Heymatfront

Wenn sich Deutschland Sonntagsredner über etwas einig sind, dann darüber, daß Antisemitismus »bei uns« keinen Platz habe. Wird es aber konkret, bleibt von dem schönen Bekenntnis zu oft nicht viel übrig. Über das, was geächtet werden soll und sollte, wird dann großzügig hinweggesehen und geschwiegen. Das wohlklingende Bekenntnis wird zur Leerformel, hat es keine Konsequenzen.

In der deutschen Hauptstadt findet an diesem Donnerstag eine Konferenz statt, die unter dem Titel »Das neue deutsche WIR« einmal mehr vorführt, daß Antisemitismus in Deutschland alles ist, nur nicht gesellschaftlich geächtet. Kaum anders nämlich läßt sich die Teilnahme Naika Foroutans an einer Debatte über »Leitkultur, Leitbilder, neue Strategien und Parallelentwicklungen« deuten.

Die Wissenschaftlerin hat Karriere gemacht in Deutschland, trotz oder wegen ihres »Migrationshintergrunds«, aber auch trotz oder wegen ihrer zweifelhaften Äußerungen über den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, trotz oder wegen ihrer nicht weniger zweifelhaften Aussagen über den Kleriker und ehemaligen Präsidenten des Regimes in Teheran Mohammad Khatami.

Nannte Naika Foroutan den »Staatsterrorismus« Ariel Sharons als einen Grund für die islamistischen Anschläge in den USA am 11. September 2001, hielt sie Mohammad Khatami, einen kompromißlosen Antisemiten und Feind Israels, für einen »Wortführer des Dialogs zwischen den Zivilisationen«, wie der Antisemitismusforscher Clemens Heni in seinem Buch »Schadenfreude« betont.

»Das neue deutsche WIR«, zu dem Naika Foroutan zählt, kann sich gut mit beidem arrangieren: Verleumderischer Hetze gegenüber Israel und der Verklärung antisemitischer Kleriker. Damit paßt Naika Foroutan zu einem »WIR«, das begierig ist auf Geschäfte mit den Mullahs und Opfern antisemitischen Terrors zuruft, sie mögen zur Deeskalation beitragen. Nur: Was daran ist eigentlich neu?

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