Kategorie: Allgemein

Zerstörtes Leben

In den Morgenstunden ist es einem mit einem Messer bewaffneten »Palästinenser« gelungen, in Kiryat Arba in ein Haus einzudringen und dort ein in seinem Zimmer schlafendes Mädchen mit mehreren Messerstichen so schwer zu verletzen, daß alle Rettungsversuche vergeblich blieben. Das Opfer war nach Angaben einiger Quellen 13 Jahre alt, andere Berichte sprechen von 15 Jahren.

Ein ziviler Wachmann, der den Angreifer offenbar stellen konnte, wurde bei dem Angriff ebenfalls schwer verletzt, möglicherweise auch durch friendly fire weiterer Sicherheitskräfte, die den Täter, den aus einem Nachbarort stammenden 19 Jahre alten Muhammad Nasser Tarayrah, erschossen. Der Terrorist handelte im Einvernehmen mit dem von Abu Mazen gelenkten Regime in Ramallah.

Erst am Montag hatte Sultan Abu al-Einein, ein enger Berater des »Palästinenserpräsidenten« und Mitglied des Zentralkomitees dessen Fatah, in einem Gespräch mit einer »palästinensischen« Website die »Palästinenser« aufgefordert, »Israelis die Kehlen durchzuschneiden, wo immer sie sich aufhalten mögen«. Für das Blutbad in Kiryat Arba ist damit die PA mitverantwortlich.

Denn Sultan Abu al-Eineins Mordaufruf war natürlich kein Ausrutscher. Bereits 2013, als mehrere amerikanische Kongreßabgeordnete Abu Mazen aufforderten, sich von seinem Berater zu trennen, hatte der sich demonstrativ hinter ihn gestellt. Und innerhalb des Regimes um Abu Mazen vertritt Sultan Abu al-Einein keineswegs eine Minderheitenposition, sondern ist nur einer von vielen.

Ob der amtliche Mufti »Palästinas« zum Genozid an Juden aufruft – und damit sogar Vertretern der Europäischen Union eine Stellungnahme abnötigte – oder die amtliche Tageszeitung des Regimes in Ramallah Kinder unverblümt zum »Widerstand« animiert, es kann sich nicht darauf berufen, Muhammad Nasser Tarayrah sei ein Einzeltäter gewesen. Nein, es hat ihn zum Mörder gemacht.

Entwerteter Protest

Mit dem bevorstehenden Ende des Ramadan wird auch in diesem Jahr vielerorts zum Al-Quds-Tag mobilisiert. Von den Mullahs in Teheran ins Leben gerufen, sollen seit 1979 Muslime an diesem Tag in aller Welt aufmarschieren und damit Forderungen nach der »Befreiung Jerusalems« von einer »zionistischen Besatzung« sowie nach dem Ende der Existenz Israels Nachdruck verleihen.

Seit 1996 wird auch in der Berlin der Jerusalem-Tag begangen, wird auch die deutsche Hauptstadt Schauplatz einer weiteren Demonstration antisemitischen Hasses und der Verherrlichung gegen Juden gerichteten Terrors. Statt die Aufmärsche aber deswegen zu verbieten, verhängen Behörden alljährlich günstigenfalls Auflagen, die aber doch den Charakter des Aufzugs nicht ändern können.

So soll in diesem Jahr ein Verbot von Hisbollah-Fahnen darüber hinwegtäuschen, daß die Stadt mit ihnen nun bereits seit zwei Jahrzehnten vor dem islamistisch angeführten antisemitischen Mob kapituliert. Was, andererseits, soll man aber davon halten, finden sich unter jenen, die gegen den Jerusalem-Tag protestieren, Parteiverbände von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, FDP und SPD?

Auf Bundesebene hat die von Unionsparteien und SPD getragene Regierung es eilig, die deutsch-iranischen Beziehungen zu »normalisieren«, den Deal, der mittelfristig die Kernwaffenforschung der Mullahs legalisiert, begrüßten auch die anderen Parteien. Wie soll man gerade ihnen glauben, Antisemitismus, der sich heute als »Kritik« an Israel äußert, abzulehnen und zu bekämpfen?

Und haben nicht gerade eben Abgeordnete aller Parteien im Europäischen Parlament in Brüssel den antisemitischen Ausführungen des »Palästinenserpräsidenten« Abu Mazen stehend applaudiert? Wie kann man angesichts dieses kollektiven Versagens Vertretern dieser Parteien noch ein Podium bieten? Protest gegen Antisemitismus wirkte überzeugender, wäre er glaubwürdig.

Aussteiger

Während am vergangenen Donnerstag die Abstimmungsberechtigten im Vereinigten Königreich gefordert waren, ein Urteil über die Europäische Union abzugeben, lauschten und applaudierten die Abgeordneten des in Brüssel zusammengetretenen Europäischen Parlaments einer unüberhörbar antisemitischen Hetzrede eines Hochstaplers, der sich »Präsident des Staates Palästina« nennt.

Parlamentspräsident Martin Schulz, in dieser Funktion ein nicht eben unwichtiger europäischer Politiker, der zunächst die Werbetrommel für diese Rede gerührt hatte, bewertete sie hinterher als »inspirierend«. In aller Deutlichkeit hat damit einer der zweifellos wichtigsten Repräsentanten der EU seine Wertschätzung für mörderischen antisemitischen Haß zum Ausdruck gebracht.

Es wäre eine gute Nachricht, hätten die Bürger Großbritanniens mit ihrem Votum gegen dieses Europa gestimmt, eine EU, die nicht nur einen Antisemiten wie Abu Mazen finanziert und über ihn gegen Juden gerichteten Terror, sondern der ein Martin Schulz bis heute nicht auch nur im Ansatz peinlich ist. Leider jedoch war die Entscheidung der Briten keine gegen Antisemitismus.

Konnten die Befürworter einer EU-Mitgliedschaft nicht mit Idealen werben, die das Europa, für das eine Gestalt wie Martin Schulz steht, fortlaufend verrät, bildeten Rassismus und ein übersteigerter Nationalismus die Basis der Austrittskampagne. Und es verwundert daher nicht, freudentränte am Freitag eine Beatrix von Storch oder feierte die NPD einen »Unabhängigkeitstag der Briten«.

Aber wer von solchen Leuten Glückwünsche erhält und zum Vorbild befördert wird, ist doch eher nur noch zu bedauern. Da wird man vielleicht den Martin Schulz los, dort jedoch schon angehimmelt von Frank Franz. Das ist keineswegs eine Befreiung, sondern ein Abstieg. Und dabei hat sich Martin Schulz doch so sehr bemüht, sein EP zu einem Hort wahrer Inspiration umzugestalten.

Wiederannäherung

Offenbar ganz ohne französische Ratschläge ist es den Regierungen Israels und der Türkei in den vergangenen Wochen gelungen, eine Vereinbarung über einen Abbau von Spannungen in den bilateralen Beziehungen zu verabreden. Von Rom aus, wo er sich mit US-Außenminister John Kerry trifft, will der israelische Premier Benjamin Netanjahu am Montag über Details informieren.

Mit der Übereinkunft könnte eine diplomatische Krise zwischen den beiden Staaten ein Ende finden, an deren Anfang der Ende Mai 2010 von israelischen Spezialtruppen unterbundene Versuch türkischer Islamisten und »Menschenrechtsaktivisten« stand, unkontrolliert auf dem Seeweg nach Gaza vorzudringen. Neun Jihadisten waren dabei getötet worden, ein weiterer verstarb später.

Die Fracht der Schiffe, angebliche »Hilfsgüter«, mit denen die Islamisten nach eigenen Angaben eine »humanitäre Katastrophe« in Gaza lindern wollten, bestand aus Schrott und abgelaufenen Medikamenten, deren Einfuhr schließlich sogar eine an Menschenversuchen nicht interessierte Hamas ablehnte. Die türkische Regierung solidarisierte sich dennoch mit den Islamisten.

Obschon später eine Untersuchung der Vereinten Nationen Israels Anspruch, den Personen- und Warenverkehr nach Gaza zu kontrollieren, bestätigte und den Organisatoren der »Hilfsflotte« geradezu menschenverachtenden Leichtsinn bescheinigte, hatte die Regierung in Jerusalem sich bereits 2013 förmlich bei Ankara entschuldigt und »Entschädigungszahlungen« angeboten.

Über eine dritte Forderung der Türkei, deren Führung sich als Schutzmacht der Hamas versteht, wurde dagegen anscheinend noch bis 2016 verhandelt. Statt das als »Blockade« diffamierte Grenzkontrollregime aufzugeben, erteilte Israel seine Zustimmung zu mehreren von der Türkei unterstützten zivilen Bauvorhaben und zu über Ashdod abgewickelten Hilfslieferungen.

Die an Selbstverleugnung grenzende israelische Kompromißbereitschaft wird in Ankara wohl nicht zu Unrecht als ein »Sieg« empfunden, zumal die Hamas weiterhin von der Türkei aus operieren darf, während israelische Familien mit ihrer Forderung, Aufklärung über das Schicksal vermutlich in Gaza gefallener Angehöriger zum Bestandteil der Verabredung zu machen, scheiterten.

Und so darf man einer Entspannung der israelisch-türkischen Beziehungen sicherlich auch mit Skepsis begegnen. So vielversprechend eine Wiederannäherung der einstigen Partner in vielerlei Hinsicht scheint, so schwer wiegen andererseits die von Israel eingegangenen Kompromisse. Bleibt die Hamas grundsätzlich in Ankara willkommen, kann allenfalls verhaltene Freude aufkommen.

Kritischer Journaillismus (Folge 1621): Ewige Unschuld

»Palästinenser« sind Meister darin, sich selbst dann noch zu Opfern widriger Umstände oder des Handelns anderer zu erklären, wenn ihre alleinige Verantwortung eigentlich unbestreitbar ist. Und es scheint kein Mangel an Medienschaffenden zu herrschen, die sich davon beeindrucken lassen, das üble Spiel mitspielen und so zumindest mit dafür sorgen, daß sich nichts ändert.

Beobachtbar ist das gerade daran, wie »Palästinenser« und die ihnen wohlgesonnene Journaille mit Abu Mazens Auftritt im Europäischen Parlament in dieser Woche umgehen – so sie ihn denn überhaupt thematisieren. Der »Palästinenserpräsident« hat in Brüssel eine Rede gehalten, die insgesamt nur als Hetze zu qualifizieren ist und im Detail auf antisemitische Lügen setzte.

Eine dieser von Martin Schulz, dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, als »inspirierend« gefeierten Lügen, jene von israelischen Rabbinern, die die Vergiftung von »Palästinensern« fordern, ist dem Regime in Ramallah mittlerweile offenbar so peinlich, daß es sie am Sonnabend selbst als »unbelegbar« zurückzog. Und selbstverständlich lehnt es jede Verantwortung für sie ab.

Abu Mazen hat keinen Fehler gemacht, sein »Außenministerium« nicht, nein, sie sind spätestens seit Donnerstag unschuldige Opfer gänzlich unzutreffender Behauptungen. Unter der Überschrift »Palästinenserpräsident weist Antisemitismus-Vorwürfe zurück« klingt das, aufgeschrieben von der Agentur AFP und publiziert von der Wochenzeitung Die Zeit, tatsächlich so:

»Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat am Samstag gegen ihn vorgebrachte Vorwürfe des Antisemitismus zurückgewiesen. ›Palästina ist die Wiege der drei monotheistischen Religionen, und wir lehnen Angriffe gegen alle Religionen ab‹, erklärte er.«

Wer nicht weiß, worum es geht, der wird von AFP darüber aufgeklärt, daß Abu Mazen »in offenbar improvisierten Äußerungen [..] in arabischer Sprache« erklärt habe, »unlängst hätten einige Rabbiner in Israel ihre ›Regierung aufgefordert, Wasser zu vergiften, um Palästinenser zu töten‹«. Die »Improvisation« verbreitet das »Außenministerium« Abu Mazens noch immer.

Was will also und aber AFP mit dieser Erklärung andeuten? Daß Abu Mazens das Arabische nicht recht beherrscht und Tücken dieser Sprache zum Opfer fiel? Daß der »Palästinenserpräsident« nicht wußte, was er tat, als er »improvisierte«? Die Bereitschaft von AFP, Abu Mazen zu entlasten, ist unübersehbar: Der will ein Opfer sein, also muß der Opferstatus herbeigeschrieben werden.

Abu Mazen »stellt richtig«

Nach übereinstimmenden Berichten israelischer Medien hat »Palästinenserpräsident« Abu Mazen sich am Sonnabend von Äußerungen distanziert, nach denen israelische Rabbiner von der Regierung in Jerusalem verlangt hätten, Trinkwasser zu vergiften, um einen »Genozid« an »Palästinensern« zu verüben. Die Vorwürfe, habe sich jetzt herausgestellt, seien »unbegründet«.

»Erst vor einer Woche«, hatte der Chef des Regimes in Ramallah am vergangenen Donnerstag im Europäischen Parlament in Brüssel behauptet, »haben mehrere israelische Rabbiner von der israelischen Regierung gefordert, Palästinenser zu vergiften.« Sei das, hatte Abu Mazen unter Applaus der Parlamentarier in Brüssel geklagt, »sei das nicht ein Aufruf zum Genozid?«

Nun heißt es, Abu Mazen habe »niemals die Absicht gehabt, das Judentum zu beleidigen oder das jüdische Volk anzugreifen«. Vielmehr verspüre er tiefsten Respekt für alle Religionen, »den jüdischen Glauben eingeschlossen«. Das Dementi aus Ramallah ist so glaubwürdig wie die Lüge, der Abu Mazen nicht zum Opfer fiel, sondern die ja sein »Außenministerium« fabriziert hatte.

Und auch und gerade angesichts der Tatsache, daß die Lüge spätestens am Dienstag als solche entlarvt war, klingt es nach einer neuen Lüge, behauptet der »Palästinenserpräsident«, er habe Juden nicht angreifen wollen. Weshalb trug er dann seine Beschuldigungen, für die er nach nun eigener Auskunft nie Belege hatte, überhaupt noch am Donnerstag in Brüssel vor?

Erst recht bloßgestellt sind mit dem gleichwohl bestenfalls halbherzigen Widerruf aus Ramallah die in der belgischen Hauptstadt und manchmal in Straßburg tagenden EU-Parlamentarier. Sie haben einer antisemitischen Verleumdung Beifall gespendet, statt ihr zu widersprechen. Sie hätten es besser wissen können und müssen, und sie hätten seit Donnerstag ihr Verhalten bedauern können.

Doch all das unterblieb. Parlamentspräsident Martin Schulz, deutscher Sozialdemokrat, ist dem Gast aus Ramallah weiterhin uneingeschränkt »dankbar« für dessen Auftritt, an dem auch Federica Mogherini, die Hohe Außenbeauftragte der Europäischen Union, nichts auszusetzen hatte und hat. Schön wäre es, die Briten hätten am Donnerstag diesem Europa ihre Absage erteilt.

Klarheit

»Palästinenserpräsident« Abu Mazen hat mit seiner jüngsten Reise nach Europa unter tätiger Hilfe seiner dortigen Anhänger für Klarheit in vielerlei Hinsicht gesorgt. Wurde der ebenfalls Brüssel bereisende israelische Präsident Reuven Rivlin von seinen Gastgebern nahezu genötigt, einem Treffen mit seinem »Amtskollegen« zuzustimmen, konnte der ablehnen, ohne auf Kritik zu stoßen.

Noch bizarrer geriet der Auftritt des »palästinensischen« Dialogverweigerers vor dem Europäischen Parlament. Etwas mehr als vierzig Minuten lang durfte er den jüdischen Staat dämonisieren und verleumden, unter Beifall antisemitische Lügen vortragen, die seine Behauptungen, er sei zu einem Frieden mit Israel bereit und lehne Gewalt gegen dessen Bürger ab, deutlich Lügen straften.

Und auch daran wird man sich für einige Zeit erinnern, daß das Europäische Parlament am 23. Juni 2016 die Ablehnung von Gesprächen mit dem israelischen Präsidenten durch Abu Mazen und dessen haltlose Angriffe auf Israel mit stehenden Ovationen bedachte, statt über den offenen Antisemitismus des Gasts und die eigene Passivität diesem gegenüber wenigstens zu erschrecken.

Es ist völlig richtig, kritisieren der israelische Premier Benjamin Netanjahu und Moshe Yaalon in neuer Einigkeit den Auftritt Abu Mazens scharf. Der habe in Brüssel sein »wahres Gesicht« gezeigt, erklärte der Regierungschef in Jerusalem, der »Palästinenserpräsident« habe bewiesen, daß er nie an Frieden interessiert gewesen sei, ergänzte der ehemalige israelische Verteidigungsminister.

Diese Kritik sollte auch in Brüssel gehört werden, will es zukünftig wieder als ein glaubwürdiger Partner wahrgenommen werden. Die Chancen darauf stehen allerdings denkbar schlecht. Der von der SPD gestellte Parlamentschef Martin Schulz »dankt« Abu Mazen noch immer »besonders dafür, daß er uns ermöglicht, die engen Bande zwischen Europäern und Palästinensern zu betonen«.

Bloßgestellt

Am Donnerstagmorgen hat das Europäische Parlament in Brüssel »Palästinenserpräsident« Abu Mazen empfangen und unter Beifall einer gut 40 Minuten langen Rede (die MP4-Datei enthält mehrere Tonspuren mit Übersetzungen) gelauscht, mit der der Redner, wäre er vor Zivilisierten aufgetreten, Tumulte ausgelöst hätte, ließ er doch keine Lüge zur Verleumdung Israels aus.

So wiederholte der Chef des Regimes von Ramallah Vorwürfe, nach denen die israelische Politik »faschistisch« und »rassistisch« sei, erklärte »Palästina« zu einem »Freiluftgefängnis«, in dem »eine der ältesten Zivilisationen der Region« unterdrückt werde. In israelischer Haft, so der von Parlamentspräsident Martin Schulz herzlich Empfangene, säßen »7.000 Kriegsgefangene«.

Beklatscht wurde der Despot, der den Parlamentariern vorlog, wie sehr er doch demokratische Verhältnisse schätze, auch noch, als er die bereits als Lüge entlarvte klar antisemitische Behauptung wiederholte, Rabbiner hätten »angekündigt«, Trinkwasser zu vergiften, »um Palästinenser zu töten. Was ist denn das, wenn nicht eine Gewaltverherrlichung und ein Aufruf zu [..] einem Genozid?«

Die »sehr verehrten Damen und Herren« Volksvertreter ließen Abu Mazen gewähren, keiner sprang auf und verlangte das Wort, um dem Hetzer zu widersprechen. Bereitwillig hörten sie den weiteren Haßtiraden zu, spendeten Applaus, als Abu Mazen Israel Ursache für Terror im Nahen Osten und weltweit nannte. Und so darf man ihm denn dankbar sein: Er hat sie bloßgestellt, die EUropäer.

Erfolgsprojekt

Vor beinahe zehn Jahren, im Juli 2006, eröffnete die »Partei Gottes« mit massiven Raketenangriffen ihre bisher letzte große Offensive gegen Israel. Im Raketenhagel drangen Hisbollah-Kämpfer auf israelisches Territorium vor, ermordeten, wie man später erfuhr, dort zwei israelische Soldaten, Udi Goldwasser und Eldad Regev, und zogen sich mit deren Überresten zurück in den Libanon.

Nachdem keinen Monat zuvor Hamas-Terroristen von Gaza aus in israelisches Gebiet eingedrungen waren, eine Patrouille der israelischen Armee überfallen und Gilad Shalit verschleppt hatten, reagierte die von Ehud Olmert geführte Regierung auf den Angriff im Norden mit einem Einmarsch in den Libanon. Man hoffte noch, Udi Goldwasser und Eldad Regev seien »nur« entführt worden.

Nach 34 kriegerischen Tagen, in denen die Hisbollah mehr als 4.000 Raketen auf den Norden Israels abfeuerte, aber auch weiter entfernte Metropolen wie Haifa ins Visier nahm, gab die Regierung in Jerusalem schließlich internationalem Druck nach, stellte die Kampfhandlungen ein und zog ihre Soldaten zurück. Das Schicksal Udi Goldwassers und Eldad Regevs blieb ungewiß.

Und ungeschlagen blieb die Hisbollah, die mit seiner Resolution 1702 aber der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu entwaffnen versprach: Die seit 1978 im Libanon stationierten Blauhelm-Soldaten der United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) wurden damit beauftragt, den libanesischen Streitkräften bei der Entwaffnung irregulärer Milizen zur Hand zu gehen.

Das tun sie nun seit einem Jahrzehnt auch mit deutscher Beteiligung so erfolgreich, daß die Hisbollah heute manch reguläre Armee in den Schatten stellt. Ohne die maßgeblich vom Regime in Teheran gestützte Jihadisten-Armee unter der Führung von Hassan Nasrallah geht nicht nur im Libanon kaum mehr etwas, sie unterhält mittlerweile mindestens einen Stützpunkt in Syrien.

Dort kämpfen die Jihadisten für den Erhalt der Macht Bashar al-Assads in einem Krieg, der nach Schätzungen vom Februar seit Anfang 2011 über 470.000 Todesopfer forderte (andere Quellen sprechen von mindestens 136.000 Toten) und mit 11,6 Millionen Menschen mehr als die Hälfte aller Syrer zu Flüchtlingen teils im »eigenen« Land werden ließ. Nicht alle sind Hisbollah-Opfer.

Dennoch sähe der Konflikt gewiß anders aus, hätten libanesische Regierung und Vereinte Nationen Resolution 1702 umgesetzt und die Hisbollah entwaffnet. Auch in Israel würde man entspannter in den Norden blicken können, statt sich zu fragen, wann die Hisbollah mit noch zahlreicheren und weitreichenderen Raketen ihren unausweichlich nächsten Überfall auf Israel beginnen wird.

Wenn der Bundestag zu Berlin am Donnerstag über eine Fortsetzung der Beteiligung deutscher Soldaten an der UNIFIL-Mission entscheiden wird, dürfte ihre als Mißerfolg kaum angemessen beschriebene bisherige Bilanz keine Rolle spielen, vom Gedanken an eine Mitverantwortung für den Zustand Syriens ganz zu schweigen. Das Erfolgsprojekt UNIFIL wird weiter unterstützt.

Europäisches Totalversagen

Wenn am Donnerstag »Palästinenserpräsident« Abu Mazen vom Europäischen Parlament empfangen wird, bietet es einem glühenden Antisemiten eine Bühne, dessen Regime mit einer Haßkampagne gerade die Grundlagen für weitere Gewalt gegen Juden legt. Wie Palestinian Media Watch und die Jerusalem Post berichten, läßt Ramallah eine klassische antisemitische Lüge wiederaufleben.

Am vergangenen Sonntag veröffentlichte das »Außenministerium« des Regimes um Abu Mazen ein Statement, in dem es unter Berufung auf die israelische »NGO« Breaking the Silence behauptet, ein Rabbiner Shlomo Mlmad hätte dazu aufgerufen, das Trinkwasser der »Palästinenser« zu vergiften, um sie auf diese Weise aus Dörfern und Städten zu vertreiben und ihren Besitz zu übernehmen.

»Worauf wartet die internationale Gemeinschaft noch?« fragt nach Angaben der amtlichen Agentur WAFA das »Außenministerium« in Ramallah in seiner Stellungnahme schließlich, »müssen erst Tausende von Palästinensern sterben?« Es sei eine Schande, würde die Welt auf einen solchen Vorfall mit Schweigen reagieren und »den Krieg Israels gegen die Palästinenser« ignorieren.

Die wenig originelle Geschichte, die darob nicht weniger bösartig wird, hat bloß einen Haken: Sie ist ausgedacht. »Es ist der Jerusalem Post nicht gelungen, Belege für die Existenz eines Rabbiners Shlomo Mlmad zu finden«, schreibt die Zeitung auf ihrer Website, »der Sprecher von Breaking the Silence bestreitet zudem das Vorliegen von Berichten über die Vergiftung von Trinkwasser«.

Fehlt den Behauptungen des Regimes in Ramallah also die Grundlage, ist dessen Appell an die Staatengemeinschaft ein direkter antisemitischer Angriff auf Israel. Daß das Europäische Parlament darauf nicht mit einer Ausladung Abu Mazens reagierte, ist ein Skandal. Parlamentspräsident Martin Schulz wäre als Gastgeber gefordert, ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

Doch dazu ist der deutsche Sozialdemokrat offenbar so wenig gewillt wie der Rest des Parlaments. Es regt jedenfalls niemanden auf, kommt ein Holocaustleugner zu Besuch, dessen Regime mit einer antisemitischen Lüge durchaus Haß schürende Schlagzeilen produziert, er wird dem ebenfalls als Gast erwarteten israelischen Präsidenten Reuven Rivlin vielmehr sogar als Gesprächspartner empfohlen.

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