Tag: 7. August 2017

Sendeschluß

Die Regierung in Jerusalem will gegen Al Jazeera (Die Insel) vorgehen. Vor elf Jahren gegründet, hat der Sender aus Katar nach Ansicht der israelischen Administration nicht neutral über die jüngsten »palästinensischen« Unruhen auf dem Tempelberg berichtet, sondern durch Hetze zur Verschärfung der Lage beigetragen. Nun soll das Büro des Senders in Israels Hauptstadt schließen.

Darüber hinaus laufen Gespräche mit TV-Anbietern, die Al Jazeera-Programme nicht mehr über ihre Netze zu übertragen.Der Sender könnte dann nur noch über Israel berichten, nicht mehr aber aus dem Land selbst, während Zuschauer in Israel auf Satelliten-Empfang umsteigen müßten. Ein leider nur allzu geringer Preis, sollten die Vorwürfe gegen den Kanal aus Katar zutreffend sein.

Denn längst ist aus dem einstmals ob seiner Unabhängigkeit bewunderten Sender ein Agitations-Programm der Führung Katars geworden. Bislang unwiderlegt klagt etwa Aktham Suliman, bis ins Jahr 2012 Leiter der Berliner Dependance des Senders, über zunehmende politische Einflußnahme auf die Arbeit der Journalisten und spricht von einer »schleichenden Talfahrt« des Kanals.

Und angesichts der Unterstützung Katars für erklärte Feinde Israels wie die Hamas kann es kaum verwundern, verwechselte der Sender jüngst eine kritische mit parteiischer Berichterstattung oder gar mit Aufstachelung zu Riots in Jerusalem. Trotz ihrer letztlich wohl relativ geringen Wirkung sind die geplanten Schritte Israels gegen Al Jazeera nachvollziehbar und alles andere als Zensur.

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