Schlagwort: Antisemitismus

Totalversagen

Es ist wieder Zeit für Floskeln. In München ging am Freitag eine Demonstration unter dem Motto »Jerusalem für alle« offenbar gründlich schief: »Ihr benehmt euch wie Tiere«, kapitulierte eine entsetzte Veranstalterin schließlich vor einem Mob, der – von weitgehend passiver Polizei begleitet – mit antisemitischen Parolen die Vernichtung Israels forderte und zum Mord an Juden aufstachelte.

Auch in Berlin, der deutschen Hauptstadt, marschierten am Wochenende mehrfach Antisemiten unter türkischen Flaggenund denen von Fatah, Hamas und PLO auf, um sich – wiederum schaute die Polizei lange zu – zu benehmen »wie Tiere«. Juden wurde der Tod gewünscht, ihre Symbole verbrannt und israelische Fahnen. Und der deutschen Politik fielen, wenn überhaupt, nur Floskeln ein.

»Wir akzeptieren nicht, wenn Juden oder der Staat Israel auf diese beschämende Weise beleidigt werden«, erklärte der amtierende Innenminister Thomas de Maizière, nachdem das Inakzeptable nicht mehr rückgängig zu machen war; Justizminister Heiko Maas deklarierte, »jede Form von Antisemitismus ist ein Angriff auf uns alle. Antisemitismus darf nie wieder einen Platz haben«.

Auch Außenministerdarsteller Sigmar Gabriel, der in Teheran mehr Freunde haben dürfte als in Jerusalem, wirkt wenig glaubwürdig, zählt ausgerechnet er Gemeinplätze auf: Es gebe »keinerlei Recht und auch keine Rechtfertigung, israelische Fahnen zu verbrennen, zu Hass gegen Juden aufzuwiegeln oder das Existenzrecht Israels infrage zu stellen«, zitiert ihn eine Boulevardzeitung.

Da muß man beinahe die Ehrlichkeit des Unionspolitikers Jens Spahn loben, der mit den Worten, »wir brauchen ein starkes gesellschaftliches Zeichen gegen Antisemitismus«, jeden Gedanken an ein entschlossenes Handeln der Politik von sich weist und die Verantwortung auf die »Zivilgesellschaft« abwälzt. Damit indes lenkt auch er nur vom eigenen Versagen ab und hofft auf die Falschen.

Von der Website, die ein Mädchen, das sich dem Antisemitismus seiner Mitschüler widersetzt, als »Denunziantin« diffamiert, bis hin zur tagesschau, die raunt, US-Präsident Donald J. Trump »dürfte sich« mit seiner Entscheidung zu Jerusalem »israelfreundlichen Spendern verbunden fühlen, deren Millionen 2016 halfen, seinen Wahlkampf zu finanzieren« – Antisemitismus ist hier allgegenwärtig.

Daß er nur noch wahrgenommen wird, manifestiert er sich besonders laut oder besonders gewalttätig, offenbart, wie sinnlos es ist, an diese »Zivilgesellschaft« zu appellieren, und zugleich offenbart der Verweis auf sie, wie herzlich gleichgültig den politischen Eliten Deutschlands der Antisemitismus ist. Spricht nicht zuletzt auch das ganz laute Schweigen von Kanzlerin Angela Merkel Bände?

Nachtrag: Der Bundesvorstand der CDU twittert, Angela Merkel habe »Verletzungen der rechtsstaatlichen Grundsätze der vergangenen Tage u.a. in Berlin« verurteilt.

Würdelose Unterwerfung

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ist nicht berüchtigt dafür, sich spontan zu tagespolitischen Fragen zu äußern. Ihr wird sogar vorgeworfen, sie sei viel zu zurückhaltend, so daß man nicht wisse, was sie will. Kaum jedoch hatte Donald J. Trump am Mittwoch sich zur Zwei-Staaten-Lösung ebenso wie zur israelischen Hauptstadt Jerusalem bekannt, wußte sie, was davon zu halten sei:

»Die Bundesregierung unterstützt diese Haltung nicht, weil der Status von Jerusalem im Rahmen einer 2-Staaten-Lösung auszuhandeln ist.«

Sie, die sich mit Sigmar Gabriel einen Außenministerdarsteller hält, der es bei seinem letzten Besuch in Israel nicht einmal schaffte, sich dort mit dem Regierungschef Benjamin Netanjahu zu treffen, hätte freilich besser geschwiegen. Denn mit ihrem Statement bekennt Angela Merkel sich de facto nicht zu Israel oder einer »2-Staaten-Lösung«, sondern zu einer Herrschaft des Terrors.

Während Donald J. Trump, der Präsident der Vereinigten Staaten, mit seinen Worten klar zum Ausdruck brachte, daß die Entscheidung darüber, ob und in welchen Grenzen Jerusalem Hauptstadt Israels sein darf oder nicht, nicht länger von den Launen »palästinensischer« oder islamistischer Terroristen abhängen sollte, plädiert Angela Merkel letztlich für ein Vetorecht für diese Terroristen.

Gewiß, Angela Merkel ist mit ihrer Haltung nicht allein. Zahlreiche Staaten positionierten sich ähnlich wie sie. Das macht ihre Äußerung aber nicht weniger falsch. Denn offenkundig hat die deutsche Kanzlerin überhört oder überhören wollen, daß der US-Präsident sich eigentlich unüberhörbar für eine Verhandlungslösung im Konflikt zwischen Israel und »Palästinensern« ausgesprochen hat.

Antisemitische Vernichtungsphantasie in der amtlichen »palästinensischen« Zeitung Al-Hayat Al-Jadida

Und sie wollte offenbar auch nicht wahrnehmen, daß Donald J. Trump Statusfragen ganz ausdrücklich nicht für unverhandelbar erklärte. Es ist diese Arroganz, diese Weigerung, genauer hinzuhören, die entsetzt. Mit ihrer prompten Verurteilung der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten signalisiert auch Angela Merkel Terroristen ihre bereitwillige Unterwerfung unter deren Willen.

Statt sich – wie etwa die Tschechische Republik oder, schon seit längerem, Rußland – zumindest dazu zu bekennen, daß sie Jerusalem in den »Grenzen von 1967« als Hauptstadt Israels betrachtet, verweigert Angela Merkel dem jüdischen Staat selbst hier die Anerkennung seiner Souveränität. Beschädigte ihr Sigmar Gabriel die deutsch-israelischen Beziehungen, hat sie sie endgültig ruiniert.

Absage an Barbarei

In Telefonaten mit den betroffenen Regierungen und Regimes sowie wichtigen Mächten in der Region, darunter, wie ein empörter Sigmar Gabriel am Dienstag beklagte, nicht Deutschland, hat der amerikanische Präsident Donald J. Trump angekündigt, Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen und die US-Botschaft in dem jüdischen Staat von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen zu wollen.

Ohne freilich zu erläutern, ob davon ganz Jerusalem betroffen sein wird und wann der Botschaftsumzug konkret abgeschlossen sein soll, hält sich der Neuigkeitswert der Ankündigung aus Washington in Grenzen. Bereits am 2. Juni, vor sechs Monaten also, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses, die Ansiedlung der US-Botschaft in Jerusalem sei allein eine Frage des Zeitpunkts.

Obschon sich also tatsächlich auf absehbare Zeit wenig ändern dürfte, ist die Aufregung vor allem der »Palästinenserführung« groß, so groß, daß sogar Abdallah Frangi wieder in deutschen Medien auftreten darf, der von Ramallah eingesetzte »Gouverneur von Gaza«. Im Deutschlandfunk »warnte« er vor »unberechenbaren Reaktionen«, welche die Region »auf den Kopf« stellen würden.

Ganz ähnlich hatten auch in den vergangenen Tagen andere (selbsterklärte) Repräsentanten der »Palästinenser« vor Gewalt »gewarnt«, als seien sie bloß passive Beobachter der Geschehnisse. Es wäre allerdings richtiger, von Drohungen zu sprechen, denn von »Warnungen«. Die nämlich, die da angeblich »warnen«, sind nämlich in der Tat gleichzeitig Täter, Verbrecher, die auf Gewalt setzen.

Exemplarisch deutlich macht das der Karikaturist der amtlichen Tageszeitung des Regimes in Ramallah, Mohammad Sabaaneh, mit seinem aktuellen gezeichneten Leitartikel. Der amerikanische Präsident Donald J. Trump wird in dieser antisemitischen Zeichnung dargestellt als ein Chamäleon, das sich immer weiter jüdischen Vorgaben anpasse. Und Juden werden hier mit Gewalt assoziiert.

Diese Karikatur im offiziellen Sprachrohr Ramallahs ist Hetze, sie dämonisiert und verleumdet Juden, Israel und die Vereinigten Staaten gleichermaßen. Sie ist zugleich ein Aufruf zu Gewalt, denn eine andere Sprache, suggeriert die Zeichnung, verstünden weder Juden noch das »judaisierte« Amerika. Jene Gewalt, vor der die »Palästinenserführung« »warnt«, ist die, die sie selbst bestellt.

Und damit ist auch alles gesagt über all die Bedenkenträger, die nun meinen, dem amerikanischen Präsidenten vorwerfen zu mssen, er betreibe eine gefährliche Politik, gieße Öl ins Feuer. Sie stellen sich damit an die Seite jener, die mit Gewalt drohen, die gleichwohl ihr Alltagsgeschäft ist und daher doch keinen besonderen Anlaß braucht, jener die jetzt »Tage des Aufruhrs« ausgerufen haben.

Dabei ist für Israel jeder Tag ein »Tag des Aufruhrs«. Seit beinahe sieben Jahrzehnten muß es jeden Tag seinen Feinden widerstehen, wird es doch, werden seine Bürger täglich bedroht und angegriffen. Die Vereinigten Staaten sind dabei, die Komplizenschaft mit den Angreifern zu beenden, spät und zu langsam, aber immerhin. Der Rest der Welt ist noch immer entschlossen, an ihr festzuhalten.

Kollektivversagen

In der vergangenen Woche hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York eine ganze Reihe von Resolutionen beschlossen, die auf vielerlei Art Israel angreifen. Leistete die Weltorganisation einst einen kaum zu unterschätzenden Beitrag zur Wiedergründung des jüdischen Staats, ist sie längst ein Werkzeug derer, die ihn seit nunmehr beinahe siebzig Jahren vernichtet sehen wollen.

Während den offenen Feinden Israels jedenfalls ihre Ehrlichkeit kaum vorzuwerfen ist, zeigen in den Gremien der Vereinten Nationen freilich auch die angeblichen Freunde der einzigen Demokratie im Nahen Osten, was von ihnen tatsächlich zu halten ist, wenn etwa die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nahezu geschlossen für antiisraelische Resolutionen stimmen oder sich enthalten.

So geschah es am vergangenen Donnerstag, als die UN-Vollversammlung auf ihre Weise den »Tag der internationalen Solidarität mit dem palästinensischen Volk« beging. Einer Resolution, die jeden israelischen Anspruch auf Jerusalem leugnet, konnten weder die Vertreter Deutschlands noch die der anderen EU-Staaten widerstehen. Nicht einmal eine Enthaltung schien ihnen hier angemessen.

Dazu immerhin durchringen konnten sie sich bei einer anderen Resolution, die die israelische Besatzung der Golanhöhen verurteilt und deren Rückgabe an Syrien fordert, an jenes Regime, das nicht davor zurückschreckt, mit Giftgas gegen die »eigene« Bevölkerung vorzugehen, das ganze Städte auszuhungern versucht. Von den Europäern lehnte einzig Großbritannien diesen Beschluß klar ab.

Übten sie zwar Kritik an Details der Resolutionen – etwa daran, daß in ihnen von einem »Palästina« als Staat die Rede ist –, änderte auch das nichts am Abstimmungsverhalten der Europäer, das nicht zuletzt deshalb so entlarvend ist: Ihnen konnte, ihnen mußte bewußt sein, zu wessen Komplizen sie ihre rückgratlosen Voten machen. Die »Wertegemeinschaft« Europäische Union ist eine Schande.

Europäische Gastfreundschaft

In der ersten Hälfte eines jeden Monats treffen sich die Außenminister der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, um unter der Leitung von Federica Mogherini, der Hohen Außenbeauftragten der EU, außenpolitische Fragen zu diskutieren. Wenn sich die europäischen Außenminister im Dezember in Brüssel treffen, erwarten sie als Gast den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu.

Das Zustandekommen dieses Besuchs war wohl eher ein »Unfall«. Zunächst, scheint es, hatte Linas Antanas Linkevičius den israelischen Politiker zu einem Frühstück vor dem eigentlichen Außenministertreffen eingeladen. Da es aber einem Affront gliche, den Gast dann nicht zu der Zusammenkunft zu bitten, rang sich eine »erzürnte« Federica Mogherini noch eine förmliche Einladung ab.

Besonders erfreut über die Gelegenheit mit dem Repräsentanten eines Staates zu sprechen, als dessen engste Verbündete oder gar Freunde sich die Europäer oft darstellen, scheinen sie jedenfalls nicht zu sein. Von Diplomaten ist die Rede, die sich echauffierten, Benjamin Netanjahu habe sich selbst eingeladen, sie quasi übertölpelt. Andere wiederum wollen dem Gast »ernste Fragen« stellen.

Sollte der israelische Premier, der nebenbei auch als Außenminister seines Landes fungiert, tatsächlich nach Brüssel reisen, bemüht Europa sich redlich, ihm schon vor der Ankunft zu zeigen, daß er eigentlich nicht willkommen ist, daß man ihn allenfalls dulden werde. Er wird nicht auf Freunde treffen, nicht auf Verbündete, sondern auf Gastgeber, die ihm mehrheitlich feindselig gesinnt sind.

Kündigt der israelische Premierminister an, er wolle die Europäer daran erinnern, daß Israel mit ihnen gemeinsame Werte teile, daß die Europäer von israelischem Know How nicht zuletzt im Kampf gegen Terrorismus profitieren könne, dürfte er, der als Freund kommt, damit abblitzen. Schon kündigten sie an, den Terrorpaten Abu Mazen einladen zu wollen, einen wahren Freund unter Freunden.

Differenzierer

Nach dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) haben weitere Sender der öffentlich-rechtlichen ARD die Zusammenarbeit mit Roger Waters beendet, dessen Auftritte im nächsten Jahr in Deutschland sie »präsentieren« wollten. Marek Lieberberg, der Veranstalter der Konzerte, hält die Entscheidung der Anstalten für »absolut lächerlich«, wie er in einem Interview dem Mannheimer Morgen verriet.

Zwar vertrete Roger Waters »eine bedenkliche private Meinung zu Israel« und sei »ganz offen Mitglied einer Boykottbewegung«, doch will Marek Lieberberg »ihm sein Recht auf Meinungsfreiheit nicht bestreiten«. Zudem müßten »künstlerische Arbeit« und »persönliche Meinung« Roger Water’ getrennt betrachtet werden. »Der Kanon von Roger Waters und Pink Floyd ist und bleibt genial«.

Der Konzertveranstalter, der durchaus um »den deutlich sichtbaren, wachsenden Antisemitismus in der Gesellschaft dieses Landes« weiß, fordert damit etwas für Roger Waters ein, was dieser anderen Künstlern spätestens dann in öffentlich geführten Auseinandersetzungen nicht zuzubilligen bereit ist, wenn sie Auftritte in Israel ankündigen: die Trennung von künstlerischem Wirken und Politik.

Und das gilt auch für die extremistische BDS-Bewegung, deren wohl prominentester Vertreter Roger Waters ist. Ob es um Kultur geht, um Wissenschaft, um Wirtschaft oder ganz einfache persönliche Kontakte – für sie ist ein Repräsentant der israelischen Regierung, wer aus Israel kommt oder Jude ist, erklärt sich zu ihrem Anhänger, wer nach Israel reist. BDS steht für den totalen Boykott.

Weshalb sollte also der Musiker Roger Waters anders behandelt werden als der antisemitische Aktivist Roger Waters? Wäre der Aktivist Roger Waters noch so wertvoll für die BDS-Bewegung, wäre da nicht noch die eben gar nicht »unschuldige« Musik Roger Waters’? Wenn Roger Waters nicht bereit ist, etwa Alan Parsons »einfach nur Musik« in Israel machen zu lassen, ist er immer Aktivist.

Irgendwie scheint selbst Marek Lieberberg das zu ahnen. Denn wenn er den Sendern vorschlägt, »vor allen Beiträgen über Luther oder Wagner-Aufführungen auf die teilweise blutrünstigen antisemitischen Theorien dieser Herrn [sic!]« hinzuweisen, klingt das nicht einmal unvernünftig. Als Veranstalter könnte er ein Beispiel geben und Roger Waters als den Antisemiten vorstellen, der der ist.

Beitragsfinanzierter Antisemitismus

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) nimmt, scheint’s, Abstand von seiner geplanten Kooperation mit dem BDS-Aktivisten Roger Waters. Der ehemalige Pink Floyd-Musiker wird 2018 für Konzerte im Rahmen seiner »Us + Them«-Tour in Berlin, Hamburg, Köln, Mannheim und München gastieren. Der WDR hatte vor, das Konzert in Köln zu unterstützen. Dazu wird es nun nicht kommen.

Tom Buhrow, der Intendant des WDR, reagierte am Wochenende auf Proteste gegen die Unterstützung des öffentlich-rechtlichen Senders für Roger Waters und teilte der Initiatorin einer Petition gegen die Kooperation in einer privaten Nachricht mit, »die Zusammenarbeit für das Konzert ist beendet«. Damit wird der WDR das Konzert wohl nicht mehr bewerben und es nicht »präsentieren«.

Hätte der Sender sich nie dazu hinreißen lassen dürfen, einen Künstler zu unterstützen, der sich als Aktivist gegen Israel versteht und als inoffizieller Sprecher einer extremistischen Boykottbewegung gegen den jüdischen Staat, ist die späte Einsicht Tom Buhrows zwar zu begrüßen. Sie ist aber zugleich bestenfalls ein Teilerfolg für die Proteste gegen die Unterstützung des Boykott-Aktivisten.

So gibt sich Tom Buhrow in seiner Nachricht »berührt« von den Protesten, räumt jedoch keinen Fehler ein. Schwerer aber wiegt, daß noch weitere öffentlich-rechtliche Sender Auftritte Roger Waters’ in ihrem jeweiligen Sendegebiet voller Begeisterung »präsentieren« wollen: der Bayerische Rundfunk (BR), der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) sowie der Südwestrundfunk (SWR).

Dabei sind ihnen die »politischen« Ansichten und Aktivitäten ihres Partners durchaus nicht unbekannt. Den antisemitischen Charakter der BDS-Bewegung, deren prominentester Protagonist Roger Waters ist, ignorieren sie. Wo Antisemitismus unübersehbar ist, wollen sie indes nicht etwa nur wegschauen, sondern sogar ihr Logo anbringen – so machen sie Antisemitismus gesellschaftsfähig.

Eingestellt

Vor gut zwei Wochen ehrte der Verein Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V. eine Schülerin aus der sächsischen Hauptstadt Dresden mit seinem Preis für Zivilcourage. Die Fünfzehnjährige hatte sich gegen antisemitische Sprüche an ihrer Schule zur gewehrt und einen besonders eifrigen Hetzer bei der Polizei angezeigt, nachdem ihr Protest bei Lehrern auf taube Ohren gestoßen war.

Wie jetzt die Frankfurter Rundschau auf Nachfrage erfuhr, bleiben die judenfeindlichen »Scherze« folgenlos. Die Staatsanwaltschaft Dresden habe die Ermittlungen gegen den angezeigten Schüler nach »der Durchführung von erzieherischen Maßnahmen durch die Eltern sowie durch Staatsanwaltschaft und Polizei« eingestellt, über deren Natur die Behörden freilich keine Angaben machten.

Anfang November hieß es, der Jugendliche habe – aus anderen Gründen – die Klasse gewechselt. Das Klima an der Schule sei indes kaum verändert, berichtete das Mädchen damals, die Sprüche würden nun nur etwas leiser gemacht. Selbst wenn ihr womöglich nur die Verfahrenseinstellung blieb, dokumentiert die Entscheidung der Staatsanwaltschaft fortgesetztes Behördenversagen.

Spätestens seit der Anzeige des Mädchens ist bekannt, welches Klima an der Schule herrscht. Und dennoch scheint keine Behörde es eilig zu haben, etwas an den Zuständen zu ändern. Lehrer scheinen nicht einschreiten zu können oder zu wollen, machen ihre Schüler sich über Opfer des Holocaust lustig, doch auch die zuständige Politik duckt sich weg. Das war, ist – und bleibt – skandalös.

Volkes Stimme

Was machen aufrechte Retter von Abend- und Vaterland an einem Tag, an dem wenigstens ein paar zivilisierte Menschen an den 9. November 1938 erinnern, jenen Tag, über den Joseph Goebbels notierte: »Bravo! Bravo! In allen großen Städten brennen die Synagogen. [..] Die Juden sollen einmal den Volkszorn zu verspüren bekommen.«? Sie erklären Juden, daß »es reicht«, und zwar »absolut«:

»Die Penetranz, mit welcher der Zentralrat der Juden fortlaufend das gräßliche Schicksal der Juden während des Dritten Reiches in den Vordergrund schiebt, ist ein Schlag ins Gesicht aller anderen Opfer von Massenmord, die es gegeben hat und immer noch gibt.«

Zwar nämlich hat der Autor dieser empörten Zeilen »kein Problem mit Juden«. Aber beim Gedanken an den Zentralrat, da kommt ihm dann doch ein Verdacht: »Je mehr Zeit verstreicht, desto offensichtlicher wird, was den Zentralrat der Juden tatsächlich treibt: Die Perpetuierung deutschen Schuldbewußtseins den Juden gegenüber.« Und das kann nicht sein, »da mache ich nicht mehr mit«.

Die deutsche Jugend, wenigstens die, möchte der Autor retten. Es könne »nicht mehr darum gehen, künftigen Generationen einzureden, sie als Deutsche hätten exclusiv eine besondere Verantwortung aus ihrer Geschichte.« Denn es werde ja noch immer gemordet, nicht mehr jedoch in Deutschland. Und daher müsse endlich Schluß damit sein, »deutsches Schuldbewußtsein zu perpetuieren«.

Derlei Geschwätz, das den präzedenzlosen Charakter des Holocaust leugnet, damit das Verbrechen verharmlost, kann 72 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland von einem Verein Journalistenwatch e.V. publiziert werden, der als gemeinnützig gilt, aber gleichzeitig eine deutliche inhaltliche Nähe zur Alternative für Deutschland (AfD) kaum glaubhaft verleugnen kann.

Und leider wird der »Verein für Medienkritik und Gegenöffentlichkeit« auch von einer Institution gefördert, der man das nicht unbedingt zutraut, dem Middle East Forum (MEF), das für sich beansprucht, für amerikanische Interessen zu werben. Es fällt schwer, daran zu glauben, werden so doch gerade auch die Verdienste alliierter Soldaten im Kampf gegen die deutsche Barbarei verleugnet.

Demokratiewächter

In Deutschland, heißt es oft in freilich schnell wieder vergessenen Sonntagsreden, sei kein Platz für Antisemitismus. Gerade hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – ausgerechnet – bei einem Treffen mit Überlebenden des Holocaust zu »Wachsamkeit gegenüber antisemitischen und rechtsextremen Strömungen« aufgerufen. Doch auch diese mahnenden Worte werden wohl wenig bewirken.

Beispielhaft deutlich wird das gegenwärtig beim Umgang einer Branche, die für sich beansprucht, einen schier unverzichtbaren »Beitrag zur Funktionsfähigkeit der Gesellschaft« zu leisten, mit Roger Waters, einem prominenten Aushängeschild der weltweit aktiven extremistischen BDS-Bewegung. Begeistert präsentieren Sender der ARD einige Konzerte des antisemitischen Aktivisten.

Planen Künstler, in Israel aufzutreten, dauert es nicht lange, bis Roger Waters sie dafür öffentlich anklagt und so versucht, Druck auf sie auszuüben, ihr Vorhaben zu überdenken und Konzerte abzusagen. Mit Auftritten im jüdischen Staat, behauptet Roger Waters in seinen Briefen, würden sie sich automatisch mit einer Politik solidarisieren, die Leid und Verderben über »Palästinenser« brächte.

Und dabei läßt sich der Boykott-Aktivist auch nicht etwa von dem Einwand beeindrucken, daß Musik und Politik nicht zwangsläufig etwas miteinander zu tun haben müssen. Für Roger Waters gibt es wie für die Bewegung, der er so gern den Sprecher macht, da keinerlei Trennung. Der Boykott Israels muß für sie total sein und zum Beispiel auch auf kulturellem Gebiet durchgesetzt werden.

Wer Roger Waters, der in seinen Konzerten auch auf antisemitische Symbolik setzt, als »Musiker« präsentiert, also nicht zuletzt finanziell unterstützt, der unterstützt nach dessen eigenen Maßstäben auch den Aktivisten Roger Waters und damit die BDS-Bewegung, die sich selbst dann nicht von ihren Anhängern distanzieren will, krakeelen die in aller Deutlichkeit, sie wollten Juden umbringen.

Es ist daher durch nichts zu rechtfertigen, unterstützen öffentlich-rechtliche Sender Auftritte Roger Waters’ in Deutschland, indem sie für sie werben, indem sie sicher nicht eben geringe Geldbeträge dafür zahlen, daß sie überhaupt stattfinden können. Antisemitismus, und dafür steht Roger Waters als Repräsentant der BDS-Bewegung, ist nämlich kein notwendiger Bestandteil von Demokratie.

Petition »Kein Support des Antisemiten Roger Waters durch öffentliche Gelder des WDR«

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