutlich 2007, als Hamas-Menschenrechtler “a cook from Abbas’s presidential guard” auf das Dach eines Hauses begleiteten und von dort ihm beim Fliegen zuschauen wollten. Der Depp aber hatte nicht genug geübt und stürzte ab.

Und nur voreingenommene Beobachter konnten aus diesem und anderen mißglückten Versuchen der Hamas, “den Alltag der Palästinenser lebenswerter [zu] machen”, einen “fratricidal war against Fatah secularists” konstruieren. “Fratricidal” – gibt es das Wort überhaupt?

Ohnehin hatten die “geschwächten Islamisten” selbst in besseren Tagen die Medien nur gegen sich. Die Reporter ohne Grenzen beispielsweise erklärten die Hamas zu einem “Feind der Pressefreiheit”. Auf eine Begründung wartet ganz Gaza noch heute.

“Zu Beginn des neuen Schuljahres im August hat man jungen Frauen verboten, Jeans oder Jeansröcke zu tragen”, beschwert sich dieses Pack lieber, statt ordentlich zu skandalisieren, wie die Zionisten schon die unschuldige “palästinensische” Jugend attackieren:

“Die Hamas wirft Israel vor, Aphrodisiaka in Form von Kaugummis und Tropfen in den Gazastreifen bringen zu lassen, ‘um die palästinensische Jugend zu verderben’.”

Und sorgt die Hamas für spannende und abwechslungsreiche Ferien vom Schulstreß, paßt es diesen Schreibtischtätern auch nicht: “Hamas bildet Schulkinder an Kalaschnikow aus”, jammern sie, statt den Spaß zu betonen, den das jenen bereitete.

Noch aber ist die Hamas nicht ganz verloren. Wenn Julia Amalia Heyer herausfinden kann, daß sie nur “den Alltag der Palästinenser lebenswerter machen” will, können das auch deren Kollegen. Es ist Zeit, endlich anzuerkennen, welch selbstlose Wohltäter in der Hamas organisiert sind!

Wohnungen sind Städte: Von der Unfähigkeit deutscher Journaillisten, ein Wörterbuch unfallfrei zu benutzen

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Nein, auf Zivilisten abgefeuerte Raketen sind kein Friedenshindernis, in Bussen platzierte Bomben sind auch keins, von direkten Attacken auf Juden ganz zu schweigen. “Der fortgesetzte Siedlungsbau in den besetzten Palästinensergebieten ist eines der größten Hindernisse für die Verhandlungen mit den Palästinensern und für eine Einigung auf eine Zwei-Staaten-Lösung.”

Man kann SPIEGEL online, dem Portal zum deutschen Sturmgeschütz, nicht vorwerfen, das zu behaupten, was alle anderen auch schreiben. So funktioniert deutscher “kritischer” Journalismus schließlich. Aber wenn es mit dem Übersetzen aus dem Englischen nicht mehr klappt, wenn aus “settlement homes” mal eben “Siedlungen” werden, ist das peinlich.

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“Israel will trotz Warnung weitere Siedlungen bauen”, behauptet die Headline, vom “Bau weiterer umstrittener Siedlungen” spricht der Teaser. Doch weder die Gründung “weiterer” noch gar “weiterer umstrittener Siedlungen” will die israelische Regierung demnächst anregen, sondern schlicht den Bau von “1,000 to 2,000 new settlement homes” ausschreiben.

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Und “settlement homes” sind eben keine “Siedlungen”, sondern – Wohnungen, für die in bereits bestehenden “Siedlungen” Platz ist, die zu weiten Teilen zudem ohnehin im Rahmen einer Zwei-Staaten-Lösung bei Israel verbleiben werden. Aber solcher Kontext ließe die Unfähigkeit der Hetzer, korrekt aus einer Welt- in die deutsche Sprache zu übersetzen, noch schneller auffliegen.

Wahn

Sebastian Fischer, für SPIEGEL online in Washington stationiert, ist bestimmt kein Antisemit. Vermutlich kennt er sogar ein paar Juden und findet sie nicht gänzlich unsympathisch. Aber verdächtig sind sie ihm schon, diese Juden. Und so formuliert Sebastian Fischer dann Sätze wie diesen:

“Als Senator aus New Jersey fühlt [Robert Menendez] sich seiner zum Teil jüdischen Wählerschaft verpflichtet.”

Robert Menendez, ein Demokrat, tritt für Sanktionen gegen das Regime in Teheran ein, das gerade angekündigt hat, neue Technologie zur Anreicherung von Uran nutzen zu wollen. Davon weiß Sebastian Fischer vermutlich nichts, dafür aber, was von Robert Menendez zu halten ist:

“Ein Hardliner gefährdet Obamas Iran-Deal”

Und das tut der nur, weil er “sich seiner zum Teil jüdischen Wählerschaft verpflichtet” fühlt. Dabei vertrauen besonders amerikanische Juden, weiß Sebastian Fischer zu ergänzen, der Iran-Politik Barack Hussein Obamas. “Fraglich” sei daher, “ob Menendez [..] noch den Zeitgeist trifft”.

Daß Sebastian Fischer dennoch raunt, der demokratische Senator könne sich einer “zum Teil jüdischen Wählerschaft verpflichtet” fühlen, verrät, wie der SPIEGEL online-Schmierfink und dessen Redaktion ticken: Wer den Mullahs nicht traut, muß eine Marionette von Juden sein.

Selbst wenn die “sich mit großer Mehrheit für Obamas Iran-Politik” aussprechen.

Du bist Deutschland

Beim Portal zum “deutschen Nachrichtenmagazin” herrscht, scheint’s, Panikstimmung. “Geschlossene Schmuggler-Tunnel könnten Hamas ruinieren”, klagt eine Theresa Breuer in der Überschrift und zeichnet darunter ein gar schreckliches Szenario:

“Wenige Wochen ist es her, seit das Militär den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi stürzte. Seitdem droht das Land im Chaos zu versinken – und den Gaza-Streifen gleich mit in den Abgrund zu ziehen. Denn die in Gaza regierende Hamas ist abhängig von Ägypten.”

Ein Untergang der Hamas wäre also für die besorgte Journalistin ein “Abgrund” für Gaza. Vernünftige Menschen würden der islamistischen Bande keine Träne nachweinen, für SPIEGEL online hingegen ist die Hamas-Tyrannei ein erhaltenswerter Segen.

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Gut zu wissen.

Schul-SPIEGEL

Ulrike Putz, das Sturmgeschütz der deutschen Nahostdeuterei, ist entsetzt. “Es ist ein schockierendes Beispiel für die Indoktrination von Kindern: Ein im Internet hochgeladener Videoclip zeigt, wie kleine Jungen zu Terroristen erzogen werden”:

“Die Jungen absolvieren unter anderem Schießübungen mit Kalaschnikow-Sturmgewehren [..]. Ein Gutteil ihrer Ausbildung muss der politisch-religiösen Gehirnwäsche vorbehalten sein: Immer wieder sind die Knirpse zu sehen, wie sie auswendig gelernte Hasstiraden gegen Andersgläubige und den Westen intonieren.”

Und in der Tat ist das alles bestimmt ganz, ganz schlimm. Schließlich finden die Schießübungen vermutlich nicht in Gaza unter Aufsicht der Hamas statt. Auch dort werden, wie SPIEGEL online vor ein paar Wochen schrieb, “Schulkinder an der Kalaschnikow aus[gebildet]”:

“Der 17-jährige Issedine Mohammed ist begeistert von seinem neuen Schulfach. [..] ‘Ich fühle mich jetzt stärker und selbstbewusster.’ Der Teenager ist einer von rund 37.000 Jungen zwischen 15 und 17 im Gaza-Streifen, die seit September wöchentlich eine Art Wehrdienst nach Hamas-Lehrplan unterrichtet bekommen.”

Oder liegt es etwa nicht an der Hamas, daß zwar Al Kaida “schockiert”, “indoktriniert”, “gehirnwäscht”, zu “Terroristen erzieht”, aber in Gaza nur “begeistert”, das “Selbstbewußtsein” gestärkt und allenfalls eine “Art Wehrdienst unterrichtet” wird?

Pallywoods willige Helfer (aktualisiert)

Nachdem nach den Gesprächen in Camp David eine Entlassung seiner “Palästinenser” aus internationaler Alimentierung in staatliche Eigenverantwortung drohte, Frieden für Israel eingeschlossen, entschied sich die “palästinensiche Führung” unter Yassir Arafat im September 2000 jenen bereits vorbereiteten “Aufstand” loszutreten, der als Zweite Intifada in die Geschichte eingehen sollte.

Zu den ersten und eindrucksvollsten Bildern vom Beginn des Terrorkriegs, in dessen Verlauf “palästinensische” Terroristen mehr als 1.000 Bürger Israels ermordeten, gehören jene, die der Staats-Journaillist Charles Enderlin von seinem Sender France 2 aus in alle Welt schickte: Sie sollen zeigen, wie ein “palästinensischer” Junge in den Armen seines Vaters durch israelische Kugeln zu Tode kommt.

Während Leichtgläubige sich nicht daran störten, daß France 2 nur eine geschnittene Version der Aufzeichnung sendete und das Originalmaterial bis heute unter Verschluß zu halten versucht, kamen auch Zweifel an der vor allem “palästinensischen” Darstellung des Geschehens auf: Aufwendig wurde zunächst belegt, daß Mohammed Al-Dura gar nicht von israelischen Kugeln hätte getroffen werden können.

Weiter noch gehen etwa Esther Schapira und Georg M. Hafner, die in ihrer sehenswerten Dokumentation Das Kind, der Tod und die Wahrheit ernsthafte Zweifel daran wecken konnten, daß am 30. September 2000 Mohammed Al-Dura überhaupt umkam. Ihre Zweifel bestätigt nun auch eine israelische Untersuchung, die Charles Enderlin und France 2 schlicht unseriöses Arbeiten und Manipulation bescheinigt:

“Contrary to the report’s claim that the boy is killed, the committee’s review of the raw footage showed that in the final scenes, which were not broadcast by France 2, the boy is seen to be alive.”

Trotz all dieser zumindest Indizien dafür, daß die “palästinensisch”-arabische Version der Geschichte wahrscheinlich nicht stimmt, nicht stimmen könnte, schreibt, wer sonst, SPIEGEL online, “vor den Augen der Welt starb im September 2000 der Palästinenserjunge Mohammed al-Durra”, und wiederholt es gleich noch einmal: “Selten starb ein Mensch öffentlicher als Mohammed al-Durra”.

Das Portal zum “deutschen Nachrichtenmagazin” stellt sich damit an die Seite Charles Enderlins, der beim französischen Staats-TV Karriere machte und versucht, seinen Kritiker Philippe Karsenty vor Gericht mundtot zu machen. Unterlag Philippe Karsenty noch 2006, obsiegte er in der Berufungsverhandlung, deren Urteil 2008 veröffentlicht wurde:

“Im Wesentlichen hat der Gerichtshof entschieden, dass das Ausmaß des Zweifels am Filmmaterial im Fall al-Dura eine sorgfältigere Analyse rechtfertigt. Zweifel sind also durchaus legitim – nicht verleumderisch.”

France 2 und Charles Enderlin zogen gleichwohl vor die nächsthöhere Instanz, die voraussichtlich am Mittwoch ihr Urteil fällen wird. Wer darauf nicht warten will und selbst einen Beitrag für eine Berichterstattung, die diese Bezeichnung verdient, leisten möchte, kann sich an einer Petition beteiligen, die einen Entzug der Journalistenlizenz für Charles Enderlin fordert: enderlin.wesign.it/en.

Nachtrag: Das Berufungsgericht in Paris hat seine Entscheidung auf den 26. Juni vertagt.

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