Europas Favorit

In den nächsten Wochen werden die Außenminister der EU Abu Mazen bei einem ihrer Treffen begrüßen. Anders als der Premier Israels, den sie im Dezember eher duldeten – nur der litauische Außenminister Linas Linkevičius hatte Benjamin Netanjahu zum Gespräch gebeten –, wird der »Palästinenserpräsident« auf Einladung der Hohen Außenbeauftragten Federica Mogherini anreisen.

Mit dem auch als Mahmoud Abbas berüchtigten »Palästinenser« werden die Europäer einen rasenden Antisemiten in Brüssel willkommen heißen, der mit seiner Rede vor dem »Palästinensischen Nationalrat« an diesem Wochenende noch einmal in aller Klarheit demonstrierte, weshalb es auf absehbare Zeit keinen Frieden zwischen Israel und jenem »Palästina« geben wird, für das er steht.

In seiner von Haß auf das Judentum und Israel geprägten Ansprache leugnete der »Palästinenserpräsident« jede Verbindung der Juden in das Heilige Land und erklärte Israel zu einem europäischen Kolonialprojekt. Seine Angriffe gipfelten in der Behauptung, das europäische Judentum hätten es vorgezogen, im Holocaust ermordet zu werden, statt in das damalige Mandatsgebiet zu fliehen.

Abu Mazen erklärte die Verträger von Oslo, die Existenzgrundlage seiner »Behörde« in Ramallah, für nichtig und empfahl seiner PLO, ihre angebliche Anerkennung Israels zurückzuziehen. Der »Palästinensische Nationalrat« folgte diesen Forderungen denn auch, zu denen ebenfalls die Ablehnung jeder amerikanischen Vermittlungsinitiative gehörte, also eine Absage an den Friedensprozeß.

Sollten die Europäer an ihrem Wunsch festhalten und den »Palästinenserpräsidenten« in Brüssel empfangen, könnten sie ihm natürlich erklären, daß sie seine antisemitische Hetze nicht billigen, daß sie deutliche Bemühungen von ihm erwarten, mit Israel ins Gespräch zu kommen. Das alles hätten sie freilich auch schon unmittelbar nach seiner jüngsten Rede tun können – und es unterblieb.

Kommt Abu Mazen nach Brüssel, erwartet ihn daher wohl ein freundschaftliche Empfang. Denn in der Tat deutet nichts darauf hin, daß die Europäische Union ihre Kumpanei mit der PLO beenden könnte. Und anders als am 11. Dezember wird gewiß auch der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel nicht mit Verweis auf eine »Erkrankung im familiären Umfeld« sich vor dem Treffen drücken.

Die Tränen des Dr. Riyad Mansour

Riyad Mansour, der »Botschafter« des Regimes in Ramallah bei den Vereinten Nationen, hat der Vollversammlung und dem Sicherheitsrat der Weltorganisation einen Brief geschrieben, in dem er das Schicksal »palästinensischer« Kinder schildert, die unter der »Besatzung« aufwachsen und leiden müßten. Exemplarisch für sie, so der »Diplomat«, stehe die jüngst inhaftierte Ahed Tamimi.

Die angeblich Sechzehnjährige war im Dezember nach Angriffen auf israelische Soldaten festgenommen worden. Seit mehr als fünf Jahren besteht ihr öffentliches Leben aus Attacken auf Sicherheitskräfte des jüdischen Staates, festgehalten in zahllosen Videos, die ihre Eltern und sie im Internet veröffentlicht haben und die »Shirley Temper« zweifelhaften internationalen Ruhm einbrachten.

Bestimmt gibt es Landstriche, in denen Kinder unbeschwerter aufwachsen können als in den umstrittenen Gebieten. Mit Riyad Mansour jedoch vergießt der Repräsentant eines Regimes verräterische Krokodilstränen, das einen gehörigen Anteil daran hat, daß die Situation für Heranwachsende ist, wie sie ist. Ramallah hat keinerlei Skrupel, Kinder in seinen Krieg gegen Israel einzuspannen.

Ahed Tamimi ist aufgewachsen in einem Umfeld, das von antisemitischer Hetze geprägt ist, mit Medien, die Kinder dazu anhalten, als »Märtyrer« zu sterben, besuchte nach Terroristen benannte Schulen, hat in Schulbüchern Landkarten gesehen, auf denen Israel fehlt. Noch am 16. Dezember veröffentlichte die »regierende« Fatah via Twitter einen an Kinder gerichteten Aufruf zu Gewalt.

Und wo in anderen »palästinensischen« Familien verantwortungsbewußtere Eltern ihren Kindern raten, Konfrontationen nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen, hat der Tamimi-Clan seinen Nachwuchs erst recht darauf gedrillt, sie zu suchen: Ahed Tamimi weiß sich vor Kameras als »Opfer« zu inszenieren hat. Und mit Janna Jihad wartet auch schon eine Nachfolgerin auf ihre große Chance.

Riyad Mansours Appell an die Vereinten Nationen, sich für das Wohl junger »Palästinenser« einzusetzen, ist vor diesem Hintergrund nichts als ein weiterer Versuch, Israel zu delegitimieren. Seine Sorge um Ahed Tamimi ist vorgetäuscht. Das wird daran deutlich, welche Anschlußverwendung die Fatah für Ahed Tamimi plant: In einer Plakatserie zu Ehren von Terroristinnen ist auch sie zu sehen.

Vergessene Grundvoraussetzung

Nachdem in dieser Woche über Fortschritte bei der Vorbereitung von Wohnungsbauvorhaben in den umstrittenen Gebieten berichtet wurde, herrschte in London, Paris und Berlin große Einigkeit: Wollen Juden Häuser bauen, gehen von solchen Planungen große Gefahren aus für den Friedensprozeß im Nahen Osten, denn »wer jetzt einseitig Fakten schafft, erschwert künftige Verhandlungen«.

Bevor der Friedensprozeß freilich von ein paar Häusern gefährdet werden könnte, wären Parteien nötig, die sich auf ihn einlassen. Eine Verhandlungspartei ist Israel mit einer demokratisch legitimierten Regierung. Doch mit wem sollte die Regierung in Jerusalem überhaupt sprechen, mit wem sich streiten, mit wem sich einigen? Den »Palästinensern«? Ja. Doch damit beginnen die Probleme.

Zwar gibt es eine international anerkannte Interessenvertreterin der »Palästinenser«, die von der Fatah Abu Mazens dominiert wird. Aber de facto gibt es keine »palästinensische« Kraft, die von einer Mehrheit der »Palästinenser« gestützt wird und die ein Verhandlungsergebnis durchsetzen könnte. Die »Palästinenser« sind doch so zerstritten, daß nicht einmal mehr die Sorge um Al Quds sie eint.

In dieser Woche soll der »Palästinensische Nationalrat« tagen, über eine Reaktion auf die Entscheidung der USA beraten, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Doch weder die Hamas noch der Islamic Jihad nehmen an diesem Treffen teil. Wenn aber nichtmal ein angeblich bedrohtes »Heiligtum« sie ihren Streit beilegen läßt, wie sollten sie sich erst bei diesseitigen Problemen einigen?

Wem also etwas an einem gelingenden Friedensprozeß liegt, an einer Zwei-Staaten-Lösung, sollte sich nicht über Pläne zur Schaffung von Infrastruktur aufregen, die schließlich den Besitzer wechseln oder zerstört werden kann, sondern seine »große Sorge« der Tatsache widmen, daß den »Palästinensern« ein akzeptierter, legitimierter und vor allem durchsetzungsfähiger Repräsentant fehlt.

Europas Sorgen

Ende Dezember wurde die auch als »Shirley Temper« bekannte »Aktivistin« Ahed Tamimi nach einer Attacke auf israelische Soldaten festgenommen und wartet seither auf ein Verfahren. Ihr wird vorgeworfen, zu Gewalt aufgewiegelt zu haben und selbst gewalttätig geworden zu sein. Mindestens bis zum Ende des Verfahrens soll die Wiederholungstäterin in Untersuchungshaft bleiben.

Ahed Tamimi, die vor inzwischen über fünf Jahren 13 Jahre alt war, heute allerdings als »Sechzehnjährige« gilt, hat ihr bisheriges öffentliches Leben damit verbracht, vor Kameras israelische Soldaten anzuschreien, zu bedrohen oder zu beißen, was ihr Audienzen bei »Palästinenserpräsident« Abu Mazen in Ramallah und dem türkischen Möchtegernsultan Recep Tayyip Erdogan einbrachte.

In Südafrika rührte die »Palästinenserin« in Vorträgen zu Tränen, im Europäischen Parlament erklärte sie auf einer von linken Abgeordneten organisierten Veranstaltung die Flugzeugentführerin Leila Khaled zum Vorbild. Mittlerweile soll Ahed Tamimi überlegen, »Märtyrerin« zu werden; die Fatah porträtierte sie bereits in einer Plakatserie zusammen mit »palästinensischen« Terroristinnen.

Nun ist auch die Europäische Union auf die »Sechzehnjährige« aufmerksam geworden. Mit »großer Besorgnis« haben die Vertreter des Staatenbunds in Jerusalem und Ramallah von der Untersuchungshaft Ahed Tamimis gehört, wie sie in einem am Freitag veröffentlichten Statement mitteilen. Israel, fordern sie darin, müsse die Rechte von Kindern als Menschenrechte achten und schützen.

Mit ihren freilich leicht verspätet wirkender Forderung offenbaren die europäischen Diplomaten einmal mehr ihre Voreingenommenheit gegenüber Israel. Denn statt die Indoktrination durch Eltern, Bekannte und das Regime in Ramallah anzuprangern, die Ahed Tamimi zu »Shirley Temper« machte, klagen sie die israelische Militärjustiz an, die versucht, die Folgen dieses Mißbrauchs zu lindern.

Am 16. Dezember 2017 veröffentlichte die in Ramallah »regierende« Fatah einen – nach mehreren Tagen wieder gelöschten – Tweet, mit dem sie recht unzweideutig Kinder zu Gewalt aufrief. Damit dokumentierte die »Regierungspartei« um Abu Mazen, welche Rolle Kinder in der »palästinensischen« Gesellschaft spielen sollen – und auch, weshalb Ahed Tamimi heute ist, wer und wer sie ist.

Den Europäern, die immerhin zu den wichtigsten Sponsoren »Palästinas« gehören, waren dieser offizielle Tweet und dessen menschenverachtende Botschaft keinerlei Statement wert. Sorgten sie sich aufrichtig um die Rechte »palästinensischer« Kinder, klagten sie über die, die in ihnen doch nur Kanonenfutter für ihren an vielen Fronten geführten Krieg gegen Israel sehen, statt sie zu unterstützen.

Kumpanei gegen die Zivilisation

Im September 1998 reiste der ehemalige chilenische Diktator Augusto Pinochet nach London, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen. Hatte der damals noch als Senator und im Verteidigungsausschuß des Parlaments in Santiago politisch aktive Ex-Despot auf eine schnelle Rückkehr gehofft, sollte ein spanischer Haftbefehl seinen Aufenthalt in Großbritannien auf elf Monate verlängern.

In Spanien wurde seinerzeit gegen Augusto Pinochet ermittelt, dem Folter, Völkermord und Staatsterrorismus vorgeworfen wurden. Der spanische Auslieferungsantrag an die Regierung in London sorgte dafür, daß der Chilene verhaftet wurde und beinahe ein Jahr im Hausarrest zubringen mußte, bevor er – wegen seines Gesundheitszustands – freigelassen wurde und zurückkehren konnte.

Mußte Augusto Pinochet letztlich zwar nicht für die Verbrechen, für die er verantwortlich war, büßen, zeigten seine Verhaftung und Festsetzung in der britischen Hauptstadt aber doch, daß sich Verbrecher seines Schlages nicht mehr allzu sicher vor Verfolgung fühlen konnten. Diese Zeiten scheinen allerdings schon wieder lange vorbei, wie Deutschland in diesen Tagen unter Beweis stellt.

Offenbar ohne dort Nachfragen auszulösen, konnte der als »Todesrichter« berüchtigte iranische Kleriker Ayatollah Mahmoud Shahroudi in der deutschen Botschaft in Teheran um eine Genehmigung zur Einreise nach Deutschland nachsuchen, um sich in einer Klinik in Hannover behandeln zu lassen, und schließlich wieder unbehelligt – wenn auch etwas überstürzt – ausreisen nach Teheran.

Trotz mehrerer Anzeigen, in denen dem ehemaligen obersten Richter in der Islamischen Republik Iran Verbrechen gegen die Menschheit vorgeworfen wurden, konnte Ayatollah Mahmoud Shahroudi, der noch immer als einer der mächtigsten Vertreter seines Landes gilt, zurückkehren, sahen sich deutsche Behörden doch nicht in der Lage, hinreichende Gründe für einen Haftbefehl zu finden.

Bezeichnender als diese Bankrotterklärung der deutschen Justiz ist freilich das Verhalten der Regierung in Berlin in dieser Angelegenheit. Sie genehmigte bereitwillig den Aufenthalt eines Verbrechers, der für Folter und Todesstrafen selbst gegen Kinder verantwortlich ist, und versuchte durch ihr Schweigen, den Kleriker vor immerhin möglicher Verfolgung und Bestrafung zu bewahren.

Berlin demonstriert damit einmal mehr, was ihm die oft beschworenen »Werte« bedeuten. Von keinerlei Skrupeln geplagt, bemüht die deutsche Regierung für eine Gestalt »humanitäre Gründe«, die deutlich demonstriert hat, daß ihr jedes Verständnis für Menschlichkeit abgeht. Würdelos macht Berlin sich wissent- und willentlich gemein mit einem Regime, das dem Untergang geweiht ist.

Heymatfront

Wenn sich Deutschland Sonntagsredner über etwas einig sind, dann darüber, daß Antisemitismus »bei uns« keinen Platz habe. Wird es aber konkret, bleibt von dem schönen Bekenntnis zu oft nicht viel übrig. Über das, was geächtet werden soll und sollte, wird dann großzügig hinweggesehen und geschwiegen. Das wohlklingende Bekenntnis wird zur Leerformel, hat es keine Konsequenzen.

In der deutschen Hauptstadt findet an diesem Donnerstag eine Konferenz statt, die unter dem Titel »Das neue deutsche WIR« einmal mehr vorführt, daß Antisemitismus in Deutschland alles ist, nur nicht gesellschaftlich geächtet. Kaum anders nämlich läßt sich die Teilnahme Naika Foroutans an einer Debatte über »Leitkultur, Leitbilder, neue Strategien und Parallelentwicklungen« deuten.

Die Wissenschaftlerin hat Karriere gemacht in Deutschland, trotz oder wegen ihres »Migrationshintergrunds«, aber auch trotz oder wegen ihrer zweifelhaften Äußerungen über den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, trotz oder wegen ihrer nicht weniger zweifelhaften Aussagen über den Kleriker und ehemaligen Präsidenten des Regimes in Teheran Mohammad Khatami.

Nannte Naika Foroutan den »Staatsterrorismus« Ariel Sharons als einen Grund für die islamistischen Anschläge in den USA am 11. September 2001, hielt sie Mohammad Khatami, einen kompromißlosen Antisemiten und Feind Israels, für einen »Wortführer des Dialogs zwischen den Zivilisationen«, wie der Antisemitismusforscher Clemens Heni in seinem Buch »Schadenfreude« betont.

»Das neue deutsche WIR«, zu dem Naika Foroutan zählt, kann sich gut mit beidem arrangieren: Verleumderischer Hetze gegenüber Israel und der Verklärung antisemitischer Kleriker. Damit paßt Naika Foroutan zu einem »WIR«, das begierig ist auf Geschäfte mit den Mullahs und Opfern antisemitischen Terrors zuruft, sie mögen zur Deeskalation beitragen. Nur: Was daran ist eigentlich neu?

Verharmloser

Mit der Veröffentlichung eines Kommentars des Publizisten Armin Langer hatte die Deutschen Welle, »der Auslandssender Deutschlands« kürzlich versucht, den antisemitischen Charakter angeblich »pro-palästinensischer« Aufmärsche im Dezember 2017 in Deutschland zu verharmlosen und zu leugnen. Schon die Überschrift des Beitrags sprach Bände: »Es gab keine ›Tod den Juden‹-Rufe«.

So sei, durfte der Autor des Kommentars unwidersprochen behaupten, das Verbrennen der Fahne Israels »an sich nicht antisemitisch«, weil sie »nicht für die Juden, sondern für die Israelis« stehe, zu denen auch Araber gehörten. Und auch »Chaibar, Chaibar«-Rufe sollten nicht überbewertet werden, spielten sie doch nicht auf die Ermordung von Juden an, sondern »nur« auf deren Unterwerfung.

Von Medien und Politik sei nach den Demonstrationen also praktisch ohne Grund »die Gefahr des antisemitischen Mobs [..] heraufbeschworen«, seien »Juden in der Bundesrepublik« ohne Not »in Angst versetzt« worden. Der Kommentar schloß mit den Worten, »die beteiligten Journalisten, Politiker und Würdenträger« sollten sich für die von ihnen verbreiteten »Fake-News« »entschuldigen«.

Inzwischen hat der Senat in Berlin eine Anfrage linker Politiker zu den Kundgebungen beantwortet, wie die Zeitung Die Welt auf ihrer Website berichtet. Danach hätten sich in Berlin tatsächlich »Islamisten« versammelt, die nicht etwa gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA protestieren, sondern »den Märtyrertod verherrlichen und dem IS zujubeln« wollten.

Slogans und Gesten der Teilnehmer der Demonstrationen werden in der Stellungnahme des Senats »als Solidaritätsbekundung für den IS gedeutet«. Der beschönigenden und verharmlosenden Darstellung Armin Langers und der Deutschen Welle steht damit jetzt eine amtliche Einschätzung gegenüber, neben der Medienberichte von den Aufmärschen in der Tat wie Untertreibungen wirken.

Die Deutsche Welle und ihr Kommentator haben ganz offene Bekenntnisse zu Terrorismus und zu einer Organisation, die selbst die Hamas bekämpft, verharmlost und als noch demokratisch legitime Meinungsäußerungen verteidigt. Sie haben »Fake-News« verbreitet und verbreiten sie noch immer. Die Stimme Deutschlands im Ausland und ihr Zuträger Armin Langer sollten sich schämen.

Blutgeld

So sicher wie auf den Tag die Nacht folgt, folgt dem vollzogenen Judenmord der Applaus der Islamisten. Kaum machte am frühen Abend die Nachricht von den tödlichen Schüssen mutmaßlich »palästinensischer« Terroristen auf den 35 Jahre alten Raziel Shevach die Runde, feierte die Hamas in Gaza schon den oder die Täter für die »heldenhafte« Tat und kündigte weitere Anschläge an.

So sicher wie die Anerkennung der Hamas ist den Verantwortlichen für den Mord bei Nablus, nach denen die israelischen Sicherheitskräfte noch suchen, zugleich die des Regimes in Ramallah. Sollten sie gefaßt und zu einer Haftstrafe verurteilt werden, wird die »Regierung« um »Präsident« Abu Mazen und »Premierminister« Rami Hamdallah sie bis ans Lebensende finanziell belohnen.

Und sollten der oder die Täter im Laufe der nächsten Stunden oder Tage getötet werden, kommen ihre Angehörigen in den Genuß großzügiger »Märtyrer-Renten«. Aus Zahlen, die das in Tel Aviv residierende Verteidigungsministerium am Montag veröffentlichte, geht hervor, daß Ramallah 2017 insgesamt mindestens 347 Millionen Dollar aus seinem Budget für solche »Löhne« ausgegeben hat.

Je nach »Erfolg« ihrer Tat erhalten »palästinensische« Terroristen danach monatlich mindestens 580 Dollar, während besonders »verdiente« Mörder sich auf etwa 2.900 Dollar im Monat freuen können – lebenslang. Sind die Täter israelische Staatsbürger, so erhalten sie weitere Prämien. In »Palästina« liegt das durch Arbeit erzielte durchschnittliche Monatseinkommen bei etwa 245 Dollar pro Person.

Terrorismus läßt sich die »Palästinenserführung« also durchaus einiges kosten, insgesamt ungefähr den Betrag, den etwa die Vereinigten Staaten (noch) pro Jahr an die UNRWA überweisen oder mehr als den doppelten Betrag der jährlichen Zahlungen der EU an die Agentur der Vereinten Nationen. Die wirklichen Finanziers des antisemitischen Terrors sind denn auch die Sponsoren Ramallahs.

Während in den Vereinigten Staaten derzeit zumindest versucht wird, den offenen Mißbrauch der Hilfen für die »Palästinenser« durch deren »Führung« zu unterbinden, reden andere Unterstützer sich mit teils aberwitzigen Begründungen heraus. Die deutsche Regierung beispielsweise will in den »Märtyrer-Renten« eine begrüßenswerte Frühform einer »Sozialversicherung« entdeckt haben.

Würzt das Auswärtige Amt zu Berlin seine »Verurteilung« des Anschlags auf Raziel Shevach mit der zynischen Forderung, »wir erwarten, daß alle Seiten aktiv zur Deeskalation beitragen«, darf man ob solcher Bekenntnisse zu den »Märtyrer-Renten« wohl davon ausgehen, daß Ramallah so bald der finanzielle Nachschub nicht ausgehen wird. Das Deeskalieren überläßt Berlin anderen.

Bigotte Solidarität

Nicht etwa bloß einhundert, sondern sogar »mehr als« 100 »führende Künstler« aus Großbritannien haben sich in einem Offenen Brief mit der neuseeländischen Künstlerin Lorde solidarisch erklärt, die kürzlich Konzerte in Tel Aviv, Sankt Petersburg und Moskau angekündigt hatte, nur um dann – nach angeblich einigem Nachdenken – die israelische Metropole wieder von der Liste zu streichen.

Befördert wurde die Entscheidung der Sängerin durch Proteste von Anhängern der extremistischen BDS-Bewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die jüdische Demokratie durch Boykotte zu bekämpfen und zu diesem Zweck in aller Welt Haß auf Juden sät. Die Absage des Auftritts in Tel Aviv hatten jüdische Aktivisten in einer ganzseitigen Anzeige in der Washington Post kritisiert.

Diese Anzeige, die der Künstlerin Bigotterie vorwirft, weil sie an ihren Auftritten in Rußland festhält, das in Syrien an der Seite eines Regimes kämpft, das die »eigene« Bevölkerung aushungert und mit Giftgas mordet, stört nun die »führenden Künstler«. Sie klagen, es sei »Mobbing«, Lorde öffentlich zu fragen, ob ihr die Opfer des von Moskau gestützten Bashar al-Assad gleichgültig sind.

Dabei ist diese Frage durchaus berechtigt. Zitiert Lorde Menschenrechte, um ihren angekündigten Auftritt in Tel Aviv abzusagen, ist es auch legitim, sie danach zu fragen, was sie vom russischen Einsatz für einen Tyrannen hält, dem jeden Tag Dutzende zum Opfer fallen. Mit dieser »Politisierung« hat Lorde sich einverstanden erklärt, als sie sich widerspruchslos dem BDS-Diktat beugte.

Und es spricht Bände, daß ihren Unterstützern nun nicht mehr einfällt als »Mobbing«. Zugleich offenbaren sie damit anschaulich ihre eigene Verlogenheit: Was anderes als Mobbing ist es denn, verfassen und veröffentlichen sie Anklagen, in denen sie Künstler oder Wissenschaftler, die nach Israel reisen wollen, mit dem jüdischen Staat angedichteten »Verbrechen« in Zusammenhang bringen?

Mit ihrer peinlichen »Solidaritätserklärung«, die sie zu einem Einsatz für Gewissensfreiheit hochstapeln, die sie freilich jenen, die nicht ihrer Meinung sind, nicht zubilligen, machen sich die »führenden Künstler« von A wie Khalid Abdalla bis W wie Roger Waters und Z wie Benjamin Zephaniah einmal mehr lächerlich. Sie sind keine Streiter für Menschenrechte. Sie sind bigotte Heuchler.

Boykott der Boykotteure

In der Logik der Anhänger der weltweit gegen Israel aktiven extremistischen BDS-Bewegung sind Auftritte von Künstlern in dem jüdischen Staat gleichbedeutend mit einer Zustimmung zur Politik Jerusalems. Und auch wer Produkte israelischer Herkunft kauft oder nutzt, unterstützt in der Wahrnehmung der antisemitischen Extremisten unmittelbar die Regierung in der israelischen Hauptstadt.

Den fanatischen Judenfeinden möchte die israelische Regierung nun entgegenkommen und hat zu diesem Zweck eine Liste von Organisationen zusammengestellt und veröffentlicht, deren Mitgliedern sie die Einreise verweigern will. Eigentlich, sollte man meinen, ist das ein überflüssiger Schritt: Welcher Israel-Boykotteur macht sich denn freiwillig auf in das Land, das er boykottiert?

Doch ganz offenbar ist der Reisebedarf jener, die andere öffentlich anprangern und bedrohen, sollten die Israel besuchen wollen, groß. Mit breiter Ablehnung reagieren sie auf die Nachricht aus Jerusalem. »Die schwarze Liste«, empört sich via Twitter etwa das Institute for Middle East Understanding (IMEU), das für die BDS-Bewegung wirbt, »ist ein Angriff auf die Zivilgesellschaft«.

Die Friends of Al Aqsa (FOA) klagen, Israel wolle mit seiner blacklist Protest mundtot machen, von CodePink – Women for Peace, heißt es in einem flammenden Bekenntnis zur BDS-Bewegung, man sei »schockiert«. Israel zeige mit seiner Entscheidung, daß es »sich auf ein System der Apartheid« stütze, »um die Opposition gegen seine rassistische und koloniale Herrschaft zu unterdrücken«.

Solche Vorwürfe, Verleumdungen Israels, die die südafrikanische Apartheid verharmlosen, hat man von diesen Organisationen nur zu oft gehört. Und immer begründeten sie damit ihre Aufrufe zum Boykott des jüdischen Staates und seiner Bürger. Nun sorgt Israel dafür, daß sie ihr Gewissen nicht mit Besuchen dieses fürchterbaren »Apartheid-Regimes« belasten müssen. Was ist daran ungerecht?

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