Clemens Heni: Was das A-Team nicht sehen will

Was das A-Team nicht sehen will
von Clemens Heni

Enough is Enough! Statt den Antisemitismus in Deutschland klein zu reden, sollten deutsche „Antisemitismusexperten“ die Hetze gegen Henryk M. Broder verurteilen und ihre eigenen Fehlleistungen erkennen

Der „Expertenkreis Antisemitismus“ der deutschen Bundesregierung und sein Sprecher Peter Longerich (London) sowie seine Sprecherin Juliane Wetzel (Zentrum für Antisemistismusforschung, ZfA, TU Berlin) schreiben in ihrem Bericht über Antisemitismus, der Anfang November der Öffentlichkeit vorgelegt wurde, dass die Nichtregierungsorganisation Attac nicht antisemitisch sei.

Sie widmen dieser im Jahr 1998 gegründeten und seit dem Jahr 2000 auch in Deutschland ihr Unwesen treibenden NGO sogar ein ganzes Kapitel, gehen auf Diskussionen über Antisemitismus wie dem Ressentiment gegen Banken und dem ‚Finanzkapital‘ oder der Personalisierung abstrakter Herrschaftsverhältnisse ein und kommen zu dem Schluss, dass dies alles ganz wunderbar von dieser NGO in den letzten Jahren bearbeitet worden und die Gruppe jetzt völlig koscher sei.

Hört sich gut an, immerhin kommen diesmal nicht andere Attac-Mitglieder zu diesem Ergebnis, sondern von der deutschen Regierung beauftragte Experten.

Am 31. Mai 2010, also lange bevor der Bericht der Experten geschrieben und publiziert war, gab Attac Deutschland eine Presseerklärung heraus, in der es hieß:

“Wir sind entsetzt über die Angriffe der israelischen Armee auf die Menschen, die mit dem Schiff Hilfsgüter in das blockierte Gaza bringen wollten. Wir drücken unser Mitgefühl mit den Angehörigen der Toten und mit den Verletzten aus. Unsere Gedanken sind bei den deutschen Attac-Mitgliedern an Bord, deren Schicksal zur Stunde ungewiss ist”, sagte Hugo Braun vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. An Bord eines der Schiffe befinden sich die beiden Bundestagsabgeordneten und Attac-Mitglieder Annette Groth und Inge Höger sowie der Völkerrechtler Professor Norman Paech, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Attac.”

Weiter schreiben die Fans der Hamas und des unverblümten Judenhasses dieses palästinensischen Arms der Muslimbrüder:

“Attac erwartet von der deutschen Bundesregierung, dass sie diesen blutigen und rechtswidrigen Angriff auf Friedensaktivisten in internationalen Gewässern verurteilt und sich für die sofortige Beendigung der Blockade von Gaza einsetzt. Zugleich bringt Attac Deutschland seine Solidarität mit den Friedensaktivistinnen und -aktivisten in Israel zum Ausdruck, die schon am Morgen des Montag in zahlreichen Städten ihres Landes Protestaktionen begonnen haben.”

Eine antiisraelische Flottille wird hier als Aktion von „Friedensaktivisten“ schön geredet und der Raketenterror der Hamas und anderer Gruppen aus dem Gazastreifen nicht erwähnt. Die beiden Bundestagsabgeordneten, die die illegale Aktion gegen eine völkerrechtlich abgesicherte Blockade tatkräftig auf dem ‚Frauendeck‘ unterstützten, Annette Groth und Inge Höger, sind Mitgliederinnen bzw. Unterstützerinnen von Attac.

Am 10. August 2010 schreibt ein Luz Maria de Stefano de Lenkait auf der Homepage von Attac, an „internationales Recht hat sich Israel nie gehalten“ und betitelt seinen vor Antisemitismus nur so triefenden Text: „Iran ist nicht das Problem, sondern Israel“.

Und was sagen die deutschen Experten im November 2011 zu diesem Dokument, das seit August 2010 auf der offiziellen Homepage von Attac steht? Nichts. Dafür wird Attac geradezu als Beispiel für sinnvolle Selbstkritik angepriesen:

“Der Umgang der globalisierungskritischen Bewegung und des Netzwerks ‘Attac’ mit Antisemitismusvorwürfen wurde hier beispielhaft thematisiert, um einerseits auf die Gefahren einer bedenklichen Form der Kapitalismuskritik aufmerksam zu machen, andererseits um die letztlich erfolgreichen Abwehrstrategien führender Persönlichkeiten in diesem heterogenen Netzwerk hervorzuheben.”

Die „erfolgreichen Abwehrstrategien“ bei linken Antisemiten sehen so aus:

Im August 2007 entsorgten Mitglieder von Attac Cottbus einige NPD-Flyer und anderes Propagandamaterial der Rechtsextremen. Mit dabei bei der sicher sinnvollen Aktion in Cottbus war Antje Kirchner, wie die Lausitzer Rundschau berichtete.

Die Aktion gegen die NPD möchte der NPD vermutlich zeigen, dass man gerade auch als Linker Antisemit sein kann und damit in der Gesellschaft viel besser ankommt und auf Demonstrationen keiner Kritik ausgesetzt ist, wie das den Nazis zu Recht regelmäßig passiert.

Attac-Mitglied und Aktivistin Antje Kirchner jedenfalls publiziert im November 2011 einen „Offenen Brief“, unterzeichnet „mit wachsamen Grüßen“ auf der Seite von Attac in Cottbus:

“Sehr geehrter Herr Broder,
ich bin sehr bestürzt darüber, dass Sie es wieder einmal geschafft haben, ins öffentliche Bild der Wahrnehmung zu kommen. Und dass Sie mit diesem Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit es auch noch geschafft haben, einem kongenialen Querdenker (…) das Mundwerk zu legen.

Goebbels soll einmal gesagt haben: Wer hier ein Jude ist, bestimme immer noch ich.

Und Sie, Herr Henryk M. Broder, Sie bestimmen, wer Antisemit ist und wer nicht?

Sie haben es mit dieser haltlosen und überhaupt nicht recherchierten Behauptung endlich geschafft, einem kritischen Sprachrohr, einem freidenkenden Menschen mit herausragender Intelligenz, der sich als einer der wenigen Journalisten noch öffentlich gegen die mediale Vorbereitung des nächsten Weltkrieges (vielleicht haben wir ihn bereits, denn an so vielen Ecken der „Achse des Bösen“ brennt es bereits, natürlich immer unterstützt von einer „Weltmacht“) äußern durfte und damit etlichen Leuten aus Hochfinanz und Politik ein Dorn im Auge war, weil er Menschen wie mir die Augen geöffnet hat.”

Ken Jebsen, der „weis wer den holocaust als PR erfunden hat“ und schließlich doch am 23.11.2011 vom Radio Berlin Brandenburg entlassen wurde, nachdem er schlappe 10 Jahre lang seinen verschwörungstheoretischen Müll und seine antiwestlichen, antiamerikanischen und antisemitischen Ausfälle einem jugendlichen Hörerpublikum jeden Sonntag Nachmittag 4 Stunden lang steuerfinanziert akustisch eintrichtern konnte, wird von ihr in Schutz genommen.

Antje Kirchner vergleicht den Publizisten Henryk Broder mit dem Nazi Goebbels; Attac verbreitet diese Art von Antisemitismus auf seiner Homepage. Ein Jude wird zu einem Nazi gemacht, so wie Israel zu einem Nazi-Staat herbei phantasiert wird, von arabischen, muslimischen, linken wie jüdischen Antisemiten. Die Zustimmung zur Gaza-Flottille durch Attac ist bereits Einverständnis mit den Vernichtungsdrohungen gegen Juden und den jüdischen Staat von Seiten der Hamas.

Von den antizionistischen Erklärungen von Attac im Mai oder August 2010 hin zu antisemitischen Ressentiments gegen die „Hochfinanz“ und gegen Henryk Broder verläuft eine eindeutige rote Linie.

Der „Expertenkreis Antisemitismus“ sieht diese Linie nicht, möchte sie nicht sehen und informiert die interessierte Öffentlichkeit in Deutschland bewusst falsch. Denn warum wird in dem Bericht zu Antisemitismus der antizionistische Antisemitismus von Attac, wie er schon im Jahr 2010 offenkundig war, ignoriert und Attac gar gelobt?

Die antisemitische Hetze gegen Broder, wie wir sie jüngst im Fall Ken Jebsen, der ein Fall RBB und Fall Deutschland ist (denn ohne Hörer hätte es kein KenFM gegeben, und ohne Jugendliche, die sich solchen Müll anhören auch nicht, wenn man mal davon ausgeht, dass auch 15jährige durchaus schon denken können), mitbekommen haben, zeigt wie salonfähig Judenhass heute wieder ist. Der Eiertanz des RBB bis hin zur Entlassung des Hetzers spricht für sich.

Auf Facebook, in e-mails oder auf Homepages wie denen von Attac wird Broder antisemitisch attackiert. Wo sind die laut hörbaren Stimmen in Deutschland von Journalistenkollegen, Forschern, Politikern, Moderatoren und Medienleuten, Aktivisten, Einzelnen, Verstreuten, den Massen oder von Intellektuellen und anderen, die sich gegen solche antisemitische Hetze wenden?

6 Comments

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  1. Die wachsame Antje hat ihrem Brief ein Zitat angefügt:

    “Geistlose kann man nicht begeistern, aber fanatisieren kann man sie.”
    Marie von Ebner-Eschenbach
    …aus der Sprüchemaschine von metager

    Herrlich. Ich dachte zuerst, die würden dort an jeden Beitrag ein Zufallszitat anhängen und war ob der Treffgenauigkeit begeistert, aber da die anderen Beiträge ohne Zitat sind, muß die Gute das Zitat selbst ausgesucht haben.
    Realsatire vom Feinsten, danke Antje.

  2. Die wachsame Antje kennt sich in der Nazigeschichte allerdings nicht aus: “Wer Jude ist, bestimme ich!” wird Hermann Göring zugeschrieben, nicht Goebbels. Doch selbst das stimmt nicht, denn der Spruch stammt von einem Wiener Bürgermeister und (offenen) Antisemiten Karl Lueger (der übrigens von Kaiser Franz Joseph trotz Wahl dreimal NICHT als Bürgermeister bestätigt wurde!).
    http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lueger

  3. Ich bin erfreut, dass mein “offener” Brief an die Hausadresse von Henryk M. Broder – die leider nicht die ist, die die Post erkennt – es in diesen Florian-Silbereisen-Blog geschafft hat. Danke auch für die sehr aufmerksame Zitat-Korrektur mit Bürgermeister Lueger.

    “Alles Antisemiten – außer Mutti” – ein Zitat aus den Radio Fritz Kommentaren

    Link und antifaschistisch ist halt nicht immer Pro Israel oder Pro Amerika

    Meine Trauer, Wut und Respekt für Widerstandskämpfer und Opfer jedweder nationalistischen Ideologie.

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