Friedenstauben schockiert: War Cast Lead ein Verbrechen?

Ulrike Putz ist „schockiert“: „Zum ersten Mal sind Berichte israelischer Soldaten über ihren Einsatz im Gaza-Krieg veröffentlicht worden – unzensiert.“ Mitte Februar hatten israelische Soldaten mit Wehrpflichtigen über Erlebnisse während der Operation Cast Lead an der Militärakademie Itzak Rabin in Tivon diskutiert und dabei – unbestätigt – von gezielten Schüssen auf Zivilisten berichtet und von Vandalismus.

Auch jeder Parteinahme zweifellos gänzlich unverdächtige „Beobachter“, „Experten“ und sonstige Hüter des Menschenrechts auf „Israelkritik“ geben sich überrascht und „entsetzt“. Richard Falk, UN-Beauftragter für Menschenrechte in den „Palästinenser“-Gebieten, beispielsweise nannte den IDF-Einsatz gegen die Hamas prompt ein „Kriegsverbrechen“ von „ungeheurem Ausmaß“, um, Vorverurteilungen liegen ihm fern, eine „unabhängige Untersuchung“ zu fordern.

Israelische Streitkräfte hätten, weiß er, unschuldige „Schulen“ angegriffen, unbewaffnete „Moscheen“ und ausschließlich der Versorgung Verletzter dienende „Ambulanzen“. Zudem verurteilte er den „völkerrechtswidrigen“ Einsatz von Phosphor. Überhaupt stelle die „Aggression“ gegen die Hamas, so der geschockte UN-Blockwart, ein „Verbrechen gegen den Frieden“ dar.

All die Berichte, meint nicht nur Ulrike Putz, „stehen im krassen Widerspruch zu der oft beschworenen moralischen Überlegenheit der israelischen Armee“ und könnten „Israel-Kritikern als Beweis dafür dienen, dass der rücksichtslose Umgang mit Zivilisten während des Angriffs geplanter Bestandteil der Kriegsführung war“. Das nämlich hatten die „Israelkritiker“ so wenig zu denken gewagt wie die Vertreter der Vereinten Nationen vor Ort. Überraschung also allerorten. Und – „Entsetzen“.

Dabei sind es natürlich gerade Berichte über mögliche Fehlleistungen von Soldaten und/oder Vorgesetzten, die sehr wohl belegen, daß den israelischen Streitkräften die Einhaltung moralischer Grundsätze überaus wichtig ist. Und zwar auch im Kampf gegen einen Feind, dessen Moral es erlaubt, sich unter Zivilisten zu verstecken und so deren Gesundheit und Leben zu gefährden – eben im Vertrauen auf die Moral der IDF.

Es zeichnet die israelische Gesellschaft ebenso aus wie ihre Armee, daß sie mit den Vorwürfen offen umgeht, sie – wie schon zuvor andere Anschuldigungen – durchaus ergebnisoffen untersucht, um daraus Lehren zu ziehen – ein Handeln, das etwa von Hamas und Fatah noch nicht einmal erwartet wird. Gegen Ankläger freilich, die lautstark als Gewißheit verkünden, was doch noch gar nicht belegt ist, kommt keine Untersuchung – tatsächlich unabhängig oder nicht – an.

Das internationale Urteil über Israel und seine Streitkräfte stand doch vor Cast Lead so fest wie nach dem (vorläufigen) Ende der aktiven Terroristen-Bekämpfung. Und daran kann eine Mitteilung (Die linke Haaretz meint bezeichnenderweise, diese sei „zu spät“ gekommen.), daß zum Beispiel die Geschichte über die Erschießung einer Mutter und zweier Kinder durch IDF-Angehörige auf Gerüchten beruht, nichts ändern – das völlige Ausblenden der Verbrechen der Hamas spricht da eine allzu deutliche Sprache.

Und so zeigt die Aufregung dieser Tage nur einmal mehr, mit welch unterschiedlichen Maßstäben Israel einer- und von eliminatorischem Antisemitismus angetriebene Terroristen andererseits gemessen werden. Das ist nicht sonderlich neu und wenig originell, erschreckend ist es dennoch.