In ihrem 1991 erschienenen Band Israels’s Secret Wars beschreiben Ian Black und Benny Morris die Bedeutung(en) des Begriffs Yishuf so:
„Yishuf: literally ’settlement‘, but more generally used for the Jewish community in Palestine“ (p. 532)
Tom Segev hat ihn in One Palestine, Complete, das 2000 erstmals im Vereinigten Königreich erschien, so definiert:
„The term has its roots in ancient sources of Hebrew language, and one of its meanings, according to Eliezer Ben-Yehuda’s dictionary, is ‚a small number of Jews living in non-Jewish villages.‘ Yishuv, which literally means ’settlement,‘ is also the opposite of ‚wasteland‘ and of ‚destruction.‘ The word was used, consciously or not, to indicate that the Jews were living in a wilderness devoid of human beings, that is, Arabs.“
In der deutschen Ausgabe, Es war einmal ein Palästina, wird deutlich, weshalb der Autor, Tom Segev, bei deutschen „Israelkritikern“ so beliebt ist. Hier wird der letzte Satz nämlich so übersetzt:
„Das Wort wurde, bewusst oder unbewusst, benutzt, um auszudrücken, dass die Juden in einer menschenleeren Wildnis lebten – Araber zählten demnach nicht zur menschlichen Gattung.“ (München 2005, S. 25)
Empirische Belege für diese durchaus kühne These, die beispielsweise Ian Black und Benny Morris eben nicht stützen, bleibt Tom Segev schuldig, was seine Anhänger aber nicht stören dürfte.
Und so schafft der „israelische Historiker und Publizist“ es auch in den aktuellen SPIEGEL, um der Leserschaft auf Seite 79 zu erklären, weshalb die israelische Regierung ungefähr alles falsch macht, was sie falsch machen kann:
„SPIEGEL: Versteht er [Benjamin Netanjahu] nicht, dass er die Position der USA im gesamten Nahen Osten schwächt, wenn er nicht zu Konzessionen an die Palästinenser bereit ist?
Segev: Netanjahu weiß sehr wohl, dass Washington in seinem Konflikt mit Iran neuerdings Israel als strategische Belastung empfindet. Die USA werden wohl alles tun, damit das Regime in Teheran nicht in den Besitz einer Atombombe kommt. Aber nur wenn Israel dramatische Konzessionen an die Palästinenser macht, werden die USA in der arabischen Welt jenen Rückhalt finden, den sie für diese Politik brauchen.“
Ist schon die Frage kaum mehr als eine Zumutung zu entschuldigen, deutet sie doch an, daß etwa die Taliban nur deshalb reichlich gewalttätig sind, weil die Stadtverwaltung von Jerusalem in Wohnungsbaufragen souverän entscheidet, ist die Antwort nur noch dumm.
Israel, verlangt Tom Segev, müsse mit „dramatischen Konzessionen“ die „Palästinenser“, die es gegenwärtig als ein Gesprächspartner gar nicht gibt, gnädig stimmen, worauf dann die „arabische Welt“ ganz glücklich würde.
Und dann könnte Washington, das angeblich zwar will, aber eben wegen Benjamin Netanjahu derzeit nicht kann, sich mit der notwendigen Härte der iranischen Bombe widmen und Israel vor den Mullahs retten.
Begeht Israel nicht freiwillig Selbstmord – denn darauf liefen „dramatische Konzessionen“ gewiß hinaus -, wird es eben von den Mullahs und deren Helfershelfern ausgelöscht. So oder so: Israel ist selbst schuld und dem Untergang geweiht.
Angesichts solch schlichter Gedanken, die neben vielem anderen beispielsweise ausblenden, daß „Palästinenser“ den Einsatz einer iranischen Atom-Bombe wohl auch kaum überleben würden, kann man eigentlich nur noch Mitleid empfinden mit Tom Segev.
Vom SPIEGEL so vorgeführt zu werden, nein, das hat niemand verdient.