Tag: 2. April 2017

Schwindler

Antisemitismus ist ein Phänomen, das manche Seltsamkeit hervorbringt. So tagte etwa an diesem Wochenende die »NGO« Jewish Voice for Peace (JVP) in Chicago und hatte als Gäste Gestalten wie Judith Butler, Linda Sarsour und Rasmea Odeh geladen. Gewiß lohnt es immer, über Frieden nachzudenken. Aber sind Terroristen und ihre Sympathisanten die passenden Ansprechpartner?

Judith Butler sympathisiert mit Hams und Hisbollah, Linda Sarsour verbindet mit der Hamas nicht nur die Vorliebe für die Shariah, und Rasmea Odeh schließlich weiß, wie es sich anfühlt, Menschen umzubringen – 1969 ermordete sie als Mitglied der Terrororganisation PFLP bei einen Anschlag auf ein Geschäft in Jerusalem zwei Menschen, Leon Kanner und Eddie Joffe, und verletzte weitere.

Ein Jahr später von einem israelischen Militärgericht in einem Verfahren, das Beobachter des Roten Kreuzes als »fair« lobten, zu lebenslanger Haft verurteilt, kam Rasmea Odeh nach ganzen 10 Jahren im Rahmen eines »Gefangenaustauschs« zwischen ihrer PFLP und Israel wieder frei. 1995 siedelte sie in die Vereinigten Staaten über, log bei ihrer Einreise allerdings über ihre Vergangenheit.

Deswegen läuft seit 2014 ein Verfahren gegen die »Palästinenserin«, in dem sie behauptet, sie sei in israelischer Haft schwer gefoltert worden und habe diese Zeit ihres Lebens verdrängt. Ehemalige Komplizen freilich bestätigen Rasmea Odehs Verantwortung für den Anschlag in Jerusalem, wollen ihre Foltervorwürfe aber nicht bestätigen, die auch als nachträgliche Rechtfertigung nichts taugten.

Was aber will die JVP mit solchen Gästen erreichen? Mörder von Juden und deren Claqueure sind, so sie keinerlei Zeichen von Reue erkennen lassen, denkbar ungeeignet als moralische Instanzen. Wer sich mit ihnen schmückt, sich mit ihnen solidarisiert, ahnt nicht, was Gerechtigkeit bedeutet. Wer eine Stimme für Frieden sein will, ist unglaubwürdig, solidarisiert er sich mit Rasmea Odeh.

tw_24:blog © 2006-2017