Verrat

Als die Daesh vor wenigen Jahren im Irak sich brandschatzend, vergewaltigend und mordend auf den Weg zu ihrem »Kalifat« befanden, fielen die Streitkräfte der Regierung in Bagdad vor allem durch ihre Unfähigkeit auf, sich schützend vor die von den Islamisten bedrohten Menschen zu stellen. Statt sich dem Kampf mit den Barbaren zu stellen, suchte die irakische Armee die Flucht.

Die Menschen, die zu verteidigen ihr Auftrag war, überließen die Truppen Bagdads ihrem Schicksal, zahlreiche ihre zurückgelassenen Waffen fielen in die Hände der Daesh. Daß die vorrückenden Jihadisten zunächst aufgehalten und – nach Jahren voller grausamer Verbrechen – schließlich in die Defensive gedrängt werden konnten, ist gerade und vor allem kurdischen Kämpfern zu verdanken.

Sie waren es, die sich – zögernd vom Westen unterstützt – tapfer den Islamisten in den Weg stellten und vom Irak retteten, was noch zu retten war. Indem die Kurden auch Gebiete kontrollierten und verteidigten, die außerhalb ihrer Autonomiezone lagen, verhinderten sie 2016 die vollständige Einnahme der Öl-Provinz Kirkuk durch die Daesh und den Fall der Provinzhauptstadt in deren Hände.

Wenn Bagdad nun seine Truppen, die die irakische Bevölkerung einst so schmählich den Islamisten überlassen hatte, gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Kurden losschickt, mag das aus Sicht der Zentralregierung in Bagdad, die am Erhalt der staatlichen Einheit interessiert ist, ein notwendiger Schritt sein. Gleichzeitig jedoch ist es ein ausgesprochen unkluger Akt der Undankbarkeit.

Nachdem sie die Menschen im Stich ließ und der Herrschaft der Islamisten auslieferte, trumpft die Regierung in Bagdad nun gegen die auf, ohne deren Einsatz womöglich selbst die irakische Hauptstadt zur Beute der Daesh geworden wäre. Daß Bagdad damit weitere Auseinandersetzungen heraufbeschwört, liegt auf der Hand, auch wenn die Kurden noch weitgehend auf Gewalt verzichten.

Unsäglich dumm ist es aber auch vom Westen, sich in diesem sich anbahnenden Konflikt nicht eindeutig positionieren zu wollen. Er verrät seine wohl besten Alliierten gegen die Daesh, beläßt er es bei Appellen an »alle Beteiligten«, sich nun besonnen zu zeigen und das Gespräch zu suchen, wie das etwa am Dienstag das Berliner Auswärtige Amt tat. Die Kurden haben mehr verdient als das.

1 Comment

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  1. Im Gegensatz zum erfundenen „Volk“ der Palästinenser handelt es sich bei den Kurden wirklich um ein Volk, das jahrhundertelang in diesem Bereich lebt. Aber die, die immer von Demokratie und Selbstbestimmung schwadronieren, tun alles, um eben diese Selbstbestimmung zu torpedieren.

    Die Lage in Mittleren Osten ist sehr komplex. Die an erster Stelle zu nennenden Kriegstreiber sind die Iraner und die Türken. Aber gerade erstere hat der Westen ja so in sein Herz geschlossen, vorsätzlich übersehend, daß es sich dabei um den größten Terrorunterstützer und -lieferanten handelt.

    Eines Tages wird die ganze Situation rund um Kurdistan explodieren.

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