Appeasement ohne Verantwortung

Für die Aussicht auf ein gutes Geschäft läßt man in der Schweiz nicht nur einen Schläger laufen, es entschuldigt sich gar Präsident Hans-Rudolf Merz persönlich für die Unannehmlichkeiten, die der Täter, Sohn des libyschen Despoten Muhammar al-Ghaddafi, erleiden mußte, als er „ungerechtfertigt“ verhaftet wurde.

Großzügig sah bei seinem Besuch in Libyen Hans-Rudolf Merz auch über die Tatsache hinweg, daß sein Gastgeber, bestimmt ein Ehrenmann, zwei Geschäftsleuten aus der Schweiz – bestimmt gerechtfertig – die libyscher Gastfreundschaft länger beweisen will als diese sie genießen wollen. Präsident Merz entschuldigte sich ungerührt.

Und er kehrte heim mit dem Versprechen, Unternehmen aus der Schweiz dürften bald wieder in Libyen Geld verdienen. Die beiden Geiseln sollten zudem „spätestens“ Ende August wieder frei sein, sonst würde er, Hans-Rudolf Merz, höchstpersönlich die Konsequenzen tragen.

Ihr Geiseldasein geht nach über 400 Tagen für die Geschäftsleute weiter. Und was macht Hans-Rudolf Merz, gewiß auch ein Ehrenmann?

„‚Wir haben zur Kenntnis genommen, dass die zwei Schweizer Libyen nicht verlassen konnten‘, sagte Meier gegenüber der Nachrichtenagentur SDA lediglich. Das Finanzdepartement (EFD) und das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bemühten sich aber weiterhin um deren rasche Rückkehr. Merz werde deswegen aber nicht zurücktreten, sagte sein Sprecher.“

Wie geht es Muhammar al-Ghaddafi? Er feiert. Und das mit einiger Berechtigung, hat er doch nicht nur den rückgratlosen Appeaser Hans-Rudolf Merz ganz trefflich vorgeführt.

„Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi begeht heute nicht nur den 40. Jahrestag der Revolution Libyens, sondern auch sein 40. Amtsjubiläum. [..] Gerade hat er den zu lebenslanger Haft verurteilten Lockerbie-Attentäter Abdel Bassit al-Megrahi, der von der schottischen Regierung vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, in seiner libyschen Heimat begrüßen dürfen. Vor knapp zwei Wochen konnte er dann noch die Schweiz mit erpresserischen Methoden dazu bringen, sich für die vorübergehende Festnahme seines Sohnes Hannibal in Genf zu entschuldigen, der dort im Juli 2008 zwei Hausangestellte verprügelt hatte. Ein schon beinahe freundschaftliches Verhältnis pflegt er mittlerweile mit Italiens kaum weniger schillerndem Regierungschef Silvio Berlusconi. Der Italiener öffnet ihm westliche Märkte. Als Gegenleistung liefert Libyen Energie und soll afrikanische Flüchtlinge zurückhalten beziehungsweise zurücknehmen.“

Appeasement ist eine wirklich gute Erfindung.

1 Comment

Comments are closed.