Politische Einlaßkontrolle

In der vergangenen Woche hat das Parlament in Jerusalem, die Knesset, ein Gesetz beschlossen, das es Behörden erlauben soll, erklärten Gegnern des jüdischen Staates die Einreise nach oder den Aufenthalt in Israel zu erschweren oder zu verwehren. Wer sich etwa in der extremistischen BDS-Bewegung engagiert, der soll seine antisemitischen Launen zukünftig außerhalb Israels ausleben.

Sollte man von Aktivisten, die andere teils mit Gewaltandrohung nötigen, auf jeden Kontakt nach Israel zu verzichten, erwarten können, daß sie mit gutem schlechten Beispiel vorangehen, zeigen freilich gerade ihre Proteste gegen das mit 46 gegen 28 Stimmen angenommene Gesetz, daß es bei aller Ambivalenz doch die Richtigen treffen könnte. Es entlarvt nämlich ihre Scheinheiligkeit.

Wer beispielsweise als amerikanische Unterstützerin der BDS-Bewegung von Tel Aviv aus gegen das Gesetz anschreibt, anschreiben möchte, hat ganz offenbar nicht verstanden, daß auch und gerade sie damit »dem israelischen Okkupations- und Apartheid-Regime dabei hilft, seine massiven Verletzungen der Rechte der Palästinenser« zu camouflieren. Dennoch bleibt ein Einwand.

Mit dem Gesetz hat sich die Knesset auf das Niveau einer zutiefst undemokratischen Bewegung begeben und deren »Hauptargument« zumindest indirekt anerkannt: Reisen nach und Aufenthalte in Israel sind ein politisches Statement. Doch gerade das sollten sie nicht mehr sein, sondern schlicht normal. Wer sich politisch äußern will, sollte das anders tun als durch bloße An- oder Abwesenheit.

Das Bollwerk

Martin Schulz, der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, der nach dem Willen seiner SPD im Herbst die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ablösen soll, war des Lobes voll für seine Partei: Sie sei, erklärte er im Februar, »das Bollwerk gegen wütenden Nationalismus« und kämpfe seit 150 Jahren »gegen Rassismus, Antisemitismus, Chauvinismus und Ausländerfeindlichkeit«.

Wahlkampfzeiten sind eben Zeiten großer Versprechen. Bei Martin Schulz freilich und seiner SPD kann man schon vor der Abstimmung prüfen, was von ihren Versprechen zu halten ist. Wie, zum Beispiel, steht die deutsche Sozialdemokratie zur extremistischen BDS-Bewegung, die Juden und Israel in harmloseren Fällen Boykotte und Sanktionen androht, in schlimmeren Gewalt und Mord?

Wer stolz ist auf 150 Jahre Kampf gegen Antisemitismus, müßte, sollte man meinen, einer solchen Bewegung nicht nur kritisch gegenüberstehen, sondern sie vehement ablehnen. Nicht so allerdings Martin Schulz, der in seinem früheren Amt Antisemitismus ja als »inspirierend« lobte. Mit keinem Wort wandte er sich beim jüngsten Treffen der Progressiven Allianz gegen Mustafa Barghouti.

Der »Palästinenser«, ein prominenter Unterstützer der BDS-Bewegung, der zudem als hochrangiges PLO-Mitglied ein Zusammengehen mit der Hamas befürwortet und eine verhandelte Zwei-Staaten-Lösung im Konflikt mit Israel ablehnt, gehörte zu den Teilnehmern der am Sonntag und Montag in Berlin veranstalteten »Zukunfts-Konferenz« sozialdemokratischer Parteien aus der ganzen Welt.

Kein Wort des Protests regte sich gegen Mustafa Barghouti, den die in der deutschen Hauptstadt versammelten Sozialisten und Sozialdemokraten offenkundig als einen der ihren begrüßten, einen »Politiker« und »Aktivisten«, der von der PA um Abu Mazen fordert, die Sicherheitskooperation mit Jerusalem zu beenden und grundsätzlich jeden Kontakt zu Repräsentanten Israels abzubrechen.

Martin Schulz, dieser stolze »Europäer« und Kämpfer gegen Antisemitismus, handelte nicht, als es nötig gewesen wäre. Auch für ihn ist Mustafa Barghouti nichts als ein ganz normaler Genosse, der bloß einen etwas exotischeren Namen hat. Martin Schulz’ SPD ist kein Bollwerk gegen, sie ist ein Bollwerk des Antisemitismus, hat ihre Prominenz nichts gegen Gestalten wie Mustafa Barghouti.

Heimkehrer

Nach zwanzig Jahren in Haft haben jordanische Behörden am Sonntag den Mehrfachmörder Ahmad Dagamseh in die Freiheit entlassen. Am 13. März 1997 eröffnete der damals 26 Jahre alte Soldat das Feuer auf israelische Schülerinnen, die auf einem Ausflug die »Insel des Friedens« besuchten, ein unter jordanischer Verwaltung stehendes israelisch-jordanisches Tourismuszentrum.

Bei dem Blutbad, auf das er bis heute stolz ist, ermordete Ahmad Dagamseh sieben 13 und 14 Jahre alte Mädchen und verletzte sechs weitere schwer, bevor Sicherheitskräfte ihn überwältigen konnten. Von einem jordanischen Militärgericht wurde Ahmad Dagamseh, bei dem Ärzte eine dissoziale Persönlichkeitsstörung diagnostizierten, zu lebenslanger Haft verurteilt, was 20 Jahren entspricht.

Während König Hussein, der bis 1999 an der Spitze des Staates stand, kurz nach dem Massaker persönlich den Angehörigen der ermordeten Kinder sein Beileid aussprach und um Vergebung bat, erklärte Ahmad Dagamsehs Mutter im Mai 2001, sie sei stolz auf ihren Sohn. »Mein Sohn ist ein Held«, erklärte sie in einem Interview, »ich bin stolz über jeden Muslim, der handelt wie Ahmad«.

Während seiner Haft von Parlamentariern gefeiert, wurde Ahmad Dagamseh nach seiner Entlassung denn auch als Held empfangen. Gegenüber Al-Jazeera bekräftigte er, er sei mit sich zufrieden. »Die Juden«, ergänzte er, »sind menschlicher Abfall, den die Welt zu unseren Füßen erbrochen hat«. Man müsse sie »verbrennen« oder »verscharren«. Amman läßt ihn bisher gewähren.

Ferndiagnose

Es gibt Zeitungen in Deutschland, deren Macher jede Kontrolle über ihre Ressentiments verloren zu haben scheinen. Besichtigen konnte man das, wie Benjamin Weinthal berichtet, am Freitag am Beispiel zweier Blätter, die die DuMont Mediengruppe [sic!] in Berlin und Hamburg veröffentlicht und die meinten, »die sieben durchgeknalltesten Führer der Welt« vorstellen zu müssen.

Neben Kim Jong Un – »I(rrationalitäts)-Index: 5 – werden da der russische Präsident Wladimir Putin (»I-Index: 4«), Ayatollah Khamemei (»I-Index 3«) oder Rodrigo Duterte vorgestellt, Präsident der Philippinen, den man wohl getrost einen Mörder nennen kann. Liegt sein »I-Index« bei »1«, gehört aber auch Benjamin Netnajahu zu den »Durchgeknalltesten« – mit »I-Index: 2«.

Der israelische Ministerpräsident »weigerte sich«, wie die Hamburger Morgenpost glaubt, »lange, einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt zuzustimmen«, er »treibt israelischen Siedlungsbau voran und provoziert so seine palästinensischen Nachbarn«. Zudem habe er versucht, »Barack Obama zu einem Luftschlag gegen iranische Nuklearanlagen zu drängen – erfolglos«.

Ist die Gleichsetzung eines demokratisch legitimierten Regierungschefs mit Despoten beleidigend, wird es erst recht peinlich, stimmt die Begründung für die Verleihung eines »I-Index: 2« nicht. Schlicht falsch ist es, Benjamin Netanjahu die Ablehnung einer Zwei-Staaten-Lösung nachzusagen: Richtig ist, daß er sie bereits 1993 in seinem Buch A Place Among the Nations propagierte.

Bald dienstältester Ministerpräsident, wurde erst vor wenigen Tagen im Zusammenhang mit der Räumung des Außenpostens Amona berichtet, Benjamin Netanjahus Regierung habe »erstmals seit 25 Jahren« eine neue »Siedlung« genehmigt. Und ob diese Gemeinde eine Zukunft hat, steht noch in den Sternen. Sieht so tatsächlich die Bilanz eines fanatischen »Siedlungs«-Bauers aus?

Und sollte Benjamin Netanjahu schließlich den Vorgänger Donald J. Trumps im Weißen Haus je zu Angriffen auf Ziele in der Islamischen Republik gedrängt haben, wieso scherzten dann Offizielle, der israelische Ministerpräsident sei ein »Angsthase«, der es nicht »wagt, Kriege anzufangen«? Es ist ob dieser journaillistischen Glanzleistung gewiß angemessen, Antisemitismus zu diagnostizieren.

Die Wahrheit hinter der Wahrheit: Aufklärungsarbeit à la WDR

Am 15. März finden in den Niederlanden Parlamentswahlen statt, bei denen es um die Vergabe der 150 Mandate der Zweiten Kammer geht. Als einigermaßen sicher gilt, daß Geert Wilders erneut ins Parlament wird einziehen können, der Vorsitzende der Partij voor de Vrijheid (PVV). Er ist bekannt und berüchtigt als ein Hetzer, der außer menschenfeindlichen Ideen freilich wenig zu bieten hat.

Der Politiker versteht sich als Streiter gegen eine vermeintliche Islamisierung Europas, das dem Nationalisten allerdings ebenfalls suspekt ist. Auf welchem Niveau er kämpft, demonstrierte Geert Wilders erst vor wenigen Wochen, als er erklärte, zwar seien nicht alle Marokkaner »Abschaum, aber es gibt viel marokkanischen Abschaum in Holland«. Derlei nennt er Meinungsäußerung.

Und damit schafft er es, nahezu alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, selbst noch im deutschen Fernsehen. Und so fragte in dieser Woche der Westdeutsche Rundfunk sich in seiner Reihe Die Story, »wer ist Geert Wilders?« Beantwortet wurde die Frage durch Joost van der Valk, der Geert Wilders »über Jahre bei Auftritten begleitet und bereits einen Kino-Film über ihn produziert« hat.

Der als »Autor« Vorgestellte bereitete für den WDR und dessen Story Material auf, das schon ein paar Jahre alt ist. Bereits 2011 strahlte die BBC es aus unter dem Titel »Geert Wilders: Der gefährlichste Mann Europas?« Und natürlich – schon damals fiel einigen Zuschauern unangenehm auf, was ihnen da auch vorgesetzt wurde: antisemitische Angriffe auf den Zionismus und Israel.

So durfte 2011 und darf 2017 erneut Khaled Yasin, ein »muslimischer Lehrer«, der »extrem beliebt [..] bei jungen europäischen Muslimen« sei und sich »gegen radikale Ideen« einsetze, unhinterfragt über Geert Wilders und dessen Motive spekulieren: »Ich glaube, er hat die Idee des modernen Zionismus begriffen und angenommen«. Und daher sei er nun eine Art Marionette Israels:

»Er benutzt den modernen Zionismus, um die gleichen Ansichten über Muslime und über den Koran zu verbreiten, die sich die Juden in Israel nicht trauen zu sagen. Aber Herr Wilders kann ihnen einen Gefallen tun, er kann außerhalb Israels die Palästinenser so charakterisieren, wie es die Zionisten tun, um ihre Macht zu rechtfertigen.«

Spätestens hier gibt es kein Halten mehr: Es wird »enthüllt«, daß Geert Wilders in seiner Jugend einige Zeit in Israel verbracht und den jüdischen Staat auch später immer wieder besucht hat, daß er mit einer Jüdin verheiratet ist. Auch soll er nicht nur oft, sondern sogar regelmäßig die Vertretung Israels in Amsterdam aufgesucht haben, weshalb die Spionageabwehr gegen ihn ermittelt habe.

Aus der Auseinandersetzung mit Geert Wilders ist ein Angriff auf den Zionismus geworden, auf Israel. Daß hier eine antisemitische Verschwörungstheorie ausgebreitet wird, ist offensichtlich. Und es war schon 2011 nicht zu übersehen. Doch das scheint beim WDR niemanden gestört zu haben. Was vor beinahe sechs Jahren schon nicht hätte gesendet werden dürfen, wurde erneut ausgestrahlt.

Wer übrigens mit Google nach Khaled Yasin sucht, wird prominent ein Video finden, in dem der »extrem beliebte Lehrer« sich rührend mit den Problemen der Erziehung von Frauen plagt. Daß ihm der WDR sechs Jahre nach dem Upload dieser Aufnahme bescheinigt, sich »gegen radikale Ideen« einzusetzen, spricht zweifellos für die Sorgfalt der für den Einkauf dieser Story Verantwortlichen.

Prüfversagen

Als eine ihrer letzten Amtshandlungen wollte die von Barack Hussein Obama geführte Regierung mit dem diskreten Transfer von 221 Millionen Dollar nach Ramallah das dortige Regime stützen, das sich kurz zuvor noch bitterlich darüber beklagt hatte, von Washington finanziell im Stich gelassen worden zu sein – das war zwar eine dreiste Lüge, aber, so schien es, eine recht wirksame.

Freilich ging der Plan nicht auf, die neue amerikanische Regierung fror das Geld ein, um, so hieß es, die Zahlung zu prüfen. Nachdem es ein offenes Geheimnis ist, daß die »Palästinenserführung« um Abu Mazen internationale Hilfsgelder auch dafür mißbraucht, gegen Israel gerichteten Terror zu fördern, wollte die Regierung um Donald J. Trump wohl sicherstellen, nicht daran beteiligt zu sein.

Inzwischen allerdings scheinen Zweifel daran durchaus angebracht. Denn ganz offenbar wurde das Geld nach Ramallah und sogar Gaza transferiert, obschon die angekündigten Prüfungen noch gar nicht abgeschlossen sind, wie ein recht überfordert wirkender Mark C. Toner, der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, am Dienstag in einer Pressekonferenz zu erklären versuchte.

Tatsächlich schien er durchaus gewillt, Fragen nach dem Verbleib des Geldes zu beantworten. Doch seine widersprüchlichen Auskünfte zeigten nur, daß die neue Regierung in Washington aus den Fehlern ihrer Vorgänger nichts gelernt hat. Niemand scheint derzeit genau zu wissen, wo das Geld wirklich ist. Vielleicht ist es noch eingefroren, möglicherweise aber auch schon längst überwiesen.

Daß es für diesen Fall heißt, kein einziger Dollar sei über das Regime in Ramallah geflossen, könne so also auch nicht mißbraucht werden, ist ein nur allzu billiges Ablenkungsmanöver. Denn natürlich wird die »Behörde« Abu Mazens entlastet, springen die Vereinigten Staaten oder andere Länder für deren Verpflichtungen ein. Auf diese Weise kann sich die PA erst recht um ihr Wichtiges kümmern.

Und erklärt Washington nun, ein Teil des Geldes solle dem »Wiederaufbau« Gazas dienen oder tue das bereits, kann man der Hamas nur zu dieser Unterstützung gratulieren. Sorgten sie dafür, daß immer weitere Teile der Infrastruktur Gazas in Kriegen gegen Israel zerstört wurden, übernimmt Donald J. Trump jetzt den »Wiederaufbau«, statt den Islamisten ihr Dasein zur Hölle zu machen.

Aufstand der Anständigen

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat in der Sitzung des deutschen Parlaments am Donnerstag drei Abgeordnete des Saales verweisen müssen, die mit mit einer politischen Botschaft bedruckten T-Shirts gegen die Hausordnung verstoßen hatten. Der Ärger über die drei Volksvertreter dürfte sich gleichwohl in Grenzen halten, denn inhaltlich würde vermutlich niemand ihre Aktion verurteilen.

Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel sich in einer Regierungserklärung auch mit den jüngsten Angriffen der türkischen Führung auf Deutschland auseinandergesetzt hatte, forderten Chris Kühn, Dieter Janecek und Özcan Mutlu via T-Shirt-Botschaft die Freilassung des in Ankara inhaftierten deutschen Journalisten Deniz Yücel: »#FreeDeniz«. Ob der wohl die grüne Solidarität schätzt?

Es ist jedenfalls ziemlich genau fünf Jahre her, da zeigte mit Jürgen Trittin ein recht prominenter Repräsentant von Bündnis 90/Die Grünen, was er von einer freien Presse hält: In einer Talkshow warf er ausgerechnet Deniz Yücel vor, »Schweinejournalismus« zu betreiben. Der hatte sich zuvor in der taz kritisch über Joachim Gauck geäußert, den damals zukünftigen Bundespräsidenten.

Auf seine Weise nahm Jürgen Trittin damit vorweg, was heute als »Lügenpresse«-Vorwurf zum festen Repertoire besonders national gesinnter Deutscher gehört. Entschuldigt hat der Politiker sich für seine Beleidigung nie, seine Partei blieb ihm bis heute treu. Immerhin, Joachim Gauck ließ Deniz Yücel nicht festsetzen. Wenigstens das unterscheidet ihn von grünen und anderen Despoten.

Beziehungskrise

Mit leider allzu beredtem Schweigen antwortet das offizielle Deutschland auf einen ReutersBericht vom vergangenen Montag, in dessen Mittelpunkt der Zustand der deutsch-israelischen Beziehungen nach der Wahl Donald J. Trumps zum amerikanischen Präsidenten steht. Diplomaten beider Staaten sind sich danach darin einig, daß es schlecht um das »spezielle« bilaterale Verhältnis bestellt sei.

Berlin beklagt, kaum noch in Jerusalem wahrgenommen zu werden, und habe daher die Kontakte in die israelische Hauptstadt nahezu abgebrochen. Israelische Diplomaten andererseits glauben nach Angaben der Nachrichtenagentur, die deutsche Verstimmung sei eine Folge des Ausgangs der US-Wahlen. Könne man sich mit Washington nicht anlegen, lasse Berlin seinen Ärger an Israel aus.

Tatsächlich könnte die von Angela Merkel geführte Regierung aus verschiedenen Gründen bereit sein, die einst von der Kanzlerin als »ausgezeichnet« beschriebenen und vor allem an Gedenktagen oft beschworenen »einzigartigen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel« aufzugeben. Ist das deutsche Ansehen in Israel gut, bewerten Deutsche jeden Alters Israel signifikant schlechter.

Wenige Monate vor Bundestagswahlen ist es daher wohl erfolgversprechender, sich gegen Israel zu positionieren als die antisemitischen Vorurteile der deutschen Wähler zu adressieren. Die SPD hofft auf einen Spitzenkandidaten, der Antisemitismus immerhin »inspirierend« findet, während das Kanzleramt Regierungskonsultationen offenbar nur anberaumte, um sie schnell wieder abzusagen.

Hinzu kommt die ungebrochene deutsche Unterstützung für das Regime der PLO und ebenfalls mit Terroristen kooperierende Organisationen wie die UNRWA. Statt selbstkritisch den Einsatz von Steuergeldern zu hinterfragen, wird er noch ausgeweitet, zuletzt um einen mittleren sechsstelligen Betrag, mit dem die »Professionalisierung« des »palästinensischen« Fußballs gefördert werden soll.

Jibril Rajoub, der auf der »palästinensischen« Seite zuständige »Funktionär« und »Minister« ist ein bekennender Unterstützer der extremistischen BDS-Bewegung und wünscht sich, Kernwaffen über Israel zünden zu können. Könnte Berlin nach einer neutralen Haltung streben, sucht es in offener Parteinahme die Konfrontation. Damit freilich wäre jedes Dementi der Reuters-Analyse überflüssig.

Pressefreiheit

»Palästinensische« Medien sind nicht frei. Die Organisation Reporter ohne Grenzen plaziert die »Palästinensischen Gebiete« auf Platz 132 ihrer Rangliste der Pressefreiheit und beklagt etwa, »Journalisten [..] im Westjordanland müssen mit Verhören und Festnahmen für Regierungskritik oder Berichte über Behördenkorruption rechnen«. Auch von Gewalt schreibt die Organisation.

Nichts davon scheint freilich die Betroffenen besonders zu plagen. Sie sind in ihre überwiegenden Mehrheit willige Lautsprecher ihrer »Regierungen«, die schon keine großen Mühen mehr darauf verschwenden müssen, Abweichler zu disziplinieren und zu sanktionieren. Das übernehmen Journalistenverbände wie die »Gewerkschaft palästinensischer Autoren« inzwischen schon selbst.

Die mit der in Ramallah herrschenden PLO assoziierte »Gewerkschaft« hatte am Montag wohl die lautstärksten Blockwarte nach al-Bireh geschickt, wo sie gemeinsam mit anderen Claqueuren des Regimes um »Präsident« Abu Mazen vor den Büros der Palestinian Journalists‘ Union gegen die Zeitung Al-Quds protestierten, die sie der »Normalisierung« gegenüber Israel bezichtigen.

In der Tat leistet sich die auflagenstärkste »palästinensische« Zeitung offenbar manchmal gewisse Eigenmächtigkeiten. So führte und publizierte sie im vergangenen Oktober ein Interview mit dem israelischen Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. Darüber hinaus wird der Zeitung zum Vorwurf gemacht, über Anordnungen der israelischen Zivilverwaltung berichtet zu haben.

Damit allerdings, so Murad Sudani, der Anführer der »Gewerkschaft palästinensischer Autoren«, habe Al-Quds sich gegen die »Palästinenser« gewandt. »Alle Gewerkschaften und Verbände« seien »uneingeschränkt gegen Normalisierung und werden sie in all ihren Formen bekämpfen«. Al-Quds müsse »beim palästinensischen Volk und seinen Journalisten um Entschuldigung bitten«.

Mit ihren »Protesten« gegen eine Zeitung, die manchmal vielleicht mehr veröffentlicht als »nur« vielfach variierte Hetze gegen Israel, haben die beteiligten »palästinensischen« Journalisten ein Selbstverständnis demonstriert, das inkompatibel zu dem freier Medien ist. Sie unterwerfen sich freiwillig einem Regime, dessen wahre Absichten sie dadurch allerdings trefflich entlarven.

Deutschland vermittelt

Der »palästinensische« Hohe Rat für Sport und Jugend hat angekündigt, mit der Abhaltung eines nach Dalal Mughrabi benannten Camps für Jugendliche eine »Märtyrerin« ehren zu wollen, die mit »reinem Herzen« für ihr Volk gekämpft habe. Wie die NGO Palestinian Media Watch (PMW) unter Hinweis auf »palästinensische« Quellen berichtet, stößt das Vorhaben auf offizielle Zustimmung.

Danach soll beispielsweise Laila Ghannam, die Gouverneurin des Bezirks Ramallah, begeistert ihre Unterstützung des Camps und einer in dessen Rahmen geplanten »Demonstration« zur Erinnerung an Dalal Mughrabi und deren »Kameraden« zugesagt haben. Alle Beteiligten sollten sich um eine würdevolle Veranstaltung bemühen. Wie allerdings »ehrt« man eine brutale Mörderin angemessen?

Denn in der Tat war Dalal Mughrabi keineswegs eine »Märtyrerin«. Im März 1978 führte die im Libanon geborene »Palästinenserin« eine Gruppe von Terroristen an, die mit Booten nach Israel vordrangen und bei Tel Aviv zwei Busse in ihre Gewalt brachten und deren Passagiere, darunter mindestens 13 Kinder, zunächst als Geiseln nahmen, nur um sie später kaltblütig zu massakrieren.

Insgesamt ermordeten Dalal Mughrabi und ihre Helfer mindestens 37 Menschen, bevor sie selbst unschädlich gemacht werden konnten. Wer sie Jugendlichen als Vorbild präsentiert, hat nicht vor, eine »Annäherung von Palästina und Israel« zu fördern. Und doch, der Hohe Rat für Sport und Jugend könnte mit Geld arbeiten, das ihm zu diesem Zweck aus Deutschland bereitgestellt wurde.

Kaum vier Wochen ist es her, da meldete die deutsche Vertretung in Ramallah die Unterzeichnung einer »gemeinsame[n] Absichtserklärung über die Entsendung eines deutschen Fußballexperten an den Palästinensischen Fußballverband« durch Peter Beerwerth und »Generalmajor« Jibril Rajoub, den »Präsidenten« des Hohen Rats für Sport und Jugend, als Auftakt für eine längere Kooperation.

Freilich war das nicht die erste Begegnung deutscher Politik mit Jibril Rajoub. Schon 2012 war der Verehrer Dalal Mughrabis in Berlin ein gern gesehener Gast: Und auch damals ging es um eine Zusammenarbeit, mit der Deutschland sich als Vermittler »bei der Annäherung von Palästina und Israel« ins Spiel bringen wollte. Was daraus wurde, das allerdings scheint Berlin zu verleugnen.

Denn anders ist es kaum zu erklären, daß Deutschland im Februar 2017 erneut in den Hohen Rat für Sport und Jugend und dessen »Präsidenten« investierte, für den eine »palästinensisch«-israelische Annäherung ein »Verbrechen gegen die Menschheit« darstellt. Daß der Hohe Rat nun Jugendliche für Dalal Mughrabi begeistern kann, eine Verbrecherin, dazu hat die Berliner Blindheit beigetragen.

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