Fehlgriff

Der israelische Präsident Reuven Rivlin hat Joachim Gauck, den seit etwa einem Monat ehemaligen deutschen Bundespräsidenten, eingeladen, teilzunehmen am offiziellen Gedenken an die Opfer der Shoah. In Israel wird am 28. Nisan, der 2017 auf den 24. April fällt, Yom HaShoah begangen, mit dem an die 6 Millionen jüdischen Opfer deutscher antisemitischer Mordlust erinnert werden soll.

Mit Joachim Gauck würde erstmals ein hochrangiger deutscher Politiker am staatlichen Gedenken teilnehmen, das in diesem Jahr im Haus der Ghettokämpfer organisiert wird. Die von Überlebenden begründete Gedenkstätte verfolgt damit nach Auskunft Dr. Arik Carmons, des Vorsitzenden ihres Board of Directors, einen neuen Ansatz zum Umgang mit den moralischen Lehren des Holocaust.

Leider jedoch ist Joachim Gauck ein dafür denkbar ungeeigneter Ehrengast. Denn er steht für einen Umgang mit dem Holocaust, der von dem Versuch geprägt ist, dieses beispiellose Verbrechen zu verharmlosen. Als einer der Erstunterzeichner der Prager Erklärung engagierte Joachim Gauck sich dafür, die Barbarei der Deutschen und ihrer Helfer Verbrechen des Stalinismus gleichzustellen.

Damit setzte das spätere deutsche Staatsoberhaupt sich, wie etwa der »Nazijäger« Efraim Zuroff warnte, für eine Neuformulierung »europäischer Geschichtsbücher im Geiste einer unzutreffenden Gleichsetzung kommunistischer und nationalsozialistischer Verbrechen« ein, die »zukünftige Generationen mit einer vorsätzlich verfälschten Darstellung des Holocaust aufwachsen« ließe.

Wie das in der Praxis aussähe, demonstrierte Joachim Gauck als Bundespräsident, als er in einem Podiumsgespräch betonte, »wenn wir die Zahlen der kommunistischen Morde zusammenzählen, so erlangen wir eine größere Zahl als die der faschistischen Morde«. Nur falls das der neue Ansatz ist zum Umgang mit den Lehren des Holocaust, wäre die Einladung Joachim Gaucks wohl akzeptabel.

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