Kultur der Barbarei: Karl-Theodor zu Guttenberg als Taliban h.c.

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sucht weiter nach „genäßigten Taliban“. Nebenbei erklärt er dessen Bevölkerung Afghanistan zum naturgegeben demokratieunfähigen Gebiet.

„Ich bin schon länger zu der Überzeugung gelangt, dass Afghanistan gerade wegen seiner Geschichte und seiner Prägung sich nicht als Vorzeige-Demokratie nach unseren Maßstäben eignet. Und wir müssen uns fragen, wer von den Aufständischen stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Staatengemeinschaft dar und wem geht es um afghanische Angelegenheiten. Die Frage der Menschenrechte muss dabei einbezogen werden, ohne die gewachsenen Kulturen in Afghanistan zu ignorieren.“

Folgt man den „Argumenten“ des Karl-Theodor zu Guttenberg, so bestimmen Talibanbanden, die „gewachsene Kultur“, die der Deutschen Vorzeigeminister nun eben auch bei jenen entdeckt haben und beachten will. Afghanistan ist nicht demokratiewürdig, weil es ein paar reaktionäre Islamisten gibt, die in Theorie und Praxis für vorzivilisatorische Barbarei stehen. Mit der aber, weil dies auch eine „gewachsene Kultur“ sei, will der deutsche Verteidigungsminister seinen Frieden machen, ihr Afghanistan ausliefern.

Im deutschen Freistaat Sachsen hält eine NPD-Fraktion sich hartnäckig – und durchaus legitimiert – im Landtag. Die Nazis um Holger Apfel repräsentieren damit wohl auch eine „gewachsene Kultur“. Es gibt „Polit-Superstars“, die meinen, Politik via BILD vermitteln zu müssen – ebenfalls eine „gewachsene Kultur“. Und eine fortgesetzte Zumutung. Aber wenn sie „keine ernsthafte Bedrohung“ darstellen, dann gibt es keinen Grund, diese deutschen Zustände abzulehnen, sie ändern zu wollen?

Sachsen sind eben Nazis, „Polit-Superstars“BILD über Karl-Theodor zu Guttenberg – unterbelichtet und Afghanen demokratieunfähig. Eine „gewachsene Kultur“ kann man nicht ändern, darf man nicht ändern wollen. Was eint hier übrigens Nazis und den Christenmensch Karl-Theodor zu Guttenberg? Sind die einen Rassisten, weil sie Ethnien mit einer „Kultur“ gleichsetzen, die sie gegebenenfalls hier nicht sehen wollen, aber anderwo durchaus schätzen, ist der andere aus dem gleichen Grund natürlich auch einer.

Es ist, was Karl-Theodor zu Guttenberg betreibt, eine Kapitulation vor der Barbarei, er verrät das Individuum, das das Pech hat, in ihr aufzuwachsen und zu leben, an sie. Er will dem Individuum offenbar keine individuellen Rechte, keine individuelle Würde, zubilligen und damit auch nicht die Fähigkeit, mit dem eigenen Schicksal eben gerade auch das der Gesellschaft zu ändern und zu bestimmen – jedenfalls nicht in Afghanistan mit seiner „gewachsenen Kultur“.

Wie sähe das Deutsche Reich wohl heute aus, hätten die Alliierten die judenmordenden Deutschen sich selbst und ihrer sehr national „gewachsenen Kultur“ überlassen oder, als das nicht mehr möglich war, sich leiten lassen von der Maxime, daß Deutschland „gerade wegen seiner Geschichte und seiner Prägung sich nicht als Vorzeige-Demokratie nach unseren Maßstäben eignet“? Es ist traurig wenn Demokratien aus ökonomischen oder anderen Gründen sich arrangieren mit Despotien und Diktaturen.

Peinlicher aber noch sind sie, wenn sie „Polit-Superstars“ hervorbringen, die dieses Verhalten schönzureden versuchen, indem sie den Opfern solcher Umstände bescheinigen, diese verdienten es einfach nicht besser, es passe eben nicht zu ihrer „gewachsenen“ oder auch nur „Kultur“, nach Selbstbestimmung zu verlangen, nach Rechten, von denen selbst die Vereinten Nationen einst erklärten, sie seien universell und unteilbar. Karl-Theodor zu Guttenberg ist kein „Polit-Superstar“, er ist wohl vielmehr ein durchaus rassistischer Verräter „unserer“ Werte.