Differenzierer

Nach dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) haben weitere Sender der öffentlich-rechtlichen ARD die Zusammenarbeit mit Roger Waters beendet, dessen Auftritte im nächsten Jahr in Deutschland sie »präsentieren« wollten. Marek Lieberberg, der Veranstalter der Konzerte, hält die Entscheidung der Anstalten für »absolut lächerlich«, wie er in einem Interview dem Mannheimer Morgen verriet.

Zwar vertrete Roger Waters »eine bedenkliche private Meinung zu Israel« und sei »ganz offen Mitglied einer Boykottbewegung«, doch will Marek Lieberberg »ihm sein Recht auf Meinungsfreiheit nicht bestreiten«. Zudem müßten »künstlerische Arbeit« und »persönliche Meinung« Roger Water’ getrennt betrachtet werden. »Der Kanon von Roger Waters und Pink Floyd ist und bleibt genial«.

Der Konzertveranstalter, der durchaus um »den deutlich sichtbaren, wachsenden Antisemitismus in der Gesellschaft dieses Landes« weiß, fordert damit etwas für Roger Waters ein, was dieser anderen Künstlern spätestens dann in öffentlich geführten Auseinandersetzungen nicht zuzubilligen bereit ist, wenn sie Auftritte in Israel ankündigen: die Trennung von künstlerischem Wirken und Politik.

Und das gilt auch für die extremistische BDS-Bewegung, deren wohl prominentester Vertreter Roger Waters ist. Ob es um Kultur geht, um Wissenschaft, um Wirtschaft oder ganz einfache persönliche Kontakte – für sie ist ein Repräsentant der israelischen Regierung, wer aus Israel kommt oder Jude ist, erklärt sich zu ihrem Anhänger, wer nach Israel reist. BDS steht für den totalen Boykott.

Weshalb sollte also der Musiker Roger Waters anders behandelt werden als der antisemitische Aktivist Roger Waters? Wäre der Aktivist Roger Waters noch so wertvoll für die BDS-Bewegung, wäre da nicht noch die eben gar nicht »unschuldige« Musik Roger Waters’? Wenn Roger Waters nicht bereit ist, etwa Alan Parsons »einfach nur Musik« in Israel machen zu lassen, ist er immer Aktivist.

Irgendwie scheint selbst Marek Lieberberg das zu ahnen. Denn wenn er den Sendern vorschlägt, »vor allen Beiträgen über Luther oder Wagner-Aufführungen auf die teilweise blutrünstigen antisemitischen Theorien dieser Herrn [sic!]« hinzuweisen, klingt das nicht einmal unvernünftig. Als Veranstalter könnte er ein Beispiel geben und Roger Waters als den Antisemiten vorstellen, der der ist.

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