In einer Beratung der Fraktion seiner Partei Mafdal – HaTzionut HaDatit hat Bezalel Smotrich laut darüber nachgedacht, die israelisch-libanesische Grenze weiter in den Norden zu verlegen. Der israelische Politiker, der als Finanzminister der von Benjamin Netanjahu geführten Regierung angehört, verlangte nach Medienberichten, daß der gegenwärtig im Libanon geführte Krieg sich nicht darauf beschränken solle, die Hisbollah zu zerschlagen.
»Wir dürfen nicht zur Situation vom 6. Oktober [2023] zurückkehren«, wird Bezalel Smotrich zitiert, »als der Feind direkt an unseren Grenzen stand. [..] Wir werden ihn an allen Fronten zurückdrängen und Sicherheitszonen errichten, die den Feind von unseren Bürgern trennen.« Nach den Vorstellungen des Politikers sollte das Gebiet zwischen der israelisch-libanesischen Grenze bis zum Litani in eine solche Pufferzone unter israelischer Kontrolle verwandelt werden.
In dem Gebiet hat sich derzeit die von Teheran gesteuerte »Partei Gottes« eingerichtet, die als Marionette des Regimes in Teheran den Libanon unterwandert hat und auf dessen Territorium mit Duldung Beiruts als »Staat im Staat« agieren konnte. Die islamistische Terrororganisation hat das von ihr besetzte und kontrollierte Gebiet immer wieder für Angriffe auf Israel genutzt und so mehrere Kriege vom Zaun gebrochen, zuletzt mit Raketenangriffen Anfang März.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die libanesische Regierung in mehreren Resolutionen aufgefordert, terroristische Organisationen auf seinem Territorium zu entwaffnen und mit der Wiederherstellung des staatlichen Gewaltmonopols seine Souveränität von ihnen zurückzuerobern. Erst seit den jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Hisbollah und Israel allerdings scheinen die Forderungen in Beirut auf Gehör zu stoßen.
Mit ihren Raketenangriffen auf Israel seit dem Monatswechsel verstieß die inzwischen von den iranischen »Revolutionsgarden« (IRGC) geführte Terrororganisation offen gegen Anordnungen der Regierung in Beirut, die solche Attacken ausdrücklich untersagt hatten. Ist der Einstellungswandel Beiruts zur »Partei Gottes« zwar zu begrüßen, demonstrierte die Terrororganisation mit ihren Angriffen freilich vor allem, daß sie den Süden des Libanon weiter als ihr Gebiet betrachtet.
Doch solange die Regierung in Beirut nicht in der Lage ist, sich gegen die Hisbollah durchzusetzen, sind ihre Willensbekundungen leider kaum mehr als das. Die Einrichtung einer Pufferzone südlich des Litani unter israelischer Kontrolle, wie sie der israelische Minister fordert, ist daher eine realistische Option. Eine Annexion des Gebiets jedoch dürfte Beirut wieder mit der Hisbollah versöhnen. Bezalel Smotrichs Forderung vermag deshalb nicht zu überzeugen.