Erfolgsstrategien

Florian Rötzer, der „Nachdenker unter den Schnelldenkern“, hat genau hin- und wieder einmal alles und alle durchschaut:

„Die iranische Führung zeigt sich von den angedrohten Sanktionsverschärfungen unbeeindruckt, zumal der Druck von außen ihre Macht stärkt und die Opposition schwächt. Genau diese Strategie hat Ahmadinedschad schon seit Jahren gegen die interne Opposition mit Erfolg eingesetzt.“

Deshalb gab es Massenproteste gegen Mahmoud Ahmadinejad zwar aus Anlaß seines ersten Amtsantritts, doch seither nie wieder. Oder war es vielleicht doch anders? War Mahmoud Ahmadinejads „seit Jahren“ bewährtes „Erfolgsrezept“ eines, das eine unübersehbare Opposition erst hervorbrachte?

Ist es ein Zeichen eines „Erfolgs“ für Mahmoud Ahmadinejad und einer Niederlage einer „geschwächten“ Opposition, wenn die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton warnt, die Islamische Republik Iran könne sich in eine Militärdiktatur verwandeln?

„Außenministerin Hillary Clinton sagte am Montag bei einem Besuch im Emirat Katar, die Islamische Republik steuere auf eine Militärdiktatur zu. Die Revolutionsgarden unterwanderten zunehmend das Staatssystem, sagte Clinton in einer Diskussion mit Studenten.“

Belegte eine solche Entwicklung nicht vielmehr gerade das Scheitern des Mullah-Regimes, das Versagen einer „Strategie“, die Mahmoud Ahmadinejad nach Ansicht des „Nachdenkers“ Florian Rötzer „schon seit Jahren gegen die interne Opposition mit Erfolg“ einsetzt? Ist ein Regime auf Erfolgskurs, wenn es sich nur noch durch eine Steigerung von Repressionsmaßnahmen halten kann?

Im vergangenen Sommer hatte der „Nachdenker“ Florian Rötzer übrigens noch festgestellt, „Ahmadinedschad ist in weiten Teilen der Bevölkerung nicht mehr gut angesehen, weil er seine Versprechen, die Korruption zu bekämpfen und die Wirtschaft voranzubringen, nicht einhalten konnte und dafür lieber den Konflikt mit dem Ausland suchte.“

Das „Erfolgsrezept“ des „Präsidenten“ Ahmadinejad machte ihn – damals jedenfalls – demnach immer unbeliebter. Jetzt setzt er es, so Florian Rötzer, „seit Jahren“ womit ein? „Mit Erfolg“. Und Mahmoud Ahmadinejad wird, die anhaltenden Proteste gegen seine „Wiederwahl“ zeigen es offenbar, damit immer beliebter.

Nachdenken, scheint’s, führt manchmal zu Wahrnehmungsstörungen.

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