Der israelische Präsident Isaac Herzog hat angekündigt, Gadi Eisenkot den Auftrag zur Bildung einer Regierung zu erteilen. Zwar erzielte der Likud, die Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, bei der Knesset-Wahl vor knapp zwei Wochen mit 27 Parlamentssitzen das beste Ergebnis, während Gadi Eisenkots Yashar lediglich 21 Mandate erringen konnte. Unter den 120 zukünftigen Abgeordneten jedoch hat der Herausforderer mehr Unterstützer als der Amtsinhaber.
Mit dem Mandat zur Regierungsbildung ausgestattet, bleiben Gadi Eisenkot vier Wochen, eine tragfähige Koalition zu organisieren, wobei er um eine Fristverlängerung um zwei Wochen bitten kann. Sollte es ihm nicht gelingen, innerhalb dieser maximal sechs Wochen sich und seinem Kabinettsvorschlag eine Mehrheits in der Knesset zu sichern, muß Präsident Isaac Herzog entscheiden, ob er den Auftrag an einen anderen Politiker vergibt oder das Parlament selbst mit der Aufgabe betraut.
Erst wenn auch der mögliche zweite Kandidat scheitert oder aus der Knesset selbst kein mehrheitsfähiger Abgeordneter vorgeschlagen wird, könnten die Volksvertretung aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen werden. Das Interesse an einem solchen Szenario dürfte gering sein, völlig auszuschließen ist es aber nicht. Könnten sich zwar 67 Parlamentarier vorstellen, Gadi Eisenkot als Premier zu stützen, herrscht im oppositionellen Lager längst noch keine inhaltliche Einigkeit.
Will er Benjamin Netanjahu ablösen, ist Gadi Eisenkot auf die Stimmen der Abgeordneten der »arabischen« Parteien angewiesen. Die könnten ihm Zusagen abverlangen, die jedenfalls für Teile »seines« politischen Blocks so inakzeptabel sind wie unter den Anhängern Benjamin Netanjahus, die jeden Gedanken an eine politische Zusammenarbeit mit diesen nichtzionistischen Parteien zurückweisen – und dafür durchaus auch sehr gut nachvollziehbare Gründe haben könnten.
Andererseits scheint fraglich, ob der amtierende Regierungschef Benjamin Netanjahu von Neuwahlen profitieren könnte. Errang der Likud bei der Wahl am 1. November 2022 mit 31 Mandaten noch mehr als ein Viertel aller Parlamentssitze, waren es vier Jahre später deutliche vier weniger, wenngleich die Partei ihre Konkurrenz noch einmal abhängen konnte. Gleichzeitig werden die amerikanischen Zwischenwahlen Folgen für die Beziehungen zwischen Washington und Jerusalem haben.
Schon kurz vor den Midterms wurde öffentlich, daß die US-Regierung ihre Rüstungshilfe für Israel zum Jahreswechsel drastisch zu kürzen plant, angeblich sogar mit der Zustimmung Benjamin Netanjahus. Angesichts dernoch offenen militärischen Konflikte, in die Israel von seinen Feinden verstrickt wurde, ist das eine Nachricht, die der Amtsinhaber selbst überzeugteren Anhängern kaum als Erfolg wird verkaufen können. So ist wohl nur gewiß, daß es spannend bleibt in Israel.