Sex- und Korruptionsskandale in der PA und das laute Schweigen der deutschen Staatskanäle

Kürzlich waren es noch „haltlose Unterstellungen“, „Fälschungen“, nichts als eine „Stinkbombe“, mit welcher, wie Uri Avnery, ewiger Anhänger Yassir Arafats, prompt losjammerte, Benjamin Netanjahu dem „Palästinenserpräsidenten“ Abu Mazen „eine Lektion erteilen will“:

„Drei Tage lang, Tag auf Tag, Sendung auf Sendung, strahlte Channel 10 (Israels zweitgrößter Fernsehsender) schockierende ‚Enthüllungen‘ über Finanz- und Sex-Skandale in der Führung der PA aus.“

Die „Enthüllungen“, so der „Friedensaktivist“ weiter, überraschten ihn nicht, sei es doch üblich, daß in israelischen Medien „ehemalige Angehörige der militärischen Aufklärung“ die Berichterstattung über die „Palästinenser“ besorgten, „die sich als Mitglieder eines antiarabischen Propagandaapparats verstehen.“

Abu Mazen immerhin nahm die „Propaganda“ ernster als der Gush Shalom-„Aktivist“, der offenbar nichts gegen Korruption auf Kosten der „Palästinenser“ und sexuelle Nötigung hat, und drohte mit seinem Rücktritt, sollte Channel 10 die angekündigten Berichte senden – der israelische Sender ließ sich sein Programm nicht diktieren.

Ganz ein Mann, auf dessen Wort Verlaß ist, entließ der „Palästinenserpräsident“ dann allerdings doch nur seinen „Büro-Chef“ Rafiq Al-Husseini, der Frauen Arbeitsstellen gegen sexuelle Gefälligkeiten versprach, und setzte eine Untersuchungskommission ein, die zuverlässig besetzt ist mit der Korruption Beschuldigten. Und noch etwas geschah:

„Plötzlich strahlten unzählige arabische TV-Sender das Video aus. Die Palästinenser im Westjordanland, wo Abbas und seine Fatah-Bewegung herrschen, murren lautstark, während im Gazastreifen die radikalislamistische Hamas sich in Schadenfreude ergötzt.“

Ob des Aufruhrs unter den „Palästinensern“ könnte man nun vermuten, daß die deutschen Staatssender, die doch mit einer ganzen Reihe qualifizierter „Journalisten“ vor Ort sind, die Gelegenheit nutzen würden, ihr interessiertes deutsches Publikum über die Vorgänge zu informieren, entweder den Korruptionsvorwürfen nachgehen oder sie tatsächlich als böswillige israelische Propaganda entlarven.

Doch auf den Seiten von tagesschau.de und heute.de herrscht zu diesen Geschehnissen – Schweigen. Der Nischenkanal arte andererseits widmet sich ihnen recht ausführlich, für die Reportage zeichnen indes allerdings Stéphane Amar und Jean-Marc Zylberyng verantwortlich, von denen man bei ARD und ZDF noch nie hörte.

In den deutschen Staatskanälen ARD und ZDF hat Abu Mazen weiterhin zuverlässige Verbündete, bei ihnen muß er noch nicht einmal mit Rücktritt drohen. Darauf können sie stolz sein. Nachrichten machen derweil andere.