Erich Follath rettet den Ruf des Islam

Erich Follath, der gern Reden geschrieben hätte für den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier, dann aber doch nur SPIEGEL-Schreiber bleiben mußte, weiß, wie es zugeht in der Welt, wo die Guten und wer die Bösen sind.

Ganz schlimm beispielsweise trieb es der ehemalige US-Präsident George W. Bush. Der erklärte zwar am 17. September 2001 im Islamic Center in Washington, daß Terrorismus nicht den Islam repräsentiere, daß der Islam vielmehr für Frieden stehe.

„America counts millions of Muslims amongst our citizens, and Muslims make an incredibly valuable contribution to our country. Muslims are doctors, lawyers, law professors, members of the military, entrepreneurs, shopkeepers, moms and dads. And they need to be treated with respect. In our anger and emotion, our fellow Americans must treat each other with respect.“

Doch das war offenbar nicht genug. „George W. Bush ließ die Muslime der Welt seine Vorbehalte spüren.“ weiß nämlich Erich Follath im aktuellen SPIEGEL zu enthüllen, für den er sich mit dem Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad unterhielt.

Manchmal verrät ein Interview mehr über den Fragesteller und dessen Weltbild als über den Befragten. Von Erich Follath erfahren wir denn auch, was die „islamische Welt“ umtreibt, wo bestimmt wird, was in Washington geschieht:

„Bis heute prangert die islamische Welt mit einigem Recht an, dass ein auf Israel eingeschworenes Washington im Nahen Osten mit zweierlei Maß misst.“

Erich Follath hat glücklicherweise überhaupt keine Vorurteile. Sein Gesprächspartner allerdings, scheint’s, will ihn nicht richtig verstehen. „All das ist aber keine Rechtfertigung für Gewalt.“ läßt er Erich Follath abblitzen, dem nun nichts mehr bleibt, als zum großen Aber zu greifen:

„Aber warum verbinden Sie den Terror so ursächlich mit dem Islam? Warum führen Sie ihn nicht auf die elenden Lebensumstände zurück, auf die Chancenlosigkeit, die arabische Gewaltherrscher zu verantworten haben, oft enge Verbündete des Westens?“

Der Westen war eben noch maßgeblich „ein auf Israel eingeschworenes Washington“, das „im Nahen Osten mit zweierlei Maß misst.“ Nun sind, seltsamer Ausdruck dieser Ungleichbehandlung, „arabische Gewaltherrscher“ doch „oft enge Verbündete des Westens“.

Hamed Abdel-Samad freilich will schon wieder nicht antworten, was Erich Follath von ihm hören möchte. „Weil die Terroristen sich auf die Religion berufen. Und weil Armut nicht die Ursache von Terror ist.“

Da muß der SPIEGEL-Autor aber widersprechen, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf:

„Seltsam. Wir klagen nicht die Christenheit an, wenn nordirische Splittergruppen im Namen der Religion morden. Wir nehmen nicht das Judentum ins Gebet, wenn ein Terrorist in Hebron Dutzende Muslime in der Grabstätte Abrahams abschlachtet und sich dabei auf Jahwe beruft.“

Seltsam, oder? Nein, meint Hamed Abdel-Samad:

„[Aber gerade beim Islam] ist es anders. Weil die Gewalt sich mit der Kultur verbündet hat.“

Erich Follath will sich noch nicht geschlagen geben; „… behaupten Sie …“, wirft er daher vorurteilsfrei und überzeugend ein. Da kann Hamed Abdel-Samad nur noch den Rückzug antreten:

„… und sich die Täter überdurchschnittlich oft auf den Koran berufen. Deswegen brauchen wir dringend Häretiker, die tabulos und ketzerisch alles an dieser Religion in Frage stellen.“

Doch da sei ein Erich Follath vor. „Machen Sie nicht den Fehler vieler radikaler Islamkritiker, die gesamte Religion mit all ihren Ausprägungen über einen Kamm zu scheren?“ wollte er etwas früher wissen.

Daß ihm und seinesgleichen dieser Fehler je passieren könnte, ist ja zum Glück für den Islam ausgeschlossen.