{"id":6824,"date":"2022-10-21T15:16:03","date_gmt":"2022-10-21T13:16:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tw24.net\/?p=6824"},"modified":"2022-10-21T15:25:34","modified_gmt":"2022-10-21T13:25:34","slug":"kulturgut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tw24.net\/?p=6824","title":{"rendered":"Kulturgut"},"content":{"rendered":"<p>Die Tageszeitung <i>Die Welt<\/i> <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article241674967\/Antisemitismus-Roths-Behoerdenleiter-und-die-kontroverse-Documenta-Mail.html\">ver\u00f6ffentlichte<\/a> vor einigen Tagen auf ihrer Website eine E-Mail, die tiefe Einblicke in das Denken der F\u00fchrung einer direkt beim deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz angesiedelten \u00bbobersten Bundesbeh\u00f6rde mit rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern\u00ab erlaubt. Das \u00bbso von StM\u2019in gebilligt[e]\u00ab Dokument zeigt, wie Antisemitismus in deutschen Regierungskreisen verharmlost wird.<\/p>\n<p>Formuliert hat die Nachricht an verschiedene Beteiligte der damals noch nicht er\u00f6ffneten <i>documenta fifteen<\/i> Andreas G\u00f6rgen, Ministerialdirektor bei Staatsministerin (\u00bbStm\u2019in\u00ab) Claudia Roth, der sogenannten Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien, um Gespr\u00e4che mit ihnen \u00fcber Antisemitismusvorw\u00fcrfe gegen die durch Mittel des Bundes erst erm\u00f6glichte \u00bbKunstausstellung\u00ab in Kassel vorzubereiten.<\/p>\n<p>Ist es noch kein Menschenalter her, da\u00df Antisemitismus, <i>deutscher<\/i> Antisemitismus zur Ausl\u00f6schung nahezu der gesamten j\u00fcdischen Population Europas f\u00fchrte, wird der Ha\u00df auf Juden und <i>den<\/i> j\u00fcdischen Staat in dem \u00bbso von StM\u2019in gebilligt[en]\u00ab Schreiben als eine blo\u00dfe Frage von Meinungs- oder Kunstfreiheit er\u00f6rtert, die es &#8211; ausgerechnet unter Berufung auf den Nationalsozialismus &#8211; zu wahren und zu verteidigen gelte.<\/p>\n<p>\u00bbDie Tr\u00e4ger und F\u00f6rderer der documenta k\u00f6nnten\u00ab, empfiehlt Andreas G\u00f6rgen da in nicht eben unfallfreiem Deutsch, \u00bbunterstreichen, dass die documenta als Kunst-Ausstellung unter dem Schutz des GG und einen internationalen Raum der Kunst in Deutschland schafft. Diese Tradition der documenta, gerade in einem Land, das sich wie kein anderes an der Freiheit der Kunst vergangen hat, soll die documenta fortsetzen\u00ab.<\/p>\n<p>Diese beiden S\u00e4tze, die exemplarisch stehen f\u00fcr den Tonfall des gesamten Dokuments, sind entlarvend: Sie zeigen, da\u00df im Bundeskanzleramt Antisemitismus nicht als der m\u00f6rderische Ha\u00df gilt, der er ist, sondern als &#8211; schlimmstenfalls wohl l\u00e4stige &#8211; Meinung &#8211; und als solche vor staatlichen und sonstigen Eingriffen zu besch\u00fctzen sei. Der Mord an 6 Millionen Juden war danach wohl nur ein unangenehmer Diskussionsbeitrag.<\/p>\n<p>Das auf den 17. Januar 2022 datierte Schreiben hatte f\u00fcr Andreas G\u00f6rgen so wenig negative Folgen wie f\u00fcr dessen Vorgesetzte, StM\u2019in Claudia Roth. Die <i>documenta fifteen<\/i> konnte, obgleich \u00bbder Antisemitismus bei dieser documenta von Anfang an strukturell angelegt war\u00ab, wie der Zentralrat der Juden in Deutschland analysierte, so lange stattfinden wie geplant. In Deutschland steht Antisemitismus unter dem Schutz des GG.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tageszeitung Die Welt ver\u00f6ffentlichte vor einigen Tagen auf ihrer Website eine E-Mail, die tiefe Einblicke in das Denken der F\u00fchrung einer direkt beim deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz angesiedelten \u00bbobersten Bundesbeh\u00f6rde mit rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern\u00ab erlaubt. Das \u00bbso von StM\u2019in gebilligt[e]\u00ab Dokument zeigt, wie Antisemitismus in deutschen Regierungskreisen verharmlost wird. 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