Kritischer Journaillismus (Folge 985)

Christian Wagner ist für die tagesschau und die angeschlossenen Anstalten in Tel Aviv stationiert. Im Deutschlandfunk verrät er, wem sein Mitgefühl gilt:

“Auf die Frage nach der Ursache der Serie von Attentaten nennt Israels Ministerpräsident Netanjahu nicht etwa Armut oder Polizeigewalt in Ost-Jerusalem oder den Streit um den Zugang zu Felsendom und Al-Aksa-Moschee, Netanjahu sieht den Grund in einer Aufwiegelung durch den palästinensischen Präsidenten Abbas.”

Und das, nun, das kann ja einfach überhaupt nicht sein, selbst wenn Abu Mazen kürzlich den Eltern eines Attentäters versicherte, ihr geliebter Sohn sei als “Märtyrer” gestorben.

John Kerry, US-Außenminister, erklärte, “this kind of act [..] is a pure result of incitement, of calls for ‘days of rage'”. Und es war Abu Mazens Fatah, die “Tage des Zorns” ausrief.

Aber wenn der Christian Wagner meint, die PFLP-Terroristen wollten mit ihrem Massaker an Juden nur gegen Armut protestieren, wird es schon stimmen.

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“Spannungen” in Jerusalem

Mörderischer Terrorismus ist – keine Gewalt. Haben “palästinensische” Terroristen in der israelischen Hauptstadt Jerusalem ein Massaker in einer Synagoge verübt, fällt dem deutschen Außenministerdarsteller Frank-Walter Steinmeier neben leeren Phrasen über “unschuldige Gläubige”, die er nicht Juden, und “Gotteshäuser”, die er nicht Synagogen nennen will, dies ein:

“Ich hoffe, dass das nun auch ein lauter Weckruf ist. Die Spannungen können schnell zum gewaltsamen Ausbruch kommen.”

Hamas und Islamic Jihad applaudieren dem “Weckruf” und kündigen eine Fortsetzung des Terrors an, Ramallah rief kürzlich “Tage des Zorns” aus, während die europäischen Außenminister sich ihre Unzufriedenheit mit der Regierung in Jerusalem zu bestätigen pflegten. Klar, daß da ein Massaker an Juden unter “Spannungen” zählt und Gewalt erst noch droht.

Europas Jihad

Der letzte “Friedensprozeß” zwischen Israel und “Palästinensern”, in dem die Europäer die “Palästinenser” tatkräftig unterstützten, endete mit einer Annäherung von Fatah und Hamas und der Bildung und Inthronisierung einer “Einheitsregierung” am 2. Juni, die innerhalb von sechs Monaten Wahlen vorbereiten sollte, praktisch aber der Hamas ermöglichte, einen Krieg gegen Israel zu führen.

Und noch heute hat die “Regierungspartei” Hamas, zu der “Palästinenserpräsident” Abu Mazen sich bekennt, weder theoretisch von ihrem Ziel abgelassen, Israel und dessen Bevölkerungsmehrheit zu vernichten, noch praktisch abgerüstet. Wer auf den mäßigenden Einfluß Abu Mazens hoffte, den sollten die während der Operation Protective Edge gefundenen Terror-Tunnel bekehrt haben.

Der Hamas ist nicht mit Kompromissen beizukommen, nicht mit “Regierungsverantwortung”. Abu Mazen freilich hatte derlei nie vor. Obschon durchaus mit der Hamas konkurrierend – die Islamisten wollen die Macht auch in Ramallah übernehmen – hält der, ja, “Palästinenser”-Führer doch seine schützende Hand über sie: “Hamas is part of our people”, erklärt er, gelegentliche Kritik an ihr ist für die Sponsoren im Westen bestimmt.

Und die könnten auch das wissen, wie nicht zuletzt ein Blick in die Erinnerungen der ehemaligen amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice zeigt. Im Vorfeld der “Wahlen” in “Palästina” 2006 wies Abu Mazen Gedanken zurück, die Hamas wegen ihres terroristischen Charakters auszuschließen. “Only the participation of all Palestinians would make the election legitimate, he argued.”

Die Hamas “gewann” die “Wahlen”, was kein Kunststück war, da sie – bewaffnet – in zahlreichen Wahlkreisen dafür gesorgt hatte, daß erst gar keine konkurrierenden Kandidaten antraten. 2007 putschte sie dann noch in Gaza verbliebene Fatah-Strukturen blutig weg. Und trotzdem – für Abu Mazen gilt auch 2014 noch: “Hamas is part of our people”. Und zwar mit alle ihren Raketen und Tunneln.

Damit ist, sollte man meinen, zumindest ein gewaltiges Friedenshindernis entdeckt. Selbst wer Juden die souveräne Entscheidung darüber, wo sie in der Hauptstadt ihres Staates leben wollen, mißgönnt, sollte einräumen können, daß Abu Mazen und ganz bestimmt die Hamas nicht Teil einer Lösung sind, sondern zum Problem gehören, daß eine Unterstützung Abu Mazens wie der Hamas nur kontraproduktiv ist.

Nicht so die Europäische Union. Die hat zwar seit Monatsbeginn eine neue “Außenministerin”, doch statt zu versuchen, die Fehler Catherine Ashtons rückgängig zu machen, will sie sie vertiefen. Schweden hat – ein klarer Bruch der Roadmap“Palästina” bereits anerkannt, Federica Mogherini, neue Hohe Außenbeauftragte, sieht als es ihr “ultimate goal” an, Geburtshelferin “Palästinas” zu sein.

Gleichgültig sind ihr die Forderungen des Nahost-Quartetts, gleichgültig Abu Mazens Bekenntnisse zum antisemitischen Terrorismus. Und was für Federica Mogherini gilt, gilt für die EU, für die sie spricht und klingt wie ihre Vorgängerin. Über in Brüssel geplante Beiträge zum “Friedensprozeß” berichten israelische Medien von Haaretz bis Times of Israel. Maßnahmen gegen Terroristen sind nicht darunter.

“This is a sign that a great deal of anger and frustration exist in the member states”, zitiert Haaretz einen europäischen Diplomaten. “In recent months there were meetings of European foreign ministers in which ministers, who are considered extremely close to Israel, spoke in the most critical way against the policies of Netanyahu’s government.” Und damit ist alles über die EU und ihre Mitglieder gesagt.

Wie es die souveräne Entscheidung der jüdischen Demokratie ist, in ihrer Hauptstadt Jerusalem und den umstrittenen Gebieten den Wohnungsbau voranzutreiben, ist es die souveräne Entscheidung der Europäischen Union und – so Haaretz – all ihrer Mitglieder, sich mit Maßnahmen ausschließlich gegen Israel an die Seite antisemitischer Gangs zu stellen, deren Sache zu ihrer zu erklären.

Von Europa geht nicht Frieden aus für Israel und Juden; Lippenbekenntnisse gegen Antisemitismus, der wieder europäische Straßen beherrscht und in Parlamenten sich breitmacht, sind nur das. Tatsächlich arbeitet Europa der Hamas zu, einer Fatah, die zum “Auto-Jihad” aufruft, einer “Regierung”, deren Mufti den Genozid an Juden fordert. Die EU will nichts mit Israel zu tun haben? Es sollte ihr zuvorkommen und sie durch den Rückzug seiner Diplomaten bloßstellen.

Und zwar erst recht angesichts des sich anbahnenden Verrats Israels durch seine “Verbündeten” am 24. November.

The true meaning of BDS

‘Palästinensischer Mandela’

Hanan Ashrawi, Mitglied im Palästinensischen Nationalrat und glühende Antisemitin, ist entsetzt, empört, ach, es fehlen ihr die Worte, das Unrecht angemessen zu beschreiben, das das furchtbare zionistische Regime Marwan Barghouti antut.

Der “palästinensische Mandela”, wie deutsche “Kommunisten” ihn liebevoll nennen, ist seit 2002 in Israel inhaftiert, 2004 wurde er wegen fünffachen Mordes und seiner Verwicklung in terroristische Anschläge zu einer mehrfach lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Doch als sei die Haft nicht schon ungerecht genug für einen antisemitischen Mörder, verschärfte das zionistische Regime seine Strafe in dieser Woche noch einmal – wenn auch nur vorübergehend: sieben Tage soll er seit Mittwoch in Einzelhaft verbringen.

Für dieses “Kriegsverbrechen”, so Hanan Ashrawi am Sonnabend, müsse Israel von der Staatengemeinschaft verurteilt werden. “It is evident that the placement of Marwan Barghouti, in solitary confinement [..], is politically motivated”.

Ob sie wohl Frank-Walter Steinmeier, der gerade in Ramallah weilte, um Hilfe bat? Während der deutsche Außenministerdarsteller von “Gesprächen” schwärmte, von friedlicher Nachbarschaft, machte der Kassiber die Runde, der Marwan Barghouti Einzelhaft einbrachte:

“In an earlier statement that was leaked from his prison cell, Barghouti said that Arafat’s death was an Israeli-US decision, calling for reviving the option of resistance as the fastest way to defeat the occupation, achieve freedom and restore independence to Palestine. He also called on the Palestinian leadership to officially adopt the campaign to boycott Israel.”

Für Hanan Ashrawi sind solche Worte, die zu Gewalt aufrufen und gerade nicht zu Kompromissen, offenbar kein Grund, sich von ihnen zu distanzieren. Mit ihrem Bekenntnis zu Marwan Barghouti bekennt sich die “Palästinenserin” zu dessen Aussagen.

Weshalb noch einmal wurde der Mercator-Professorin der Universität Duisburg-Essen neulich ein südafrikanischer “Path of Peace Award” verliehen? “Due to her unprecedented service and leadership, the world is better able to see Palestinians as peacemakers.”

Alternativ-Tourismus

Dafür reiste Frank-Walter Steinmeier, der deutsche Außenministerdarsteller, am Sonnabend, an dem die “Palästinenser” den 26. Jahrestag ihrer 1988 in der algerischen Hauptstadt Algier verkündeten “Unabhängigkeit” begingen, nach Ramallah:

“Nach den Gesprächen mit Hamdallah, Al Malki und dem Vertreter einer Nichtregierungsorganisation in Ost-Jerusalem machte Außenminister Steinmeier deutlich, dass weitere Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern alternativ los [sic!] seien:

‘Es gibt keine andere Möglichkeit für Frieden hier im Nahen Osten. Und es gibt auch keine andere Möglichkeit, als über Verhandlungen zu einem eigenständigen palästinensischen Staat zu kommen, der Seit’ an Seite mit Israel lebt.'”

Hatte die – mittlerweile kommentarlos ersetzte – Reiseankündigung, in der es hieß, der Deutsche wolle sich vor Ort “einen Überblick [..] machen”, noch einen gewissen Erkenntnisgewinn nicht ausgeschlossen, kündet das Zwischenfazit von dessen Ausbleiben.

Schreibt Gil Yaron, “Palästinenserpräsident” Abu Mazen, halte derzeit Reden, “deren religiöser Eifer eher zu seinen Rivalen von der radikal-islamischen Hamas passt”, besuchte der Sozialdemokrat einen Partner, an dem er nichts auszusetzen hatte.

Damit offenbart die deutsche Außenpolitik eine fortschreitende Realitätsferne, die kaum helfen wird, die angeblich erstrebten Ziele zu erreichen. Es beleidigt jede Vernunft zu behaupten, “Frieden hier im Nahen Osten” hinge von der (Nicht-)Existenz eines Staates “Palästina” ab.

Syriens Bashar al-Assad kämpft mit allen Mitteln und Verbündeten schlicht als Despot um den Machterhalt, dem IS sind “Palästinenser” so gleichgültig wie den Jihad-Touristen, die zahlreich nach Syrien oder in den Irak reisen, nicht jedoch nach Gaza oder Ramallah.

Eine Einigung zwischen Israel und “Palästinensern” würde kein Regime in der Region davon abbringen, die jeweils “eigene” Bevölkerung zu unterdrücken. Bräche in “Palästina” Demokratie aus, unterschriebe Kleptokrat Abu Mazen einen Friedensvertrag?

Unter der Aufsicht der “Regierung” in Ramallah erscheint dessen amtliche Tageszeitung Al-Hayat Al-Jadida. Seit Wochen veröffentlicht sie Karikaturen, die prägnant zusammenfassen, wie das Regime tickt. Es sind keine “Ausreißer”:

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Wenn es schon sein muß, Abu Mazen, Rami Hamdallah oder deren “Außenminister” Riyad al Malki in Ramallah zu besuchen, dann sollte, wer Demokrat sein und für Frieden eintreten will, nicht als Freund zu ihnen reisen, nicht als Verbündeter.

Frank-Walter Steinmeier verweigert sich selbst dieser Erkenntnis. Vielmehr verspricht er Gangstern einen Staat. Verkündet er, es gäbe “keine andere Möglichkeit, als über Verhandlungen” zu diesem “eigenständigen palästinensischen Staat zu kommen”, ignoriert er zudem, daß nicht nur Schweden das anders sehen.

Du bist Deutschland

“Antisemitismus ist ein Dolchstoß ins Herz dieser Gesellschaft! Antisemitismus geht gegen unsere Verfassung, gegen unsere Zivilisation – gegen alles, woran wir glauben, und alles, was wir gelernt haben! [..]

In unserem Verständnis eines freien, demokratischen und toleranten Deutschlands ist kein Platz und darf kein Platz sein für Antisemitismus, meine Damen und Herren! [..]

Nicht nur wir Politiker, sondern die Gesellschaft insgesamt ist aufgestanden, um den Antisemitismus zurückzuweisen. Mitte September haben tausende Menschen in einer großen Demonstration am Brandenburger Tor ihre Stimme erhoben und gerufen: Antisemitismus hat hier keinen Platz!”

“Antisemitische Parolen bei einer Kundgebung in Mainz im vergangenen Juli werden keine strafrechtlichen Folgen haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz bestätigte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Mainz, ein Ermittlungsverfahren gegen den Veranstalter der pro-palästinensischen Kundgebung abzulehnen. [..]

Bei der Demonstration gegen die israelische Offensive im Gazastreifen waren am 18. Juli rund 1500 Menschen durch die Mainzer Innenstadt gezogen. Einige von ihnen skandierten Parolen wie ‘Kindermörder Israel’, ‘Juden ins Gas!’ und ‘Tod, Tod, Israel’. [..]

Die Beschwerde des früheren Mainzer CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Gerster sei abgewiesen worden, teilte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Kritik an einem ausländischen Staat falle nicht unter den Straftatbestand der Volksverhetzung.”

Der Ahnungslose im Ausland

Im Auswärtigen Amt des Frank-Walter Steinmeier wird ein Deutsch gesprochen, das die Qualität der Politik, für die der Sozialdemokrat steht, angemessen spiegelt: Kaum ist die europäische “Außenministerin” Federica Mogherini von ihrer Nahost-Reise zurückgekehrt, will “Steinmeier [..] sich in Gesprächen mit den politisch Verantwortlichen auf beiden Seiten einen Überblick über die Lage und mögliche Perspektiven [..] machen.”

Früher verschaffte man sich einen Überblick, Frank-Walter Steinmeier macht sich einen – und diskreditiert damit Catherine Ashtons Nachfolgerin. Wozu leistet Europa sich eine Hohe Außenbeauftragte, lassen die nationalen Außenminister und -darsteller sich nicht von ihr informieren, sondern verschwenden Zeit und Ressourcen für eigene Reisen? Was dabei nämlich herauskommt, ist kaum Außenpolitik zu nennen.

Das wird beim Blick auf die Website des Auswärtigen Amts zu Berlin deutlich, das dort “die deutsche Position” umschreibt. “Ein unabhängiger, demokratischer und lebensfähiger palästinensischer Staat, der Seite an Seite in Frieden und Sicherheit mit Israel lebt”, könne nur durch “eine verhandelte Zwei-Staaten-Lösung” entstehen, die zugleich “den israelisch-palästinensischen Konflikt endgültig beilegen” werde.

Weiß Frank-Walter Steinmeier, daß Schweden bereits ein “Palästina” anerkannt hat, das weder unabhängig ist noch demokratisch noch ohne Milliarden aus dem Ausland lebensfähig? Weiß Frank-Walter Steinmeier, daß Abgeordnete in verschiedenen europäischen Parlamenten sich bereits mehrheitlich für eine Anerkennung dieses “Palästina” ausgesprochen haben und demnächst noch aussprechen werden?

Sie wollen damit den letzten vor dem ersten Schritt tun, Schweden hat den “Palästinensern” schon signalisiert, daß Verhandlungen unnötig sind. Und Federica Mogherini hat ihre Reise nach Jerusalem, Gaza und Ramallah genutzt, auch einer Organisation einen wohlwollenden Besuch abzustatten, die sich seit einigen Monaten beharrlich weigert, darüber aufzuklären, wie Raketen der Hamas in ihre “Schulen” gelangen konnten.

Das offizielle Europa und einige seiner Mitgliedsstaaten vertreten ganz offenkundig Ansichten, die mit den niedergeschriebenen deutschen inkompatibel sind, gegen die Roadmap verstoßen und gegen Israel gerichtet sind. Um das festzustellen, muß man freilich nicht nach Jerusalem reisen oder gar einen Abu Mazen besuchen, der Reden hält, “deren religiöser Eifer eher zu seinen Rivalen von der radikal-islamischen Hamas passt.”

Wollte Frank-Walter Steinmeier dem “Friedensprozess in der Region” neues Leben einhauchen, versuchte er eine einheitliche Haltung dort zu erreichen, wo ihm das vielleicht sogar gelingen könnte: in Europa. Und spräche dieses Europa dann mit einer Stimme, würde es möglicherweise zu positiven Entwicklungen beitragen können. Wer sich nur scheinheilig äquidistant “in Gesprächen [..] einen Überblick [..] machen” will, lernte besser ein besseres Deutsch.

Die Ablehnende

Es gibt bedauernswerte Menschen, die wollen mit Dingen nichts zu tun haben, die sie dennoch unablässig zu verfolgen scheinen. Die “linke” Bundestagsabgeordnete Annette Groth ist eine dieser armen Menschinnen.

Die “menschenrechtspolitische Sprecherin” ihrer Fraktion mag es überhaupt nicht, wie sie einer in ihrem Wahlkreis erscheinenden Tageszeitung verriet, wird versucht, Israel mit Nazi-Deutschland gleichzusetzen.

“Ich lehne solche Vergleiche ab.”

Kürzlich wollte Annette Groth sich, getrieben zweifellos von den allerbesten Absichten, von dem amerikanischen Publizisten Max Blumenthal über “Israels Kriegsverbrechen in Gaza” berichten lassen. Aber ach, der Gast hatte ein Buch vollgeschrieben:

“Blumenthal bezeichnet israelische Soldaten in seinem jüngsten Buch ‘Goliath’ als ‘Judäo-Nazis’ und belegt auch die israelische Regierung häufig mit NS-Vokabular.”

“Bei Blumenthal”, dagegen die überraschte “Linke”, “habe ich solche Vergleiche bisher nicht gehört und nicht gelesen”. Kann man ihr das glauben? Annette Groth ist seit 2010 “Patin” der arabischen Knesset-Abgeordneten Haneen Zoabi:

“Das Ziel ist klar: ‘Ich möchte ihr den größtmöglichen Schutz durch Öffentlichkeit geben’, sagt Groth.”

Zum Monatsanfang berichteten israelische Medien über eine Demonstration, an der Haneen Zoabi lautstark teilnahm: “Zoabi compared the police’s behavior toward her to the Holocaust: ‘Someone did this to you, decades ago. [..] You did not learn the lesson.'”

“She previously has used the Knesset podium to call Israel a Nazi state”, schreibt The Jewish Press, und auf der Hasbara-Aktivitäten gewiß unverdächtigen Website The Electronic Intifada ist es ausgerechnet Max Blumenthal, der Haneen Zoabi 2010 dies entlockt:

“Israel has a general atmosphere of a fascist state that has no critical sense even of its image in the world.”

“Ich lehne solche Vergleiche ab”, sagt Annette Groth, “ich möchte [Haneen Zoabi] den größtmöglichen Schutz durch Öffentlichkeit geben”, erklärt die gleiche Annette Groth. Hat sie erneut nicht gelesen, nichts von dem gehört, was ihr “Mündel” von sich gibt?

Du bist Deutschland

“Antisemitismus ist ein Dolchstoß ins Herz dieser Gesellschaft! Antisemitismus geht gegen unsere Verfassung, gegen unsere Zivilisation – gegen alles, woran wir glauben, und alles, was wir gelernt haben! [..] In unserem Verständnis eines freien, demokratischen und toleranten Deutschlands ist kein Platz und darf kein Platz sein für Antisemitismus, meine Damen und Herren!”

“Germany’s ambassador to the Netherlands is slated to attend a commemoration at a cemetery where many SS soldiers are buried. [..] Ambassador Franz Josef Kremp [..] is, according to a report Wednesday by the Dutch De Telegraaf daily, aware that it contains the remains of SS soldiers. [..] The Waffen SS was an elite Nazi unit whose men are responsible for the murder of countless Jews during the Holocaust.”

+1

Vor acht Jahren, am 31. Juli 2006, verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen seine Resolution 1696, mit der das Regime von Teheran unter Androhung von Sanktionen ganz unzweideutig aufgefordert wurde, “that Iran suspend[s] all enrichment-related and reprocessing activities, including research and development”.

Was 2006 zu der Resolution führte, nämlich mangelndes Vertrauen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in die angeblich friedlichen Absichten iranischer Kernforschung, ist acht Jahre später noch immer nicht aufgebaut. “We are unable to provide credible assurance about the absence of undeclared nuclear material and activities”, erklärte IAEA-Chef Yukiya Amano am Monatsanfang.

Dabei soll doch bereits am 24. November ein diplomatischer Triumph verkündet werden: ein Abkommen zwischen den P5+1-Staaten einer- und der Islamischen Republik andererseits, das alle bestehenden Fragen klärt und alle Zweifel an den edlen Absichten der Mullahs ausräumt. Es wird dazu nicht kommen, in zwei Wochen wird dafür das moralische Versagen internationaler Diplomatie deutlich werden.

Sprachen die Vereinigten Staaten und das Mullah-Regime 2006 aus sehr guten schlechten Gründen nicht miteinander, herrscht, wird immer wieder kolportiert, mittlerweile ein reger Briefverkehr zwischen Washington und Teheran. Gleichzeitig hat sich seit dem Einzug Barack Hussein Obamas das Klima zwischen dem Weißen Haus und der Regierung in Jerusalem zweifellos verschlechtert.

Die derzeitige US-Regierung scheint geneigt, sich auf einen bad deal einlassen und damit einen neuerlichen Beweis ihres gestörten Verhältnisses zu Demokratie und Freiheit auch und gerade im Nahen Osten erbringen zu wollen. Gleichwohl signalisiert sie aber immerhin auch, daß ihr nicht alles paßt, was sich die Mullahs in diesen Tagen gestatten.

Veröffentlichte das iranische Staatsoberhaupt Ali Khamenei am 9. November Antworten auf “Neun Schlüsselfragen zur Vernichtung Israels” und bekannte sich damit neuerlich zu diesem Ziel, folgte die Stellungnahme Washingtons durchaus prompt: “We strongly condemn the hateful remarks made about Israel”.

Natürlich hätte die Reaktion schärfer ausfallen können und müssen. In Berlin indes, das “+1″ in P5+1 steht für Deutschland, rang man sich nicht einmal ein solches Lippenbekenntnis ab. Am 11. November ist es vielmehr Frank-Walter Steinmeier, der in einer Rede von einem “Make-or-Break-Moment” schwärmt, “den alle Parteien [..] ernst nehmen sollten”.

Die IAEA erklärte am vergangenen Freitag, sie vertraue dem Regime in Teheran nicht, “Iran has not provided any explanations that enable the agency to clarify the outstanding practical measures”, zwei Tage später publiziert Ali Khamenei Überlegungen zur Vernichtung Israels – und “+1″-Deutschland schweigt.

Was geht vor in Menschen, die an dem einen Tag großspurig erklären, es sei ihnen “ein persönliches Anliegen, die internationale Gemeinschaft erneut nach Berlin einzuladen, um zu besprechen, wie wir Antisemitismus noch effektiver bekämpfen können”, nur um dort nicht ein Wort zu sagen, wo freilich – und zwar dank ihnen – weitaus mehr als bloß Worte nötig wären?

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