Gefahrenkundler Ruprecht Polenz

Ruprecht Polenz, CDU, leitet als amtierender Vorsitzender den Auswärtigen Ausschuß des Bundestags. Als solcher wollte er zunächst die Westbank den „Palästinensern“, die es erst seit Mitte der 1960er gibt, judenrein übergeben, wenig später dann auch Jerusalem, die Hauptstadt Israels, zu dessen bessen Freunden er sich zählt. Die Juden, erklärte Ruprecht Polenz bei mancher Gelegenheit, seien ein Hindernis für einen Frieden im Nahen Osten, erdreisteten sie sich, in Jerusalem wohnen zu wollen oder auch außerhalb Israels.

Daß möglicherweise es nicht Juden sein könnten, die ein Problem darstellen, sondern „Palästinenser“, die rassistische Ideologien nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch schon vor der Staatsgründung Israels auslebten und seither weiter ausleben, kam dem christdemokratischen „Freund“ Israels nie in den Sinn. Wenn die Fatah sich weigert, ein Existenzrecht der Demokratie Israel anzuerkennen, und zum Sturm auf Jerusalem „mit allen Mitteln“ ruft oder die Hamas die „zionistische Entität“ von ihrer Landkarte streicht, schweigt einer ganz sicher: Ruprecht Polenz.

Es fiele dem Ausschußvorsitzenden für Auswärtiges wohl noch nicht einmal in einem Alptraum ein, in „Palästinensern“, in Christen, Atheisten, kurz: in Nicht-Juden, die in Israel leben, ein Hindernis auszumachen für ein friedliches Zusammenleben in Israel; und in Jerusalem, so sprach er jüngst, sind es allenfalls wieder Juden, welche ein Hindernis wofür auch immer darstellen. Und außerhalb Israels sind sie es ganz sicher, meint Ruprecht Polenz. Das läßt sich auch an dem Christdemokraten selbst beobachten.

Kaum nämlich besuchte Benjamin Netanjahu als israelischer Regierungschef die schöne Heimat des Ruprecht Polenz, war es um diesen geschehen. Wieder mußte der „Freund“ Israels sich zu Wort melden; und wo er bisher sich immerhin noch einigermaßen zurückhielt und nur über „Hindernisse“ sprach, erklärt er jetzt Juden zu einer „Gefahr“:

„Die bisherige Siedlungspolitik und der Versuch, Ost-Jerusalem von der Westbank zu trennen, sind außerordentlich gefährlich.“

Gesetzt, die „bisherige Siedlungspolitik“ in der Westbank zielte darauf ab, das Staatsgebiet Israels zu erweitern und nicht „nur“ vor Angriffen zu schützen, könnten jüdische Bewohner in „Ost-Jerusalem“ dieses gar nicht von der Westbank „trennen“. Der Jude in Berlin brachte also schon durch bloße Anwesenheit offensichtlich die Logikeinheiten des Ruprecht Polenz gehörig durcheinander. Doch das ist selbstverständlich kein Problem des CDU-Mitglieds, das nicht nachdenkt bevor es redet, sondern verantwortlich ist der Jude. Der ist außerordentlich gefährlich.

Doch ohnehin scheint allein schon die Befassung mit dem Thema verheerend auf Ruprecht Polenz gewirkt zu haben. Weshalb sollte, wie er ja unterstellt, ein Zusammenleben, das in der israelischen Gesellschaft täglich vorgelebt wird, in einem „Palästinenserstaat“ nicht möglich sein? Sind es denn tatsächlich Juden, die Unfrieden stiften? Sind es nicht vielmehr eben gerade letztlich rassistische Banden wie Fatah oder Hamas, gegen deren Gewalt sich nicht zuletzt und doch einigermaßen erfolgreich der Sicherheitszaun richtet? Will Ruprecht Polenz diesen Terror in Jerusalem?

Für Ruprecht Polenz scheint die Antwort klar – Juden müssen weg, da sie außerordentlich gefährlich sind, weil sie existieren. Nicht Terroristenbanden sind gefährlich, es sind die potentiellen und tatsächlichen Opfer ihres militanten Rassismus. Verantwortlich sind die jüdischen Opfer für Ruprecht Polenz, entschuldigt hingegen die „Palästinenser“, die wahren Opfer. Und Ruprecht Polenz ihr Anwalt.