Tag: 10. April 2017

Ernstfall

Kürzlich erklärte Frauke Petry, die Vorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), sich und ihre Parteifreundinnen und -freunde in einem Interview zu den verläßlichsten Verbündeten in Deutschland lebender Juden. Die AfD, so die Politikerin, sei »einer der wenigen politischen Garanten jüdischen Lebens auch in Zeiten illegaler antisemitischer Migration nach Deutschland«.

Über die Grenzen Deutschlands hinaus macht gegenwärtig eine Berliner Schule Schlagzeilen, an der ein jüdischer Jugendlicher über mehrere Wochen von Mitschülern antisemitisch beleidigt und körperlich angegriffen wurde. Während das Opfer der Angriffe die Schule verlassen hat und Eltern anderer Schüler behaupten, sie seien die wahren Opfer, bleibt die AfD in dem Fall – unauffällig.

Auf der Website ihres Landesverbands Berlin gibt es eine »aktuellen« Themen gewidmete Rubrik, die ihr letztes Update irgendwann im Februar erfuhr. Sucht man nach dem Stichwort »Friedenau«, die antisemitischen Angriffe fanden an der Friedenauer Gemeinschaftsschule im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg statt, scheint es, als müsse das Zentrum Berlins erst noch entdeckt werden.

Beim Bezirksverband Tempelhof-Schöneberg der hauptstädtischen AfD stammt die letzte aktuelle Neuigkeit vom Sonntag und kommentiert eine Fernsehsendung vom Monatsbeginn. Vergeblich sucht man aber auch hier nach einer Stellungnahme der Partei zum Geschehen an der und um die Friedenauer Gemeinschaftsschule. »Antisemitismus« scheint in Tempelhof-Schöneberg unbekannt.

Wo also bleibt »einer der wenigen politischen Garanten jüdischen Lebens«, wenn er – oder sie – die Stimme erheben könnte? Schüler gehen auf einen jüdischen Mitschüler los, Eltern verharmlosen die Angriffe zum »Vorfall«, warnen davor, »den Ruf einer engagierten Schule nachhaltig zu schädigen« – und der AfD fällt dazu nichts ein, aber auch gar nichts. Schöner »Garant jüdischen Lebens«.

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