Kritischer Journaillismus

Am Freitag griffen „palästinensische“ Terroristen aus Gaza Israel erneut mit mindestens einer Rakete an. Hatten die israelischen Streitkräfte in den Wochen zuvor mehrere Raketenangriffe unbeantwortet gelassen, flogen sie in der Nacht zum Sonnabend Einsätze gegen einen Hamas-Stützpunkt.

„A Ma’an reporter said that Israeli F-16 warplanes fired at least two rockets targeting a site belonging to Hamas in eastern Khan Younis.“

Kein zivilisierter Mensch, könnte man meinen, sollte etwas gegen die Zerstörung terroristischer Infrastruktur haben. In „Palästina“ dagegen vergießt man bitteren Tränen um sie und schwört Rache. Die Hamas ruft gar nach internationaler Hilfe, wie die „palästinensischen“ Maan News melden.

„Hamas spokesman Sami Abu Zuhri warned Palestinians in a statement of another ‚foolish‘ Israeli act, calling upon the international community to carry out its responsibilities toward renewed Israeli aggression.“

Die DFLP, die Democratic [sic!] Front for the Liberation of Palestine, eine Organisation, zu der auch deutsche „Linke“ und bekennende Friedenstauben enge Beziehungen unterhalten, erinnert dagegen daran, das eigene Schicksal in die – natürlich – eigenen Hände zu nehmen:

„The National Resistance Brigades, the military wing of the Democratic Front for the Liberation of Palestine, [..] called for a united resistance front, and called upon all Palestinian factions‘ military wings to hold a meeting to discuss ways to respond to the recent Israeli attack on the Gaza strip.“

Es ist bezeichnend, daß in dieser Logik das auslösende Ereignis nicht einmal mehr erwähnt wird. Der Bruch eines „Waffenstillstands“ wird Israel vorgeworfen, nicht jenen, die die informelle Waffenruhe tatsächlich brachen. Eine Umkehrung der Realität, die freilich besonders zur deutschen Berichterstattung paßt.

Waren international Überschriften nicht unüblich, die etwa verkündeten, „Israel bombs Hamas in Gaza after rocket attack“, und formulierte selbst der britische Guardian, „Israeli aircraft bomb Hamas base in Gaza Strip after militants fired rocket“, sparten die Deutschen sich letztere Information.

tagesschau20141220

Die tagesschau meldete eine „neue Eskalation in Nahost“ und erklärte darunter: „Israel fliegt Luftangriffe auf Gazastreifen“; SPIEGEL online, das Portal zum deutschesten aller Nachrichtenmagazine, (über-)schrieb: „Nahost-Konflikt: Israel bombardiert Ziele im Gaza-Streifen“.

Besonders hart allerdings traf es die Deutsche Welle. Machte der deutsche Staatssender am Freitag noch die Propagandaarbeit der Hamas und klagte, „humanitäre Krise in Gaza spitzt sich zu“, mußte er am Sonnabend diesen Satz im Kleingedruckten verstecken:

„Zuvor hatten militante Palästinenser erstmals seither eine Rakete aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert.“

Bei dem Sender, der auch aus dem Budget des Kanzlerinnenamts finanziert wird, kann man nicht zählen. Oder will man nicht? „Two previous cases of militant rockets landing in Israel have been recorded“ – das hätten die deutschen Staatsflunkerer jedenfalls beim Guardian erfahren können.

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  1. Erinnerungen an die Gegenwart, August 2011: http://spiritofentebbe.wordpress.com/2011/08/19/die-alte-leier-von-der-spirale/ – und wohl auch an die Zukunft. Exemplarisch.

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