Die Wichtigkeit einer „Arbeitshypothese“

Die Ausschaltung eines „Hamas-Funktionärs“ – mehr muß der deutsche Medienkonsument nach Ansicht deutscher Medien über Mahmoud al-Mabhouh nicht wissen – in Dubai läßt, wie sollte es anders sein, auch Andrea Nüsse vom Tagesspiegel nicht ruhen. Sie hat deshalb mit „Nahost-Expertin“ Muriel Asseburg gesprochen.

Die Befragte allerdings zeigt sich zunächst wenig auskunftsfreudig. Auf die Frage, ob der Mossad für die Aktion in Dubai verantwortlich sei, erwidert sie: „Ich möchte nicht darüber spekulieren.“ Einer Journalistin, die an Fakten interessiert ist und nicht an bloßen Vermutungen, könnte nun klar sein, daß die „Expertin“ die Frage nach dem Mossad schlicht nicht beantworten kann.

Doch Andrea Nüsse ist eine ganz besondere Journalistin. Und deshalb geht ihre nächste Frage so:

„Wenn wir aber von der Arbeitshypothese ausgehen, dass es der Mossad war: Was bedeutet dies für die Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hamas?“

Sie will also spekulieren. Auf die selten dumme Frage nach dem Verhältnis zwischen Israel und Hamas hätte sie freilich dennoch verzichten können. Wer seine Sinne beisammen hat, weiß, daß „dies“ eben nichts ändert. Die Hamas will Israel beseitigen und alle Juden ermorden. Das ist schwer zu steigern. Und Israel seinerseits wird sich gegen diese wie jede andere Bedrohung wehren.

Aber die „Expertin“ wäre vermutlich keine, erinnerte sie nun Andrea Nüsse und sich selbst an ihre erste Aussage. Also folgen viele Zeilen unter dem Motto: „Wenn es denn der Mossad war“. Und wenn er es nicht war? Diese Frage stellt Andrea Nüsse dann endlich doch noch:

„Möglicherweise sind Ex-Mitglieder der Sicherheitsdienste der Westbank verwickelt. Was bedeutete dies für die innerpalästinensischen Beziehungen?“

Auch hier verweigert die „Expertin“ zunächst jede Spekulation:

„Noch ist nichts bewiesen. Solche Vorfälle werden immer genutzt, um schmutzige Wäsche zu waschen. Es ist wie mit den jüngsten Korruptionsvorwürfen gegen das palästinensische Präsidentenamt: Da wird von irgendeiner Seite versucht, die Spannungen weiter anzuheizen.“

An dieser Stelle könnte es interessant werden, doch Andrea Nüsse hat exakt keine „Arbeitshypothese“. Korruption in der PA des „Palästinenserpräsidenten“ Abu Mazen, die finanziert wird durch die EU, ist ja völlig uninteressant. Mögen auch Millionen Euro „verschwinden“Andrea Nüsse hat wie die „Expertin“ andere Sorgen:

„Da wird von irgendeiner Seite versucht, die Spannungen weiter anzuheizen.“

Und Ende.