Auch in den vergangenen Tagen ist es israelischen Sicherheitskräften nicht gelungen, die Situation um die Ortschaft Qusra in den umstrittenen Gebieten zu beruhigen und unter ihre Kontrolle zu bringen. Extremisten belagern dort bereits seit mehreren von »Palästinensern« bewohnte Grundstücke und hindern diese auch mit Gewalt daran, ihren alltäglichen Aktivitäten nachzugehen. In den letzten Tagen sollen die Extremisten in ein bewohntes Haus eingedrungen sein.
Drückte sich der israelische Premier Benjamin Netanjahu lange, zu lange, davor, sich von den Extremisten, die mit ihrem verantwortungslosen Verhalten die Autorität der israelischen Sicherheitskräfte und die Souveränität des jüdischen Staates offen untergraben, zu distanzieren, hat er in einer Stellungnahme jetzt die »kriminelle Gewalt einiger gesetzloser Randalierer« verurteilt, die mit ihren Taten dem »Ansehen der gesetzestreuen jüdischen Gemeinschaft« schadeten.
Ist dem Likud-Vorsitzenden in seiner Einschätzung zwar kaum zu widersprechen, wirkte sie gleichwohl glaubwürdiger, versuchte Benjamin Netanjahu nicht selbst, sie gleich wieder zu verwässern: In einem Interview warb er fast schon um Verständnis für jene, die und deren Vorgehen gegen »Palästinenser« er eben noch »gesetzlos« genannt hatte, indem er ihnen entschuldigend ein Leben in »schwierigen Verhältnissen« und voller Herausforderungen attestierte.
Welche Botschaft sendet ihr amtierender Regierungschef damit all jenen Menschen, die, ob nun in Tel Aviv oder in Ari’el, sich mühen, ein Leben im Einklang mit den Gesetzen zu führen? Und wie kommen seine Ausführungen erst recht bei denen an, die Tag für Tag und oft unter Einsatz von Gesundheit und Leben Gesetz und Rechtsstaat schützen und verteidigen sollen? Benjamin Netanjahu scheint mehr und mehr zu vergessen, wessen Ministerpräsident er – noch – ist.