Michael Martin, irischer Außenminister, gibt sich, wird er danach befragt, überzeugt, daß die „humanitäre Situation“ in Gaza „inakzeptabel“ ist. Dennoch verspürte er den Drang, ein wenig Katastrophentourismus zu betreiben, aufzubrechen, um vor Ort die „humanitäre Situation“ zu „untersuchen“ – möglicherweise diese gar bei einem Treffen mit freundlichen Hamas-Krisenbewältigern zu erörtern. Doch aus dem Vorhaben wurde nichts.
Es wurde, klagt der Minister Michael Martin, nämlich böswillig vereitelt vom finsterbösen Israel, das er auch besuchen wollte und ihm einfach grundlos und unbegründet absagte. Und nun ist der Ärmste zwar weiterhin sicher, daß da in Gaza etwas „inakzeptabel“ ist, sieht aber zudem noch sich als Opfer der zionistischen Blockade Gazas, an der freilich offenbar nur besonders helle Köpfe zu scheitern vermögen. Dümmere reisen über Ägypten oder per Free Gaza-Seelenverkäufer.
Nicht unwahrscheinlich scheint allerdings auch die Darstellung des israelischen Außenministeriums. Dessen Sprecher Yigal Palmor erklärt nämlich, der irische Politiker habe zwar eine Reise nach Israel ohne Abstecher nach Gaza geplant, jedoch, nachdem die Vorbereitungen schon weit gediehen waren, aus terminlichen Gründen selbst abgesagt. Er, Michael Martin, müsse an Treffen im irischen Parlament teilnehmen und daher die für März geplante Visite zumindest verschieben.
Wenn ein Politiker seine Termine nicht recht im Griff hat, so muß ihm das peinlich sein. Seiner Karriere jedenfalls dürfte derlei verwaltungstechnische Inkompetenz nicht unbedingt förderlich sein. Mehr Ruhm hingegen verspricht die Selbstinszenierung als Opfer Israels, als dessen „Kritiker“ man ohnehin zuvor schon auftrat – wofür man nun eben „bestraft“ werde. So bringt Dummheit Punkte nicht nur daheim, sondern auch Beifall von den Mullahs.
Und darauf kommt es ja schließlich an.