Jürgen Todenhöfer auf der Flucht:
„Ich will mich wieder setzen, aber mein sonst so freundlicher paschtunischer Wegbereiter mahnt hektisch zum Aufbruch. Auch wir müssten schnell aus dem Dorf raus. – Wenige Minuten später rumpelt unser Jeep wieder über Felder und Bachbetten und über denselben, fast unbefahrbaren Feldweg. Unser Fahrer fährt noch schneller. Immer wieder werden wir von unseren Sitzen hoch geworfen oder gegen die Tür gepresst.“
Zeit für eine Frage:
„Als ich ihn frage, warum er so rast, antwortet er kurz angebunden, in ein paar Minuten kämen wir vielleicht nicht mehr raus.“
Diesmal aber hatte Jürgen Todenhöfer noch einmal Glück. Andere kamen nicht „raus“.
„Wie wir abends erfahren, explodiert eine halbe Stunde nach unserer Durchfahrt auf dem Feldweg eine Sprengfalle. Zwei Mitglieder einer afghanischen Hilfsorganisation werden getötet, drei verletzt.Wer den Weg, der am Tag höchstens ein dutzend Mal befahren wird, vermint hatte, werde ich nie erfahren.“
Aber wer es nicht war, das weiß er, der Jürgen Todenhöfer, ganz genau:
„Die afghanischen Taliban waren es wohl kaum. Gastfreundschaft ist den Paschtunen eine heilige Tradition.“
War es die Bundeswehr? Waren es die Amerikaner? Heilige KriegerGäste der Taliban, die sich daneben benahmen? Oder Taliban, die von ihrer heiligen Gastfreundschaft erst erfahren werden, wenn sie in der Frankfurter Rundschau blättern? Wir werden es wohl nie erfahren.
Sein Gastgeber, Mullah Nasrat, meint, er „habe ein Recht auf Freiheit und auf Widerstand gegen krasses Unrecht. Als der Sohn Maulawi Khales’ zum Widerstand aufgerufen habe, sei er diesem Ruf gefolgt.“ Und zum gar nicht mehr gastfreundlichen Taliban geworden.
Aber das ist doch kein Grund, ihn zu jagen, den Jürgen Todenhöfer.
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