Du bist Deutschland

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom Montag über Jugendgewalt in der britischen Hauptstadt London. In der Nacht zum Sonnabend, heißt es da, sei ein 17jährige überfallen und erstochen worden. Nach Angaben von Freunden und Anwohnern habe es sich bei der Messerstecherei um einen „Revierkampf zwischen Jugendlichen“ gehandelt, ein Ereignis, das einerseits nachgerade alltäglich scheint – seit Jahresbeginn gab es fünf tödliche Messerstechereien in der Gegend – und andererseits nicht so bedeutend, daß es eine deutsche Zeitung beschäftigen müßte.

Es gäbe jedenfalls durchaus genug aus Deutschland zu berichten. In Berlin beispielsweise, der von SPD und der Partei Die Linke regierten deutschen Hauptstadt, wurden in der Nacht des „Revierkampfs“ in einer anderen Hauptstadt zwei 23 Jahre alte Frauen und ein 25jähriger von einer Schlägerbande belästigt und, nachdem sie die Frage danach, ob sie Juden seien, bejahten, angegriffen und verletzt. Am Tag zuvor hatte bereits ein 61 Jahre alter Mann in Berlin zwei zehnjährige Mädchen antisemitisch beleidigt und mit einer Bierflasche verfolgt.

Konnte der eine Täter unter Einsatz vom Pfefferspray festgesetzt werden, sind die anderen antisemitischen Schläger, von denen zumindest einem ein Migrationshintergrund nachgesagt werden kann, noch auf freiem Fuß. Sind zwei gewalttätige und unzweifelhaft antisemitisch motivierte Überfälle innerhalb eines Tages und der darauffolgenden Nacht in der deutschen Hauptstadt der überregionalen deutschen Presse eine Meldung wert, und sei es auch nur als Spaltenfüller auf einer hinteren Seite? Nun, Londoner „Revierkämpfe“ sind, scheint’s, wichtiger.

Siehe auch: Unterwegs nach Malmö

1 Comment

  1. […] Ist das aus Sicht unserer Qualitätsmedien wichtig? Nicht so wichtig wie „Jugendgewalt“ in London […]

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