Die Jüdische Stimme der Hamas

Anfang Juni war es schwer, einem zutiefst deutschen Verein, der als Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost – EJJP Deutschland e.V. firmiert, zu entkommen. Ob im Lokalblatt oder dem offiziellen deutschen Staatsrundfunk – überall wurden Edith Lutz und ihre Vereinsschwestern als gute Juden gefeiert, weil sie ein so mitfühlendes Herz haben für Gazas „Palästinenser“.

Die Empathie der Jüdischen Stimme gilt dabei freilich weniger etwa den „Palästinenserinnen“, denen gerade verboten wurde, öffentlich die durchaus traditionelle Wasserpfeife zu rauchen. „Einiges spricht dafür, dass die Islamisten den Gaza-Streifen langfristig in ein Gemeinwesen staatlich verordneter Gottesfurcht umwandeln könnten“, mußte darauf selbst Tomas Avenarius in der Süddeutschen Zeitung einräumen:

„Das Verbot reiht sich in ähnliche Regierungserlasse: Mädchen werden in der Schule angehalten, den Schleier und lange Gewänder zu tragen. Sie dürfen nicht auf dem Motorroller mitfahren. Sie sollen als Anwältinnen mit Schleier vor Gericht auftreten. Männer sollen am Badestrand T-Shirts anziehen, kurze Hosen auf der Straße gelten als dekadent. Und Paare werden auf der Straße befragt, ob sie verheiratet seien.“

Die Jüdische Stimme hat an all dem nichts auszusetzen, sie setzt sich vielmehr ein für die „Regierung“ Gazas, die, wie sie mißbilligend anmerkt, „von der EU als terroristische Organisation eingestuft wird“. Dabei sei die Hamas tatsächlich doch eine „gewichtige politische Kraft und“ – einen „Bruderkrieg“ hat es in Gaza nie gegeben – „Gewinner der letzten Wahlen in Palästina“, weshalb die „diplomatische Ausgrenzung der Hamas beendet werden“ müsse. Der Vorwurf des Terrorismus sei ohnehin unzutreffend:

„[I]sraelische Regierungen haben seit Jahrzehnten die palästinensischen Repräsentanten als ‚Terroristen‘ diffamiert.“

Man muß offenkundig nicht lange suchen, um einen Eindruck davon zu bekommen, als wessen Vorfeldorganisation die Jüdische Stimme in Deutschland sich versteht. Wenn sie klagt, es fehle „den Menschen in Gaza an Freiheit, Menschenwürde und unserer tatkräftigen Solidarität“, so sind damit nicht „Palästinenser“ gemeint, sondern die Hamas, die aus Gaza ein „Gemeinwesen staatlich verordneter Gottesfurcht“ machen will und der genau dafür noch „unserer tatkräftigen Solidarität“ fehlt.

„Ende Juli“ wollten Edith Lutz & Co. entsprechend denn auch mit „eher symbolische[n] Hilfsgüter[n]“ nach Gaza aufbrechen. „Auf keinen Fall wollen die jüdischen Helfer Ägypten oder den israelischen Hafen Ashdod anlaufen und dort die Hilfsgüter auf Lastwagen umladen. Zu groß sei das Misstrauen, so Katzenstein-Leiterer, ob tatsächlich alle Spenden ihr Ziel erreichten.“ Mittlerweile ist aus der Zeitangabe ein „spätestens August“ geworden, am Ziel hat indes sich nichts geändert: Sie wolle „auf den ‚politischen Aussagewert‘ achten, sagt Edith Lutz“.

Das tut sie. Zweifellos.