Tag: 11. Januar 2018

Heymatfront

Wenn sich Deutschland Sonntagsredner über etwas einig sind, dann darüber, daß Antisemitismus »bei uns« keinen Platz habe. Wird es aber konkret, bleibt von dem schönen Bekenntnis zu oft nicht viel übrig. Über das, was geächtet werden soll und sollte, wird dann großzügig hinweggesehen und geschwiegen. Das wohlklingende Bekenntnis wird zur Leerformel, hat es keine Konsequenzen.

In der deutschen Hauptstadt findet an diesem Donnerstag eine Konferenz statt, die unter dem Titel »Das neue deutsche WIR« einmal mehr vorführt, daß Antisemitismus in Deutschland alles ist, nur nicht gesellschaftlich geächtet. Kaum anders nämlich läßt sich die Teilnahme Naika Foroutans an einer Debatte über »Leitkultur, Leitbilder, neue Strategien und Parallelentwicklungen« deuten.

Die Wissenschaftlerin hat Karriere gemacht in Deutschland, trotz oder wegen ihres »Migrationshintergrunds«, aber auch trotz oder wegen ihrer zweifelhaften Äußerungen über den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, trotz oder wegen ihrer nicht weniger zweifelhaften Aussagen über den Kleriker und ehemaligen Präsidenten des Regimes in Teheran Mohammad Khatami.

Nannte Naika Foroutan den »Staatsterrorismus« Ariel Sharons als einen Grund für die islamistischen Anschläge in den USA am 11. September 2001, hielt sie Mohammad Khatami, einen kompromißlosen Antisemiten und Feind Israels, für einen »Wortführer des Dialogs zwischen den Zivilisationen«, wie der Antisemitismusforscher Clemens Heni in seinem Buch »Schadenfreude« betont.

»Das neue deutsche WIR«, zu dem Naika Foroutan zählt, kann sich gut mit beidem arrangieren: Verleumderischer Hetze gegenüber Israel und der Verklärung antisemitischer Kleriker. Damit paßt Naika Foroutan zu einem »WIR«, das begierig ist auf Geschäfte mit den Mullahs und Opfern antisemitischen Terrors zuruft, sie mögen zur Deeskalation beitragen. Nur: Was daran ist eigentlich neu?

Verharmloser

Mit der Veröffentlichung eines Kommentars des Publizisten Armin Langer hatte die Deutschen Welle, »der Auslandssender Deutschlands« kürzlich versucht, den antisemitischen Charakter angeblich »pro-palästinensischer« Aufmärsche im Dezember 2017 in Deutschland zu verharmlosen und zu leugnen. Schon die Überschrift des Beitrags sprach Bände: »Es gab keine ›Tod den Juden‹-Rufe«.

So sei, durfte der Autor des Kommentars unwidersprochen behaupten, das Verbrennen der Fahne Israels »an sich nicht antisemitisch«, weil sie »nicht für die Juden, sondern für die Israelis« stehe, zu denen auch Araber gehörten. Und auch »Chaibar, Chaibar«-Rufe sollten nicht überbewertet werden, spielten sie doch nicht auf die Ermordung von Juden an, sondern »nur« auf deren Unterwerfung.

Von Medien und Politik sei nach den Demonstrationen also praktisch ohne Grund »die Gefahr des antisemitischen Mobs [..] heraufbeschworen«, seien »Juden in der Bundesrepublik« ohne Not »in Angst versetzt« worden. Der Kommentar schloß mit den Worten, »die beteiligten Journalisten, Politiker und Würdenträger« sollten sich für die von ihnen verbreiteten »Fake-News« »entschuldigen«.

Inzwischen hat der Senat in Berlin eine Anfrage linker Politiker zu den Kundgebungen beantwortet, wie die Zeitung Die Welt auf ihrer Website berichtet. Danach hätten sich in Berlin tatsächlich »Islamisten« versammelt, die nicht etwa gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA protestieren, sondern »den Märtyrertod verherrlichen und dem IS zujubeln« wollten.

Slogans und Gesten der Teilnehmer der Demonstrationen werden in der Stellungnahme des Senats »als Solidaritätsbekundung für den IS gedeutet«. Der beschönigenden und verharmlosenden Darstellung Armin Langers und der Deutschen Welle steht damit jetzt eine amtliche Einschätzung gegenüber, neben der Medienberichte von den Aufmärschen in der Tat wie Untertreibungen wirken.

Die Deutsche Welle und ihr Kommentator haben ganz offene Bekenntnisse zu Terrorismus und zu einer Organisation, die selbst die Hamas bekämpft, verharmlost und als noch demokratisch legitime Meinungsäußerungen verteidigt. Sie haben »Fake-News« verbreitet und verbreiten sie noch immer. Die Stimme Deutschlands im Ausland und ihr Zuträger Armin Langer sollten sich schämen.

tw_24:blog © 2006-2017