Mutmaßungen

Für SPIEGEL online ist es der „Mossad-Mord an einem Hamas-Führer in Dubai“, der nach der Verhaftung eines „mutmaßlichen [!] Komplizen“ in Polen für „ein Gezerre zwischen Polen, Deutschland, Israel und Dubai um seine Auslieferung“ sorgt.

Während Israel wie auch andere Staaten sich grundsätzlich der Auslieferung seiner Bürger an das Ausland widersetzt, also auch hier völlig normal reagiert, hat Dubai allerdings gar kein Interesse an einer Auslieferung des Festgenommenen:

„Dubai will not request the extradition of a suspected Mossad spy who might have played a role in the Mabhouh assassination in January, Dubai’s police chief, Lt.-Gen. Dahi Khalfan Tamim, said on Sunday according to a report cited by Channel 10.

‚The suspect committed his crime in Germany, so it is natural that he would be prosecuted there. What is important is that he is punished, not which country punishes him,‘ commented Tamim.“

So fällt die schöne SPIEGEL-Ente vom „Mossad-Mord in Dubai“ schneller zusammen als sie ausgedacht wurde. In Deutschland gab es so wenig einen Mossad-Mord wie in Dubai.

Allenfalls kann dem Festgenommenen vorgeworfen werden, „im Frühjahr 2009“, also ein Jahr bevor die Hamas einen schweren Verlust erlitt, „einen weiteren mutmaßlichen Mossad-Agenten dabei begleitet [zu haben], einen deutschen Reisepass beim Einwohnermeldeamt Köln zu beantragen“.

Es wurde also ein mutmaßlicher Komplize eines mutmaßlichen Mossad-Agenten, der in Deutschland einen Paß beantragte und bekam, in Polen festgesetzt. Angesichts dieser zweifellos erdrückenden Beweislage ist es gewiß gerechtfertigt, von einem „Mossad-Mord in Dubai“ zu fabulieren.