Barbar

Abdullah II, König von Jordanien, hat sich am Samstag als Beschützer der islamischen Heiligtümer auf dem Tempelberg in der israelischen Hauptstadt Jerusalem empfohlen. Er, erklärte der Monarch, kämpfe mit seinem Land zuverlässig gegen eine »Judaisierung« von Felsendom, Al-Aksa-Moschee und Umgebung. Abdullah II führt damit vor, was schlechte von besserer Politik unterscheidet.

Hat gerade Benjamin Netanjahu, der freilich nicht eben gänzlich fehlerlose Chef der Regierung in Jerusalem, sich in einer Krise bewährt, die andere mit »Tagen des Zorns« und Hetze zur Explosion bringen wollten, gießt der Monarch an deren Seite Öl ins Feuer und erweist sich so als ein vulgärer Populist: Er heizt, bewußt oder nicht, mit seinem Gerede einen überflüssigen Konflikt unnötig an.

Der jordanische Herrscher zeigt sich mit seinem Gerede als ein Antisemit, der sich bei anderen Antisemiten anbiedern will. Die »Judaisierung« Jerusalems oder gar des Tempelbergs ist ein wieder und wieder behauptetes Hirngespinst, mit dem sich bereits in der Vergangenheit Pogrome anstiften ließen und blutige Unruhen. Offenbar geht es Abdullah II ebenfalls darum, für Aufruhr zu sorgen.

Wollte er die »Heiligkeit« des Areals verteidigen, so könnte der Monarch sich dagegen wenden, Al-Aksa-Moschee und Felsendom als Vorbereitungs- und Rückzugsort für Angriffe auf Zivilisten, aber auch israelische Sicherheitskräfte zu nutzen. Wer die heiligen Orte als Waffenlager mißbraucht, die gehörten geächtet. Abdullah II hat sich an ihre Seite gestellt. Er ist kaum weniger Barbar als sie.

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  1. Als Pointe wäre noch anzumerken, dass „Führungskräfte“ wie Abdullah II noch als moderat gelten. So bekommt man einen kleinen Eindruck davon, ob es im arabischen Herrschaftsraum für Hass eine Grenze nach unten gibt und mit was für „Gesprächspartnern“ man es in der Regel zu tun hat.

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