Schweres Erbe

Im Mai bot ein Beitrag des Magazins kulturzeit die Gelegenheit, Wolfgang Benz, dem amtierenden Leiter des in Berlin ansässigen Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA), bei der Antisemitismusforschung zuzusehen.

Vor einem Plakat der dänischen „Künstlergruppe“ Surrend, das beispielsweise den Journalisten Benjamin Weinthal einerseits als Autor des Stürmer vorstellte und ihn andererseits einer „israelischen Lobby in Deutschland“ zuordnete, erklärte Wolfgang Benz, weshalb die Gleichsetzung eines antisemitischen Hetzblatts mit einer imaginierten „Israellobby“ kein Ausdruck von Antisemitismus sei:

„Antisemitismus ist zunächst etwas anderes als Antizionismus. Diese Plakate sind unfreundlich gegenüber Israel. Deshalb müssen sie nicht antisemitisch sein. Aber es ist so praktisch, alles als antisemitisch zu denunzieren, was einem nicht gefällt.“

Während man nach solchen Äußerungen sich fragen muß, ob es in Deutschland und anderswo überhaupt noch Antisemitismus gibt, den d(ies)er Experte auch als Antisemitismus erkennen würde, ist Wolfgang Benz in anderer Angelegenheit ganz sicher: „Die Wut der neuen Muslimfeinde gleicht dem alten Zorn der alten Antisemiten gegen die Juden“.

Entsprechend widmet sich das ZfA unter der Leitung Wolfgang Benz‘ seit einiger Zeit denn auch dem Warnen vor einer „Islamophobie“, statt danach zu fragen, weshalb es doch jüdische Einrichtungen in Deutschland sind, die durch privates oder staatliches Sicherheitspersonal geschützt werden müssen, und nicht Moscheen.

Zu Demonstrationen in Deutschland, auf denen Hisbollah und Hamas gefeiert werden und Israel verflucht, fiel dem Leiter des ZfA so wenig ein wie seinem Institut zu den jüngsten Emanationen antisemitischer Ressentiments, die der Politikwissenschaftler Clemens Heni dokumentiert hat und so beschreibt:

„Die unten dokumentierten Zitate sind nationalsozialistische Propaganda aus dem Jahr 2010, verfasst von Deutsch-Türken bzw. offenbar großteils Muslimen. Die Vielzahl der Einträge lässt stark vermuten, dass es sich hier nicht um einzelne rechtsextreme Ideologen wie die Grauen Wölfe handelt, dafür sind die Einträge viel zu un-politisch im Sinne der Ideologie einer Organisation. Es sind Alltäglichkeiten für die Verfasser und kaum jemand erwähnt eine Organisation, für welche sie sprechen würden etc.“

Solch alltäglicher Antisemitismus, oft nicht einmal um Anonymität bemüht, wird von Wolfgang Benz schlicht ignoriert. Und gegen jene, die ihn bemerken und kritisieren, nimmt das ZfA just die in Schutz, die ihn so offen äußern: „Gestern waren es Juden – heute sind es die Muslime“. Einfältiger geht es kaum, und doch gilt derlei offenbar in Deutschland tatsächlich als „Antisemitismusforschung“.

Doch immerhin, die bisher eher in Fachkreisen geäußerte Kritik an den wenigstens seltsamen Ansichten, für die Wolfgang Benz heute steht, oder am Umgang des amtierenden Leiters des ZfA mit der Vergangenheit seines Doktorvaters Karl Bosl wird mittlerweile auch von Holzmedien wahrgenommen:

„Der 69-jährige Historiker, der dem Zentrum seit zwanzig Jahren vorsteht, hat ihm Stimme und Gewicht verliehen, Renommee und Einfluss verschafft – und damit zugleich das geisteswissenschaftliche Profil der TU geschärft. Folgt man Kritikern, hat der Leuchtturm allerdings in den vergangenen Monaten erheblich an Strahlkraft verloren.“

So lesenswert allerdings der Beitrag Martin Eichs auch ist, faßt er die – fundiert vorgetragene – Kritik an Wolfgang Benz und dem ZfA doch schön zusammen; er wäre noch lesenswerter, hätte der FAZ-Autor nicht ausschließlich Matthias Küntzel als Quelle benannt.

Ein Versäumnis, das aber doch nichts daran ändert, daß Stefanie Schüler-Springorum als Nachfolgerin Wolfgang Benz‘ „dem Leuchtturm wieder zu seiner alten Strahlkraft verhelfen müssen“ wird. Die hat – absichtlich oder nicht – Wolfgang Benz nachhaltig ruiniert.

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