{"id":6735,"date":"2022-09-14T14:02:11","date_gmt":"2022-09-14T12:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tw24.net\/?p=6735"},"modified":"2022-09-14T14:48:10","modified_gmt":"2022-09-14T12:48:10","slug":"wahre-verzweiflung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tw24.net\/?p=6735","title":{"rendered":"Wahre Verzweiflung"},"content":{"rendered":"<p>Der <i>SPIEGEL<\/i> hat am Dienstag ein Interview mit dem SPD-Politiker Helge Lindh <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/documenta-skandal-wir-waren-alle-zu-leise-a-bca7fd33-4fad-4ed7-a64a-adab46037b90\">ver\u00f6ffentlicht<\/a>, in dem es um die in Kassel verantstaltete <i>documenta fifteen<\/i> geht. Die angebliche \u00bbKunstausstellung\u00ab ist trotz immer wieder erneuerter Antisemitismusvorw\u00fcrfe, die zuletzt durch Mitglieder des Gremiums zur fachwissenschaftlichen Begleitung der Veranstaltung <a href=\"https:\/\/drive.google.com\/file\/d\/1AaZlQ2hiDgNznK7iR8BY0LF7zfYsLggn\/view\">untermauert<\/a> wurden, noch immer \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>\u00bbWir\u00ab, gibt Helge Lindh sich am Ende des Interviews irgendwie selbstkritisch, \u00bbm\u00fcssen uns alle fragen, warum wir nicht fr\u00fcher reagiert und Ma\u00dfnahmen ergriffen haben\u00ab. Versteckt ein Politiker sich hinter Begriffen wie \u00bbwir alle\u00ab, ist das freilich nicht selten tats\u00e4chlich der Versuch, sich tats\u00e4chlicher Verantwortung zu entziehen. Wenn \u00bbwir alle uns\u00ab etwas \u00bbfragen\u00ab m\u00fcssen, ist Fehlverhalten nicht mehr individuell zuordenbar.<\/p>\n<p>Und so kann es auch kaum verwundern, da\u00df Helge Lindh, der das Interview vor dessen Ver\u00f6ffentlichung gewi\u00df erst hat freigeben m\u00fcssen, gar nicht auffiel, wie sehr er sich mit dieser speziellen Art der \u00bbSelbstkritik\u00ab im Zusammenhang mit einer fr\u00fcheren Aussage im Interview blo\u00dfstellt. \u00bbHaben Sie mal ein ernste [sic!] Wort\u00ab mit dem <i>documenta<\/i>-Aufsichtsrat Christian Geselle \u00bbgeredet?\u00ab wird er da etwa gefragt.<\/p>\n<p>\u00bbNein, das habe ich nicht\u00ab, antwortet der Sozialdemokrat, um auf Nachfrage (\u00bbWarum nicht?\u00ab) zu erwidern: \u00bbIch halte nichts davon, die Verantwortlichen vor Ort aus Berlin zu belehren.\u00ab In Berlin ist der Sozialdemokrat als Abgeordneter im Deutschen Bundestag Mitglied mehrerer Aussch\u00fcsse, darunter der f\u00fcr Kultur und Medien. Warum also hat der Kulturpolitiker \u00bbnicht fr\u00fcher reagiert und Ma\u00dfnahmen ergriffen\u00ab?<\/p>\n<p>Da werden auf einer mit Bundesmitteln \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichten Veranstaltung, die eine der \u00bbweltweit bedeutendsten Ausstellungen f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst\u00ab sein will, antisemitische Schmierereien gezeigt und Terror gegen Juden glorifiziert. Doch MdB Helge Lindh, der damit bestimmt nichts zu tun haben will, kann, leider, leider, gar nichts machen, weil er \u00bbnichts davon\u00ab h\u00e4lt, \u00bbdie Verantwortlichen vor Ort aus Berlin zu belehren\u00ab.<\/p>\n<p>Aber Helge Lindh f\u00fchlt sich dennoch ernsthaft berufen, \u00bbuns alle\u00ab &#8211; und nicht etwa zun\u00e4chst einmal sich selbst &#8211; fragen zu d\u00fcrfen, \u00bbwarum wir nicht fr\u00fcher reagiert und Ma\u00dfnahmen ergriffen haben\u00ab. Antisemitismus ist wohl ein Entfernungsproblem. \u00bbIch sch\u00e4tze die Vorg\u00e4nge anders ein als Christian Geselle\u00ab, doch zwischen Berlin und Kassel liegen nun einmal mindestens 300 Kilometer. Und das ist einfach nicht zu \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der SPIEGEL hat am Dienstag ein Interview mit dem SPD-Politiker Helge Lindh ver\u00f6ffentlicht, in dem es um die in Kassel verantstaltete documenta fifteen geht. 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