Jacob Laksin: Die sich selbst umbringen

Während die Zerstörung einer UNRWA-Schule in Gaza, die von arabischen„palästinensischen“ Terroristen wiederholt dazu genutzt wurde, Raketen auf Israel abzufeuern und die sie damit – unter den Augen der Vereinten Nationen – zum legitimen militärischen Ziel verwandelten, allerorten beklagt und dabei notorisch vergessen wird, daß es außerdem ebenfalls die Hamas war, die mit ihren Raketen-Angriffen auf Kindergärten in Israel die völkerrechtlichen Maßstäbe setzte, wird noch eine weitere Lehre, die aus dem Bestehen und Wirken der Hamas und anderer Terroristen-Banden zu ziehen wäre, gänzlich vergessen. Dagegen wendet Jacob Laksin sich in seinem Beitrag „Killing Their Own“, der im FrontPageMag erschien und hier in deutscher Übersetzung präsentiert wird:

Die sich selbst umbringen
von Jacob Laksin, FrontPageMagazine.com, 06.01.2009

Die israelische Militäroffensive in Gaza traf von Beginn an auf die prompte Verurteilung durch die internationale Gemeinschaft, sie wurde begleitet von Warnungen vor „unverhältnismäßigen Reaktionen“ bis hin zu Klagen über zivile Opfer. Und während Israel sich bemüht, unschuldige Tote während der Operation Cast Lead zu vermeiden, was mit hohem Risiko für die kämpfenden Frauen und Männer verbunden ist, wird der einfachen Tatsache weitaus weniger Beachtung zuteil, daß die Hamas-Banditen die vergangenen Tage damit zubrachten, vorsätzlich Palästinenser anzugreifen und zu ermorden. So, wie sie es schon seit Jahren machen.

Wie die Jerusalem Post berichtete, hat die Hamas seit Beginn der israelischen Offensive mehr als 75 Bewohner Gazas durch Schüsse in die Beine oder das Brechen der Handgelenke verletzt; mehr als 35 wurden durch Hamas-Mitglieder hingerichtet, die ihnen vorwarfen, „Kollaborateure“ Israels zu sein. Selbstverständlich ist Gaza nicht voller israelischer Spione, und die meisten Opfer der Hamas waren nicht nur keine Verräter, sondern wählten im Januar 2006 sogar die Hamas. Dieser jüngste innere Terror der Hamas ist damit vielmehr das jüngste Beispiel dafür, daß die Terroristen sich gegen ihre Mit-Palästinenser richten – ein selten erwähnter Kreislauf von Gewalt, in dem sich die Palästinenser als ihr eigener schlimmster Feind zeigen.

Die brudermörderischen Tendenzen der Hamas reichen zurück bis zu ihrer Gründung 1987. In ihrem 1996 erschienenen Buch „God has ninety-nine Names“ berichtet Judith Miller, frühere Bürochefin der New York Times in Kairo, daß die Hames in den wenigen Jahren ihres Bestehens sich als „tödlicher für Palästinenser als für Israelis“ gezeigt hat. Während der ersten Intifada in den Jahren 1987 bis 1993 ermordete die Hamas 26 israelische Bürger, aber viele der 800 Palästinenser die als angebliche israelische „Kollaborateure“ ermordet wurden. Allein 1992 wurden nach Angaben des Nahost-Analysten Mitchell Bard mehr als 200 Palästinenser durch andere Palästinenser ermordet – das ist mehr als doppelt soviel im Vergleich mit der Zahl von Palästinensern, die in Kämpfen mit israelischen Sicherheitskräften umkamen.

Ermordet als Helfer Israels, waren die meisten in keinster Weise Kollaborateure. „Vielmehr“, bemerkt Judith Miller, „handelte es sich um Frauen, die Hosen trugen, und andere ‚Prostituierte‘, wie Hamas unverschleierte Frauen bezeichnet; es waren Alkoholiker, Nutzer von Drogen, Lehrer, die der Hamas nicht gefielen, Marxisten, Atheisten, einen Darwinisten, Freudianer, Mitglieder des Rotary bzw. Lions Clubs – die die Charta der Hamas als jüdische Spionageorganisationen bezeichnet – und insbesondere Unterstützer der PLO, der Hauptrivale der Hamas im Kampf um die Macht in den israelisch besetzten Gebieten“.

Selbst jene, die „schuldig“ waren, waren das nicht unbedingt, weil sie etwa Verrat begingen, sondern weil die Hamas Juden schlicht haßt. Jeder Kontakt mit Juden barg das Risiko, als „Kollaborateur“ zu enden. So geschah es im Oktober 1989, als ein siebenfacher palästinensischer Vater in Jericho in der West Bank erstochen wurde, weil er das unverzeihliche Verbrechen begangen hatte, „Pflanzen-Dekoration“ an Juden Juden zu verkaufen, die eine traditionelle Laubhütte zu Sukkot bauen wollten.

Diese gezielten Morde an Palästinensern markieren keine Abkehr von der Gründungsvision der Hamas, sondern ihre Erfüllung. Als ein Ableger der ägyptischen Muslim-Bruderschaft vertrat die Hamas stets deren Ansicht, daß ihr Heiliger Krieg nur dann erfolgreich sein kann, wenn ihre Rivalen – echte oder eingebildete – eliminiert werden. Dementsprechend wurde die erste Sicherheitsabteilung der Hamas, die Jehaz Aman, durch den älteren Scheich Ahmed Yassin 1983 mit dem ausdrücklichen Auftrag gegründet, „Ketzer“ und „Kollaborateure“ zu eliminieren. In gleicher Weise terrorisierten die Kassam-Brigaden, der „militärische Arm“ der Hamas, Palästinenser, bevor sie zu einer Gefahr wurden für Israelis. In „Hamas“, seiner 2007 erschienenen Geschichte der Terroristengruppe, bemerkt Matthew Lewitt, daß es zu den ersten Aufgaben der Kassam-Brigaden gehörte, „verdächtige Kollaborateure zu entführen und umzubringen“. Die jüngste Flut von Hinrichtungen in Gaza legt nahe, daß sie diese Tradition fortsetzt.

Selbstverständlich hat die Hamas kein Monopol zum Ermorden von Palästinensern. Die von der rivalisierenden Palästinensischen Autonomiebehörde (Palestinian Authority, PA) angehäuften Leichenberge können problemlos mit denen ihrer islamistischen Konkurrenz verglichen werden, wie sich während der 2. Intifada zeigte, die 2000 begann. Es waren nicht, wie weitgehend irrtümlich angenommen wird, israelische Übergriffe, sondern einmal mehr stellte interne palästinensische Gewalt die größte Bedrohung für Palästinenser dar. Innerhalb einer einzigen Woche im März 2002 ermordeten beispielsweise bewaffnete Angehörige der PA sieben Palästinenser, denen sie vorwarfen, israelische Agenten zu sein. Die Leiche eines „Kollaborateuers“ schleiften die Mörder durch die Straßen Bethlehems und versuchten dann, die Überreste an einem Hausdach über dem Manger Square aufzuhängen. Der Körper eines anderen unglücklichen Opfers wurde an den Füßen über einem Kreisverkehr in Ramallah aufgehängt. Weitere wurden von einer Straße in der West Bank entführt und in einem verwaisten Schlachthaus exekutiert.

Bezeichnenderweise unternahm die PA nicht einmal den Versuch, ihre Verantwortung für die Morde zu leugnen. Abu Mujahid, ein Sprecher der Al Aqsa-Märtyrer-Brigaden, der Terror-Abteilung der PA, rechtfertigte die Bluttaten vielmehr, diese als „Kollaborateure“ Verdächtigte seien „gefährlicher als die Israelis“.

Weiterhin ist die tödliche Rivalität zwischen der Hamas und der PA ein Grund für interne Kämpfe. Erst 2007 lieferten beide Seiten sich einen blutigen Bürgerkrieg, in dessen Verlauf sie täglich Greueltaten begingen. Im Juni 2007 stürzten Hamas-Militante in einem besonders sadistischen Vorfall den 25 Jahre alten Mohammed Sweirki, einen Angehörigen der mit der PA verbündeten Security Forces, vom Dach eines 15 Etagen hohen Hauses in den Tod. Die Fatah reagierte mit einer eigenen Terror-Kampagne, indem sie Moscheen, die mit der Hamas in Verbindung gebracht wurden, plünderten und in der West Bank Hamas-Mitglieder entführten.

Der Preis, den die Palästinenser zahlen mußten, war hoch. Bis Juni 2007 wurden schätzungsweise 616 Palästinenser während der Kämpfe zwischen den Rivalen getötet, was Mahmoud Abbas, den Präsidenten der PA, veranlaßte zu der Klage, die Gefahr, die von den Palästinenser für sich selbst ausginge, überschreite die „Gefahr der Okkupation“ durch Israel. Diese Realität jedoch interessierte die Medien nur wenig, die sich stattdessen dazu entschieden, die Auswirkungen des israelischen ökonomischen Boykotts beispielsweise auf „Erdbeer-Farmer“ zu thematisieren, was zu ihrer Grundhaltung paßte, im jüdischen Staat den wahren Aggressor im israelisch-palästinensischen Konflikt zu sehen.

Es liegt bittere Ironie in dieser Geschichte interner Gewalt. So sehr die Palästinenser Israel auch hassen, sind es ausgerechnet israelische Streitkräfte, die sich abrackern, Zivilisten zu schützen und die in der Vergangenheit unschuldig Verletzte retteten – zum Beispiel als sie 2002 bei einem Vorstoß nach Gaza palästinensische „Kollaborateure“ aus dem Gefängnis befreiten. Und trotz den unter Palästinensern zum einenden nationalen Ethos erhobenen Anschuldigungen, Israel sei verantwortlich für ihre Leiden, sind es die Palästinenser doch selbst, die ihrer Sache die größte Gewalt antun. Man muß nur nach Gaza blicken, wo die Popularität der Hamas in dem Maße wuchs, wie sie zur Hauptgefahr für palästinensisches Leben wurde, indem sie mit ihren Raketen ein israelisches Vorgehen in bewohnten Gebieten herausforderte und indem sie Bewohner Gazas terrorisierte, die sich der despotischen Herrschaft der Hamas nicht anpassen wollten.

Die größte Tragödie der Palästinenser ist, daß sie ihr Leid selbst schaffen. Und so bleibt, auch wenn Israel erfolgreich sein mag bei der Ausschaltung der Bedrohung durch Raketen der Hamas, eine Frage offen: Wer wird die Palästinenser vor sich selbst schützen?