Beten für Frieden

In einem Kommentar erklärte in diesen stürmischen Zeiten dessen Autor, der Tempelberg in Jerusalem, der israelischen Hauptstadt, sei »den Muslimen so heilig wie den Juden«, und unterschlug damit zunächst gekonnt die Christen. Doch stimmt denn eigentlich das »wie«? Gewiß, der Tempelberg ist Juden und Christen und Muslimen heilig. Aber doch auf höchst unterschiedliche Weise.

So ist es einer jüdischen Regierung eher peinlich, wollen einige ihrer Mitglieder die heilige Stätte besuchen. Und von jüdischen Gebeten etwa soll ja ausdrücklich abgesehen werden. Das ist umstritten, und die Regelung wird immer wieder mal heiß diskutiert, Blut fließt bei diesen Auseinandersetzungen eher selten. Muslime andererseits sind da doch noch in einer anderen Welt unterwegs.

Regelmäßig werden auf dem Gelände des »muslimischen Heiligtums« bewaffnete Angriffe auf »ungläubige« Besucher des Tempelbergs vorbereitet und durchgeführt. Zuletzt wurde das am vorvergangenen Freitag deutlich: Drei muslimische Bürger Israels griffen vom Tempelberg aus israelische Polizisten an, die da waren, prioritär ihren, der Terroristen, Zugang zu schützen und durchzusetzen.

Kein Grund für einen Mord, sollte man meinen. Und doch erregen nicht die Steinewerfer vom Tempelberg, nicht die mit Schußwaffen aufgerüsteten »Heiligen Krieger« die Community. Sie, die Angreifer, die keinen zivilisatorischen Grundanstand kennen, werden zunächst zu Opfern und dann zu »Märtyrern«, zu Identifikationsfiguren befördert, als würde ihre Tat der Menschheit Heil bringen.

Nein, angeklagt werden inzwischen nach Wohnungen, die als »Friedenshindernisse« gelten, Metalldetektoren. Deren Einsatz verletze die Würde der Muslime. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird wohl am Montag dazu etwas von »beide Seiten« zusammenverhandeln und äußern. Damit jedoch liegt das höchste Organ der Vereinten Nationen natürlich falsch. Es gibt keine zwei Seiten.

Was es gibt, sind da von Haß zerfressene Barbaren, die weder menschliche Grundwerte achten, noch die eines fremden oder gar des eigenen Glaubens, sondern sie verraten. Und dort gibt es Zivilisation, die Mord ja ganz selbstverständlich nicht duldet. Diesen emanzipatorischen Vorsprung werden die Muslime nicht durch »Days of Rage« aufholen. Das sollte die Ansage der Stunde sein.

Wer aber »beide Seiten« in eine Schublade wirft, sie gleichsetzt, irrt. Und er verhöhnt, was Menschheit im Grunde ausmacht: Die Entwicklung einer Vorstellung von individueller Würde, nach der Mord schlicht nicht zum »Werkzeug« zählt. Und auch kein »heiliger Zorn«. Könnte der Sicherheitsrat statt Konsens die notwendige Konfrontation suchen, es wäre einer seiner besseren Montage.

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