Die taz veröffentlicht in ihrer heutigen Ausgabe einen Beitrag, der durchaus erstaunlich sachlich das Bild, das die Free Gaza-Jihadisten vor und nach ihrem Angriff auf die israelische „Blockade“ Gazas von sich selbst zeichneten und zeichnen, dem gegenüberstellt, wie diese „Menschenrechtsaktivisten“ tatsächlich agierten und handeln.
Mit ihrem Artikel unter der Überschrift „Gaza-Hilfs-Flotille im Zwielicht“ leisten die Autoren freilich nur, was (weitgehend) unparteiische Berichterstattung sein sollte – eben unvoreingenommen und darauf bedacht, sich nicht zum Sprachrohr einer Konfliktpartei zu machen. Zeugenaussagen werden nicht nur berücksichtigt, sondern auf Plausibilität geprüft und in ein Gesamtgeschehen eingeordnet:
„Wie dominant die IHH auf der ‚Mavi Marmara‘ war, zeigen Aussagen des ersten und des dritten Kapitäns. Weder sie noch irgendjemand anderes durfte sich auf dem oberen Deck ohne Genehmigung einer etwa 40-köpfigen, türkischsprechenden Gruppe bewegen, die das Deck kontrollierte. Dies könnte auch erklären, warum viele Friedensaktivisten bis heute glauben, die Passagiere seien ausschließlich friedlich gewesen. Die Aktivisten der IHH setzten auch durch, dass Frauen und Männer auf verschiedenen Decks übernachten mussten.“
Natürlich mag diese Darstellung den „Friedensaktivisten“ und deren Sympathisanten nicht passen, bescheinigt sie ihnen doch einerseits eine gehörige Blindheit. Andererseits läßt sie sie eben auch nicht als Lügner erscheinen oder als Free Gaza-Jihadisten, als die sie an dieser Stelle regelmäßig und selbstverständlich wertend bezeichnet werden.
Kurzum: Hier zeigt die taz einmal, wie seriöser Journalismus aussehen könnte, der dem Leser Informationen präsentiert und durchaus auch Interpretationen, aber sie, die Leser, gerade nicht bevormundet oder aber versucht, eine (unterstellte) ohnehin vorhandene Meinung nur zu bestätigen. Traurigerweise fällt solch ein Artikel deshalb auf, obgleich er doch nur selbstverständlich sein sollte.
Die taz-Zielgruppe jedenfalls scheint, und das ist bezeichnend, überfordert:
„Die taz macht sich mit Artikeln wie von Doris Akrap zur Verteilstelle israelischer Propaganda. Mit Journalismus hat das nichts zu tun, insbesondere dann nicht, wenn bewusst verschwiegen wird, dass Israel als Partei des Zwischenfalls darum bittet, diese Information zu streuen.“
„So werden Morde und Hinrichtungen zu Selbstverteidung! Man kann nicht glauben, dass diese Reportage loyal und ehrenhaft gegenüber den (Taz)Lesern ist.“
„Liebe TAZ, schreibt nur so weiter in diesem pro-zionistischen anti-palästinensischen Duktus. Nur so gelangt Ihr an viele Flattr-Spenden! Welch tolle Erfindung dieses Flattr doch ist, seine Artikel von Spendengeldern abhängig zu machen…fantastisch“
„Respekt,wie die TAZ aus Opfern Täter macht.Man muß schon blind durch die Welt laufen oder für das israelische Außenministerium arbeiten,um so einen BILD-Artikel zu publizieren.“
Wir sind geneigt, an ein Sprichwort zu denken, in dem Perlen vorkommen und Nutztiere …
„Wir sind geneigt, an ein Sprichwort zu denken, in dem Perlen vorkommen und Nutztiere“
Cold Turkey? Sie meinen, da sind Perlen vor die Truthähnchen geworfen worden?
Ich sehe in diesen vier prototypischen LeserInnen-Reaktionen lediglich Symptome eines kalten Entzugs.
Aber im Ernst: Ich kann diesen LeserInnen keinen Vorwurf machen. Immerhin haben sie für ihren „anti-zionistischen“ Stoff bezahlt und fühlen sich nun enttäuscht bzw. betrogen.
Kein Wunder, dass die zickig werden. Menschlich? Allzu menschlich!
Ja, die Entzugserscheinungen sind schon ganz fürchterbar, wie der verwirrte Kommentar einer Marlene W zeigt.
Erst freut sie sich, „dieser demagogische Bericht wird die Linken nur weiter in ihrer Gegnerschaft gegen Israel stärken, dass die Palästinenser wie Sklaven hält“, doch dann verlangt und droht sie, „die TAZ muss sich wieder auf sozialistische Themen hin orientieren, sonst wird es Konsequenzen geben“.
Sollte sie, wenn „die Linke“ durch diesen „demagogischen Bericht“ nur gestärkt wird, als „Linke“ folgerichtig nicht eigentlich mehr Demagogie fordern statt „sozialistische[r] Themen“?