Die Haltung der SPD

In den vergangenen Tagen gelangte eine – inzwischen ehemalige – Lokalpolitikerin der SPD mit Äußerungen zu überregionaler Bekanntheit, die wohl niemand als »Israelkritik« schönzureden wagen würde, der unfallfrei bis 3 zu zählen vermag. Israel, ließ Melek Hirvali Cizer ihre Anhängerschaft wissen, sei nicht bloß ein Staat, der »Länder überfällt, Einheimische misshandelt und tötet«, sondern gar »babyfressende, weltweit Kinder entführende Agenten« züchte.

Die hätten, so die Politikerin, die es immerhin in den Vorstand des Ortsverbands der SPD in Mannheim-Feudenheim schaffte, weiter, in Israel »das größte Reservoir für Ersatzorgane« aufgebaut. Das Land sei darüber hinaus mit seinen Militärschlägen gegen das islamistische Regime in Teheran verantwortlich für »die massenhaften Flüchtlinge, die gezielt nach EU manövriert werden [sic!]«. Lobend hingegen erwähnte Melek Hirvali Cizer Spanien, das sie »nicht erpressen« lasse.

Stefan Fulst-Blei, der Vorsitzende des Mannheimer Kreisverbands der SPD, nannte die Ausführungen »völlig inakzeptabel« und will mit ihr »sehr deutlich« gesprochen haben. Melek Hirvali Cizer soll darauf alle politischen Ämter und Mandate aufgegeben haben. Doch was nach einem durchaus lobenswerten Umgang mit den hetzerischen Ausfällen und ihrer Verfasserin klingt, muß dennoch nachdenklich stimmen: Denn oberhalb der Kreisverbandsebene der SPD – herrschte Schweigen.

Wie Die Welt schreibt, verwies der Bundesvorstand der Partei, die sich immerhin in ihrem 2007 verabschiedeten Hamburger Programm ihrer »Wurzeln in Judentum und Christentum, Humanismus und Aufklärung, marxistischer Gesellschaftsanalyse und den Erfahrungen der Arbeiterbewegung« rühmt, auf Nachfrage kommentarlos auf den Landesverband Baden-Württemberg, der sich ebenfalls nicht zuständig fühlte und empfahl, sich mit Fragen an den Kreisverband zu wenden.

Das deutsche Staatsoberhaupt, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, hat in vielen Sonntagsreden gefordert, »wir« müßten angesichts des in Deutschland nach wie vor grassierenden Antisemitismus’ »Haltung zeigen«: »Wir müssen zeigen, dass wir keine Form von Antisemitismus, ob alten oder neuen, linken oder rechten, tolerieren – mehr noch, dass wir ihn aktiv bekämpfen. Und dieser Kampf geht uns alle an«. Nur nicht seine Parteifreunde in Berlin und Stuttgart.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert