Süddeutsche Gerüchteküche

Spät, aber dann doch noch, kommt auch die Süddeutsche Zeitung mit dem gebotenen Entsetzen. „Die Aussagen der Soldaten [..] sind von großem Wert, da wegen Israels Militärzensur bislang keine Berichte über die Einsatzbefehle im Gaza-Krieg bekannt geworden waren. Und sie sind haarsträubend“, jubelt Thorsten Schmitz auf Seite 1, um dem so eingestimmten Leser den kindermordenden zionistischen Schlächter zu präsentieren:

„Die Moral, sagt ein Soldat, der seine Identität hinter dem Pseudonym ‚Ram‘ versteckt, sei beiseite geschoben worden. Er beschreibt, wie einer seiner Kameraden eine ältere Palästinenserin erschossen habe: ‚Du siehst eine Person auf der Straße. Sie muss keine Waffe mit sich tragen, du musst sie nicht identifizieren. Du kannst sie einfach erschießen. In unserem Fall war es eine ältere Frau.‘ Er nenne das ‚kaltblütigen Mord‘.

Ein Kamerad von ‚Ram‘ berichtet, wie eine Mutter und zwei Kinder von einem Scharfschützen getötet worden seien, weil sie die Anweisung, nach links zu gehen, verwechselt hätten und nach rechts gegangen seien.“

Nun sind jene „Berichte“, die „die bereits vorigen Monat während einer Versammlung an einer Militärakademie gemacht und erst jetzt [..] veröffentlicht wurden“ dummerweise eben nicht mehr neu, sondern schon seit einigen Tagen bekannt. Und in diesen Tagen geschah doch einiges, das Thorsten Schmitz nicht wahrnahm, wahrnehmen wollte oder, entlarvender, nicht mitteilen will, weil es nicht zu seiner Agenda paßt.

Was er nämlich als Augenzeugenberichte nicht einmal mehr anzweifelt, ist mittlerweile als Beleg für einigermaßen berichtigte Kritik an konkretem militärischen Vorgehen nichts mehr wert, taugt allenfalls noch als „Beweis“ für „Israelkritiker“ – und als Beleg für die Qualitäten eines Thorsten Schmitz und einer Süddeutschen Zeitung.

Der Soldat „Ram“, angeblicher Augenzeuge „von großem Wert“, hat öffentlich eingeräumt, genau das nicht zu sein. Er beschreibt vielmehr, wie Yaacov Lozowick völlig richtig anmerkt, etwas, das er gehört haben will:

„Um es genau zu sagen: Der tragische Tod der Frau und ihrer beiden Kinder ist unzweifelhaft; das Gerede über eine ‚allgemeine Stimmung‘ und so weiter beruht auf Hörensagen. Ram unterstellt, daß der Schütze erklären würde, er habe nur Befehle ausgeführt – eine schwerwiegende Behauptung, wenn es solche Befehle gab -, weiß es aber nicht. Er suggeriert, daß er, wäre er auf jenem Dach postiert gewesen, es besser gewußt hätte – und das mag richtig sein. Oder auch nicht. Der Teufel steckt – wenn auch nicht höchstpersönlich – in den Details: War es Tag oder Nacht? Waren die Kinder Knirpse oder Teenager? Hat der Schütze sie erkannt oder konnte er sich auch leicht für etwas anderes als Kinder halten? Diese Fragen machen den Unterschied aus zwischen dem Durcheinander eines Krieges und einem heimtückischen Mord.“

Diese Fragen, deren Behandlung auch den Unterschied ausmacht zwischen seriöser Berichterstattung und billigster Propaganda, müßten, erklärt Yaacov Lozowick weiter, mindestens von professionellen Ermittlern untersucht und nicht vor einem Scheingericht, dessen Urteil schon feststeht, verhandelt werden.

Fragwürdig indes sind die nicht zuletzt von Thorsten Schmitz, der es besser wissen könnte, als „von großem Wert“ bezeichneten Aussagen in jedem Fall, denn sie offenbaren zunächst eben nichts als eine blühende Phantasie des „Zeugen ‚Ram'“. Ihre Verwendung durch die Süddeutsche Zeitung jetzt und als Beweis zeigt deren „Qualität“.

In dieser Hinsicht allerdings sind sie in der Tat von sehr großem Wert.

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