Putzige Zeiten

Ulrike Putz, unsere alte Bekannte, hat in ihrer Funktion als journalistische Alleinunterhalterin mal wieder den Vogel abgeschossen; und wie immer, wenn ihr das gelingt, scheint es dabei ganz allein um Israel sie selbst gegangen zu sein.

Sieht Frau Putz doch in der aktuellen israelischen Camping-Bewegung nichts Geringeres als Vorboten eines „Arabischen Frühlings“ – der Israel „endlich“ hinwegfegt, Frau Putz?

Die putzige Metapher mag im selben Maße sinnvoll sein, in dem Frau Putz ihre Fan-Post als symbolische Hexenverbrennung empfindet. Der Bezug zur empirischen Wirklichkeit jenseits von putzigen „Bauch-“ und anderen „Frühlingsgefühlen“ indes wirkt idiosynkratisch, um nicht zu sagen: forciert.

Wer die gefühlte Wirklichkeit in den Farben journalistischer Haltlosigkeiten, maßloser Superlative und hinkender Vergleiche zu schminken pflegt, macht so manche Frage überflüssig; auch die nach dem „Bewusstseins-“ oder vielmehr „Gemütszustand“, den er/sie damit dem Publikum unterstellt.

Bekanntlich „protestiert“ die israelische Camping-Bewegung seit zwei, drei Wochen, weil auch Student_innen irgendwo wohnen müssen.

Nun ist eine befriedigende Wohnung eine Frage des Anspruchs (Stichwort: „Szene-Viertel“); seitdem beispielsweise „alle“ im „Prenzlberg“ wohnen, ist die KastanienalleeCasting-Allee“ angeblich auch nicht mehr so „geil“angesagt“ wie früher, sondern eher schon etwas „peinlich“.

Doch zurück zu Frau Putz. Ihr kann man offensichtlich nicht oft genug sagen, dass es sich bei Israel um keine asiatische Despotie handelt, die von „faschistoiden Bibermännern“ regiert wird, denn sie würde vermutlich jederzeit ohne weiteres behaupten, die Empirie wäre nichts gegen ihr gesundes Volksempfinden gesundesBauchgefühl“, und dem zufolge sind Demonstrationen nun mal „der Anfang vom Ende“, um nicht zu sagen: Vorboten des „Unterganges“.

Wenn man doch bloß einmal den Eindruck haben könnte, dass der „Abgrund“, in den diese Journalistin im Auftrag von Spiegel-online ach so gerne blickt, nicht vor allem aus ihr selber guckt!

Wenn Frau Putz das nächste Mal beim Anblick von ein paar Zelten „politischeFrühlingsgefühle bekommen möchte, warum fährt sie dann nicht mal an die türkisch-syrische Grenze und sieht sich die vielen zehntausend vor dem Terror al-Assads geflohenen Flüchtlinge an?

Und wenn sie dann, während sie sich in Syrien befindet, irgendetwas vom „israelischen Frühling“ faseln würde, müsste sie eines Tages vielleicht wirklich begreifen, was der Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie bedeutet.

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