In Gaza, das gemeinhin als „Trümmerwüste“ gilt, obgleich selbst „Menschenrechtsaktivisten“ sich schon begeistert über Luxushotels zeigten, reißt die Hamas Häuser ab, die, so ihre Erklärung, von „Palästinensern“ illegal errichtet wurden. Die Nachricht von Bulldozern in Rafah erregt allerdings erstaunlich wenig Aufsehen in den Medien.
Und die Darstellungen widersprechen sich. Die Tagesschau – nicht die tagesschau – etwa erzählt von verprügelten Bewohnern und solchen, die nun „in den staubigen Trümmern nach Kleidung und noch brauchbaren Möbelstücken“ suchen. Im Standard hingegen kommt der „Bürgermeister“ von Rafah zu Wort, der von wenigen und zudem „unbewohnten Gebäuden“ spricht.
„Das geräumte Gebiet solle für ein neues Bildungsprojekt genutzt werden. ‚Wir haben in Einklang mit dem Gesetz gehandelt und diese Häuser entfernt‘, sagte Al-Nashar.“
Bewohner unbewohnter Häuser können nicht verprügelt werden. Sie können, ist anzunehmen, auch nicht erwarten, in den Trümmern etwas zu finden. Und eigentlich haben sie auch keinen Grund zu Klagen. Und doch zitiert die Tagesschau eine Narisa Abu Dschara mit diesen Worten: „Wir können es uns nicht leisten, noch einmal zu bauen“.
Das wirft eine nächste Frage auf. Gaza ist ja nicht nur eine „Trümmerlandschaft“, sondern auch noch „Opfer“ einer gar fürchterbaren „Blockade“, die sich vor allem durch „desaströse humanitäre Folgen“ auszeichnet, zumal Israel „kein Material zum Wiederaufbau“ nach Gaza läßt. Und doch kann die Hamas ein „Bildungsprojekt“ ankündigen?
Fest steht also nur, daß die Hamas von ihr als illegal angesehene Häuser in Rafah zerstört(e). Ob sie bewohnt waren oder nicht, darüber läßt sich nur spekulieren. Weshalb Häuser unbewohnt in der „Trümmerlandschaft“ Gaza herumstehen könnten, wo doch brauchbarer Wohnraum knapp sein soll, auch das ist ein Rätsel.
Bis jetzt haben die anerkannten Spitzenkräfte des deutschen investigativen Nahost-Journalismus – Sebastian Engelbrecht, Ulrike Putz und Richard C. Schneider – sich noch nicht zum Geschehen in Rafah geäußert. Gewiß aber liegt das nur daran, daß sie noch recherchieren, um alle Widersprüche um die Hamas–Bulldozer in Gaza auszuräumen.
Wir warten gespannt.