Aufregende Lektüre

In den letzten Jahren erschienen in Deutschland einige Bücher, deren Verfasser dem staunenden Publikum zu erklären versuchten, daß und wie eine mächtige Lobby versuche, nicht nur in Deutschland jegliche »Kritik an Israel« in Verruf und zum Verstummen zu bringen. So klagte etwa der »linke« Politiker Wolfgang Gehrcke in »Rufmord« über eine »Antisemitismus-Kampagne gegen links«.

Abraham Melzer glaubte, mit »Die Antisemitenmacher« belegen zu können, daß eine einflußreiche Lobby existiere, die die Meinungsfreiheit in Deutschland gefährde, während sein Kompagnon Moshe Zuckermann in »Der allgegenwärtige Antisemit« den Blick auf mit ihr verbündete Antideutsche lenkte, über deren Umtriebigkeit sich jüngst auch Gerhard Hanloser um seinen Restverstand schrieb.

Wer es sich zum Hobby gemacht hat, solche zuweilen durchaus aufregenden Dokumente geistigen Verfalls ins Buchregal zu stellen, den beglückt jetzt der Berliner Metropol-Verlag mit einem von Wolfgang Benz herausgegebenen Sammelband, dessen Autorinnen und Autoren es unter dem Titel »Streitfall Antisemitismus« mühelos gelingt, das indiskutable Niveau ihrer Vorgänger fortzuschreiben.

Der Herausgeber, einst ein Antisemitismus-Forscher von einigem Rang, blamiert sich heute in »Vorurteilsforschung«, wenn er sich etwa im Deutschlandfunk als Opfer inszeniert: »Man liest in der Jerusalem Post – ich nehme an, das ist die schlechteste Zeitung der Welt – dass ich ein Antisemit und Holocaust-Leugner bin«. Nur hat die Jerusalem Post jedenfalls gegen ihn diese Vorwürfe nie erhoben.

Besteht bei Abraham Melzer ein Beweis seiner Thesen in der Mitteilung, er könne sich »vorstellen«, ein Buch, das ihm nicht gefällt, sei »in der deutschen Abteilung des riesigen Propaganda-Ministeriums in Jerusalem geschrieben« worden, läßt Wolfgang Benz Micha Brumlik von mißliebigen Autoren fabulieren, »bei denen im Übrigen auch zu fragen wäre, [..] in wessen Sold sie sich betätigen«.

Gibt sich Christiane Habermalz im Deutschlandfunk dennoch begeistert, »das Buch« sei »ein wichtiger Beitrag zu einem hochbrisanten Thema, der Expertise und Argumente liefert«, ist es der Seriosität dieses »wichtigen Beitrags« gewiß nur angemessen, die Frage zu stellen, wie teuer wohl dieses Lob war. »Streitfall Antisemitismus« scheint eine gelungene Ergänzung eingangs erwähnter Werke.