Rituale

Es ist ein seit Jahrzehnten wiederkehrendes Ritual: Wann immer ein islamischen Haßprediger zetert, die Juden wollten den Tempelberg in Jerusalem übernehmen und die Araber oder – später – die “Palästinenser” von ihrem noch immer autonom verwalteten Heiligtum vertreiben, rotten sich ein paar Dutzend oder auch mehr Heilige Krieger zusammen und “verteidigen” ihre “heilige” Stätte gegen eine gar nicht existente Gefahr, indem sie sie durch Gewalt gegen Sachen wie Menschen entweihen.

Um den kollektiven Wahnsinn die Grenzen aufzuzeigen, um nicht zuletzt Leben zu schützen, müssen Sicherheitskräfte ausrücken, früher waren es britische Kolonialtruppen, heute sind es israelische Polizisten, und jene Ruhe wiederherstellen, die schließlich auch der Stätte angemessen ist. Mit einer ernsthaften Strafe müssen jene, die für Aufregung sorgen und zu Gewalt anstacheln, nicht rechnen, und daran, den “Palästinensern”, die offenkundig damit überfordert sind, die Hoheit über den Tempelberg zu entziehen, wagt leider niemand auch nur zu denken.

Was freilich ebenso zum Ritual gehört, sind verzerrende Darstellungen der Ereignisse unter Überschriften wie “Israel: Polizei stürmt Tempelberg”. Natürlich steht dann irgendwo im Artikel, daß die fette Zeile besser etwa “‘Palästinenser’ besetzen Tempelberg und randalieren” lautete, daß jedenfalls die israelischen Sicherheitskräfte nicht aus Langeweile wohin auch immer “stürmen”. Doch was nützen nachgeschobenen Erläuterungen noch, wenn schon die Überschrift signalisiert, daß das Gegenteil der Fall ist?

Sie sind so nichts als der Versuch, Seriosität zu simulieren, wo doch keine ist.