Mauerbauer

Welt online scheint entsetzt: “Arno Klarsfeld empfiehlt Mauer gegen Einwanderung”. Der als “Sohn der Linken-Kandidatin” Vorgestellte sorge in Frankreich “für Schlagzeilen”:

“Der Sohn der als Nazi-Jägerin bekanntgewordenen Kandidatin für das Bundespräsidenten-Amt, Beate Klarsfeld, hat sich für den Bau einer Mauer zwischen Griechenland und der Türkei ausgesprochen. [..]

Klarsfeld meinte [..], der Bau des etwa 130 Kilometer langen Zauns sei nur eine Frage der Vernunft.”

Nun ist ein Zaun zwar gar keine Mauer, doch darum geht es Welt online vermutlich auch gar nicht, sonst erinnerte sie in dem eher kurzen Beitrag nicht an mindestens vier Stellen daran, daß Arno Klarsfeld vor allem eins ist: Sohn seiner Mutter, “der Linken-Kandidatin”.

Doch was hat Beate Klarsfeld mit politischen Ideen ihres 1965 geborenen Sohns zu tun? Hat sie sich für jene “Mauer” ausgesprochen, die vielleicht auch nur ein “Zaun” sein könnte? Wäre ein solcher “Zaun” oder eine solche “Mauer” verwerflich?

Die bei Welt online für die Diffamierung Beate Klarsfelds zuständige Abteilung, denn darum geht es wohl, verfügt offenbar nur über ein Gedächtnis, das mindestens so löchrig ist wie die griechisch-türkische Grenze. Am 8. März nämlich konnte man bei Welt online dies lesen:

“Deutschland und sechs weitere EU-Länder werfen Griechenland einen unzureichenden Schutz der EU-Außengrenzen gegen illegale Einwanderung vor. In Griechenland seien ‘offenkundig die Strukturen nicht funktionsfähig’, kritisierte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sagte, die Grenze des Landes zur Türkei stehe ‘offen wie ein Scheunentor’.”

Die griechische Regierung hatte daher bereits im Januar über Grenzbefestigungen nachgedacht:

“Zum Jahreswechsel überraschte der griechische Minister für Bürgerschutz, Christos Papoutsis, mit der Ankündigung, seine Regierung plane die Errichtung eines Zauns entlang der 206 Kilometer langen Landgrenze zur Türkei. Diese – wenig später auf die 12,5 Kilometer lange besondere ‘Schwachstelle’ am Grenzfluss Evros beschränkte – Grenzsicherung soll Griechenland aber nicht etwa vor den Türken schützen, sondern vor dem wachsenden Ansturm von Flüchtlingen.”

Dies sei, kommentierte damals der deutsche Christdemokrat Wolfgang Bosbach, ein “Akt der Notwehr”, der “verständlich” sei. “Ob der Zaun aber dauerhaft ein geeignetes Mittel ist, um der Flüchtlingsströme Herr zu werden, dahinter mache ich ein großes Fragezeichen.”

Und damit sprach Wolfgang Bosbach, der damit nicht für Schlagzeilen sorgte, aus, worum es ihm, worum es jenem Europa geht, zu dem Hans-Peter Friedrich ebenso gehört wie Arno Klarsfeld oder Johanna Mikl-Leitner.

Der “Sohn der Linken-Kandidatin” befindet sich mithin in bester Mainstream-Gesellschaft. So what? Macht das die Mutter ihres Sohn nicht gerade wählbar?

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