Tag: 6. April 2017

Klartext

Die Alternative für Deutschland (AfD) sieht sich in den Worten ihrer Vorsitzenden Frauke Petry als »einer der wenigen politischen Garanten jüdischen Lebens auch in Zeiten illegaler antisemitischer Migration nach Deutschland«. Die Politikerin reagiert damit auf ein Interview, in dem der Präsident des Jüdischen Weltkongresses Ronald Lauder ihre Partei eine »Schande für Deutschland« nannte.

Mit ihren Worten gelingt es Frauke Petry, ganz mühelos auf den Punkt zu bringen, weshalb es nicht den geringsten Grund gibt, Ronald Lauder zu widersprechen. Es geht ihr nämlich in der Tat weder um Judentum noch Antisemitismus. Die Politikerin will allein gegen Migration agitieren – und dazu instrumentalisiert Frauke Petry in schöner Offenheit Juden und migrantischen Antisemitismus.

In der Tat birgt die Zuwanderung aus Gebieten, in denen der Haß auf Juden alltäglich ist, Risiken. Und der gesellschaftliche Umgang mit diesen Risiken ist insgesamt wenig überzeugend. Aber das gilt für das, was die AfD zu bieten hat, schon längst: Geschlossene Grenzen sind keine Antwort auf Antisemitismus. Haß auf Juden sowie Israel ist doch auch und gerade ein autochthones Phänomen.

Und das äußert sich nicht zuletzt darin, wie Frauke Petry mit ihm umgeht. Sie beklagt einzig etwas, das sie »illegale antisemitische Migration« nennt. Und damit verrät sie, worum es ihr geht und worum ganz gewiß nicht. Wer nur den Antisemitismus der anderen thematisiert, hat mit dem der eigenen Klientel offenbar nicht das geringste Problem. Und das ist eben nur wenig alternativ.

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