Als Kurt Beck, lange ist es her, Vorsitzender der deutschen Sozialdemokratie war, wollte er, am deutschen Wesen sollte Afghanistan genesen, den Dialog mit „gemäßigte Taliban“ suchen. Daraus wurde nichts, weil Kurt Beck irgendwann nicht mehr den SPD-Vorsitzenden machte. Es meldete, und das mag etwas wichtiger gewesen sein als Kurt Becks Karriere, sich aber auch einfach kein „gemäßigter Taliban“, der sein Herz ausschütten wollte.
So blieb Kurt Beck aber immerhin erspart, Vorschläge für mögliche Gesprächsthemen äußern zu müssen, was indes gewiß eine spannende Angelegenheit geworden wäre. Auch US-Präsident Barack Hussein Obama, der den Vorschlag des deutschen Sozialdemokraten aufgriff, mußte nicht sich mit der Vorlage von Themen für den Runden Tisch mit den gemäßigten Extremisten mühen. Auch hier meldete nämlich sich niemand mit dem Bekenntnis, er sei ein „gemäßigter Taliban“.
Trotzdem bekam Barack Hussein Obama einen Friedensnobelpreis. Und das spornte offenbar den amtierenden deutschen Verteidigungsminister an, es noch einmal zu versuchen. Hatte er Kurt Beck noch verspottet, will Karl-Theodor zu Guttenberg nun endlich den „gemäßigten Taliban“ zum gemeinsamen Tee bitten. „Nicht jeder Aufständische bedroht gleich die westliche Gemeinschaft“, begründete der Minister seinen Wandel vom Spötter zum Nachdenker.
Damit freilich verriet Karl-Theodor zu Guttenberg, wie er sich einen „gemäßigten Taliban“ vorstellt: Er darf machen und wollen, was er will, also gegebenenfalls Frauen steinigen und Mädchen einsperren, aber die „westliche Gemeinschaft“ nicht bedrohen. Zivilisierte Menschen mit Prinzipien würden solchen Barbaren die eigenen Werte nicht als Verhandlungsmasse offerieren, Karl-Theodor zu Guttenberg indes scheint bereit, sie so zu verraten.
Lob bekommt der Christenmensch dafür dennoch, beispielsweise von Tom Koenigs, derzeit Bundestagsabgeordneter von „Bündnis 90/Die Grünen“, einer Partei, die die Idee universeller Menschenrechte und die Emanzipation ohnehin auch schon in Deutschland aufgegeben hat. Für Tom Koenigs sieht der „gemäßigte Taliban“ so aus:
„[E]s [gibt] Leute, die aus ideologischen Gründen bei den Taliban kämpfen, es gibt Leute, die dazu gezwungen sind, es gibt aber auch Stämme, die mit der Regierung nicht einverstanden sind und eine lange Tradition des Kampfes gegen diejenigen Stämme haben, die mit der Regierung sind, und mit denen lässt sich natürlich verhandeln [..].“
Ist die afghanische Regierung schon als Übel zu bezeichnen, will diese Leuchte also noch üblere Gesellen zum freundlichen Palaver bitten, die doch einfach nur traditionell gegen jene kämpfen, die mit der Regierung sind, Stockreaktionäre also, denen die Regierung in Kabul nicht reaktionär genug ist. Doch auch jene, für die es „nicht ehrenrührig ist, für Geld zu kämpfen“, sind wohl „gemäßigte Taliban“, käufliche Söldner mithin.
Und mit all diesen Gestalten, man möchte es sich nicht einmal vorstellen, will Tom Koenigs, will vermutlich auch Karl-Theodor zu Guttenberg, eine afghanische Gesellschaft formen, die vor allem dadurch sich auszeichnen soll, daß sie „die westliche Gemeinschaft“ nicht bedroht. Was ist solchen westlichen Konsenssuchern die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen wert? Sie, die Menschenrechte, die zuerst jene sind von Mädchen und Frauen, zählen ihnen offenbar nichts.
Wer allerdings mit einer solchen Einstellung wohl Realpolitik macht, dem ist andererseits eben nicht zu glauben, wenn er gerade sich beruft auf Schulen für Mädchen, wenn er im Bundestag wirbt für ein deutsches Engagement in Afghanistan, mit Schulen, die die „gemäßigten Taliban“ wohl lieber schnell, Vertreter der afghanischen Regierung hingegen etwas langsamer wieder schließen wollen. So oder so, wer „gemäßigte Taliban“ sucht, verrät die Zivilisation.
Zu hoffen ist angesichts solcher Perspektiven traurigerweise nur auf die Taliban und deren Rückgrat, darauf, daß auch weiterhin sich kein „Gemäßigter“ wird finden können, der den Appeasern das Alibi liefert, ihre Werte in Afghanistan und damit letztlich nicht nur da aufzugeben.